Betreutes Wohnen: Verschiedene Wohnformen für Pflegebedürftige

Betreutes Wohnen: Verschiedene Wohnformen für Pflegebedürftige

Beim betreuten Wohnen finden Menschen je nach Lebenslage Unterstützung, müssen aber nicht auf soziale Kontakte verzichten.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
23.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Wer seinen Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann, findet Unterstützung im betreuten Wohnen.
  • Unterschiedliche Wohnmodelle bieten jedem das richtige Maß an Hilfe und Selbstständigkeit.

Werden wir pflegebedürftig, dann möchten wir uns trotzdem nicht unsere Selbstständigkeit nehmen lassen. Beim betreuten Wohnen profitieren wir von einem eigenen Rückzugsort sowie einem gesunden Maß an Hilfe, mit dem wir uns in unserem Alltag zurechtfinden können. Lesen Sie hier, welche verschiedenen Wohnformen es beim betreuten Wohnen gibt und wie Sie die beste für sich und Ihre Bedürfnisse finden.

Was ist betreutes Wohnen?

Eine einheitliche Definition für betreutes Wohnen ist in Deutschland nicht eindeutig festgelegt. Grundsätzlich versteht man darunter Wohnformen, in denen Menschen Unterstützung bekommen, die aufgrund von psychischen, körperlichen und geistigen Einschränkungen ihren Alltag nicht allein bewältigen können. Das umfasst verschiedene Bereiche des alltäglichen Lebens wie etwa die Haushaltsführung, aber auch das Pflegen sozialer Kontakte oder die eigene Körperhygiene.

Ziel ist, so wenig wie möglich in die Autonomie der Pflegebedürftigen einzugreifen, damit diese weiterhin die Kontrolle über ihr Leben haben. Deshalb richten sich die Angebote nach dem Grundsatz, so viel Freiraum und Selbstständigkeit wie möglich zu bieten, aber nur so viel Hilfe wie nötig. In solchen Wohnkonzepten können Menschen etwa im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit weiterhin ein unabhängiges Leben führen. Betreutes Wohnen kann in den eigenen Wänden stattfinden, aber auch in eigens dafür errichteten Wohnanlagen, in denen Gleichgesinnte zusammenwohnen.

Für wen eignet sich betreutes Wohnen?

Grundsätzlich eignet sich betreutes Wohnen für diejenigen, die Wert auf Ihre Selbstständigkeit legen, aber bei aufkommendem Bedarf Betreuungsangebote wahrnehmen möchten. Angebote zum betreuten Wohnen richten sich sowohl an Alleinstehende als auch an (Ehe-)Paare oder befreundete Menschen, die ihr Leben gemeinsam verbringen möchten. Wer auf der Suche nach Sicherheit ist, aber seine Unabhängigkeit so lange wie möglich bewahren möchte, kann im betreuten Wohnen genau die passende Wohnform finden.

Welche verschiedenen Formen vom betreuten Wohnen gibt es?

Betreutes Wohnen zu Hause

Nur weil man auf fremde Hilfe angewiesen ist, muss man nicht gleich aus der eigenen Wohnung ausziehen. Möglich machen das Angebote der ambulante Pflege, die körperlich, geistig oder psychisch eingeschränkte Menschen bei der Bewältigung des Alltags unterstützen. Trotz Pflegebedürftigkeit ändert sich für Betroffene so wenig wie möglich an ihren Lebensumständen: Sie leben weiterhin im bekannten Umfeld, haben Kontakt zu Nachbarn und kennen die Gegebenheiten. Durch ambulante Pflegedienste erhalten sie qualifizierte Unterstützung in den Bereichen, in denen es nötig ist.

Voraussetzung dafür ist zum einen das Vorhandensein eines ambulanten Pflegedienstes, der die jeweilige Wohngegend abdeckt, und zum anderen eine Wohnung, die an die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst ist. Ist der Pflegebedürftige beispielsweise körperlich eingeschränkt und auf einen Rollator oder gar Rollstuhl angewiesen, dann muss die Wohnung ebenerdig sein und genügend Platz für das jeweilige Hilfsmittel zur Fortbewegung bieten, damit der Pflegebedürftige verletzungsfrei rangieren kann. Ist dies nicht gegeben, bedeutet das zum Glück nicht, dass die auf Hilfe angewiesene Person ihr vertrautes Umfeld verlassen muss. Betroffene können bei der Pflegekasse Zuschuss zur Wohnraumanpassung beantragen, um ein pflegetaugliches Umfeld zu schaffen.

Betreutes Wohnen in einer Wohngemeinschaft

Senioren auf Gummibällen beim Sport

Wer Angst davor hat, aufgrund der Pflegebedürftigkeit den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren, und den sozialen Kontakt mit Gleichgesinnten schätzt, kann in eine Wohngemeinschaft ziehen oder sogar selbst eine gründen. Ähnlich wie zu Studierendenzeiten leben die Personen gemeinsam in einer Wohnung, haben aber ihre eigenen Zimmer, in die sie sich zurückziehen können. Es gibt Gemeinschaftsräume, in denen sich alle Bewohner treffen und austauschen können. Anders als bei Wohngemeinschaften, die beispielsweise Teil eines Alters- oder Pflegeheims sind und von einem externen Träger verwaltet werden, handelt es sich bei dieser Form der Wohngemeinschaft um einen selbst organisierten Zusammenschluss. Man gibt sich gegenseitig Hilfestellungen; ansonsten kommt ein ambulanter Dienst, der die Tätigkeiten übernimmt, die keiner in der Wohngemeinschaft selbst erledigen kann.

Betreutes Wohnen in einer selbst organisierten Wohngemeinschaft ist eine Herausforderung und nicht für jeden geeignet. Man wohnt eng zusammen, weshalb ein gewisses Vertrauensverhältnis bestehen sollte, und sollte sich in Sachen Pflegebedürftigkeit gut ergänzen. Bei einem Zusammenschluss von sechs Menschen, die beispielsweise allesamt körperlich eingeschränkt ist, ist es schwierig, Besorgungen außerhalb der Wohnung zu erledigen. Eine Möglichkeit ist es deshalb, mit alleinerziehenden Eltern zusammenzuziehen. Während ein Bewohner sich um die Kinder kümmert, kann der alleinerziehende Vater oder die alleinerziehende Mutter etwa arbeiten oder einkaufen gehen. Wer also hilfsbereit ist und den sozialen Kontakt zu Menschen schätzt, kann bei diesem Wohnmodell all das finden.

Betreutes Wohnen mit Serviceangeboten

Mehr Komfort bietet das betreute Wohnen mit Serviceangeboten in einer Wohnanlage, die pflege- und altersgerecht ist. Hier muss sich der Betroffene nicht darum sorgen, dass in der Wohnung beispielsweise Stolperfallen sind oder die Dusche nicht ebenerdig ist. Die Wohnungen wurden in der Regel eigens für diesen Zweck errichtet bzw. umgebaut und die Pflegebedürftigen können sog. Serviceangebote in Anspruch nehmen. Allerdings zahlen sie nur die, die sie auch wirklich brauchen. Wer körperlich und geistig fit genug ist, selbst einkaufen zu gehen, sich aber bei der Hausarbeit unwohl fühlt, bekommt beispielsweise Hilfe beim Kochen oder Fenster putzen, aber nicht beim Einkaufen. Das Angebot kann variieren, weshalb sich im Vorfeld ein Vergleich lohnt. Grundsätzlich sollte man allerdings darauf achten, dass es folgende Hilfestellungen gibt:

  • Notrufsystem mit 24 Stunden Bereitschaft
  • Haustechnischer Service bei Störfällen oder der allgemeinen Pflege der Wohnanlage
  • Feste Ansprechperson
  • Informationen über Freizeitmöglichkeiten, im besten Fall sogar kulturelle Angebote
  • Essensservice, zum Beispiel Essen auf Rändern
  • Fahr- und Begleitdienste
  • Hauswirtschaftliche Hilfe

Betroffene schließen einen Miet- oder Kaufvertrag ab und die zusätzlichen Leistungen werden extra abgerechnet. Brauchen Bewohner nach und nach mehr Hilfestellungen, können sie diese individuell anfragen.

Betreutes Wohnen im Heimverbund

Betreutes Wohnen zu Hause, in einer Wohngemeinschaft oder in einer Wohnanlage mit Serviceangeboten haben eins gemeinsam: Es kann sein, dass Bewohner früher oder später umziehen müssen, nämlich dann, wenn sie tatsächlich im hohen Maße pflegebedürftig werden. Ambulante Pflegedienste und Serviceangebote in Wohnanlagen können die Pflege im Alltag nur bis zu einem gewissen Maß übernehmen. Schließlich steht das Wohl von Betroffenen an erster Stelle und manchmal lässt sich die Notwendigkeit einer Rundumversorgung nicht vermeiden.

Ist man schon pflegebedürftig oder absehbar, dass man irgendwann viel Pflege benötigt, dann sollte man sich über das betreute Wohnen im Heimverbund genauer informieren. Solche Wohnmodelle sind räumlich und organisatorisch an ein Pflegeheim gebunden; Bewohner werden umfassend versorgt. Dort gibt es Freizeitangebote zur Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten, Essensangebote und Pflege. Bewohner haben ihren eigenen privaten Bereich, in den sie sich zurückziehen können, aber auch Begegnungsstätten, um sich mit anderen auszutauschen. Pflegekräfte unterstützen dort, wo es notwendig ist: bei der Hygiene, medizinischen Angelegenheiten oder auch im Notfall. Solche Wohnmodelle vermitteln das höchste Maß an Sicherheit für Betroffene, denn es ist immer eine Fachkraft in der Nähe.

Welche Kosten können entstehen?

Die Kosten hängen von vielen Faktoren ab: Leistungsangebot, Wohnmodell oder ob man kauft oder mietet.

Beim betreuten Wohnen zu Hause oder in einer selbst organisierten Wohngemeinschaft zahlen Bewohner Miete für den Wohnraum. Hinzukommen die Kosten für den ambulanten Pflegedienst, die bei einem anerkannten Pflegegrad anteilig die Pflege- beziehungsweise Krankenkasse übernimmt. Je nachdem, ob man Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 hat, variiert der Beitrag. Ist eine Wohnraumanpassung nötig, damit man in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben kann, kann man einen Zuschuss bei der Pflegekasse beantragen. In einer eigenen Wohnung können auf Antrag 4.000 Euro bewilligt werden, bei einer Wohngemeinschaft maximal 16.000 Euro, wobei der Betrag auf die Pflegekassen aller Mitbewohner mit Anspruch aufgeteilt wird.

Beim betreuten Wohnen mit Serviceleistungen zahlen Bewohner neben der Miete nur die Kosten für die Unterstützung, die sie tatsächlich wahrnehmen. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass das Preisniveau für die Miete über dem ortsüblichen Preis liegt. Beim betreuten Wohnen im Heimverbund kommen zu den Kosten für die Miete eine Betreuungspauschale hinzu.

Hilfe bei der Entscheidung

Zunächst einmal sollten Betroffene die Entscheidung nicht überhastet treffen, sondern je nach Lebenslage abwägen, was sie benötigen, um ihr Leben weiterhin selbstständig zu führen. Hilfreich kann es sein, sich anhand von bestimmten Fragen einen Überblick über die eigenen Wünsche zu verschaffen:

  • Bin ich zufrieden mit meiner aktuellen Wohnsituation?
  • Möchte ich in meiner Wohnung wohnen bleiben?
  • Brauche ich mehr Anschluss an Gleichgesinnte?
  • Möchte ich in einer Gemeinschaft leben?
  • Fehlt mir das Gefühl von Sicherheit?
  • Welche Einschränkungen habe ich im Alltag?
  • Bei welchen Tätigkeiten brauche ich Hilfe?
  • Fühle ich mich sicher in meiner Umgebung?
  • Sind mir Serviceleistungen wie ein Einkaufs- oder Haushaltsservice wichtig?
  • Möchte ich in einer Umgebung wohnen, in der für alles gesorgt ist?

Wer sich in der eigenen Wohnung weiterhin wohlfühlt und es als ausreichend empfindet, wenn ein ambulanter Dienst vorbeischaut, braucht sich zunächst nicht mit dem Umzug in eine Wohnung im Heimverbund beschäftigen. Fühlen sich Betroffene jedoch unsicher, wenn sie allein sind, dann kann je nach Pflegebedürftigkeit eine gemeinsam organisierte Wohnung oder betreutes Wohnen im Heimverbund eine gute Alternative sein. Ist Betroffenen allerdings ihre Privatsphäre sehr wichtig, bietet sich das betreute Wohnen mit Serviceleistungen an. Dort hat der Betroffene seine eigene Wohnung, kann aber bei Bedarf Service- und Betreuungsangebote wahrnehmen.

Sind Sie unsicher, welches Wohnmodell infrage kommt, dann sprechen Sie ruhig mit Ihnen nahestehenden Personen über Ihre Gefühle. Wohnanlagen für betreutes Wohnen sollten Sie auf jeden Fall besichtigen. Lassen Sie sich die Zimmer bzw. Ihre Wohnung zeigen, sprechen Sie mit anderen Bewohnern und schauen Sie sich die Vertragsbedingungen genauestens an. Sie finden mit Sicherheit ein Wohnmodell, das zu Ihren Bedürfnissen passt.