Händedesinfektion: Wie sie wirkt und wann sie sinnvoll ist

Händedesinfektion: Wie sie wirkt und wann sie sinnvoll ist

Welches Desinfektionsmittel wirkt gegen welchen Erreger? Wann ist Desinfektion überhaupt sinnvoll? Und wie werden die Mittel angewendet? Wir klären auf.

Christina Horst
Christina Horst
20.03.2020

Krankheitserreger verbreiten sich schnell unter Menschen – das neuartige Coronavirus ist das jüngste Beispiel dafür. Händedesinfektionsmittel können die Übertragungskette unterbrechen, indem sie die Erreger abtöten oder inaktiv machen. Die Verwendung ist aber nicht in jeder Situation sinnvoll, manchmal sind andere Schutzmaßnahmen effektiver. Wir erklären, welche Desinfektionsmittel es gibt, wie sie angewendet werden und für wen bzw. unter welchen Umständen sie sinnvoll sind.

Die Händedesinfektion ist ein zentraler Teil der Hygiene und der Prävention von Krankheiten. Für manche Menschen gehören Desinfektionsmittel zum Alltag: vor allem für medizinisches Personal wie Ärzte und Pflegekräfte, aber auch für pflegende Angehörige sowie Pflegebedürftige und Menschen mit Vorerkrankungen, die sich besonders gründlich vor Erregern schützen müssen. Auch für alle, die mit Lebensmittelhygiene zu tun haben, etwa in Großküchen oder bei Nahrungsmittelherstellern, sind keimfreie Hände wichtig. Im privaten Alltag kann beispielsweise Händedesinfektionsgel als zusätzliche Hygienemaßnahme dienen, doch sollten solche Produkte nicht unnötig bzw. übermäßig verwendet werden.

Grundwissen Desinfektion

Viren wie das gerade erst entdeckte Coronavirus SARS-CoV-2, das Influenzavirus oder das Norovirus zählen zu den Krankheitserregern, die sich durch Desinfektion unschädlich machen lassen. Auch Bakterien, multiresistente Keime und Pilze können mit den richtigen Desinfektionsmaßnahmen beseitigt werden. Allerdings greifen viele Verbraucher zu Desinfektionsmitteln, ohne genau über die Wirksamkeit Bescheid zu wissen. In fast jeder Drogerie erhältlich sind kleine Tuben oder Fläschchen mit Mitteln für die Händedesinfektion. Doch diese wirken meist nur gegen einige Erreger, bieten also unter Umständen nicht den gewünschten Schutz. Dasselbe gilt für Flächendesinfektionsmittel, spezielle Hygienewaschmittel und Desinfektionstücher. Auch die richtige Anwendung ist entscheidend: Bei der Verwendung von Desinfektionsmitteln passieren schnell Fehler. Wer nicht medizinisch vorgebildet ist, sollte sich also unbedingt ein „Grundwissen Desinfektion“ aneignen, damit die Wirksamkeit gewährleistet ist.

Das Wirksamkeitsspektrum

Desinfektionsmittel sind in Drogerien, Apotheken und im Onlinehandel erhältlich – die Vielfalt ist riesig. Ein Blick auf das Etikett oder die Produktbeschreibung verrät, gegen welche Erreger das jeweilige Mittel wirkt. Das Wirkungsspektrum umfasst Produkte mit „bakteriziden“, „fungiziden“, „begrenzt viruziden“ und „viruziden“ Eigenschaften. Das bedeuten die Begriffe:

  • bakterizid: wirkt gegen Bakterien
  • fungizid: wirkt gegen Pilze
  • begrenzt viruzid: kann umhüllte Viren unschädlich machen (zu den behüllten Viren zählen z. B. das neue Coronavirus, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren sowie HIV)
  • viruzid: bekämpft alle Viren, darunter auch unbehüllte Viren (z. B. Norovirus)

Auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Verbunds für angewandte Hygiene (VaH) finden sich Listen mit geprüften, anerkannten Mitteln und Verfahren der Desinfektion. Wer sich beim Kauf für Produkte von diesen Listen entscheidet, die Angaben auf dem Etikett beachtet und die Mittel korrekt anwendet, ist hinsichtlich der Wirksamkeit auf der sicheren Seite.

Tipp: Mehr über Desinfektionsmittel und -verfahren sowie die Risiken der Anwendung lesen Sie in unserem Ratgeber Desinfektion.

Nicht alle Mikroorganismen sind schädlich

Die Händedesinfektion ist eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung von Krankheiten. Doch nicht alle Mikroorganismen, mit denen wir in Kontakt kommen, sind schädlich: Der größte Teil löst keine Krankheiten aus, viele sind sogar nützlich für uns. Absolute Keimfreiheit ist in einem Privathaushalt darum weder möglich noch sinnvoll, und wer beispielsweise beim Wäschewaschen oder Geschirrspülen auf die Hygiene achtet, tut schon viel zur Eindämmung von Krankheitserregern. Nur in Ausnahmefällen ist die Verwendung von Desinfektionsmitteln ratsam: beispielsweise, wenn es unterwegs keine Möglichkeit zum Händewaschen gibt. Für den medizinischen und pflegerischen Bereich gelten natürlich andere Maßgaben, da hier beispielsweise in der Chirurgie oder bei der Versorgung von Erkrankten sowohl für den Patienten als auch für Ärzte, Pflegekräfte und pflegende Angehörige ein effektiver Schutz vor potenziell gefährlichen Keimen gewährleistet sein muss.

Hautdesinfektion

Eine Übertragung von Krankheitserregern von Mensch zu Mensch lässt sich mit flüssigen oder gelförmigen Händedesinfektionsmitteln verhindern. Da eine Vielzahl an Infektionen auf Übertragungen durch die Hände zurückgeht, sind Händedesinfektionsmittel besonders häufig im Einsatz. Für den professionellen Bereich, etwa für Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeheime, gibt es Desinfektionsmittelspender. Auch auf öffentlichen Toiletten sind diese häufig angebracht. Praktisch für den Alltag sind hingegen Desinfektionstücher oder Händedesinfektionsmittel in kleinen Fläschchen, die sich einfach in der Tasche verstauen lassen. Desinfektionsmittel für die Hände enthalten hautfreundliche Inhaltsstoffe wie Glyzerin, weil die häufige Anwendung die Haut schädigen kann.

Wichtig: Für die Versorgung von Wunden gibt es spezielle Wunddesinfektionsmittel, die dafür sorgen, dass die verletzte Haut frei von Keimen bleibt und unkompliziert abheilt.

Hände desinfizieren – so geht es richtig

Um Viren, Bakterien und Pilze abzutöten, genügt es nicht allein, dass ein geeignetes Mittel angewendet wird, es kommt auch darauf an, wie. Zu Anwendungsfehlern kommt es besonders häufig bei der Händedesinfektion. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung verrät, wie es richtig geht – die Händedesinfektion sollte insgesamt etwa 30 bis 60 Sekunden dauern.

Schritt 1: Desinfektionsmittel oder -gel auf die Hand geben. Dabei so viel verwenden, dass sich alle Bereiche der Hand damit bedecken lassen.

Schritt 2: Desinfektionsmittel zwischen den Handinnenflächen verreiben.

Schritt 3: Handrücken desinfizieren. Mit der rechten Handinnenfläche über den linken Handrücken reiben. Anschließend die Seiten wechseln.

Schritt 4: Fingerzwischenräume desinfizieren. Finger ineinander verschränken und Handflächen auf und ab aneinanderreiben.

Schritt 5: Fingerrückseiten desinfizieren. Finger geschlossen ineinander verhaken und hin- und herbewegen.

Schritt 6: Daumen desinfizieren. Rechten Daumen in der geschlossenen linken Hand reinigen. Dann die Seiten wechseln.

Schritt 7: Fingerspitzen desinfizieren. Finger der rechten Hand schließen, so dass die Fingerspitzen sich berühren, und in der linken hohlen Hand kreisen. Anschließend Seiten wechseln.

Weitere Anwendungsbereiche von Desinfektionsmitteln

Nahaufnahme von Händen, die mit Schutzhandschuhen und Desinfektionsmittel eine Fläche reinigen
Flächendesinfektionsmittel sind im medizinisch-pflegerischen Umfeld sinnvoll, unter Umständen auch in der häuslichen Pflege. Auch die Händedesinfektion spielt in der Pflege eine wichtige Rolle.

Flächen desinfizieren

In privaten Haushalten ist es in der Regel nicht notwendig, Flächen zu desinfizieren. Werden pflegebedürftige oder kranke Personen zuhause versorgt, kann dies aber unter Umständen sinnvoll sein. Für den medizinischen und pflegerischen Bereich gibt es Spezialprodukte, meist Konzentrate, die mit Wasser vermischt werden. Für den alltäglichen Gebrauch – beispielsweise um von Zeit zu Zeit die Computertastatur zu reinigen oder um in Bad oder Küche für zusätzliche Hygiene zu sorgen – sind Drogerieprodukte erhältlich, bei denen man auf die gewünschte Wirksamkeit achten sollte. Desinfektionsreiniger desinfizieren und reinigen in einem Arbeitsschritt.

Wäsche desinfizieren

Auch hier gilt: Unter normalen Umständen genügt für die Hygiene gewöhnliches Waschmittel. Voraussetzung ist, dass es sich um ein bleichmittelhaltiges Vollwaschmittel handelt und dass die Wäsche nicht zu kalt gewaschen wird – darum sind die Energiesparprogramme der Waschmaschine nicht für jeden Waschgang zu empfehlen. Eine Desinfektion der Wäsche ist nur in Ausnahmefällen notwendig, zum Beispiel, wenn eine Person im Haushalt erkrankt ist und die Textilien, die eventuell mit Erregern in Berührung gekommen sind, sich nicht bei mindestens 60 Grad reinigen lassen. Die Wäsche immer direkt aufzuhängen und gut trocknen zu lassen, beugt ebenfalls der Verbreitung von Krankheitserregern vor. Unser Ratgeber Wäsche waschen verrät, wie man gute Wäschehygiene zuhause umsetzt.