Welt-Alzheimertag 2019: Das vergessende Gedächtnis

Welt-Alzheimertag 2019: Das vergessende Gedächtnis

In Deutschland leben rund 1,2 Millionen Menschen mit der Diagnose Demenz. Der diesjährige Welt-Alzheimertag findet am Samstag, den 21. September statt und macht auf die Krankheit und die Betroffenen aufmerksam.

Jessica Djadavjee
Jessica Djadavjee
20.09.2019

Der Welt-Alzheimertag rückt seit 1994 an einem Tag des Jahres die Alzheimer-Krankheit in den Mittelpunkt: An diesem Tag finden weltweit Vorträge, Aktivitäten und Veranstaltungen rund um die Erkrankung statt. Unterstützt wird dieser Tag von der Dachorganisation Alzheimer's Disease International sowie lokalen Alzheimer-Gesellschaften, die sich um die Gestaltung von Tagungen, Gottesdiensten und Benefizkonzerten kümmern, um auf das Schicksal von Menschen mit Alzheimer und deren Angehörigen aufmerksam zu machen. In Deutschland leben rund 1,2 Millionen Menschen mit der Diagnose Demenz. Der diesjährige Welt-Alzheimertag findet am Samstag, den 21. September statt.

Mehr als eine Million Menschen leiden in Deutschland unter einer Demenzerkrankung, rund 700.000 davon haben die Diagnose Morbus Alzheimer – und jedes Jahr kommen 200.000 Neuerkrankungen hinzu, wovon circa 120.000 Alzheimerpatienten sind. Computerberechnungen auf Grundlage von Bevölkerungszahlen der Vereinten Nationen zufolge, soll es im Jahr 2050 mehr als 100 Millionen Demenzerkrankte weltweit geben, 85 Millionen Menschen davon werden voraussichtlich Alzheimer-Patienten sein.

Demenz hat viele Gesichter

Oftmals werden „Demenz“ und „Alzheimer“ synonym verwendet, bezeichnen sie jedoch keinesfalls das gleiche Krankheitsbild. Demenz meint ein Zusammenspiel verschiedener Symptomatiken, die wiederum verschiedene Ursachen haben – und die Alzheimer-Krankheit ist eine davon.

In 80 Prozent der Fälle ist eine Erkrankung des Gehirns ursächlich für die Demenz. Zu den häufigsten Ausprägungen gehört Alzheimer, die Lewy-Körperchen-Demenz sowie Frontotemporale Degenerationen. Zweithäufigste Ursachen für Demenzen sind Blutgefäß-Erkrankungen, die in der Regel in Kombination mit der Alzheimer-Krankheit auftreten. Hinzu kommen weitaus seltenere Auslöser für eine Demenz: Infektionen, Tumore, Hirnblutungen, neurologische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Schädelhirnverletzungen, Vitaminmangel, Hormonmangel oder Probleme beim Abfluss des Liquors. In weniger als zwei Prozent der Fälle sind die Ursachen für eine Demenz reversibel.

Demenz: Symptome verschiedenster Art und Ausprägung

Menschen, die von einer Demenz betroffen sind, leiden vor allem unter der Abnahme geistiger Fähigkeiten. Eine Demenz ist damit nicht nur eine Störung des Gedächtnisses, sondern kann auch andere Fähigkeiten beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Auffassungsgabe, den Orientierungssinn oder das Denkvermögen. Aber auch die Aufmerksamkeit oder das Sprechen kann beeinträchtigt sein.

Deshalb fällt es Demenzpatienten unter Umständen schwer, sich zu konzentrieren, sich neue Informationen zu merken, sich in Wort und Schrift auszudrücken, Situationen richtig einzuschätzen, den Alltag zu organisieren oder auch örtlich und zeitlich orientiert zu sein.

Kennzeichen: Diagnostik einer Demenz

Die meisten Demenzkranken sind älter als 60 Jahre – damit ist das Alter der größte Risikofaktor, um an einer neurodegenerativen Krankheit zu erkranken. Statistisch gesehen ist von den 80-Jährigen jeder Sechste und von den über 90-Jährigen bereits jeder Zweite von der Krankheit betroffen.

Kennzeichnend für die Gruppe der neurodegenerativen Krankheiten ist, dass Nervenzellen und Nervenzellkontakte im Gehirn langsam, aber stetig abbauen. Dies wird durch Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) verursacht: Proteine lagen sich durch eine falsche Verarbeitung in den Nervenzellen zusammen und schädigen sie auf diese Weise. Sind viele Nervenzellen betroffen, schrumpft das Hirngewebe an der entsprechenden Stelle. Hinzu kommt, dass durch die kranken Hirngefäße tiefer liegende Gehirnregionen unzureichend mit Blut versorgt werden, was zusätzlich zum Absterben von Nervenzellen und zur Schädigung von Nervenfasern führt.

Je nachdem, welche Stellen im Gehirn betroffen sind, machen sich entsprechend Symptome bemerkbar. Da Demenzen durch neurodegenerative Krankheiten verschiedenster Art hervorgerufen werden, äußern sie sich auch auf unterschiedliche Weise.

Demenz hat Einfluss auf Selbständigkeit und Persönlichkeit

Neben Störungen des Denk-, Sprach und Urteilsvermögens geht die Krankheit auch mit Veränderungen der Persönlichkeit einher. Grundsätzlich zeichnen sich die spezifischen Beeinträchtigungen durch eine stetige Zunahme im Verlauf der Krankheit aus. Die Folge: Die Betroffenen büßen Schritt für Schritt an Selbständigkeit ein, die Bewältigung des Alltags wird immer schwieriger.

Demenz-Kranke und Angehörige sind auf Hilfe angewiesen

Da Demenz-Patienten mit fortschreitender Krankheit immer mehr auf Hilfe angewiesen sind, steigen die Anforderungen an Angehörige, Therapeuten und Pfleger stetig. Der Welt-Alzheimertag leistet hierbei einen wichtigen Beitrag, denn er schafft Sensibilität gegenüber den individuellen Ausprägungen der Krankheit und den Einzelschicksalen Betroffener sowie deren Familien.