Lumbaler Bandscheibenvorfall: Schmerzen in der Lendenwirbelsäule

Lumbaler Bandscheibenvorfall: Schmerzen in der Lendenwirbelsäule

Bei Schmerzen im unteren Rücken kann ein lumbaler Bandscheibenvorfall die Ursache sein. Informationen zu Symptomen und Therapie bietet Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
03.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Ein lumbaler Bandscheibenvorfall tritt im Bereich der Lendenwirbel und des Kreuz- und Steißbeins auf.
  • Fällt die Bandscheibe in den Wirbelkanal vor, fehlt das Polster zwischen den Wirbeln. Die Wirbel reiben aufeinander und es entstehen Schmerzen.
  • Eine operative Behandlung des Bandscheibenvorfalls ist die letzte Option.
  • Für den Ernstfall kann man sich mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht schützen.

Unsere Wirbelsäule muss in unserem Alltag so einiges aushalten. Achten wir nicht auf die Balance zwischen Belastung und Entlastung, dann lässt uns unser Rücken dieses Ungleichgewicht merken. Der Rücken schmerzt, die Muskulatur ist verspannt und wir würden uns am liebsten nur noch hinlegen. Im Normalfall bessern sich die Schmerzen in ein paar Tagen; halten die Schmerzen an oder leiden wir sogar unter Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen, kann auch ein Bandscheibenvorfall vorliegen. Betrifft dieser die unteren Wirbel in der Lendenwirbelsäule, spricht der Mediziner von einem lumbalen Bandscheibenvorfall.

Was ist ein lumbaler Bandscheibenvorfall?

Bild Lendenwirbelsäule

Im Gegensatz zum zervikalen Bandscheibenvorfall kommt der lumbale Bandscheibenvorfall deutlich häufiger vor. Das zeigt auch die Operationsstatistik aus dem Jahr 2017, die über 300.000 Operationen mit Zugang zur Lendenwirbelsäule sowie zum Kreuz- und Steißbein verzeichnete. Haben Sie die Diagnose eines lumbalen Bandscheibenvorfalls erhalten, heißt das zum Glück nicht sofort, dass Sie einen operativen Eingriff benötigen. Trotzdem ist es wichtig, eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu erstellen, um für genau solche Fälle vorzusorgen.

Ein lumbaler Bandscheibenvorfall liegt dann vor, wenn er im Bereich der fünf Wirbel in der Lendenwirbelsäule sowie des Kreuz- oder Steißbeins lokalisiert ist. Am häufigsten betrifft das die Bandscheibe zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel sowie dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Wirbel des Kreuzbeins, da hier die größte Belastung bei Sport und körperlicher Arbeit vorliegt. Um die Wirbelsäule zu schützen, bilden Gallertkern und Faserring ein Polster zwischen den einzelnen Zwischenwirbelscheiben. Durchbricht der Gallertkern den Faserring und drückt auf die Nerven im Wirbelkanal, dann fehlt nicht nur der körpereigene Stoßdämpfer und die Wirbelkörper reiben aufeinander, sondern es kann auch zu neurologischen Ausfällen und starken Schmerzen kommen.

Wie macht sich der lumbale Bandscheibenvorfall bemerkbar?

In der Regel macht sich der Bandscheibenvorfall durch Schmerzen im Rücken bemerkbar. Beim lumbalen Bandscheibenvorfall sind diese im unteren Bereich des Rückens an der Lendenwirbelsäule lokalisiert; sie sind zentral und strahlen nicht in die Seiten aus. Neigt sich der Betroffene nach vorne, können sich die Schmerzen im Rumpfbereich noch verschlimmern.

Drückt der Gallertkern auf die Nervenwurzeln im Rückenmark, dann können zusätzlich auch Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen auftreten. In seltenen Fällen klagen Betroffene sogar über Lähmungserscheinungen, die in der Regel nur bei großen oder ungünstig gelegenen Bandscheibenvorfällen auftreten.

Ein Sonderfall ist der sog. Massenvorfall, bei dem Gewebe in großer Menge austritt und den Wirbelkanal fast vollständig ausfüllt. Neben den zuvor genannten Symptomen wie Lähmung in beiden Beinen sowie Schmerzen kann es auch zum Verlust der Kontrolle über Blasen- und Mastdarmfunktion kommen. In solchen Fällen handelt es sich um einen Notfall.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es beim lumbalen Bandscheibenvorfall?

Entscheidend für die Wahl der Therapie ist das Vorliegen von Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen. Sind die Hauptsymptomatik des Bandscheibenvorfalls Schmerzen und verhärtete Muskeln, dann rät der Arzt zu einer konservativen Behandlung – das betrifft etwa 80 bis 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle. Wichtig ist, dass sich der Betroffene weiterhin rückenschonend bewegt, um die Muskulatur zu lockern und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu trainieren. Der Arzt verschreibt in der Regel Krankengymnastik sowie physikalische Anwendungen wie Kälte- und Wärmetherapien. Mit der Einnahme von Schmerz- und Entzündungsmitteln fällt Betroffenen die Bewegung nicht so schwer und zusätzlich wird die Entzündung an den gereizten Nervenwurzeln bekämpft

Liegen hingegen Lähmungserscheinungen vor, dann entscheiden sich Mediziner meist dafür, den Druck auf der Nervenwurzel bei einer Operation zu lindern. Gleiches gilt für den Fall, dass sich die Symptome nach sechs bis acht Wochen konservativer Behandlung nicht bessern.

Wie wird ein lumbaler Bandscheibenvorfall operiert?

Eine Operation in der Nähe des Rückenmarks ist immer mit gewissen Risiken verbunden. Da man eine Verletzung der Nerven vermeiden möchte, kommen immer öfter endoskopische Operationen mit Schlüssellochtechnik zum Einsatz, bei denen man auf einen großen Hautschnitt verzichtet. Im Fall eines Bandscheibenvorfalls erfolgt der Eingriff meist in Vollnarkose. Der Operateur öffnet die Haut an der Lendenwirbelsäule mit einem kleinen Schnitt in der Nähe des Bandscheibenvorfalls und führt das Endoskop, eine schlauchartige Sonde, in den Körper ein. Nun kann er mithilfe der Minikamera das Ausmaß des Bandscheibenvorfalls begutachten. Zur Entfernung des Gewebes kann der Operateur über weitere kleine Schnitte Werkzeuge einführen und gegebenenfalls sogar eine künstliche Bandscheibe einsetzen. Durch die kleinen Schnitte ist die Operationswunde klein, das Infektionsrisiko geringer und eine lange Liegedauer, die Risiken und mögliche Komplikationen bei Operationen begünstigen kann, entfällt.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Wichtig ist eine zügige Mobilisation des Patienten, die in der Regel ein paar Stunden nach der Operation erfolgt. Der Patient lernt, wie er den Rücken im Alltag entlasten und beispielsweise schmerzfrei aufstehen kann. Er kann sofort sitzen und erhält unter Umständen ein leichtes Mieder für die ersten Wochen nach der Operation, mit dem die einzelnen Wirbelgelenke entlastet werden. Der Patient sollte zudem auf Bück- und Drehbewegungen verzichten und kann nach etwa sechs Wochen wieder in den Berufsalltag einsteigen. Rückenschonende Sportarten wie Fahrradfahren und Schwimmen sind möglich, mit anderen Sportarten sollte man etwa drei Monate in Absprache mit dem Arzt warten.

Je nach der Größe des Bandscheibenvorfalls sowie patientenindividuellen Faktoren kann der Arzt mitunter auch eine Reha-Behandlung verschreiben. Diese ist entweder stationär oder ambulant und individuell auf den Patienten ausgerichtet. Die Prognose nach einer operativen Behebung eines lumbalen Bandscheibenvorfalls ist sehr gut.