Altenheim: Wohn- und Pflegeheim für Senioren

Altenheim: Wohn- und Pflegeheim für Senioren

Wer entscheidet, ob ich ins Altersheim ziehe? Welche Kosten kommen auf mich zu? Sind meine Kinder verpflichtet, zu zahlen? Wir klären wichtige Fragen.

Christina Horst
Christina Horst
12.05.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei einem Altenheim handelt es sich nicht immer um ein Pflegeheim: Es kann auch ein Altenwohnheim gemeint sein, dessen Bewohner noch weitestgehend selbstständig sind.
  • Viele Einrichtungen vereinen mehrere Wohnkonzepte für Senioren und Pflegebedürftige unter einem Dach: beispielsweise Apartments für betreutes Wohnen und ein Altenpflegeheim.
  • In Deutschland schützen strenge Gesetze davor, gegen den eigenen Willen in ein Altenheim gebracht zu werden. Die Entscheidung für oder gegen den Umzug trifft grundsätzlich jeder Mensch selbst.
  • Der Eigenanteil für die Pflegekosten bei vollstationärer Pflege liegt im Bundesdurchschnitt bei rund 1.940 Euro pro Monat (Stand: Januar 2020).

Altenheim und Pflegeheim: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe Altenheim und Pflegeheim werden häufig synonym verwendet. Das ist nicht ganz korrekt: Ein Altenheim muss nicht zwingend ein Altenpflegeheim sein, es kann sich auch um ein Altenwohnheim handeln. Ein Pflegeheim wiederum beherbergt nicht immer nur alte, sondern unter Umständen auch jüngere Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen. Da das Risiko, pflegebedürftig zu werden, mit dem Alter steigt, handelt es sich bei Pflegeheimen aber tatsächlich oft um Altenpflegeheime. Die Definitionen auf einen Blick:

Pflegeheim

Die Bewohner eines Pflegeheims werden rund um die Uhr (vollstationäre Pflege) oder als Ergänzung zur häuslichen Pflege bzw. vorübergehend (teilstationäre Pflege, z. B. Kurzzeitpflege, Tagespflege) versorgt. Die Bewohner sind immer pflegebedürftig und haben meistens einen anerkannten Pflegegrad.

Altenheim

Im Allgemeinen ist ein Altenheim (auch Alters- oder Seniorenheim) eine Unterkunft für ältere Menschen, in der sie in eigenen Zimmern oder Apartments leben, Gemeinschaftsräume sowie Verpflegungs- und Freizeitangebote nutzen können und in unterschiedlichem Ausmaß betreut und gepflegt werden. Unterscheiden lassen sich zwei Formen:

  • Altenwohnheim bzw. Seniorenwohnheim: In diesen Einrichtungen sind die Bewohner meist noch nicht oder nur in geringem Maße pflegebedürftig, können oder möchten aber keinen eigenen Haushalt mehr führen. Der Wunsch nach Unterstützung im Alltag, aber auch nach Gesellschaft steht für viele in Altenwohnheimen lebende Menschen im Vordergrund. Ein ähnliches Konzept, bei dem jedoch noch stärker die Selbstständigkeit der Bewohner im Mittelpunkt steht, ist das betreute Wohnen.
  • Altenpflegeheime bzw. Seniorenpflegeheime: Dabei handelt es sich um Pflegeheime speziell für ältere Menschen. Manchmal werden sie auch als „stationäre Altenhilfe“ bezeichnet. In der Regel haben die Bewohner mindestens Pflegegrad 2, häufiger jedoch Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5. Denn je höher der Pflegegrad, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Pflege nicht im häuslichen Umfeld, in einer Pflege-WG, im betreuten Wohnen oder in einem Altenwohnheim stattfinden kann. Zudem gibt es bei Pflegegrad 1 noch keinen Zuschuss für vollstationäre Pflege.

Viele Einrichtungen vereinen diese unterschiedlichen Konzepte unter einem Dach. Das hat für Bewohner den Vorteil, dass sie bei wachsendem Unterstützungsbedarf bzw. bei zunehmender Pflegebedürftigkeit ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen müssen, sondern beispielsweise aus dem betreuten Wohnen in ein angeschlossenes Altenpflegeheim umziehen können.

Weil die Begriffe „Altenheim“ und „Altersheim“ bei manchen Menschen negative Assoziationen wecken, geben sich entsprechende Einrichtungen oft eher Namen, die einerseits den Servicecharakter des Hauses betonen und es andererseits vermeiden, die Bewohner als „alt“ zu bezeichnen: etwa Seniorenresidenz oder Seniorendomizil. Sowohl Altenheime als auch Pflegeheime bzw. die Mischformen können staatliche Träger haben, zur kirchlichen oder freien Wohlfahrtspflege gehören (z. B. Deutsches Rotes Kreuz, Caritas, Diakonie) oder als Kleinbetrieb oder Kette privat geführt werden.

Wer entscheidet, ob man ins Altersheim kommt?

Der Gedanke daran, im Alter gegen ihren Willen aus der gewohnten Umgebung gerissen und in ein Altenheim „abgeschoben“ zu werden, macht vielen Menschen Angst. Doch vor diesem Szenario schützt in Deutschland der Gesetzgeber. Grundsätzlich kann jeder Mensch selbst bestimmen, ob und wann er in ein Seniorenheim umziehen möchte. Selbst, wenn er nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern, kann eine andere Person nicht einfach über ihn bestimmen. Hat der Betroffene in so einem Fall einer Vertrauensperson rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht erteilt, kann diese – unter strengen Voraussetzungen – für ihn entscheiden, ob er zukünftig in einem Altenheim versorgt wird. Damit die Vorsorgevollmacht in Kraft tritt, muss zunächst ein Arzt feststellen, dass der Vollmachtgeber nicht mehr entscheidungsfähig ist. Der Bevollmächtigte unterliegt bei der weitreichenden Entscheidung für oder gegen das Seniorenheim außerdem der Kontrolle des örtlichen Betreuungsgerichts. Dieses trägt Sorge dafür, dass er die Entscheidung im Sinne des Vollmachtgebers trifft. Falls eine Person ihren Willen nicht mehr äußern kann und es keinen Bevollmächtigten gibt, setzt das Betreuungsgericht einen gesetzlichen Betreuer ein. Dabei kann es sich um einen Berufsbetreuer handeln oder, wenn der Betroffene eine Betreuungsverfügung verfasst hat, eine von ihm vorgeschlagene Person. In beiden Fällen kontrolliert das Gericht, ob die Entscheidung für oder gegen das Altersheim im Sinne des Betreuten ist.

Tipp: Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung oder beides? Bei Afilio erhalten Sie die Vorsorgedokumente, die zu Ihrem Bedarf passen. Unsere Bedarfsanalyse hilft Ihnen bei der Orientierung.

Mann im Rollstuhl, Pflegerin und Mann in Sportkleidung vor Altersheim
Die professionelle Betreuung und die Gesellschaft anderer Bewohner im Altenheim können Betroffene, aber auch pflegende Angehörige entlasten.

Selbst bei schwerer Pflegebedürftigkeit ist häusliche Pflege oft möglich. Es ist allerdings empfehlenswert, sich rechtzeitig zu überlegen, ob ein Umzug in ein Altenwohn- oder Altenpflegeheim nicht auch Vorteile haben könnte – für einen selbst und die Familie. Schließlich leiden nicht wenige Menschen unter Einsamkeit im Alter. Zusätzlich sind Angehörige mitunter überfordert damit, sich um ihre Eltern oder Großeltern zu kümmern. Ein Wohn- oder Pflegeheim für Senioren bietet nicht nur Unterbringung, Verpflegung und professionelle Betreuung, sondern auch Kontakt zu anderen Bewohnern und Unterhaltungsangebote. Der Umzug in ein Altenheim fällt den meisten Menschen leichter, wenn sie den Zeitpunkt selbst bestimmen und sich eine Einrichtung aussuchen, in der sie sich wohlfühlen.

Wer das Leben in einem Altenheim für sich ausschließt, muss damit rechnen, dass er irgendwann zu Hause gepflegt werden muss. Das können pflegende Angehörige bzw. andere Pflegepersonen oder ein ambulanter Pflegedienst übernehmen – auch eine Kombination aus beidem ist möglich. Altenheime können die häuslichen Pflege allerdings oft sinnvoll ergänzen. Einige verfügen über spezielle Stationen, in denen Pflegebedürftige übergangsweise für einige Stunden, Tage oder auch Wochen betreut werden. Tages- und Nachtpflege sowie Kurzzeitpflege stellen sicher, dass der Pflegebedürftige auch dann optimal versorgt ist, wenn seine Pflegepersonen auf der Arbeit, im Urlaub oder anderweitig verhindert sind. Den Großteil der Zeit kann er in seiner eigenen Wohnung verbringen.

Was kostet ein Platz im Altenheim?

Wie viel ein Platz im Seniorenheim pro Monat kostet, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab: beispielsweise davon, in welchem Bundesland sich die Einrichtung befindet und wie hochwertig sie ausgestattet ist. Ebenfalls entscheidend ist, ob bereits eine Pflegebedürftigkeit vorliegt oder ob der Betroffene in ein reines Altenwohnheim ziehen möchte. Ob pflegebedürftige Bewohner die Kosten komplett selbst tragen müssen oder ob sie Anspruch auf einen Zuschuss der Pflegekasse haben, hängt wiederum davon ab, wie stark pflegebedürftig sie sind: Ab Pflegegrad 2 zahlt die Pflegekasse pauschale Zuschüsse für die vollstationäre Pflege. Gestaffelt nach Pflegegrad fallen die Beträge wie folgt aus:

Pflegegrad

Leistung der Pflegekasse für vollstationäre Pflege

Pflegegrad 1

0 Euro

Pflegegrad 2

770 Euro

Pflegegrad 3

1.262 Euro

Pflegegrad 4

1.775 Euro

Pflegegrad 5

2.005 Euro

Pauschal erhält jeder anerkannt Pflegebedürftige außerdem 125 Euro monatlich für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Wer bereits mit Pflegegrad 1 in ein Altenheim ziehen möchte, kann diesen Betrag als Zuschuss für die Pflegeheimkosten verwenden. Für teilstationäre Pflege gibt es gesonderte Pflegeleistungen.

Pflegebedürftige müssen für die Unterbringung in einem Altenheim allerdings immer einen Eigenanteil bezahlen. Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) stieg dieser im bundesweiten Durchschnitt zuletzt auf rund 1.940 Euro im Monat (Stand: Januar 2020). Es ist absehbar, dass die Kosten weiter steigen werden: zum einen aufgrund des medizinischen Fortschritts, der eine immer bessere Versorgung ermöglicht, zum anderen, weil Lohnerhöhungen in der Pflege zu erwarten sind. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede: Pflegeheimplätze in Nordrhein-Westfalen sind mit durchschnittlich 2.357 Euro Eigenanteil am teuersten, Sachsen-Anhalt hat mit durchschnittlich 1.359 Euro die niedrigste Zuzahlung. Wer ohne Pflegegrad bzw. mit Pflegegrad 1 in ein Altenheim zieht, muss die Kosten (fast) komplett selbst tragen. Für Senioren, die noch weitestgehend allein zurechtkommen, sind die häusliche Pflege oder alternative Wohnformen wie eine Pflege-WG darum in der Regel attraktiver.

Tipp: Der Eigenanteil an den Pflegekosten lässt sich durch eine Pflegezusatzversicherung senken. Doch nicht jede dieser Policen ist empfehlenswert. In unserem Ratgeber Pflegezusatzversicherung: Privat vorsorgen für den Pflegefall erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Versicherungsmodelle und deren Vor- und Nachteile.

So setzt sich der Eigenanteil zusammen

Der Zuschuss der Pflegekasse kann ausschließlich für Pflege- und Betreuungskosten verwendet werden. Für einen Platz im Altenpflegeheim fallen aber noch weitere Kosten an: der einrichtungseinheitliche Eigenanteil, die Hotelkosten und die Investitionskosten. Anerkannt pflegebedürftige Bewohner eines Altenheims zahlen also die Gesamtkosten für den Platz abzüglich des Zuschusses der Pflegekasse.

Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE)

Der EEE wurde mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II Anfang 2017 eingeführt. Er sorgt dafür, dass stärker pflegebedürftige Heimbewohner bei der Beteiligung an den Pflege- und Betreuungskosten nicht finanziell schlechter gestellt sind als weniger pflegebedürftige: Die Eigenanteile aller Bewohner, die sich nach ihrem Pflegegrad richten, werden addiert, anschließend wird der Betrag durch die Anzahl der Bewohner geteilt. Beim EEE bestehen große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Senioren im Altenheim beim Essen
Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung zahlen die Bewohner des Heims grundsätzlich selbst – die Pflegekasse bezuschusst nur pflegebedingte Kosten.

Kosten für Unterkunft und Verpflegung

Die sogenannten Hotelkosten zahlen Pflegebedürftige grundsätzlich selbst: Die Pflegekasse bezuschusst sie nicht, weil sie auch ohne Pflegebedürftigkeit entstehen würden. Die Hotelkosten variieren ebenfalls von Region zu Region und hängen zusätzlich von der Ausstattung des Heims, der Zimmergröße etc. ab. Im Bundesdurchschnitt liegen die Hotelkosten bei rund 756 Euro.

Investitionskosten

Für die Gebäude und die technischen Anlagen des Altenheims fallen Anschaffungs- bzw. Herstellungs- und Instandsetzungskosten an. Diese werden auf die Bewohner umgelegt. Einen Zuschuss der Pflegekasse gibt es auch hier nicht.

Ggf. Ausbildungskosten

Manche Seniorenheime sind Ausbildungsbetriebe. An den Kosten für die Altenpflegeausbildung können die Bewohner beteiligt werden.

Eltern im Altenheim: Wann müssen die Kinder zahlen?

Um einen Platz im Altenheim zu bezahlen, müssen Betroffene zunächst ihre Rente bzw. sonstiges monatliches Einkommen verwenden. Reicht dieses nicht aus, müssen sie ihr Vermögen bis auf ein geringes Schonvermögen (Stand 2020: 5.000 Euro) aufbrauchen. Bei den mitunter sehr hohen Kosten, die das Leben im Altenheim verursacht – und das in manchen Fällen über viele Jahre hinweg – ist es keine Seltenheit, dass Betroffene schließlich Sozialhilfe beantragen müssen. Das Sozialamt übernimmt im Ernstfall die Pflegekosten, es prüft allerdings, ob es unterhaltspflichtige Kinder gibt. Wenn ja, holt es sich das Geld von ihnen zurück.

Seit der Neuregelung des Elternunterhalts Anfang 2020 dürfen Kinder allerdings nur noch für die Pflegeheimkosten ihrer Eltern herangezogen werden, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen 100.000 Euro überschreitet. Dazu zählen beispielsweise auch Mieteinnahmen und Kapitalerträge, vorhandenes Vermögen wird jedoch nicht mit eingerechnet. Liegt das Einkommen der Kinder oberhalb der 100.000-Euro-Grenze, müssen sie im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten Unterhalt zahlen. Ausschlaggebend bei der Berechnung ist unter anderem die Düsseldorfer Tabelle. Sind die Kinder nicht unterhaltspflichtig oder reicht der Unterhalt nicht für die Pflegekosten der Eltern, bekommen diese Sozialhilfe.

Wie lange dauert es, bis man einen Platz im Altenheim bekommt?

In besonders dringenden Fällen, das heißt, wenn es keine andere Lösung für die Betreuung des Betroffenen gibt, ist oft sogar ein Einzug innerhalb eines Tages möglich – freie Kapazitäten vorausgesetzt. In anderen Fällen sind Wartezeiten von mehreren Wochen und Monaten bei Altenheimen keine Seltenheit: Interessenten können sich auf eine Warteliste setzen lassen und werden kontaktiert, sobald ein Platz frei wird. Gerade, wer sich auf ein bestimmtes Altenheim festgelegt hat, sollte sich deshalb frühzeitig um einen Platz bemühen.

Wie finde ich ein passendes Altenheim?

Je selbstbestimmter der Umzug in das Altenheim abläuft, desto besser. Dazu gehört, dass Senioren sich die Wohn- bzw. Pflegeeinrichtung selbst aussuchen – am besten, indem sie bereits frühzeitig mehrere Häuser besichtigen und sich auf die Warteliste für einen Platz schreiben lassen. Wer auf der Suche nach einem Heimplatz für einen Angehörigen ist, sollte dies ebenfalls berücksichtigen und ihn wenn möglich selbst entscheiden lassen.

Wichtige Kriterien sind unter anderem:

  • die Lage des Altenheims
  • die Größe und Ausstattung der Zimmer
  • die Gestaltung der Gemeinschaftsräume
  • die Regelung der Besuchszeiten
  • der Betreuungsschlüssel: Wie viele Pflegekräfte kümmern sich um wie viele Bewohner?
  • die Einzel- und Gruppenangebote: z. B. Ausflüge, Feste, Spiele

Tipp: Sie suchen für sich oder einen Angehörigen einen Platz im Pflegeheim? Mehr Tipps finden Sie in unserem Ratgeber „Pflegeheim: Die richtige Einrichtung finden“.