Gallenblasen-OP: Wenn die Gallenblase entzündet ist

Gallenblasen-OP: Wenn die Gallenblase entzündet ist

Gallensteine, Cholangitis oder Cholezystitis - Erkrankungen an der Gallenblase lösen starke Schmerzen aus. Alles Wissenswerte bei Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
18.09.2019

Speck und Eier zum Frühstück, ein Burger in der Mittagspause, und wenn abends spontan die Freunde vorbeikommen, bleibt der Salat im Kühlschrank und es gibt Pizza vom Lieferdienst. Mit solch einer Ernährung muten wir unserer Verdauung so einiges zu, allen voran der Gallenblase, die für die Verdauung von Fetten zuständig ist. Durch genetische Vorbelastung und eine ungesunde Ernährung kann sie sich entzünden, was sich durch extreme Schmerzen äußert. Informationen zu den Ursachen für eine Gallenblasenentfernung und wann eine Operation unumgänglich ist, erfahren Sie bei uns im Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Gallenblase ist verantwortlich für die Fettverdauung. Durch Erkrankungen kann sie sich entzünden und starke Schmerzen im rechten Oberbauch auslösen.
  • In den meisten Fällen sind Gallensteine die Ursache, die den Abfluss der Gallenflüssigkeit verhindern.
  • Die Standardtherapie ist die Cholezystektomie, sprich die operative Entfernung der Gallenblase.
  • Betroffene sollten jeden operativen Eingriff mit Vorsorgedokumenten absichern.
3D Illustration Gallenblase

Welche Aufgabe hat die Gallenblase?

Die Gallenblase itzt unterhalb der Leber im rechten Oberbauch und wird fälschlicherweise oft als Galle bezeichnet. Stattdessen ist sie ein sog. Hohlorgan und speichert die von der Leber produzierte Flüssigkeit namens Galle. Nehmen wir fettreiche Nahrung zu uns, dann gelangt diese vom Magen in den Dünndarm. Im Dünndarm regen Fette die Bildung des Hormons Cholecystokinin an, was wiederum dazu führt, dass sich die Gallenblase zusammenzieht. Dadurch gibt sie Gallenflüssigkeit über den Gallengang in den Darm ab, der die Flüssigkeit für die Verdauung der Fette benötigt.

Die Gallenflüssigkeit selbst hat eine gelbe bis dunkelgrüne Farbe und besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich unter anderem auf Gallensäure, Eiweiße und Hormone. Bei der Abgabe in den Zwölffingerdarm aktiviert die Galle Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse und dem Dünndarm, die die Fette emulgieren können. Mit diesen Spaltprodukten kann sich die Gallensäure verbinden und dafür sorgen, dass der Körper diese ausscheidet.

Insgesamt 0,5 bis ein Liter Gallenflüssigkeit produziert die Leber täglich, wobei die Gallenblase etwa 30 bis 50 Kubikzentimeter Flüssigkeit aufnehmen und speichern kann.

Welche Faktoren können Erkrankungen begünstigen?

Unabhängig um welche Erkrankung es sich handelt: Das größte Risiko ist ein ungesunder Lebensstil mit Übergewicht und Bewegungsmangel. Eine cholesterinreiche, ballaststoffarme Ernährung sowie wenig Bewegung sorgen dafür, dass Speisebrei nur langsam den Darm passiert und der Körper viel Cholesterin aufnimmt. Ist die Gallenflüssigkeit mit Cholesterin übersättigt, dann kristallisiert Cholesterin und es bilden sich Gallensteine. Wer jetzt vom Sofa auf das Laufband hüpft, sollte es allerdings nicht übertreiben. Laut Ärzten kann auch eine rasche Gewichtsabnahme sowie Fasten ein Gallensteinleiden begünstigen. Durch den Mangel an Essen leert sich die Gallenblase zu selten und die Galle dickt ein. Das Risiko dafür steigt ab einer wöchentlichen Gewichtsabnahme von 1,5 Kilogramm.

Experten gehen davon aus, dass Umweltfaktoren etwa drei Viertel der Steinbildungen begünstigen. Nur ein Viertel sind genetisch bedingt, wobei sich vor allem weibliche Hormone negativ auf die Balance zwischen Gallenflüssigkeit und Cholesterin auswirken können. Die größte Risikogruppe bilden demnach hellhäutige Frauen ab vierzig Jahren, die Schwangerschaften hinter sich haben und unter Übergewicht leiden.

Durch das häufige Vorkommen von Steinen und dadurch ausgelöste Entzündungen sprechen Experten mittlerweile schon von einer Zivilisationskrankheit. Das zeigt auch die Operationsstatistik von 2017. Diese verzeichnet über 200.000 Cholezystektomien (Gallenblasenentfernungen) sowie rund 275.000 endoskopische Operationen an den Gallengängen. Doch auch wenn diese Eingriffe zu den häufigsten durchgeführten in der Viszeralchirurgie gehören, empfiehlt sich ein gesundes Maß an Vorsorge.

Alles, was Sie für Ihren Krankenhausaufenthalt vorbereiten sollten erfahren Sie mit unserer Checkliste Krankenhausaufenthalt. Vollständig auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie Ihre Behandlung mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht flankieren.

Welche Erkrankungen können rund um die Gallenblase auftreten?

Gallensteine

Am bekanntesten sind die sog. Gallensteine, die allerdings nicht immer zu Symptomen führen müssen; viele Menschen bekommen die Diagnose auch als Zufallsbefund. Dabei handelt es sich um kristallisiertes Cholesterin, welches die Gallengänge verstopfen kann. Dadurch fließt die Gallenflüssigkeit nicht mehr ab und staut sich in der Gallenblase. Der Körper reagiert mit krampfartigen Schmerzen – ein Versuch, die Blockierung loszuwerden. Die Schmerzen können auch in die rechte Schulter und den Rücken ausstrahlen und von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Charakteristisch ist eine Dauer der Schmerzen von mindestens 15 Minuten, danach fühlen sich Betroffene schlagartig besser. Meistens kommen die Schmerzen jedoch wieder und sollten vom Arzt abgeklärt werden, da andere Erkrankungen ähnliche Symptome hervorrufen können.

Entzündung der Gallenwege

Der Auslöser für eine sog. Cholangitis, eine Gallengangsentzündung, können Gallensteine und Bakterien sein. Ist der Ausgang von den Gallenwegen zum Darm verstopft, kann die Galle nicht ablaufen und staut sich. Dadurch kann eine lokale Besiedelung durch Bakterien erfolgen, die eine eitrige Entzündung auslösen können. Die Symptome reichen von krampfartigen Schmerzen, über gelbe Haut bis hin zu Übelkeit und Erbrechen; Betroffene klagen zudem über Fieber und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.

Gallenblasenentzündung

In etwa 90 Prozent der Fälle sind Gallensteine die Ursache für eine Cholezystitis, also eine Entzündung des gesamten Organs. Die Symptome ähneln denen einer Gallengangsentzündung, wobei die Schmerzen im Magen beginnen und allmählich in den rechten Oberbauch wandern. Sie sind krampfartig und strahlen in die rechte Körperhälfte aus; durch Druck können sie verstärkt werden. Neben Übelkeit und Erbrechen tritt auch Appetitlosigkeit auf. Sind die Gallenwege auch entzündlich verändert, dann kommt es zudem zur Gelbfärbung der Augenbindehaut und bei Fortschreiten der Krankheit zur Gelbfärbung der Haut. Das liegt am Farbstoff Bilirubin, der beim Abbau ausgedienter roter Blutkörperchen entsteht und normalerweise beim Toilettengang ausgeschieden wird. Stattdessen staut sich Bilirubin in der Gallenblase und Gelbsucht entsteht.

Welche Methoden zur Diagnose gibt es?

In den meisten Fällen lösen Gallensteine entzündliche Prozesse an Gallenblase und -wegen aus. Therapiemaßnahmen zielen deshalb darauf ab, diese zu entfernen, damit die Gallenflüssigkeit abfließen kann. Das wichtigste bildgebende Verfahren zur Lokalisation und Größenbestimmung ist die Ultraschalluntersuchung, auch bekannt als Sonografie. Damit kann der Arzt Gallensteine darstellen, die größer als 5 Millimeter sind. Außerdem kann er durch diese Untersuchungsmethode überprüfen, ob entzündliche Veränderungen vorliegen, denn bei einer Gallenblasenentzündung ist beispielsweise die Gallenblasenwand verdickt.

Lässt sich mithilfe einer Sonografie das Vorliegen von Gallensteinen nicht einwandfrei bestimmen, kann der Arzt auch eine Endosonografie anordnen. Dabei führt er einen Schlauch mit Ultraschallkopf über die Speiseröhre in den Magen ein. Über die Wand des Zwölffingerdarms, in den Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang münden, kann er Gallengangssteine gut darstellen. Auch mithilfe einer Magnetresonanztherapie lassen sich die Gallenwege gut untersuchen.

Welche Therapiemöglichkeiten können die Beschwerden lindern?

Grundsätzlich ist eine Operation nur bei klar definierten Beschwerden sinnvoll, da dieser den Organismus belastet. Leiden Patienten unter einer Kolik mit krampfartigen Bauchschmerzen und womöglich schon entzündlichen Veränderungen der Gallenblase, ist die Gallenblasenentfernung erstes Mittel der Wahl, denn dadurch lässt sich auch für die Zukunft die erneute Steinbildung vermeiden. Bei vielen Menschen kann die Cholezystektomie auch ambulant durchgeführt werden, sodass sie nicht lange im Krankenhaus bleiben müssen.

Behindern Gallensteine den Abfluss der Galle, aber es ist noch nicht die gesamte Gallenblase entzündet, dann besteht auch die Möglichkeit, erst einmal nur die Gallensteine operativ zu entfernen, damit die Galle abfließen kann. Dazu führt der Operateur ein Endoskop über die Speiseröhre in den Magen ein. Am Zwölffingerdarm mündet der Gallengang in den Darm; dort befinden sich in der Regel die Gallensteine. Über das Endoskop kann der Operateur diese entfernen, sodass die Galle wieder in den Darm gelangt. Je nach Patient und Abflusshindernis können jedoch weitere Schritte wie die Entfernung der Gallenblase nötig sein.

Frühere Verfahren wie etwa die Gabe von Medikamenten zur Auflösung der Steine wenden Mediziner nur in Ausnahmefällen an. Das liegt an der langen Einnahmedauer und hohen Rückfallquote, sodass sich eine Operation langfristig nicht vermeiden lässt. Patienten erholen sich vergleichsweise schnell, da der Eingriff minimalinvasiv durchgeführt wird. Anstatt den Bauchraum über einen großen Hautschnitt zu öffnen, setzt der Operateur mehrere kleine Schnitte, die oft nur wenige Millimeter groß sind. Darüber kann er Kamera und Werkzeuge in den Bauchraum einführen und verletzt so möglichst wenig Gewebe im Bauchraum. Die gute Nachricht: Auch ohne das Organ zur Fettverdauung können wir das Leben genießen.

Lassen sich solche Erkrankungen vermeiden?

Auch wenn minimalinvasive Operationstechniken den menschlichen Organismus so wenig wie möglich belasten, kann es dennoch vereinzelt zu Risiken und Komplikationen bei Operationen kommen. Ein gesunder Lebensstil ist zwar noch keine Garantie dafür, niemals an der Gallenblase zu erkranken, doch er wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Eine ausgewogene, fettarme und ballaststoffreiche Ernährung unterstützt den Darm bei der Verdauung und gibt Energie für den Tag. Dadurch werden an der Fettverdauung beteiligte Organe nicht unnötig belastet.

Eine weitere Zivilisationskrankheit ist Übergewicht, das gleich eine ganze Reihe von Erkrankungen begünstigt. Übergewicht spielt auch bei der Entstehung von Gallensteinen eine große Rolle – es hilft also auch hier auf ein gesundes Körpergewicht zu achten. Zuviel Gewicht belastet darüber hinaus den Gelenkapparat und kann durch andauernd starke Belastung der Gelenke beispielsweise zu Arthrose führen, einer nicht-heilbaren Gelenkerkrankung. Häufig müssen Betroffene das betroffenen Gelenk im Rahmen einer Knie-OP oder Hüft-OP durch eine Prothese ersetzen lassen.

Weiterhin sollten wir darauf achten, uns im Alltag genügend zu bewegen. Nicht nur, um das Gewicht zu halten, beziehungsweise Übergewicht abzubauen, sondern auch, um die Darmtätigkeiten zu unterstützen. Ansonsten weilt der Speisebrei zu lange im Darm und der Körper nimmt zu viel Cholesterin auf – ein weiterer Faktor, der zu Ungleichgewicht in der Gallenblase führen kann.

Mit kleinen Änderungen am Lebensstil können Sie vielen negativen Umweltfaktoren entgegenwirken – Ihr Körper wird es Ihnen danken!