Sturzprophylaxe: So schützen Sie sich vor Stürzen

Sturzprophylaxe: So schützen Sie sich vor Stürzen

Wir verraten, wie Sie mit Sturzprophylaxe das Sturzrisiko minimieren und sich für den Notfall optimal absichern.

Jessica Djadavjee
Jessica Djadavjee
26.09.2019

Ältere Menschen stürzen nicht unbedingt häufiger als jüngere, aber die Folgen sind oftmals schwerwiegend. Vor allem ein Faktor ist für das Sturzrisiko entscheidend: Unsicherheit. Sie schwächt die Konzentration und verengt den Blick. Die Folge: Fehltritte, Ausrutscher und Vermeidungsstrategien. Wir verraten, was jeder tun kann, um das Sturzrisiko im Alter zu senken.

Warum Sturzprophylaxe?

Ein Sturz hat bei älteren Menschen häufig nicht nur körperliche Folgen, er verunsichert auch nachhaltig. Wiederholte Stürze stehen oftmals am Anfang einer fortschreitenden Abwärtsspirale. Denn leidet erst das Vertrauen in die eigenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, reagieren gerade allein lebende ältere Menschen häufig mit Vermeidungsstrategien - mit ernstzunehmenden Konsequenzen. Erst sinkt die Alltagsaktivität und dann folgt der Abbau der Muskulatur. Dadurch steigt das Sturzrisiko tatsächlich - der Risikozyklus beginnt. Kommt es dann zu einem schweren Sturz bei fortgeschrittener Osteoporose und geschwächter Muskulatur, ist das Risiko für Folgeschäden bis hin zur Pflegebedürftigkeit deutlich erhöht.

Was ist Sturzprophylaxe?

Sturzprophylaxe ist die Gesamtheit aller therapeutischen, baulichen und pflegerischen Maßnahmen, um Stürze zu vermeiden. Dazu können Pflegekräfte genauso beitragen wie Angehörige, technische Hilfsmittel und bauliche Veränderungen im direkten Umfeld.

Risikofaktoren identifizieren

Menschen, die krankheits- oder altersbedingt unter geschwächter Beinkraft leiden, sind per se einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt – das Sturzrisiko ist für Menschen mit geschwächten unteren Extremitäten um ein Vierfaches höher. Stürze verändern darüber hinaus das Gangbild der Verunfallten, was wiederum die Sturzgefahr erhöht. Schätzungen zufolge stürzen Menschen über 65 Jahren innerhalb von zwei Jahren mindestens einmal. Bei Pflegebedürftigen ist das Risiko noch höher: Sie stürzen mindestens einmal pro Jahr.

Ist eine Person bereits gestürzt, ist das Risiko für erneute Stürze dreimal so hoch wie bei nicht Betroffenen. Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen stürzen doppelt so häufig. Oft übersehen: Stolperfallen im Haushalt: Rutschige Bodenbeläge, Teppiche, Fußabtreter und Türschwellen sind in bis zu 45 Prozent Ursache von Stürzen.

Zu den häufigsten körperlichen Risiken gehören:

Mitschuld sind aber auch eine ganze Reihe externer Faktoren, die zu Stürzen führen: Stolperfallen in den eigenen vier Wänden wie Teppichkanten, lose Kabel und rutschige Bodenbeläge sind genauso riskant wie zu lange Kleidungsstücke, schlechtes Schuhwerk und schief sitzende Brillen. Unzureichende Beleuchtung ist ebenfalls gefährlich, insbesondere wenn Hindernisse die Laufwege blockieren und die Sehfähigkeit bereits eingeschränkt ist.

Sturzarten

Sturz ist nicht gleich Sturz. Viele Betroffene berichten von einem unterschiedlichen Ablauf des Sturzes. Kommt es zur akuten Kreislaufschwäche, sacken Betroffene häufig an einem Punkt in sich zusammen. Häufigster Auslöser: Zu niedriger Blutdruck. Das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff und Energie, der Betroffene verliert die Kontrolle über seinen Bewegungsapparat. Im letzten Augenblick können in einigen Fällen noch Türklinken, Stuhllehnen oder andere Alltagsgegenstände gegriffen werden und so das Schlimmste verhindern.

Unterschiedliche Auslöser können auch unterschiedliche Fallrichtungen verursachen: Insgesamt fallen alte Menschen häufiger auf die Seite. Manche Krankheiten können aber auch einen Sturz nach vorn oder hinten auslösen. Demente oder an Parkinson erkrankte Menschen fallen häufig nach vorn. Andere neurodegenerative Erkrankungen können auch Stürze nach hinten begünstigen.

Schwerwiegende Folgen kann jede Fallrichtung haben - vor allem, wenn der Sturz ungebremst erfolgt und auf hartem Untergrund endet. Manchmal tragen Betroffene nur Prellungen oder Abschürfungen davon, im schlimmsten Fall erleiden sie Knochenbrüche am Oberschenkel oder der Hüfte. Bei Zuckerkranken ist besondere Vorsicht geboten: Der Diabetes stört die Durchblutung, sodass Diabetiker an den Füßen wenig Gefühl haben. Sie bemerken Wunden oft zufällig - in vielen Fällen sind die Wunden schon entzündet. Daraus kann sich der diabetische Fuß entwickeln.

Schlimmere Folgen haben naturgemäß Treppenstürze oder Stürze mit dem Kopf gegen harte Gegenstände.

Stürze vermeiden: Maßnahmen zur Sturzprophylaxe

Wohnung altersgerecht gestalten

Ist eine ältere Person sturzgefährdet, können bereits einfache Maßnahmen dazu beitragen, das Risiko im direkten Umfeld zu reduzieren. Hohe Teppichkanten sollten genauso verschwinden wie kurze Teppiche an Türschwellen ohne Anti-Rutschmatte (Türläufer). Kann sich eine ältere Person nicht vom geliebten Teppich verabschieden, können Teppichkanten mit Teppichklebeband am Boden befestigt werden. Kabel sollten nicht frei im Raum liegen, sondern in Kabelschächten am Zimmerrand entlang geführt werden, Türöffnungen sollten nach oben hin, also über den Türsturz, überbrückt werden.

Ausreichende Beleuchtung ist ebenfalls anzuraten, oftmals hilft schon der Tausch allzu düsterer Glühbirnen. Während ältere Menschen oft aus Umweltbewusstsein auf althergebrachte 25-Watt-Glühbirnen setzen, kann eine 4-Watt-LED-Birne mit Filamentkörper für deutlich bessere Lichtverhältnisse sorgen - bei gleichbleibender Lichtfarbe. Während in Neubauten deutlich weniger Türschwellen ein zusätzliches Risiko darstellen, kann es im Altbau sinnvoll sein, Türschwellen zwischen den Räumen in einer gut sichtbaren Farbe neu zu lackieren - ggf. in Absprache mit dem Eigentümer der Immobilie.

Barrierefreier Umbau bei Pflegegrad

Versicherte mit Pflegegrad sind bei der Sturzprophylaxe nicht auf sich allein gestellt: Die Pflegekasse hilft auf Antrag bei sog. Maßnahmen zur Wohnraumanpassung. Bis zu 4000 € können für eine Einzelmaßnahme bewilligt werden. Steigt der Pflegebedarf mit der Zeit, kann erneut eine Maßnahme beantragt werden. Bezuschussbar sind praktisch alle Umbaumaßnahmen, die dazu beitragen, die eigene Wohnung durch barrierefreies Bauen vollständig oder nahezu barrierefrei zu machen, wie der Einbau eines Treppenlifts oder Umbau des Badezimmers vom Wannen- zum Duschbad.

Maßnahmen durch Therapeuten und Angehörige

Auch mit vielfältigen therapeutischen und pflegerischen Maßnahmen lässt sich das Sturzrisiko bei älteren Menschen deutlich reduzieren. Zur therapeutischen Sturzprophylaxe zählen folgende Maßnahmen:

  • Sturzgefahren in der Umgebung auflösen: Hindernisse und Stolperfallen, insbesondere auf den Laufwegen, beseitigen
  • Ausreichende Beleuchtung anbringen; Lichtschalter sollten deutlich gekennzeichnet und einfach erreichbar sein
  • Haltegriffe im Sanitärbereich anbringen, insbesondere an Treppen, Waschbecken, Toiletten und Badewanne bzw. Dusche
  • Hilfsmittel zur Verfügung stellen
  • Gehhilfen verwenden, zum Beispiel Gehstock oder Rollator

Bei einem Sturz abgesichert – mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Bei aller Vorsicht: Niemand ist vor einem Sturz ganz und gar sicher. Um im Notfall trotzdem abgesichert zu sein, empfehlen wir die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen rechtzeitig festzuhalten: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sorgen dafür, dass Ihr Wille für Ärzte, Angehörige und alle wichtigen Institutionen auch im Ernstfall verbindlich bleibt. Wir unterstützen Sie dabei!