Barrierefreies Bad: Alles Wichtige zum Badumbau

Barrierefreies Bad: Alles Wichtige zum Badumbau

Bei Pflegebedürftigkeit muss auch das Badezimmer ein pflegetaugliches Umfeld darstellen. Welche Maßnahmen dazu nötig sind, erklärt Afilio im Ratgeber.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
22.10.2019

Bäder, die pflegebedürftige Menschen problemlos nutzen können, müssen besondere Anforderungen erfüllen. Neben ausreichend Platz sollten Badewanne und Dusche einen möglichst ebenerdigen Einstieg bieten. Stufen, rutschige Oberflächen oder fehlende Griffe stellen eine Gefahrenquelle dar, denn das Risiko für Stürze steigt dadurch rapide an.

Barrierefreie Bäder haben deshalb oft den Ruf, weder modern noch gemütlich zu sein. Vor dem geistigen Auge erscheinen Antirutschmatten, große, sperrige Sanitäranlagen und Griffe aus Plastik zum Festhalten. Doch auch wenn Pflegebedürftige in erster Linie funktional denken müssen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch auf ein gemütliches und schönes Bad verzichten müssen. Wie Sie Ihr Bad gleichzeitig ästhetisch und barrierefrei umbauen können, erfahren Sie bei uns.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Um die Pflege zu Hause zu ermöglichen, ist oft ein Umbau des Badezimmers nötig.
  • Pflegebedürftige können Zuschüsse bei der Pflegekasse beantragen.
  • Es gibt viele Faktoren, auf die Pflegebedürftige achten sollten: rutschfester Boden, ausreichend Platz, ebenerdige Dusche oder Badewanne mit Einstiegshilfe.
  • Bevor Pflegebedürftige das Bad umbauen lassen, sollten sie sich von Fachbetrieben beraten lassen und Angebote zum Vergleich einholen.

So profitieren Sie von Zuschüssen

Eines vorweg: Der Badumbau kann ins Geld gehen. Schließlich müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Pflege eines Pflegebedürftigen auch in den eigenen vier Wänden problemlos möglich ist. Grundsätzlich gilt: Je weniger Sie in die vorhandenen baulichen Gegebenheiten eingreifen, desto günstiger ist der Preis. Maßanfertigungen, höhenverstellbare Sanitäranlagen und hochwertige Materialien sind teurer in der Anschaffung, haben allerdings auch eine längere Lebensdauer. Und es lohnt sich, ein altersgerechtes oder pflegegerechtes Bad ist nicht nur eine echte Alltagserleichterung, es leistet auch einen Beitrag zur Sturzprophylaxe.

Zudem können Pflegebedürftige und pflegende Angehörige finanzielle Unterstützung beantragen und müssen die Kosten für ein barrierefreies Bad zum Glück nicht allein tragen. Bevor es an die Planung und Gestaltung des barrierefreien Bades geht, sollten sich Pflegebedürftige und Angehörige an die zuständige Pflegekasse wenden. Auf Antrag bekommen Betroffene finanzielle Unterstützung zum barrierefreien Bauen, die das Umfeld pflegetauglich machen. Voraussetzung dafür ist allerdings mindestens ein anerkannter Pflegegrad 2. Lesen Sie bei uns nach, wie Sie einen Pflegegrad beantragen.

Pro Maßnahme zur Wohnraumanpassung bewilligt die Pflegekasse maximal einen Zuschuss von 4.000 Euro. Dabei muss die geplante Maßnahme die häusliche Pflege ermöglichen und die Belastung der Pflege für den ambulanten Pflegedienst, pflegende Angehörige, Pflegepersonal zur 24-Stunden-Betreuung sowie den Betroffenen selbst reduzieren. Den Anspruch auf finanzielle Unterstützung kann der Pflegebedürftige mehrmals in Anspruch nehmen, sofern sich der Grad der Pflegebedürftigkeit verschlechtert und weitere Maßnahmen zur Barrierefreiheit nötig sind.

Betroffene sollten allerdings wissen, dass eine Maßnahme mehrere Umbauten umfassen kann. Planen Pflegebedürftige beispielsweise sowohl Bad- als auch Wohnraumumbauten, dann sollten sie dafür getrennte Anträge erstellen, um mehr Zuschüsse zu bekommen.

Diese Gefahrenquellen gibt es im Badezimmer

Ein pflegetaugliches, barrierefreies Bad ist eine der Voraussetzungen für eine ausreichende Körperhygiene von Pflegebedürftigen. Im besten Fall kann dieser sich selbst waschen, andernfalls braucht es genügend Platz, damit eine Pflegekraft unterstützen kann. Ein Risiko stellt dabei der Bodenbelag dar. Viele Böden sind rutschig, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen.

Auch die Höhe der Toilette kann ein Risiko für Menschen mit Bewegungseinschränkung darstellen, denn sie müssen sich tief hinhocken, wenn die Toilette Standardhöhe hat. Fehlt es ihnen an Kraft und Koordination, dann können sie beim Hinsetzen stürzen oder nach dem Toilettengang nicht mehr zurück in eine stehende Position kommen.

Eine der größten Gefahrenquellen sind allerdings Dusche und Badewanne, sofern sie nicht einen barrierefreien oder -armen Einstieg haben. Pflegebedürftige unterschätzen beispielsweise, wie hoch sie die Beine heben müssen, um in die Duschwanne zu gelangen. Auch die Badewanne ist eine rutschige Angelegenheit nach dem Baden und der Ausstieg aus einer Badewanne ohne Einstieg oder Badewannenlift ist ein Garant für Stürze.

Achten Sie auf ein großzügiges Raumkonzept

Ein barrierefreies Bad dient also gleichermaßen der Sturzprophylaxe und Körperhygiene. Beim Umbau des Bades sollten Betroffene deshalb darauf achten, nur die nötigsten Sanitäranlagen einzubauen und stattdessen auf Großzügigkeit achten. Nimmt die Pflegebedürftigkeit zu, können Betroffene mitunter auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sein und diese Hilfsmittel brauchen Platz.

Deshalb sollte vor Toilette, Waschbecken und Dusche oder Badewanne ausreichend Platz vorhanden sein. Laut Experten garantiert eine Fläche von 150x150 Zentimetern eine komfortable Handhabung der Sanitäranlagen für Pflegebedürftige mit und ohne Rollstuhl sowie für Hilfspersonen wie polnische Pflegekräfte. Überlegen Sie, ob Sie wirklich Badewanne und Dusche brauchen. In kleinen Bädern kann der Umstieg von einer Badewanne zur Dusche mehr Platz bringen; auch Doppelwaschtische sind nicht in jedem Haushalt nötig.

Auf die richtige Höhe kommt es an

Badezimmer Waschtisch Holz unterfahrbar

Die Standardhöhe für Toiletten liegt bei 42 Zentimeter. Für pflegebedürftige Menschen ist das zu niedrig, denn Bewegungseinschränkungen und schwindelnde Kraft erschweren das tiefe Hinsetzen enorm. Beim Badumbau sollte die Toilette deshalb höher angebracht werden, am besten auf eine Sitzhöhe von etwa 48 Zentimeter. Wohnen im Haushalt mehrere Menschen, dann kommt auch ein höhenverstellbares WC infrage. Dieses lässt sich per Knopfdruck auf die gewünschte Höhe fahren – die Differenz kann bis zu 10 Zentimeter betragen.

Ein ähnliches System gibt es auch für Waschtische. Wer keinen höhenverstellbaren Waschtisch möchte, sollte auf eine Einbauhöhe von 80 bis 85 Zentimetern achten. Zum Vergleich: In Hotels ist eine Höhe von 90 Zentimetern üblich. Auf einen Unterbauschrank sollten Pflegebedürftige verzichten, damit sie in schwächeren Phasen oder als Rollstuhlfahrer auch mit den Beinen unter das Waschbecken kommen und den Wasserhahn problemlos erreichen können.

Pflegebedürftige gehen aufgrund körperlicher Beschwerden manchmal gebückt und auch die Perspektive eines Rollstuhlfahrers ist eine andere. Damit sie nicht auf die Vorzüge eines Spiegels verzichten müssen, sollte dieser so angebracht werden, dass sich Pflegebedürftige auch im Sitzen begutachten können. Eine Alternative dazu sind verstellbare Spiegel, die sich jeder Körperposition anpassen können.

Barrierefrei Duschen und Baden

Ein Highlight im Badezimmer sind moderne Duschen und Badewannen, die es mittlerweile in allen Formen und Farben gibt. Pflegebedürftige müssen auf den Komfort nicht verzichten, solange sie auf Faktoren wie den Einstieg achten. Wer sich für eine neue Dusche oder Badewanne entscheidet, kann wählen zwischen einer ebenerdigen Duschkabine, in die man sogar mit Rollstuhl fahren kann, oder einer Sitzbadewanne mit einer Tür als Einstieg. Auf ein Gefühl von Wellness müssen Pflegebedürftige dabei nicht verzichten, denn es gibt beispielsweise auch Regenduschen für jede Preisklasse. Unabhängig davon, für welche Art von Dusche man sich entscheidet: Wichtig ist vor allem die Größe, damit sich Betroffene nicht nur verletzungsfrei umdrehen, sondern notfalls auch auf einem Stuhl sitzend duschen können.

Wer keine Badewanne mit Einstiegstür einbauen möchte, kann die alte Badewanne mit einem Badewannenlift ausstatten. Dieser nimmt Pflegebedürftigen den gefährlichen Ein- und Ausstieg ab und das Vollbad wird dadurch komfortabler und sicherer. Dazu wird in der Badewanne eine Hebeeinrichtung integriert, auf der ein Gestell mit Sitzfläche angebracht ist. Mit einer Fernbedienung lässt sich der Badewannenlift steuern. Der Pflegebedürftige setzt sich vom Rollstuhl oder aus stehender Position auf die Sitzfläche und lässt sich dann in das Badewasser herunter. Nach dem Bad fährt er sich wieder hoch und kann ohne Probleme die Badewanne verlassen. Dusche und Badewanne sollten Pflegebedürftige trotzdem nur mit einer Antirutschmatte benutzen.

Sicherheit geht vor, Gemütlichkeit aber auch

Natürlich haben manche Pflegebedürftige eine Vorliebe für Design, doch Sicherheit geht immer vor. Deshalb sollten Dusche, Badewanne und Toilette – Bereiche, die mit bestimmten Bewegungen verbunden sind – mit Griffen ausgestattet werden, damit sich Pflegebedürftige bei Bedarf festhalten können. Diese gibt es mittlerweile nicht nur in Plastikoptik, sondern auch aus Chrom und anderen Materialien.

Eine weitere Gefahrenquelle sind rutschige Böden. Wer aus Sicherheitsgründen auf Fliesen verzichten möchte, muss nicht zwangsläufig zum altmodischen, aber sicheren Kautschuk-Boden greifen. Heutzutage gibt es auch hochwertige Vinyl- bzw. PVC-Böden, die nicht nur resistent gegen Feuchtigkeit sind, sondern auch wie moderne Fliesen aussehen. Ein weiterer Vorteil: Sie sind fußwarm und auch bei Fußbodenheizungen geeignet. Auch Holz-, Kork- und Laminatböden kommen immer öfter in Badezimmern zum Einsatz. Es sind allerdings nur diejenigen geeignet, die bei Kontakt mit Wasser nicht aufquellen und versiegelt sind.

Trotzdem können Sie auch aus einem barrierefreien, funktionalen Bad eine kleine Oase für sich machen. Setzen Sie zum Beispiel farbliche Akzente durch Handtücher, Gardinen oder Wandfarbe. Nichts ist eintöniger als ein weißes Bad. Materialien wie Holz sorgen für ein Gefühl von Wärme und sind gleichzeitig nachhaltig, stabil und rutschfest. Kombinieren Sie zu einem hellen Bodenbelag beispielsweise einen schweren Holzschrank oder einen mit Holz abgesetzten Waschtisch. Auch Pflanzen verschönern ein barrierefreies Badezimmer. Stellen Sie die Pflanzen jedoch dorthin, wo sie ihnen nicht im Weg sind. Nutzen Sie dazu Optionen wie Wand- oder Deckenhalterungen für Pflanzen, doch bedenken Sie, dass Pflanzen regelmäßig Wasser brauchen. Wenn Sie zum Gießen nicht gefahrlos an die Pflanze herankommen, dann sollten Sie lieber darauf verzichten. Ihre Sicherheit geht vor.

Vergleichen Sie die Angebote

Wenn Sie keinen Spezialisten für den Badumbau im Freundes- oder Familienkreis haben, können Sie über die Aktion Barrierefreies Bad des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie einen Fachbetrieb finden. Dazu steht Ihnen auf der Seite des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima eine extra Suchfunktion zur Verfügung, mit der Sie einen Fachbetrieb in Ihrer Umgebung für barrierefreie Bänder finden können.

Ein seriöser Fachbetrieb für barrierefreie Bäder zeichnet sich dadurch aus, dass er Ihnen nicht nur ein Angebot passend zu Ihren Wünschen erstellt, sondern Sie auch über Ihre Möglichkeiten berät. Ein Fachbetrieb sollte sich mit den gesetzlichen Voraussetzungen und Bestimmungen auskennen und Sie darüber informieren können, welche Hilfsmittel Sie benötigen, um Ihr Bad barrierefrei zu gestalten. Dazu ist in der Regel ein Besuch vor Ort nötig, denn nur so kann der Fachbetrieb beurteilen, was alles möglich ist.

Holen Sie sich am besten mehrere Angebote ein, um die Preise zu vergleichen und Ihre Optionen zu kennen. Denken Sie bei der Gestaltung Ihres barrierefreien Badezimmers auch an die Zukunft, damit Sie das Bad bis ins hohe Alter nutzen können, ohne dass weitere teure Umbaumaßnahmen notwendig werden.