Palliativpflege: Letzte Betreuung - stationär und zuhause

Palliativpflege: Letzte Betreuung - stationär und zuhause

Palliativpflege gewährleistet Versorgung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen im letzten Lebensabschnitt. Alles Wichtige zu Organisation und Kosten.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
25.03.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Palliativpflege dient der Begleitung sterbenskranker Menschen. Sie kann dazu dienen, Schwerstkranke auf die Rückkehr in ihr gewohntes Umfeld vorzubereiten oder eine betreuende Funktion in einem sicheren institutionellen Rahmen leisten.
  • Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch auf Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung zur Palliativpflege. Privatversicherte müssen u.U. mit Ihrer Versicherung klären, welche Leistungen übernommen werden.

Mehr als 850.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr. Während bei Umfragen mehr als die Hälfte aller Befragten angibt, am liebsten zuhause sterben zu wollen, wenn es einmal so weit ist, sieht die Realität in vielen Fällen anders aus. Tatsächlich gehen rund 40 Prozent aller Lebenswege im Krankenhaus zu Ende, ein Viertel aller Menschen sterben in Pflegeheimen. In einer alternden Gesellschaft steigt die Zahl der Menschen, die in jedem Jahr sterben – umso wichtiger wird die Auseinandersetzung mit der Frage „Wo wollen wir sterben?“ – und wie?
Palliativpflege ist eine Möglichkeit, Menschen, die um ihre letzten Tage, Wochen und Monate wissen, an einem Ort und auf eine Weise zu begleiten, die ihren persönlichen Wünschen möglichst nahekommt.
Dabei setzt die Palliativversorgung auf eine möglichst ehrliche und gleichzeitig schonende Pflege und Betreuung. Vor allem Schmerzen und Angst soll Schwerkranken mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern auf ihrem letzten Weg erspart bleiben.

Palliativpflege: Ein Mann liegt im Krankenbett und wird betreut
In den letzten Stunden häufig das Wichtigste: Persönliche Fürsorge

Was ist Palliativpflege und was leistet sie?

Palliativpflege umfasst alle pflegerischen Maßnahmen der Palliativversorgung oder Palliativmedizin, die von Fachkräften geleistet werden. Ziel der Palliativpflege ist es, die Lebensqualität Schwerstkranker und ihrer Angehörigen zu bewahren (und nach Möglichkeit zu erhöhen), die an einer unheilbaren und lebensbedrohlichen Erkrankung leiden. Kern der Palliativpflege ist nach Definition der WHO das Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art. Auf diesem Weg bestehen notwendigerweise Überschneidungen zwischen heilmethodischen Ansätzen und Pflegeverfahren der Palliativversorgung, die einander ergänzen und keiner scharfen Trennung voneinander bedürfen.

Begrifflich entstammt die Palliation dem Lateinischen Wort pallium (dt.: der Mantel). Palliativpflege ist notwendigerweise keine trennscharfe Disziplin, vielmehr umfasst sie einen großen Stamm pflegerischer Leistungen aus unterschiedlichsten Fachrichtungen, etwa Mediziner, aber auch Psychologen, Seelsorger, Kreativtherapeuten und Ehrenamtliche. Alle Leistungen, die dazu beitragen, das Wohl von Betroffenen und Angehörigen auf dem letzten Weg zu steigern werden in die Palliativpflege, bzw. Palliativversorgung miteinbezogen.

Was ist der Unterschied zwischen Palliativversorgung und Hospiz?

Die Palliativversorgung schlägt einen großen Bogen, um den Bedürfnissen sterbenskranker Menschen so weit es geht entgegenzukommen, das teilt sie mit der Betreuung in einem Hospiz. Doch während die Arbeit in einem Hospiz stärker den seelsorgerischen Aspekten der Begleitung gewidmet ist, richtet sich die Palliativversorgung, bzw. Palliativmedizin deutlicher an Menschen mit starker körperlicher Symptomatik. Hier ist es maßgeblich, Schmerzen und andere mögliche Begleitformen einer schweren Erkrankung zu lindern und ggf. engmaschig zu versorgen. Die Palliativversorgung hat dabei das Ziel, Betroffene in einen Zustand zu versetzen, der es ihnen erlaubt, den letzten Abschnitt ihres Lebens ohne Leiden zuhause zu verbringen. Ein Hospiz hingegen ist ein Ort, der es Sterbenden erlaubt, bis zum Ende würdevoll und entgegenkommend begleitet zu werden, es ist für gewöhnlich der letzte Aufenthaltsort der Betroffenen.

Palliativpflege zuhause: So funktioniert ambulante Palliativpflege

Palliativpflege soll den letzten Lebensweg in einem vertrauten Umfeld ermöglichen. Zu diesem Zweck gibt es eine ganze Reihe von Angeboten und Dienstleistungen, die Betroffene und ihre Angehörigen in Anspruch nehmen können.

SAPV: Spezialisierte ambulante Palliativversorgung

Bereits seit 2007 gibt es die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Sie richtet sich an Patienten mit unheilbaren und fortschreitenden Erkrankungen mit begrenzter Lebenserwartung, die gleichzeitig einen verhältnismäßig hohen pflegerischen Versorgungsaufwand geltend machen können. SAPV ist eine Leistung nach dem SGB V und ist damit als Leistung der Krankenkassen verschreibungspflichtig – die Verschreibung wird jedoch im gegebenen Fall in aller Regel reibungslos vom behandelnden Arzt (auch von Hausärzten) gewährt. Leistungen der SAPV bestehen dabei sowohl aus ärztlich-kurativen als auch als pflegerisch-betreuenden Angeboten, aber auch seelsorgerische Dienste oder psychosoziale Leistungen werden im Rahmen der SAPV angeboten. Auf diese Weise soll sichergestellt sein, dass Betroffene die bestmögliche körperliche und seelische Begleitung erhalten, die sie für einen letzten Weg in ihrem gewohnten Umfeld benötigen.

SAPV-Teams

In immer mehr Bundesländern gibt es mittlerweile koordinierte SAPV-Teams, die die Begleitung Sterbender ganzheitlich ins Werk setzen. SAPV-Teams bestehen in der Regel aus Medizinern, Pflegefachkräften und Organisationsleitern, die Einsatz und Umfang der Palliativpflege im Rahmen der SAPV koordinieren und bis zum letzten Tag der Betroffenen abstimmen.

Ambulante Palliativpflege

Viele ambulante Pflegedienste bieten mittlerweile die Begleitung von Betroffenen und ihrer Familien durch spezielle examinierte Palliativpflegekräfte an. Diese Fachkräfte haben sich im Rahmen einer zusätzlichen Ausbildung auf die besondere Aufgabe der pflegerischen Sterbebegleitung spezialisiert und sind in der Lage, fortschreitende Erkrankungen ebenso zu versorgen wie Symptome aus dem regulären Pflegespektrum. Darüber hinaus sind Palliativpflegekräfte nicht nur fachlich im Umgang mit dieser für alle Beteiligten herausfordernden Situation, oftmals sind sie auch dank ihrer Erfahrung eine wertvolle Unterstützung für die ganze Familie eines Betroffenen.

Ambulanter Hospizdienst

Steht vor allem die seelsorgerische Versorgung sterbenskranker Menschen im Vordergrund, kann ein ambulanter Hospizdienst Betroffene und ihre Familien mit fachgerechter Begleitung unterstützen. Während es bei der ambulanten Palliativpflege in erster Linie darum geht, körperliche Leiden zu lindern, sind Beschäftigte von ambulanten Hospizangeboten darauf spezialisiert, die seelischen Aspekte der Sterbebegleitung auszufüllen. Angebote der ambulanten Hospizarbeit können auch Haushaltstätigkeiten enthalten – nicht jedoch abrechenbare Pflegeleistungen. Ab einer bestimmten Größe und nachweisbarer Qualitätsmaßstäbe können ambulante Hospizdienste von Krankenkassen finanzielle Fördermittel.

Ein alter Mann liegt in seinem Bett. Familienangehörige schauen besorgt
Gerade im eigenen Zuhause in den letzten Stunden ausschlaggebend: Nähe und die Zuversicht, dass alles Wichtige geregelt ist.

Stationäre und lokale Sterbebegleitung: Hospiz und Pflegeheim

Hospiz

Hospize verstehen sich als Orte zwischenmenschlicher Begleitung auf dem letzten Lebensweg. Während die notwendige medizinische Behandlung zur Linderung körperlicher Leiden gewährleistet ist, steht das seelische Wohl des Sterbenden im absoluten Mittelpunkt. Hospize sind ein Ort der letzten Aufnahme, aus diesem Grund wird in ihnen nachdrücklich darauf geachtet, auf alles nicht Notwendige zu verzichten, was einer Krankenhausatmosphäre ähnelt. Trotzdem ist jedes Hospiz mit einem ganzen Stab qualifizierter Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Fachrichtungen für ihre Gäste vor Ort – dazu gehören Mediziner und Pfleger häufig genauso wie Psychologen, Sozialarbeiter und Ehrenamtliche oder Glaubensvertreter.

Palliativstation

Eine Palliativstation ist eine eigenständige Einrichtung oder Behandlungseinheit eines Krankenhauses, deren Kräfte in besonderer Weise auf die Behandlung von Menschen in ihrem allerletzten Lebensabschnitt vorbereitet sind. Genau wie in der ambulanten Palliativversorgung sind auch hier Pflegekräfte im Einsatz, die eine spezielle fachliche Weiterbildung zur Behandlung Schwerstkranker durchlaufen haben. Neben Ärzten und Pflegern sind auch hier häufig Physiotherapeuten, Psychologen, Kreativtherapeuten und Seelsorger Teil eines interdisziplinären Teams, das sowohl den medizinischen als auch den seelsorgerischen Aspekten dieser besonderen Situation gerecht werden kann. Ziel der stationären Behandlung in einer Palliativstation ist es eine ganzheitliche Behandlung der Betroffenen. Die Palliativstation hat zum Ziel, Patienten auf einen Übergang in ihr häusliches Umfeld vorzubereiten. In Baden-Württemberg kann diese Aufgabe auch von einer Einrichtung zur Brückenpflege wahrgenommen werden.

Welche Kosten entstehen bei der Palliativpflege?

Die Kosten der Palliativpflege unterscheiden sich je nach Art der palliativen Versorgen – grundsätzlich besteht jedoch für alle Versicherten ein Anspruch auf Palliativpflege – auch unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten des einzelnen. Grundlage der Kostenübernahme ist das SGB V. Seit April 2007 besteht ein genereller Anspruch auf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), wenn die Versorgung des Betroffenen besonders aufwändig wird. Einzige Voraussetzung: Die Leistungen der SAPV müssen von einem Arzt verschrieben werden.

Kostenübernahme bei ambulanter Palliativversorgung

Liegt eine entsprechende Verschreibung vor, können gesetzlich Versicherte darauf vertrauen, dass sämtliche Leistungen für Hausarzt, Schmerztherapie oder Krankenpflege / SAPV von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Privat krankenversicherte sollten mit ihrer Versicherung klären, welche palliativen Maßnahmen sie im Rahmen ihres Vertrages oder als Kulanzleistung in Anspruch nehmen können.
Liegt zusätzlich Pflegebedürftigkeit vor, werden die Leistungen der Krankenkasse durch Leistungen der Pflegekasse nach SGB XI ergänzt – das schließt ausdrücklich auch Leistungen zur Wohnraumanpassung vor, wenn ein pflegebedürftiger Mensch in seiner letzten Lebensphase Umbauten benötigt, die seinen häuslichen Wohnbereich barrierefrei zu gestalten. Wird ein entsprechender Antrag mit dem Vermerk „Palliativpatient“ eingesendet, wird er in der Regel bevorzugt, d.h. innerhalb einer Woche bearbeitet.

Kostenübernahme im Hospiz

Auch bei der letzten Etappe in einem Hospiz werden die Kosten in der Regel durch die gesetzliche Krankenkasse und die Pflegeversicherung übernommen, bzw. abgedeckt. Allerdings ist die Zusage beider Träger an die Voraussetzung gebunden, dass eine Heilung der vorliegenden Hauptkrankheit ausgeschlossen ist, und dass die verbleibende Lebenszeit nach ärztlicher Einschätzung bei wenigen Monaten oder Wochen liegt. Darüber hinaus ist es notwendig, dass die Unterbringung in einem Hospiz von ärztlicher Seite nachweislich als notwendig eingestuft wird. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, übernimmt die Krankenkasse in aller Regel 90 Prozent der Kosten, während die restlichen 10 Prozent vom Träger des Hospizes übernommen werden.

Privatversicherte müssen auch hier vorab klären, welche Leistungen ihre Versicherung für die Unterbringung in einem Hospiz bewilligt.

Pflege eines sterbenden Angehörigen: Pflegezeit nutzen

Wer einen nahen Angehörigen in seinen letzten Monaten und Wochen selbst pflegen möchte, obwohl es die eigentliche berufliche Situation nicht zulässt, kann entweder Pflegezeit (Pflegezeitgesetz) oder Familienpflegezeit beantragen. Für die Dauer von bis zu drei Monaten können Angehörige einen sterbenden Angehörigen dann mit finanzieller Unterstützung des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben pflegen: Allerdings ist auch Voraussetzung, dass der Betroffene an einer unheilbaren Krankheit im fortgeschrittenen Stadium leidet. Zur finanziellen Unterstützung in dieser Zeit können pflegende Angehörige ein zinsloses Darlehen in Anspruch nehmen.