Wunden: Tipps für den Umgang mit Hautverletzungen

Wunden: Tipps für den Umgang mit Hautverletzungen

Durch eine Wunde können Erreger in den Körper eindringen und Infektionen auslösen. Beugen Sie mit den richtigen Maßnahmen vor!

Jennifer Günther
Jennifer Günther
16.09.2019

Mit der Haut können wir nicht nur Sinnesreize wahrnehmen, sondern sie ist auch unser körpereigener Schutzschild vor äußeren Einflüssen. Sie reguliert unsere Körpertemperatur, schützt uns vor UV-Strahlung, Kälte und Hitze und ist bei vielen auch eine Leinwand für Kunst. Ist die Haut jedoch verletzt, dann ist es für Bakterien, Parasiten und Viren eine Leichtigkeit, durch die Wunde in den Körper zu gelangen. Wie man sich nach bei einer Verletzung der Haut verhält und wann diese operativ versorgt werden muss, erklärt unser Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Schnitt- und Schürfwunden gehören zu den gängigen Hautverletzungen im Alltag. Mit Desinfektion und Wundheilsalbe sind sie in der Regel gut behandelbar.
  • Platzwunden können tiefer sein Sie denken. Den richtigen Umgang mit Platzwunden kann deshalb am besten der Arzt einschätzen.
  • Trotz einer umfassenden Wundhygiene kann es zu Wundheilungsstörungen kommen.
  • Chronische Wunden sollten medizinisch versorgt werden. Die Behandlung kann langwierig sein.

Die Fähigkeit der Haut zur Selbstheilung

Meistens sind Wunden ein Zufallsprodukt - wenn man mit dem Messer ausrutscht und sich in die Hand schneidet oder wenn man hinfällt und mit dem Knie auf dem Boden schleift. Anders sieht es aus bei Operationswunden: Diese Hautschnitte setzt der Operateur bewusst, um sich Zugang zum Operationsbereich zu verschaffen.

Unabhängig von der Entstehung der Wunde ist die Haut grundsätzlich in der Lage, sich selbst zu heilen. Bei der Wundheilung schieben sich von allen Seiten neue Hautzellen auf die Wunde zu, drücken sich nach oben und schließen so die Wunde. Dass sich die Zellen so verhalten, liegt daran, dass die Wunde eine Entzündungsreaktion in der Haut hervorruft; das zirkulierende Blut führt neue Stoffe an die Wunde heran, die die Wundheilung vorantreiben. Funktionieren diese körpereigenen Reparaturmechanismen nicht, kommt es zu Wundheilungsstörungen und chronische Wunden können entstehen.

Je nach Wundart empfehlen sich andere Maßnahmen, um die Wundheilung zu unterstützen. Im schlimmsten Fall muss die Wunde operativ versorgt, sprich genäht werden. 173.758 Eingriffe fanden 2017 in deutschen Krankenhäusern statt, bei denen Verletzungen der Haut und Unterhaut genäht werden mussten. Übrigens sollte man auch für kleine operative Eingriffe Vorsorgedokumente in Form von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellen, denn OP-Risiken und Komplikationen haben Einfluss auf die Dauer und das Ausmaß der Behandlung.

Schnitt- und Schürfwunden: Schmerzhaft, aber harmlos

Auch wenn unsere Haut viel aushält, ziehen wir uns im Alltag die ein oder andere Hautverletzung zu. Das ist erstmal nicht schlimm, denn oberflächliche Schnitt- und Schürfwunden können wir in der Regel selbst gut behandeln. Sie sind schmerzhaft, aber harmlos.

Während Schürfwunden klassische Spiel- und Sportverletzungen sind, entstehen Schnittwunden oft im Haushalt. Besonders in der Küche hantieren wir mit scharfen Messern, und wenn wir beim Zwiebelschneiden abgelenkt sind, dann landet das Messer eben nicht in der Zwiebel, sondern im Finger. Zum Glück merken wir durch den plötzlichen Schmerz schnell, dass wir uns selbst getroffen haben und ziehen das Messer reflexartig vom Körper weg. Auch wenn es sich um einen kleinen oberflächlichen Hautschnitt handelt, kann dieser doll bluten. Dadurch werden Keime aus der Haut gespült. Ist die Blutung gestillt, sollte man die Wunde zur Sicherheit desinfizieren und mit einem Pflaster oder Verband schützen. Ist die Wunde groß und blutet stark, können Sie auch einen sterilen Verband auf die betroffene Stelle drücken.

Schnittwunden, die nicht aufhören zu bluten, ausgefranste oder klaffende Wundränder haben, sollte ein Arzt begutachten. Hier kann eine Naht nötig sein, um die primäre Wundheilung zu unterstützen.

Während es bei einer Schnittwunde deutlich sichtbare Wundränder gibt, ist eine Schürfwunde großflächiger. Meist sind Kinder davon betroffen, doch auch Erwachsene können sich Schürfwunden zuziehen – etwa durch Stürze bei sportlichen Aktivitäten. Schürfwunden sind zwar meist nicht tief, doch können ordentlich bluten, weil die oberste Hautschicht großflächig abgetragen wurde. Eine gründliche Reinigung ist wichtig, denn Erreger haben eine große Angriffsfläche, um in den Körper zu gelangen. Dazu sollte man die Schürfwunde zunächst unter fließendem Wasser halten und im Anschluss mit einem sterilen Tuch trocken tupfen. Nach der Desinfektion kann man zusätzlich eine antiseptische Creme auftragen. Nach einiger Zeit bildet sich Schorf, der die Wunde verschließt – Krankheitserreger haben jetzt keine Chance mehr. Wund- und Heilsalben können die Wundheilung unterstützen, da sie die Haut geschmeidig und dehnbar halten.

Normalerweise ist bei einer Schürfwunde nur die oberste Hautschicht verletzt. Werden durch den Sturz allerdings auch die sog. Basalzellen verletzt, die für die Regeneration der Haut zuständig sind, dann kann es mitunter zu Komplikationen bei der Wundheilung kommen. Ist die Blutung stark und lässt sich nicht stoppen, kann es ein Indiz dafür sein, dass die Wunde besser medizinisch versorgt werden sollte.

Platzwunden: Arzt entscheidet über weitere Behandlung

Platzwunden entstehen durch stumpfe Gewalteinwirkung, etwa bei einem Sturz auf eine harte Kante. Die Haut hält dem Druck nicht Stand und platzt durch die Dehnung auf. Davon sind vor allem Stellen wie Kopf und Knie betroffen, an denen der Körper wenig Fett- und Bindegewebe als Puffer hat. Platzwunden bluten nicht nur stark, sondern haben oft auch unregelmäßige Wundränder, die auseinanderklaffen. Aus diesen beiden Gründen ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Er kann beurteilen, wie tief die Wunde ist, und dafür sorgen, dass die Narbe nach der Wundheilung möglichst unauffällig und ästhetisch ist. In der Regel sollte der Arzt die Wunde in den ersten sechs Stunden nach der Entstehung versorgen, denn nur dann lässt sich die Platzwunde problemlos nähen.

Nach einer Platzwunde sollte man zunächst die Blutung stillen, idealerweise mit einem sterilen Tuch. Im besten Fall legt man sogar einen Druckverband an, um Zeit zu haben, den Arzt aufzusuchen. Dieser legt die weitere Behandlung fest: Ist die Wunde nicht tief, sind Wundheilsalbe und -auflage oft ausreichend; andernfalls muss die Wunde zugenäht werden.

Operationswunden: Minimalinvasive Techniken benötigen nur kleine Hautschnitte

Manche Erkrankungen wie Arthrose, ein lumbaler Bandscheibenvorfall bzw. zervikaler Bandscheibenvorfall erfordern eine Operation, wenn konservative Therapiemethoden nicht zur Heilung oder Besserung des Gesundheitszustandes führen. In solchen Fällen setzt der Operateur einen oder mehrere Hautschnitte, um sich Zugang zum Operationsgebiet zu verschaffen. Zwar werden immer häufiger minimalinvasive Operationsverfahren angewandt, die mit kleinen Hautschnitten auskommen, doch trotzdem besteht für Erreger Zugang in den Körper. Um dies zu vermeiden, ist beispielsweise der Operationssaal ein steriler Bereich, und auch die entstandenen Wunden werden gut versorgt. Dazu gehören nicht nur die Naht der durchtrennten Gewebeschichten, sondern auch die Wundversorgung mit Desinfektion und Verbänden.

Chronische Wunden: Belastung für den Körper

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und der fachgerechten medizinischen Versorgung von Hautverletzungen kann es zu Wundheilungsstörungen kommen. Darunter versteht man einen gestörten Heilungsprozess von Wunden, den chirurgische Eingriffe oder ein geschwächtes Immunsystem auslösen können. Auch eine gestörte Durchblutung oder Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus können die Wundheilung negativ beeinflussen. Anstatt abzuheilen, entzündet sich die Wunde weiter und der Körper ist konstant damit beschäftigt, die Entzündung zu bekämpfen. Mediziner sprechen dann von einer chronischen Wunde, wenn eine Wunde innerhalb von acht Wochen nicht abheilt.

Zwar schmerzt eine Wunde immer bis zu einem gewissen Maß, doch bei Wundheilungsstörungen ist dieses Symptom stark ausgeprägt und die Wunde ist druckempfindlich. Zudem ist sie gerötet und die Haut manchmal sogar bräunlich verfärbt; die Wunde nässt, kann eitrig sein und sogar stinkendes Sekret absondern. Neben Vorerkrankungen können auch ungünstige Wundverhältnisse zu Wundheilungsstörungen führen, etwa dreckige Wunden. Auch tiefe und große Wunden heilen tendenziell schlechter ab.

Eine chronische oder schlecht abheilende Wunde braucht eine besondere Behandlung. Zunächst einmal sollte die Ursache für die Wundheilungsstörung ermittelt und gegebenenfalls die Lebensumstände geändert werden. Das betrifft beispielsweise Raucher, denn Nikotin kann den Heilungsprozess verlangsamen und sogar unterbrechen. Ein Abstrich der Wunde kann Informationen zu den Erregern liefern und die Auswahl eines geeigneten Antibiotika-Mittels erleichtern.

Auch eine ausführliche Wundhygiene soll den Heilungsprozess vorantreiben. Dazu zählen Spülungen mit sterilem Wasser, Wundbäder und das sog. Débridement. Dabei handelt es sich um das chirurgische Abtragen von abgestorbenem Gewebe und Belägen, damit die Oberfläche aus gesundem Gewebe besteht und besser verheilen kann. Über 230.000 chirurgische Reinigungen von Wunden wurden 2017 in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. Für jeden Wundtypen gibt es zudem verschiedene Wundauflagen, um die Wunde vor Eintritt weiterer Erreger zu schützen.

Auch wenn der Heilungsprozess bei entzündeter Haut beziehungsweise einer chronischen Wunde langwierig ist, ist die Prognose grundsätzlich gut. Sind Wundheilungsstörungen bei einem Patienten bekannt, dann kann der Arzt vorbeugende Maßnahmen ergreifen.