Ratgeber Quarantäne: Diese Regeln gelten

Ratgeber Quarantäne: Diese Regeln gelten

Quarantäne: Was bedeutet sie und was ist zu beachten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Quarantäne und Ausgangssperre

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
23.03.2020

Ratgeber Quarantäne: Das ist zu beachten.

Nicht nur in Zeiten von Corona kommt es immer wieder zu Ansteckungswellen, etwa wenn die Grippe Frühjahrssaison hat. Wichtig ist es dann, dass Infizierte und Kontaktpersonen dafür sorgen, das Virus oder einen anderen Erreger an so wenig Menschen weiterzugeben wie möglich. In besonders drastischen Fällen kann dann auch Quarantäne angeordnet werden. Was Quarantäne bedeutet, was erlaubt ist und wie sich Betroffene verhalten sollten, erläutern wir in unserem Ratgeber Quarantäne.

Was bedeutet Quarantäne?

Quarantäne ist eine Form der häuslichen Isolierung von Infizierten und Kontaktpersonen. Sie wird vom Amtsarzt auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes angeordnet. Die Dauer einer Quarantänemaßnahme hängt maßgeblich von der Art der Infektion ab. Im Fall des Corona-Virus beträgt die Quaräntedauer wenigstens 14 Tage um sicherzustellen, dass das gesamte Zeitfenster einer möglichen Inkubation abgedeckt ist. Eine Quarantäne kann, aber muss nicht in einem Krankenhaus vollzogen werden, im Jahr 2020 ist vor allem die häusliche Quarantäne die Regel. In der Theorie sind Gesundheitsämter angehalten den Zustand isolierter Kontaktpersonen regelmäßig zu überprüfen, um den möglichen Ausbruch einer Infektion nachzuverfolgen. Bei der Corona-Epidemie fehlt es dafür jedoch an den notwendigen personellen Ressourcen.

Mann mit Mundschutz auf der Strasse
Auch mit Mundschutz nicht mehr möglich: Wer in Quarantäne ist, darf die eigene Wohnung nicht verlassen.

Wer muss in Quarantäne?

Quarantänepflichtig können Personen sein, die entweder bereits nachweislich infiziert sind oder in Verdacht stehen, sich bei einem Infizierten angesteckt zu haben, ohne dass es bislang zu einem Ausbrechen der Krankheit gekommen ist (Kontaktpersonen). Der Verdacht besteht nicht nur bei persönlichem Kontakt zu Infizierten, auch der Aufenthalt in einem stark betroffenen Gebiet kann genügen, um nach Verlassen der Region eine Quarantänemaßnahme zu rechtfertigen. Auch wer keine Symptome nach dem Aufenthalt in einem ausgewiesenen Risikogebiet spürt, sollte sich umgehend mit seinem Hausarzt oder dem örtlichen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.

Wie lange dauern Quarantänemaßnahmen?

Die Quarantänedauer hängt von der Inkubationszeit einer Infektion ebenso ab wie vom Genesungsprozess bei bereits Infizierten. Beim Corona-Virus 2020 beträgt der notwendige Quarantänezeitraum zwischen Ansteckung und dem ersten Auftreten von Symptomen rund 14 Tage. Eine Quarantäne sollte amtlich begleitet werden, um beim tatsächlichen Auftreten von Symptomen ggf. entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Kommt es zum Ausbruch, wird die Quarantäne um weitere 14 Tage seit Auftreten der ersten Symptome verlängert. Frühestens nach 14 Tagen und auch erst dann, wenn ein Betroffener nach Genesung wenigstens 48 Stunden symptomfrei ist, endet die häusliche Quarantäne.

Welche Regeln gelten bei einer Ausgangssperre?

Wer unter Quarantäne gestellt wurde, muss bestimmte Verhaltensregeln beachten:

  • Aufenthaltspflicht: Wer in Quarantäne isoliert wurde, muss zuhause bleiben, diese Maßgabe betrifft alle Mitglieder eines Haushalts – also auch alle Familienmitglieder
  • Kontaktvermeidung: Quarantänepflichtige dürfen keinen Kontakt zu Dritten haben, also auch nicht zu Verwandten, die auf Besuch kommen wollen, zu Post- und Paketboten oder Mitarbeitern von Lieferdiensten.
  • Kein Körperkontakt zu Gesunden: Sind mehrere Personen in einem Haushalt in Quarantäne, sollten sie auf Körperkontakt möglichst verzichten, um eine ungewollte Übertragung auszuschließen.
  • Regelmäßige Wäsche aller Textilien mit regelmäßigem Körperkontakt - also Bekleidung genauso wie Bettwäsche und Handtücher. Mehr dazu in unserem Ratgeber Wäsche waschen.
  • Hygieneartikel sollten ausschließlich einzeln benutzt werden, auch das Teilen gemeinsamer Seifenstücke ist nicht empfehlenswert, genauso bieten Pumpflaschen mit Flüssigseife Kontaktfläche für Krankheitserreger.
  • Oberflächen sollten regelmäßig desinfiziert werden.

Wer kann einkaufen bei Ausgangssperre oder Quarantäne, z.B. bei Corona?

Wer infiziert oder als Kontaktperson in Quarantäne ist, kann seine Haushaltseinkäufe nicht länger selbst erledigen. Amtliche Stellen raten in derartigen Ausnahmesituationen dazu, Einkäufe von Freunden, Verwandten oder anliegenden Nachbarn erledigen und vor die Haustür oder Wohnungstür stellen zu lassen. Wer keine Personen aus seinem näheren Umfeld mit der Erledigung der eigenen Haushaltseinkäufe betrauen kann, kann sich auch an das in der eigenen Gemeinde zuständige Gesundheitsamt wenden, das sich dann um Unterstützung bemühen wird.

Auch unabhängig von epidemischen Extremsituationen ist es sinnvoll, immer einen Basisvorrat von Lebensmitteln im eigenen Haushalt zu lagern. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe etwa rät dazu, einen Grundstock mit Vorräten anzulegen, der für etwa 10 Tage ausreicht. Dabei gilt: Trinken ist wichtiger als Essen. Pro Person sollten folgende Bestände immer im Haus sein:

  • 20 Liter Wasser
  • 3,5 kg Getreideprodukte oder stärkehaltige Lebensmittel - also Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln
  • 4 kg Gemüsekonserven
  • 2,5 kg Obstkonserven / alternative lagerfähiges, trockenes Obst, ggf. Nüsse
  • 2,5l Milch und / oder 2,5 kg Milchprodukte
  • 1,5 kg tierische Produkte, also Fleisch oder Fisch, Eier oder Trockeneipulver
  • Ca. 0,4 kg Fett, Öl
  • Fertiggerichte - Je nach Lagerungskapazität und Frischhaltemöglichkeit
  • Grundnahrungsmittel: Zucker, Mehl, Salz, aber auch Energie- und Geschmacksträger wie Honig, Marmelade, Schokolade und Gewürze je nach räumlichen Kapazitäten.

Wer kann den Müll rausbringen?

Wer in Quarantäne ist, darf seine Wohnung auch dann nicht verlassen, wenn es darum geht, den eigenen Hausmüll zu entsorgen. Der Müll sollte nicht einfach von Nachbarn oder Bekannten schutzlos entsorgt werden, denn auch an Mülltüten können Krankheitserreger haften. Sinnvoll ist es, den Müll eine Zeit lang zu sammeln und mehrere kleinere Tüten in eine größere zu füllen. Ist es unabdingbar, den Müll zu entsorgen, sollte der Sammelbehälter nur nach Vorabsprache von einem Außenstehenden entsorgt werden, der idealerweise Handschuhe zum Greifen des Müllbehälters nutzt und darauf achtet, weder mit dem Müllbeutel noch dem greifenden Handschuh in Kontakt mit Oberflächen zu kommen, die auch von Dritten genutzt werden (z.B. Türklinken, Handläufe in Treppenhäusern, Fahrstuhlknöpfe, aber auch Mülltonnendeckel!).

Was und womit kann ich desinfizieren?

Zur häuslichen Desinfektion geeignete Desinfektionsmittel sollten antibakteriell und viruzid wirksam sein; wenigstens begrenzt viruzid. Eine Liste amtlich für geeignet befundener Desinfektionsmittel finden Interessierte beim RKI. Wer sich in häuslicher Quarantäne befindet, sollte die Ansteckungsgefahr Außenstehender möglichst gering halten. Dazu sollten vor allem Kontaktflächen desinfiziert werden, mit denen auch andere häufig in Berührung geraten können (auch nach Genesung bei Infizierten), insbesondere Tür- und Fensterklinken (auch Türflanken an Stellen, die zum Öffnen angefasst werden), Spül- und Wascharmaturen (auch Spültasten an Toiletten), Toilettendecken und -brillen, ggf. Arbeitsoberflächen in Küchen, Mülleimerdeckel und Fernbedienungen, sowie Mäuse und Tastaturen oder ähnliche Eingabegeräte. Benutztes Geschirr, Besteck und Küchenutensilien sollten bei wenigstens 90° gereinigt werden. Mehr Hygienetipps für die Küche gibt es im Ratgeber Geschirr spülen.

Eine Hand legt ein benutztes Taschentuch in einen Abfalleimer
Auch nicht keimfrei: Hausmüll muss für die Zeit der Quarantäne gesammelt werden oder kann nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen entsorgt werden.

Was geschieht mit den Haustieren?

Während für Gesunde der tägliche Auslauf mit Hunden in aller Regel gestattet auch bei einer Ausgangssperre erlaubt bleibt, müssen Kontaktpersonen und Infizierte in Quarantäne nach anderen Lösungen Ausschau halten. Idealerweise sollte eine Vertrauensperson die Pflege und Haltung übernehmen - jedenfalls für die Dauer des Genesungsprozesses, bzw. während der angeordneten Quarantäne übernehmen. Ist das nicht möglich, können Tiere auch in Tierpensionen für die notwendige Dauer aufgenommen werden.

Wie können Pflegebedürftige in Quarantäne versorgt werden?

Ist zu befürchten, dass sich Pflegebedürftige mit einer übertragbaren Krankheit angesteckt haben, für die Isolierzwang besteht, dürfen sie nicht länger von pflegenden Angehörigen betreut werden. Stattdessen ist es nötig, sie in die stationäre Pflege zu überführen und dort notwendige Quarantänemaßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass weder Angehörige, noch andere Pflegebedürftige oder Pflegepersonal angesteckt werden. Das genaue Vorgehen muss im Ernstfall mit dem zuständigen Pflegedienst, bzw. Pflegeheim und dem zuständigen Gesundheitsamt abgeklärt werden.

Was geschieht bei Verstößen gegen Quarantäneauflagen?

Betroffene, die sich angeordneten Maßnahmen zur Isolation, bzw. häuslichen Quarantäne entziehen, können auf amtliche Anordnung auch gegen ihren Willen in einem Krankenhaus untergebracht und notwendigenfalls fixiert werden. Zum Schutz der Allgemeinheit können dafür auch persönliche Grundrechte von Betroffenen eingeschränkt werden:

„Kommt der Betroffene den seine Absonderung betreffenden Anordnungen nicht nach oder ist nach seinem bisherigen Verhalten anzunehmen, dass er solchen Anordnungen nicht ausreichend Folge leisten wird, so ist er zwangsweise durch Unterbringung in einem abgeschlossenen Krankenhaus oder einem abgeschlossenen Teil eines Krankenhauses abzusondern. Ansteckungsverdächtige und Ausscheider können auch in einer anderen geeigneten abgeschlossenen Einrichtung abgesondert werden. Das Grundrecht der Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 Grundgesetz) kann insoweit eingeschränkt werden.”

Wer vorsätzlich und wiederholt gegen die Auflagen zur Isolation verstößt, kann mit Geldstrafen oder Haftstrafen bis zu zwei Jahren belegt werden.