Hüft-OP: Implantation eines Gelenkersatzes bei Hüftarthrose

Hüft-OP: Implantation eines Gelenkersatzes bei Hüftarthrose

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Jennifer Günther
Jennifer Günther
29.08.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei Gelenkverschleiß in der Hüfte kann das schmerzende Gelenk gegen ein künstliches ausgetauscht werden.
  • Durch das neue Gelenk hat man wieder mehr Lebensqualität und die Mobilität im Alltag steigt.
  • Eine künstliche Hüfte hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 Jahren.
  • Deshalb sollte sie nach der Genesung nicht überlastet werden.

Schmerzen in der Hüfte können viele Ursachen haben. Dementsprechend kommt eine ganze Reihe von konservativen Behandlungsmethoden in Frage, um die Schmerzen zu lindern. Bei einer ernsten Diagnose wie Hüftarthrose kommt der Betroffene allerdings nur selten um eine künstliche Hüfte herum. Bis heute gehört die Hüft-OP mit zu den häufigsten Operationen deutschlandweit: Allein 2017 wurden 238.072 Hüftendoprothesen eingesetzt.

Für wen kommt eine künstliche Hüfte infrage?

Grundsätzlich kommt eine künstliche Hüfte für alle Betroffenen infrage, die im Alltag durch Gelenkschmerzen in der Hüfte so sehr in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind, dass eine normale Teilhabe am Alltag immer schwieriger wird. Vielen Patienten erschwert der Schmerz den Start in den Tag, das Anziehen von Schuhen und Strümpfen wird zur Qual, und an einen längeren Strecken zu Fuß ist häufig kaum noch zu denken. Schlagen konservative Therapiemaßnahmen nicht an und leidet der Patient sogar unter Arthrose, sollte ein Endoprothetik hinzugezogen werden.

Auch wenn eine Hüftprothese einen Zuwachs an Lebensqualität verspricht: Das künstliche Gelenk hält nicht für immer. In der Regel geht man von einer Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren aus, wobei dies von individuellen Faktoren abhängig ist. Um Folgeeingriffe wie den Austausch der Endoprothese zu vermeiden, versucht man deshalb, die Implantation eines künstlichen Gelenks so weit wie möglich herauszuzögern. Hat das natürliche Gelenk bereits massiv Schaden genommen, sollte nicht nur auf das Alter des Patienten in die Bewertung der Gesamtsituation einbezogen werden, sondern auch das Ausmaß der Alltagseinschränkungen.

Welche Voraussetzungen sollten für eine Operation erfüllt sein?

Ein künstliches Hüftgelenk wird in der Regel bei folgenden Voraussetzungen eingesetzt:

  • Anhaltende monatelange Schmerzen
  • Konservative Therapiemaßnahmen lindern die Schmerzen nicht
  • Voranschreitende Gelenkschäden
  • Massive Einschränkung der Lebensqualität

Des Weiteren kommt es auch auf den richtigen Zeitpunkt der Operation sowie das Ausmaß des Gelenkverschleißes an. Grundsätzlich wissen Patienten durch Vorerkrankungen wie Hüftarthrose oder Fehlstellungen der Hüfte, dass sie sich irgendwann möglicherweise mit der Implantation einer Endoprothese auseinandersetzen müssen. Ausgehend von einem fortschreitenden Krankheitsverlauf lässt sich üblicherweise gut abschätzen, wann ein geeigneter Zeitpunkt für die Operation erreicht ist.

Von einer zu frühen Operation bei geringeren Beschwerden wird üblicherweise abgeraten, um einen Folgeeingriff zu vermeiden. Ein zu späterer Eingriff hingegen kann zur Folge haben, dass die erhoffte Besserung nur unvollständig eintritt. Wenn es schon zur Gelenkversteifung gekommen ist oder der Patient ein Schmerzgedächtnis entwickelt hat, wird die Verbesserung der Lebensqualität durch ein künstliches Hüftgelenk vom Patienten oftmals nicht wahrgenommen. Patient und Operateur sollten im regelmäßigen Austausch gemeinsam entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Vor dem Eingriff sollte sich der Patient in einem guten Allgemeinzustand befinden, mögliche Vorerkrankungen sollten zum Zeitpunkt der Operation in keinem ernsthaften Stadium sein. Dazu zählen besonders Herz-Kreislauferkrankungen; eine Vollnarkose stellt eine große Belastung für den Kreislauf dar. Bei der Implantation einer Hüftprothese gibt es die Möglichkeit, anstatt einer Vollnarkose eine Regionalanästhesie zu verwenden. Dabei wird der Körper vom Bauchnabel abwärts betäubt und der Patient bleibt für die Dauer des Eingriffs bei Bewusstsein. Er muss nicht beatmet werden und der chirurgische Eingriff kommt mit weniger belastenden Medikamenten aus.

Gibt es unterschiedliche Arten von Endoprothesen?

Bildliche Darstellung einer Hüftprothese

Kunstprothesen können sich zwar nach der Art des verwendeten Materials unterscheiden, bestehen aber aus den gleichen Elementen:

⦁ Hüftschaft

⦁ Kugelkopf

⦁ Hüftpfanne

⦁ Pfanneneinsatz (Inlay)

Der Aufbau eines künstlichen Hüftgelenks ist immer gleich: Der längliche Hüftschaft wird im Oberschenkelknochen verankert, während die Hüftpfanne mit dem Beckenknochen verbunden wird. Die Beweglichkeit des künstlichen Gelenks erreichen Kugelkopf und ein Kunststoff-Inlay als Pfanneneinsatz. Der Kugelkopf wird auf den implantierten Hüftschaft aufgesteckt und gleitet im Pfanneneinsatz umher. Dadurch können Betroffene den natürlichen Bewegungsablauf wieder schmerzfrei aufnehmen. Um den Abrieb zu minimieren, bestehen Hüftschaft und Hüftpfanne aus Titan, der Kugelkopf wird aus Keramik gefertigt. Der Pfanneneinsatz besteht entweder aus Keramik oder Polyethylen.

Wie läuft die Operation ab?

Im besten Fall erfolgt die Operation minimalinvasiv, d.h. der Operateur verschafft sich Zugang zum Gelenk über einen kleinen Hautschnitt. Die Technik ist gewebeschonend, denn Weichteil- und Muskelschäden werden vermieden. Durch die intakte Muskulatur kann der Patient schon kurz nach der Operation erste Steh- und Gehversuche unternehmen. Der Hautschnitt kann an unterschiedlichen Stellen erfolgen, wobei jeder Zugang seine Vor- und Nachteile hat. Während bei einem hinteren Zugang (dorsal) die Gesäßmuskulatur durchtrennt wird, muss bei einem vorderen seitlichen Zugang (anterolateral) der seitliche Hüftstabilisator-Muskel mit einem Haken weggezogen werden. Dadurch können Nervenverletzungen auftreten. Ähnliches trifft auch auf einen Eingriff mit seitlichem Zugang (lateral) zu, bei dem oftmals die Abduktoren beeinträchtigt werden. Deshalb gilt der vordere Zugang (anterior) als der schonendste, denn hier erfolgt der Zugang zum Gelenk zwischen Muskeln und Nerven. Jeder Operateur hat seine favorisierte Technik und informiert den Patienten darüber im Aufklärungsgespräch.

Bei der Operation liegt der Patient auf der gesunden Seite, während ein spezielles Kissen das zu operierende Bein stützt. Hat der Operateur die Hüfte freigelegt, entfernt er das geschädigte Gelenk, setzt die einzelnen Elemente der künstlichen Hüfte ein und befestigt sie. Hierbei geht der Operateur so knochenerhaltend wie möglich vor. Für den Fall einer Folgeoperation ist genügend körpereigenes Material vorhanden, um neue Prothesenelemente zu befestigen. Entscheidend für die Befestigung des Hüftschafts im Oberschenkelknochen ist die individuelle Knochenstruktur des Patienten. Ist diese stabil, dann wird meist eine Prothese mit kurzem Hüftschaft eingesetzt, um den Knochen weitestgehend zu erhalten. Hat ein Patient jedoch eine schwache Knochensubstanz, dann muss der Operateur auf einen langen Hüftschaft zurückgreifen und diesen womöglich auch mit Knochenzement befestigen. Ansonsten wäre die Stabilität des Gelenks nicht gegeben.

Sind alle Elemente implantiert, kann das Operationsfeld wieder geschlossen werden, indem unter anderem Muskelhülle, Unterhautfettgewebe und Haut vernäht werden. Die Wundflüssigkeit wird über eine Drainage abgeleitet, während ein Verband vor Bakterien schützt.

Wie verläuft der Heilungsprozess nach einer Hüft-OP?

Ähnlich der Endoprothese, die im Rahmen einer Knie-OP eingesetzt wird, ist der künstliche Gelenkersatz sofort belastbar. Damit die Wundheilung möglichst zügig voranschreiten kann, wird der Patient in den ersten Wochen durch Gehhilfen unterstützt. Gegen die Schmerzen werden nach der Operation schmerzlindernde Medikamente verschrieben. Die bei der Operation entstanden Wunde benötigt etwa 10 Tage für die Heilung, die Fäden werden für gewöhnlich nach 10 bis 15 Tagen gezogen.

Um die Rehabilitation des Patienten zu fördern, sollte er üblicherweise schon einen Tag nach dem Eingriff die neue Hüfte belasten. Ein Physiotherapeut zeigt bereits bei den ersten Versuchen, wie der Patient am besten aufstehen sollte, um das neue Hüftgelenk nur schonend zu belasten. Kleine Übungen sollen die Beweglichkeit wiederherstellen, sodass einfache Tätigkeiten wie der Gang zur Toilette, Waschen und Ankleiden selbstständig möglich sind. Der Krankenhausaufenthalt beläuft sich auf etwa 5 bis 10 Tage. Im Anschluss findet eine dreiwöchige Rehabilitation in einer speziellen Klinik oder einem ambulanten Rehabilitationszentrum statt. Hier sollen verschiedene Bewegungstherapien den Heilungsprozess fördern und das Gelenk stabilisieren. Außerdem werden wichtige Informationen für den Alltag mit einem künstlichen Gelenk vermittelt, um etwa Überbelastung zu vermeiden.

Der Heilungsweg ist komplex und bis die Hüfte ohne Gehhilfen belastet werden kann, vergehen in der Regel etwa sechs Wochen. Erst dann hat das künstliche Gelenk ausreichend Halt und in Absprache mit dem Arzt kann mit Spaziergängen, Walking oder Radfahren begonnen werden. Auf das Überkreuzen der Beine sollte ebenso verzichtet werden wie auf schweres Heben und Tragen sowie das Abspreizen und Anwinkeln des betroffenen Beines. Zwar ist jeder Heilungsprozess individuell, in der Regel jedoch kann der Betroffene nach etwa 4 bis 6 Monaten mit leichten Sportarten wie Golfen oder Tanzen beginnen. Um das künstliche Gelenk zu schonen, sollten Träger einer künstlichen Hüfte vollständig auf Sportarten verzichten, die viele Richtungswechsel und ein hohes Tempo haben. Dazu zählen beispielsweise Squash, Fußball oder Tennis, aufgrund der Sturzgefahr auch Kampfsportarten.

Welche Komplikationen können entstehen?

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen auch im Nachgang der Hüft-OP Operationsrisiken:

  • Infektion mit anschließender Eiterbildung
  • Beinlängenunterschied
  • Auskugeln des Hüftgelenks
  • Bruch des Oberschenkelknochens
  • Verknöcherungen der Weichteile in der Umgebung der Prothese
  • Lockerung der Prothese
  • Materialverschleiß

Bei einem Hüftgelenkersatz ist vor allem das Infektionsrisiko gefürchtet. Diese kann direkt nach der Operation oder aber erst Jahre später auftreten. Dabei bilden Bakterien einen sog. Biofilm auf der Oberfläche des Gelenkes, wobei es auch zu Ansammlungen von Eiter kommen kann. Wird eine Infektion kurz nach der Implantation der künstlichen Hüfte festgestellt, kann die Infektion mit Spülungen und der Gabe von Antibiotika bekämpft werden. Bei später auftretenden Infektionen muss mitunter die Prothese ausgetauscht werden, da die Bakterien auch andere Organe und Prothesen befallen könnten. Zwar soll ein steriler Operationssaal das Risiko minimieren, dass Bakterien in die Wunde gelangen, doch dies lässt sich niemals zu 100 Prozent vermeiden. Das Risiko einer Infektion liegt bei etwa 0,5 bis 2 Prozent, wobei es bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes auf bis zu 10 Prozent ansteigen kann.

Das Auskugeln des Hüftgelenks oder der Bruch des Oberschenkelknochens beispielsweise durch einen Sturz können im schlimmsten Fall auch den Austausch der Prothese zur Folge haben. Ähnliches gilt für die Lockerung der Prothese.

Eine der unangenehmsten Komplikationen für den Patienten ist jedoch, wenn die Operation nicht erfolgreich war und sich die Beschwerden auch nach der Rehabilitation nicht bessern. Das ist zwar nur bei einem von zehn Patienten der Fall, dennoch ist dieses Operationsergebnis aus naheliegenden Gründen sehr unbefriedigend für den betroffenen Patienten und schränkt seine Lebensqualität dauerhaft ein.

Wie bereite ich mich auf den Eingriff vor?

Angesichts der möglichen Komplikationen und der damit verbundenen Folgen ist es ratsam, dass sich Betroffene und im Vorfeld rechtlich absichern. Behandlungswünsche können sie mit einer Patientenverfügung festlegen, die sie idealerweise mit einer Vorsorgevollmacht kombinieren. Dazu benennt der Betroffene im Vorfeld eine Person seines Vertrauens, die seine Interessen vertritt, falls es zu einer unvorhersehbaren Situation kommt, in der der Patient nicht in der Lage ist, seinen Willen selbst zu äußern.

Mit unserer Checkliste Krankenhausaufenthalt können Sie sich auf eine Operation vorbereiten. Das Aufklärungsgespräch mit dem Arzt sollten Betroffene in jedem Fall nutzen, um ihre Fragen loszuwerden. Auch Ängste sollten hier angesprochen werden. Eine gute Vorberereitung für die körperlichen wie psychologischen Herausforderungen eines großen operativen Eingriffs ist es, in den Wochen zuvor auf die eigene Fitness zu achten. Bereits regelmäßige kurze Spaziergänge oder Wege mit dem Fahrrad helfen genauso wie der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten.