Welche Atemschutzmaske ist die richtige?

Welche Atemschutzmaske ist die richtige?

FFP-Maske, Mund-Nasen-Schutz oder selbstgenähte Behelfsmaske? Wir erklären die Unterschiede und zeigen, wie Sie einen Mundschutz richtig anlegen.

Christina Horst
Christina Horst
09.04.2020

In der Coronakrise sind professionelle Atemschutzmasken und OP-Masken Mangelware. Darum basteln und nähen sich viele Menschen einfach selbst einen behelfsmäßigen Mund-Nasen-Schutz. Doch wie effektiv sind DIY-Modelle im Vergleich zu medizinischen Masken? Und worin bestehen die Unterschiede zwischen den heißbegehrten FFP-Masken und den Gesichtsmasken, die in Asien schon lange im öffentlichen Raum getragen werden? Wir erklären, welche Maske auf welche Weise schützt.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Gefahr einer Tröpfcheninfektion, beispielsweise mit Influenza- oder Coronaviren, lässt sich mit einer Atemschutzmaske senken.
  • Effektiven Eigenschutz bieten nur filtrierende Halbmasken der Schutzklassen FFP2 und FFP3, OP-Masken dienen dem Fremdschutz.
  • Selbstgenähte Behelfsmundschutze haben keine nachgewiesene Schutzwirkung, können aber bei Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln zusätzlich verwendet werden.

Husten, Niesen, Sprechen – all das kann dazu führen, dass sich eine Infektionskrankheit von einem Menschen auf den anderen überträgt. Denn bestimmte Krankheitserreger gelangen mit den Tröpfchen, die ein infizierter Mensch beispielsweise durch feuchte Aussprache ausstößt, in die Luft und können von einem anderen eingeatmet werden oder unbemerkt auf seine Schleimhäute gelangen. Es kommt auch vor, dass die Tröpfchen sich auf Oberflächen absetzen und eine Person sich über eine Kontaktinfektion (Schmierinfektion) ansteckt.

Welche Maske bei Corona?

Beim neuartigen Coronavirus ist die Tröpfcheninfektion der primäre Übertragungsweg. Atemschutzmasken, Mund-Nasen-Schutze und selbstgemachte Masken sollen die Infektionsgefahr mindern und sind darum gerade stark nachgefragt. Wie effektiv der Schutz ist und wen die Maske schützt – den Träger oder sein Gegenüber –, hängt vom Modell ab. Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten von Masken: Filtrierende Atemschutzmasken, Mund-Nasen-Schutze und selbsthergestellte Behelfsmasken („Community Masks“).

Filtrierende Atemschutzmasken

Filtrierende Atemmasken filtern die Luft, die der Träger einatmet. Während im militärischen Bereich bzw. im Zivil- und Katastrophenschutz meist Vollmasken eingesetzt werden (Gasmasken, ABC-Schutzmasken, CBRN-Masken), sind im Arbeitsschutz partikelfiltrierende Halbmasken verbreitet, sogenannte FFP-Masken. Die Abkürzung FFP steht für den englischen Begriff „filtering face piece“. FFP-Masken schützen vor lungengängigem Staub, Rauch und vernebelten Flüssigkeiten (Aerosolen) – also auch vor den Tröpfchen, über die Viren sich verbreiten. Vor Dämpfen und Gasen schützen sie nicht.

Eine filtrierende Halbmaske besteht in der Regel aus Vlies und elektrostatischem Material. Ein formbarer Nasenbügel sorgt dafür, dass die Maske eng am Gesicht anliegt, befestigt wird sie mit Gummibändern. Die Atmung ist beim Tragen einer FFP-Maske erschwert. Etwas einfacher geht es, wenn die Atemschutzmaske über ein Ventil verfügt, durch das die ausgeatmete Luft entweichen kann. Selbst, wer geübt im Umgang mit filtrierenden Halbmasken ist, benötigt beim Tragen regelmäßige Erholungspausen: Experten für Arbeitsschutz beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) empfehlen eine Tragepause von 30 Minuten nach höchstens 120 Minuten (bei Modellen mit Ventil) bzw. 75 Minuten (bei Masken ohne Ventil).

FFP-Masken gibt es in drei verschiedenen Schutzklassen: FFP1, FFP2 und FFP3. Sie müssen eine entsprechende Prüfzertifizierung aufweisen. Entscheidend für die Einteilung in die Schutzklassen ist vor allem, wie viele der in der Luft vorhandenen Partikel die Maske herausfiltert und wie viel Atemluft trotz der Maske ein- und ausströmen kann (Gesamtleckage).

Schutzklasse

filtert Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometer

Gesamtleckage

FFP1

zu 80 Prozent

max. 25 Prozent

FFP2

zu 94 Prozent

max. 11 Prozent

FFP3

zu 99 Prozent

max. 5 Prozent

FFP-Masken müssen sachgerecht angewendet werden, sonst ist der Schutz nicht gewährleistet. Laien sollten sie nicht benutzen: Erstens, weil die Medizinprodukte dann dort fehlen, wo sie dringender benötigt werden, zweitens, weil sich viele mit einer fehlerhaft aufgesetzten Maske in falscher Sicherheit wiegen und sich erst recht einer Infektionsgefahr aussetzen.

Grundsätzlich handelt es sich um Einwegprodukt, dass nach dem Absetzen entsorgt wird. Ausgenommen sind Masken, die mit einem R („reusable“, englisch für „wiederverwendbar“) gekennzeichnet sind – dann aber nur unter strikten Hygienemaßnahmen (z. B. Desinfektion, Filtertausch). Bei einer Knappheit, wie sie aufgrund des Coronavirus aktuell für FFP2- und FFP3-Masken auftritt, können auch Masken ohne R wiederverwendet werden – dafür hat das Robert-Koch-Institut spezielle Richtlinien veröffentlicht. Ist die Atemschutzmaske in Kontakt mit Krankheitserregern gekommen oder durchfeuchtet, muss sie jedoch immer entsorgt werden.

Mund-Nasen-Schutz (MNS)

Der auch als Mundschutz, OP-Maske oder chirurgische Maske bekannte Mund-Nasen-Schutz, kurz MNS, schützt nicht den Träger vor einer Infektion, sondern sein Gegenüber: Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen weniger Tröpfchen in die Luft, weil die Innenseite der Maske sie abfängt – so ist die Gefahr geringer, dass andere Menschen sie abbekommen. Allerdings kann ein MNS nur gröbere Tropfen zurückhalten, feine Aerosole können an den Seiten und durch das Material hindurch entweichen. Das oberste Gebot lautet deshalb: Abstand halten, auch mit Maske.

In vielen asiatischen Ländern ist das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit schon lange üblich. In Deutschland wird im Zuge der Coronavirus-Pandemie erstmals diskutiert, ob grundsätzlich Mund-Nasen-Schutzmasken im öffentlichen Raum getragen werden sollten, um die Häufigkeit von Übertragungen in der Bevölkerung zu senken. Dafür spricht: Je mehr Menschen sie tragen, desto besser funktioniert das Prinzip: Ich schütze dich, du schützt mich. Doch solange die Masken Mangelware sind, müssen sie dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.

In Arztpraxen, Krankenhäusern, Kliniken und Pflegeheimen sind sowohl FFP-Masken als auch Mund-Nasen-Schutze unverzichtbar. Zum einen für den Fremdschutz, weil dort vorerkrankte und alte Menschen versorgt werden, die ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben – nicht nur bei Covid-19, sondern auch bei Influenza und anderen Krankheiten. Zum anderen für den Eigenschutz, weil das medizinische Personal einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Solange Mund-Nasen-Schutze Mangelware auf dem Weltmarkt sind, können selbsthergestellte Behelfsmasken verwendet werden.

Selbstgenähte Atemschutzmasken
Medizinische Atemschutzmasken und Mund-Nasen-Schutze sind auf dem Weltmarkt Mangelware. Selbstgenähte Behelfsmasken dienen als Zusatzmaßnahme zu Hygiene- und Abstandsregeln.

Community Masks

Selbstgebastelte bzw. selbstgenähte Behelfsmasken kommen in der Coronakrise immer häufiger zum Einsatz. Sie werden auch „Community Masks“ genannt, denn in der „community“, der Gemeinschaft, kommen sie vorrangig zum Einsatz, und sie werden auch von der „community“ hergestellt: von Privatpersonen, die sie in der Regel verschenken oder gegen eine Spende abgeben. Angesichts des starken Mangels an professionellen FFP-Masken und Mund-Nasen-Schutzen haben inzwischen aber auch kleine und große Textilhersteller ihre Produktion umgestellt und fertigen Textilmasken für Pflegeheime, Arztpraxen und andere Einrichtungen.

Tipp: Eine umfangreiche Übersicht, welche kleinen und großen Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits Stoffmasken produzieren, gibt es beim Textile Network.

DIY-Masken dienen ebenso wie Mund-Nasen-Schutze dem Fremdschutz. Allerdings ist ihre Schutzwirkung nicht nachgewiesen, deshalb dürfen sie nicht als medizinische Produkte vertrieben werden. Wer darauf beim Verkauf der selbstgenähten Masken nicht explizit hinweist und sie sogar unter Bezeichnungen wie „Atemschutzmaske“ oder „Mundschutzmaske“ anpreist, riskiert eine Abmahnung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stuft selbstgenähte Stoffmasken als Kleidungsstücke ein, meint aber dennoch:

„Durch das Tragen können Geschwindigkeit des Atemstroms oder Speichel-/Schleim-Tröpfchenauswurfs reduziert werden und die Masken können das Bewusstsein für „social distancing“ sowie gesundheitsbezogenen achtsamen Umgang mit sich und anderen unterstützen.“ (BfArM)

Behelfsmundschutze lassen sich auf vielfältige Weise herstellen: Besonders einfach lassen sich Schals, Tücher und andere Kleidungsstücke umfunktionieren, aus Papiertaschentüchern, Küchenrolle und Kreppband entstehen improvisierte Einwegmasken. Dem professionellen Schutz am nächsten kommen genähte Stoffmasken mit Nasenbügel und Gummibändern, die eng am Gesicht anliegen. Sie sind wiederverwendbar, wenn sie sich bei mindestens 60 Grad, besser 90 Grad, waschen lassen. Je dichter das Gewebe, desto besser hält die Maske Tröpfchen zurück – allerdings fällt dann das Atmen schwerer. Forscher der Cambridge University empfehlen, Baumwollshirts und Kissenbezüge zu Behelfsmasken zu verarbeiten: Sie weisen eine relativ hohe Dichtigkeit auf und sind dennoch atmungsaktiv. Staubsaugerbeutel und Geschirrtücher sind noch weniger durchlässig, erschweren aber das Atmen.

Wichtig: Eine Behelfsmaske kann ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Dabei besteht umso größere Infektionsgefahr, wenn man sich in der Nähe von potenziell Erkrankten aufhält oder das Händewaschen vernachlässigt. Das Tragen der DIY-Masken sollte deshalb ausschließlich als zusätzliche Maßnahme zu Abstandsregeln und Hygiene verstanden werden.

DIY-Maske und Mundschutz: Wie anlegen?

  • Stoffmasken vor dem ersten Gebrauch bei mindestens 60 Grad waschen oder fünf Minuten auskochen.
  • Vor dem Aufsetzen der Maske gründlich die Hände waschen.
  • Die Maske muss Nase, Mund und Kinn bedecken. Dafür zunächst den Drahtbügel auf die Nase setzen und anpassen. Gummibänder hinter den Ohren befestigen bzw. Bänder am Hinterkopf zusammenbinden.
  • Beim Tragen die Maske nicht berühren. Sobald das Material feucht ist, muss sie gewechselt werden.
  • Vor dem Absetzen die Hände waschen.
  • Beim Absetzen möglichst nicht die Außenseite der Maske berühren, daran könnten sich infektiöse Tröpfchen gesammelt haben. Stattdessen die Schlaufen nutzen, um die Maske abzunehmen.
  • Einwegmasken direkt entsorgen, waschbare Masken sollten gleich nach der Benutzung, mindestens aber einmal pro Tag mit Seife bzw. Waschmittel bei mindestens 60 Grad gewaschen oder in die Kochwäsche gegeben werden. Die Maske am besten sofort nach dem Absetzen waschen, notfalls kurz in einem geschlossenen Behälter oder Plastikbeutel verstauen.
  • Nach dem Absetzen nochmals gründlich die Hände waschen.

Gut zu wissen: Tipps für hygienische Wäsche finden Sie in unserem Ratgeber Wäsche waschen.