Zervikaler Bandscheibenvorfall: Schmerzen in Nacken und Schulter

Zervikaler Bandscheibenvorfall: Schmerzen in Nacken und Schulter

Bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit und Schmerzen im Nacken kann ein zervikaler Bandscheibenvorfall vorliegen. Alles Wissenswerte erfahren Sie bei Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
03.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Ein zervikaler Bandscheibenvorfall betrifft die Halswirbelsäule.
  • Es treten Symptome wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in Nacken und Schulter auf.
  • Die konservative Behandlung besteht in der Regel aus Physiotherapie, Schmerzmittel sowie Kälte- und Wärmeanwendungen.
  • Operative Eingriffe sind nur in seltenen Fällen nötig.

Rückenschmerzen sind zu einem echten Volksleiden geworden. Über 50 Prozent der Deutschen leiden gelegentlich an Rückenschmerzen, 17 Prozent sogar mehrmals die Woche. Nicht verwunderlich, dass auch immer mehr Menschen die Diagnose Bandscheibenvorfall erhalten: Während in 9 von 10 Fällen ein lumbaler Bandscheibenvorfall vorliegt, ist ein zervikaler Bandscheibenvorfall selten. Dank diverser Behandlungsansätze lässt sich eine Operation bei vielen Betroffenen vermeiden.

Worum handelt es sich beim zervikalen Bandscheibenvorfall?

Bild HWS

Während beim lumbalen Bandscheibenvorfall die Lendenwirbelsäule betroffen ist, ist es beim zervikalen Bandscheibenvorfall die Halswirbelsäule. Diese setzt sich aus sieben Wirbeln zusammen, zwischen denen die Bandscheiben als Stoßdämpfer bei Belastung sitzen. Der Faserring in der Bandscheibe umschließt einen Gallertkern, welcher zu 90 Prozent aus Wasser besteht und ein Polster zwischen den Wirbeln bildet. Durch die Belastung am Tag wird das Wasser immer weniger in den Bandscheiben und die Zwischenwirbel müssen mehr Druck aushalten. Über Nacht füllen sich die Depots in den Bandscheiben wieder auf. Doch mit der Zeit werden die Faserringe porös und können sogar Risse bekommen. Auch die Gallertkerne saugen sich mit dem Alter mit immer weniger Wasser voll, sodass sie die Räume zwischen den Wirbeln immer weniger polstern.

Dringt der Gallertkern durch den Faserring und drückt sich vor bis in den Wirbelkanal, spricht der Mediziner von einem Bandscheibenvorfall. Die Folge: Die Polsterung zwischen den Zwischenwirbeln ist nicht mehr gegeben und die Wirbel reiben aufeinander. Am häufigsten liegt ein Bandscheibenvorfall zwischen dem fünften und sechsten Halswirbelkörper vor, gefolgt von sechs und sieben sowie vier und fünf. Tatsächlich handelt es sich bei diesen Wirbeln auch um die, die der Mensch im Alltag am meisten belastet.

Wie äußert sich ein zervikaler Bandscheibenvorfall?

Wie bei jedem Bandscheibenvorfall spüren Betroffene auch beim zervikalen Bandscheibenvorfall Schmerzen im Rückenbereich, und zwar in der Nähe der Halswirbel, zwischen denen sich der Bandscheibenvorfall ereignet hat. Reicht das Gewebe der Bandscheibe bis in den Wirbelkanal, dann kann es zudem zu einer Reizung der dort befindlichen Nerven kommen, die mitunter auch Gefühlsstörungen zur Folge haben kann. Der Schmerz und die Lähmungserscheinungen können bis in die Arme und die einzelnen Finger ausstrahlen, je nachdem welche Halswirbelkörper betroffen sind. Das Charakteristische beim zervikalen Bandscheibenvorfall ist allerdings, dass es neben den Schmerzen und möglichen Gefühls- und Lähmungserscheinungen beim Großteil der Betroffenen zu eindeutigen Bewegungseinschränkungen im Nacken kommt.

Welche Ursachen stecken hinter einem zervikalen Bandscheibenvorfall?

Einer der größten Faktoren ist mangelnde Bewegung und daraus entstehende Folgen wie Übergewicht und ein geringer Muskelanteil. Langes Sitzen, sowohl im Büro als auch in der Freizeit, kann das Risiko für die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls im Bereich der Halswirbelsäule begünstigen. Schließlich ist uns allen ein schmerzender Nacken bekannt, wenn wir zu lange vor dem Computer sitzen. Das liegt daran, dass Arbeitsplätze selten ergonomisch ausgerichtet sind. Sind die Höhe der Bildschirme nicht auf die Höhe des Schreibtischs und -stuhls sowie unsere Körpergröße angepasst, dann müssen wir die Nackenmuskulatur dauerhaft anspannen, um den richtigen Blickwinkel zu treffen. Mit der Zeit verkrampft die Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich und die Wirbelsäule versucht, die Fehlhaltung auszugleichen. Durch den ständigen, ungesunden Druck auf die Zwischenwirbel und die Bandscheiben werden die Faserringe immer poröser und geben irgendwann nach.

Wie sieht die Behandlung aus?

Damit Mediziner zu einer Operation raten, bedarf es einer komplexen Symptomatik. In der Regel kommen konservative Therapieansätze zum Zuge. Dennoch ist es immer sinnvoll, sich mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auf den Ernstfall vorzubereiten: Lässt sich eine Operation nicht vermeiden und stellt sich die Behandlung als langwierig heraus, dann können Sie so vorab bestimmen, welche Behandlung Sie wünschen.

Im besten Fall kann aber schon eine umfassende konservative Therapie für eine schnelle Besserung der Symptome sorgen. Dazu verschreibt der behandelnde Arzt eine Kombination aus Schmerz- und Physiotherapie. Oft machen Betroffene den Fehler, sich bei Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall aufgrund der Schmerzen nicht mehr zu bewegen – das ist in den meisten Fällen jedoch nicht hilfreich. Durch eine schonende Bewegung lockert sich die verkrampfte Muskulatur und die Wirbelsäule bleibt beweglich. Zusätzlich können Massagen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen die Genesung vorantreiben. Jedoch sollten Sie Geduld mitbringen: Solche Therapieansätze brauchen in der Regel sechs bis acht Wochen, bis Sie eine deutliche Besserung der Symptome spüren.

Erst wenn nach einer Zeitspanne von drei Monaten keine Besserung einsetzt und zudem noch Lähmungs- und Gefühlsstörungen auftreten, ist ein operativer Eingriff nötig. Mittlerweile kommen minimalinvasive Operationsverfahren zum Einsatz, mit denen man Zugang zur Halswirbelsäule über einen kleinen Schnitt an der Vorderseite des Halses erhält. Abhängig davon, zwischen welchen Wirbeln die Bandscheibe vorgefallen ist, kann der Operateur entweder die verletzte Bandscheibe durch eine künstliche austauschen oder aber die nebeneinanderliegenden Wirbelkörper mit einer Metallschraube fixieren. Bei der künstlichen Bandscheibe handelt es sich um eine Endoprothese, die die Funktion der echten Bandscheibe so natürlich wie möglich erhalten soll. Die Wirbelsäule ist weiterhin beweglich und eine Versteifung, wie sie durch die Fixation zweier Wirbelkörper entsteht, kann vermieden werden.

Insgesamt wurden in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2017 fast 200.000 Operationen an der Wirbelsäule vorgenommen; neben komplexen Verletzungen an der Wirbelsäule durch Unfälle mit starker Gewalteinwirkung macht die Behebung eines zervikalen Bandscheibenvorfalls den Großteil dieser Eingriffe aus.

Welche Komplikationen können nach der Operation entstehen?

Auch wenn durch die minimalinvasiven Operationstechniken kein 30 Zentimeter langer Hautschnitt am Brustkorb mehr nötig ist, kann es durch die Nähe zu den sensiblen Nerven dennoch zu einigen Komplikationen kommen. Neben OP-Risiken wie Infektionen, die bei jedem Eingriff auftreten können, sind das bei einer Operation an der Halswirbelsäule vor allem

  • Verletzungen der Nerven und des Rückenmarks
  • Verletzungen an Luft- und Speiseröhre
  • Bewegungs- und Gefühlsstörungen

Umso wichtiger ist es für Betroffene, sich auf die Operation vorzubereiten. Neben einer Checkliste für den Krankenhausaufenthalt betrifft das vor allem die körperliche Gesundheit. Eine Operation ist immer eine enorme Belastung für den sensiblen Organismus und eine gewisse Fitness kann beispielsweise die Auswirkungen der Narkose auf das Herz-Kreislaufsystem minimieren. Menschen mit zervikalem Bandscheibenvorfall sollten sich also auch dann weiterbewegen, wenn die konservativen Therapiemaßnahmen nicht anschlagen. Auch mit dem Rauchen sollte man spätestens vier Wochen vor der Operation aufhören. Rauchen erhöht zum einen den Blutdruck und zum anderen kann es Wundheilungsstörungen begünstigen. Achten Sie also für den Ernstfall auf sich und Ihren Körper.