Endoprothese: Gelenkersatz für den Ernstfall

Endoprothese: Gelenkersatz für den Ernstfall

Endoprothesen ersetzen schmerzende Gelenke. Wir erklären, wann ein künstliches Gelenk hilft und wie der Alltag damit aussieht.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
29.08.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei degenerativen Gelenkerkrankungen wie Arthrose kann eine Endoprothese das schmerzende Gelenk ersetzen.
  • In einem chirurgischen Eingriff legt der Arzt das betroffene Gelenk frei und implantiert das künstliche.
  • Nach der Genesung und Rehabilitation ist man im Alltag wieder mobil, sollte aber Überlastung vermeiden.

Der Mensch ist darauf ausgelegt, sich regelmäßig und ausgiebig zu bewegen. Dabei kommt es wie bei so vielen Dingen auf die richtige Balance an: Ungenügende Bewegung kann genauso schädlich sein wie übermäßige Belastung. Gelenkerkrankungen entwickeln sich häufig über einen längeren Zeitraum. Werden sie akut, verursachen sie häufig große Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in den betroffenen Gelenken. Am häufigsten betrifft das Hüfte und Knie: Sie unterliegen im Alltag häufig der größten Beanspruchung. Seit einigen Jahrzehnten ist es möglich, schmerzende und verschlissene Gelenke durch künstliche Gelenke auszutauschen.

Man spricht bei einem solchen künstlichen Gelenk auch von einer Endoprothese. Was eine solche Endoprothese ausmacht, warum und unter welchen Voraussetzungen sie eingesetzt werden kann, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Was ist eine Endoprothese?

Bei der Endoprothese handelt es sich um einen künstlichen Gelenkersatz, der am häufigsten als Austausch für irreversibel geschädigte Gelenke an Hüfte und Knie zum Einsatz kommt, etwa im Rahmen einer Hüft-OP oder eine Knie-OP, aber auch bei Schulter- und Sprunggelenken. Die Endoprothese, auch geschlossenes Implantat genannt, ist vollständig von Körpergewebe umgeben.

Eine Endoprothese ähnelt in Aufbau und Elementen dem echten Gelenk, um dieses so exakt wie möglich zu ersetzen. Endoprothesen bestehen aus mehreren Elementen, die sich beispielsweise in Verankerung, Funktion und Beweglichkeit unterscheiden. Damit lässt sich ein künstliches Gelenk auch individuell an jeden Patienten anpassen. Vor allem soll es auf diese Weise nur in geringem Maße in die Statik und natürliche Stellung des Körpers eingreifen. Zum Einsatz kommen dabei geprüfte und zertifizierte Materialien wie Metall, Kunststoff und Keramik. Sie sind stabil und lassen nur geringfügigen Abrieb zu. Bei normaler Belastung können Endoprothesen auf diese Weise eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 15 Jahren erreichen.

Wann kommt eine Endoprothese zum Einsatz?

Nicht von ungefähr sprechen wir umgangssprachlich vom Bewegungsapparat; eine schier unfassbare Zahl von Gelenken, Muskeln und Bändern verbindet unser Knochengerüst miteinander und stabilisiert unsere Körperhaltung. Doch die Leistungsfähigkeit hat auch ihren Tücken: Durch dauerhafte, jahrelange Belastung, Sport, schwere körperliche Arbeit oder Erkrankungen wie Arthrose verschleißt unser Knochengerüst, und es entstehen mit der Zeit Schmerzen in den Gelenken. Dieser Gelenkverschleiß ist nicht umkehrbar.

Wer damit zum Arzt geht, ist nicht allein. Entwicklungsbiologisch ist der menschliche Bewegungsapparat für eine Lebensdauer von etwa 35 bis 40 Jahren ausgelegt. Kein Wunder also, dass rund 20 Prozent der Deutschen bereits zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr von Gelenkschmerzen betroffen sind. Als letzte Maßnahme kommt häufig nur noch eine Operation infrage, wenn alle konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind. Heutzutage können Betroffene durch Endoprothesen ein großes Stück Lebensqualität zurückgewinnen und dabei weiterhin mobil sein.

Wie wird die Endoprothese im Körper implantiert?

Der Einsatz eines künstlichen Gelenks ist immer mit einem chirurgischen Eingriff verbunden, der den menschlichen Organismus belastet. Ausführliche Aufklärungsgespräche und Voruntersuchungen machen die Operation allerdings mittlerweile zu einem Routineeingriff mit einem geringen Risiko, dass Komplikationen auftreten. Trotz verhältnismäßig geringer Risiken bei Operationen ist das Aufsetzen von wichtigen Vorsorgedokumenten wie der Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht empfehlenswert vor einem operativen Eingriff.

Während es für künstliche Schultergelenke unvermeidbar ist, den Patienten in Vollnarkose zu versetzen, kann bei der Hüft- oder Knie-OP auch eine sog. Spinalanästhesie ausreichend sein. Bei dieser Form der örtlichen Betäubung werden lediglich die Rückenmarksnerven betäubt, während der Patient bei Bewusstsein ist. Der Vorteil: Auf diese Weise kommen weniger belastende Medikamente zum Einsatz als bei der Vollnarkose.

Zunächst nimmt der Operateur einen Schnitt in die Haut in der Nähe des betroffenen Gelenks vor. Danach verschafft er sich Zugang zum Gelenk, indem er die Muskulatur beiseiteschiebt und die Gelenkkapsel öffnet. Mit Raspeln, Sägen und Fräsen bereitet er die umgebenden Knochen für die Endoprothese vor und überprüft mit einem Probeimplantat die Beweglichkeit und Stabilität des Gelenks. Abhängig vom Gelenk und der Knochensubstanz des Patienten befestigt der Operateur die Prothesenteile an den Knochen und überprüft den korrekten Sitz. Im Anschluss an ein Röntgenbild vernäht er die Wunde und legt einen Verband an.

Wie sieht der Alltag mit einer Endoprothese aus?

Das künstliche Gelenk ist direkt nach der Operation einsatzbereit und belastbar. Um die Wundheilung jedoch nicht zu gefährden, läuft der Patient in der ersten Zeit noch mit Gehhilfen. Durch eine physiotherapeutische Nachbehandlung wird die Beweglichkeit des Gelenks trainiert und die Muskulatur aufgebaut. Außerdem erlernt der Patient, wie er sich gelenkschonend im Alltag verhalten kann und welche Bewegungen für das künstliche Gelenk gefährlich sind. Nach etwa sechs Wochen ist das Gelenk stabil in das Gewebe eingewachsen und der Patient bzw. die Patientin kann in Absprache mit dem Arzt mit geeigneten Sportarten beginnen. Dazu gehören zum Beispiel Spaziergänge, Schwimmen und Radfahren. Sportarten mit schnellen Tempo- und Richtungswechseln wie Fußball oder Tennis müssen hingegen fortan konsequent vermieden werden, denn bei ruckartiger, schwerer Belastung könnten sich Elemente der Endoprothese lockern. Zur Nachsorge gehören regelmäßige Arztbesuche im Abstand von etwa ein bis zwei Jahren, bei denen der Sitz des künstlichen Gelenks überprüft wird.