Hausnotruf: So finden Sie den richtigen Anbieter

Hausnotruf: So finden Sie den richtigen Anbieter

Per Hausnotruf ganz einfach Hilfe per Knopfdruck erhalten: Bleiben Sie mit dem richtigen System einfach dauerhaft sicher im Notfall!

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
18.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Ein Hausnotrufsystem dient dazu, Menschen in einer Notlage ohne großen Aufwand mit einer Notrufzentrale zu verbinden.
  • Die meisten Systeme funktionieren über einen am Körper getragenen Notrufknopf, bzw. Notruftaster.
  • Systeme sind von einer ganzen Reihe von Anbietern erhältlich, die Kosten für die Grundausstattung liegen zumeist innerhalb des von den Pflegekassen übernommenen Rahmens, sodass bei passendem Pflegegrad keine Kosten auf den Nutzer zukommen.

Immer mehr Menschen werden immer älter – dazu trägt schon ein immer gesünderer Lebensstil bei. Und obwohl eine steigende Zahl von Ihnen Anspruch auf einen Platz im Pflegeheim oder Altenheim hätten, lebt die überwiegende Mehrheit weiterhin im eigenen Haushalt – mit dem Risiko, im Ernstfall keine sofortige Hilfe zu erhalten. Doch es gibt Möglichkeiten, Risiken zu minimieren und Hilfe zu rufen, wenn es darauf ankommt: Mit einem Hausnotruf. Wir erklären, wie ein solches Hausnotrufsystem funktioniert, welche unterschiedlichen Dienste es gibt und mit welchen Kosten Interessierte rechnen müssen.

Hausnotruf: So funktioniert der Notruf per Knopfdruck

Hausnotrufsysteme dienen einem einzigen Zweck: Im Ernstfall schnell Hilfe zu holen, wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, sein Telefon oder Handy zu erreichen. Ob Sturz, Schwächeanfall, Krankheit oder Unfall – Das Hausnotrufsystem reduziert den Aufwand für sofortige Unterstützung auf einen einzigen Knopfdruck. Ein Hausnotrufsystem funktioniert dabei nicht über eine stationäre Alarmanlage oder Notfallzentrale, sondern eher wie ein permanent am Körper getragener Klingelknopf.

Ein Hausnotruf wird als mobiler Sender direkt am Körper getragen. Zur Trageweise stehen je nach Hersteller und Neigung Armbänder oder Anhänger für den Hals zur Auswahl. Daran befestigt ist der Auslöser für den Notruf. Er überträgt bei Knopfdruck das Alarmsignal an eine Basisstation in der Wohnung.

Gerät der Bewohner zu Hause in eine Notlage, kann er per Knopfdruck den Notruf aktivieren und wird automatisch mit der Notrufzentrale seines Dienstanbieters verbunden. Dazu wählt die Basisstation die hinterlegte Rufnummer an; die Notrufzentralen aller großen Anbieter sind durchgängig erreichbar. In der Notrufzentrale werden mit Vertragsabschluss bei einem Notrufanbieter die wichtigsten persönlichen und gesundheitlichen Daten des Betroffenen hinterlegt: Über Anschrift, Gesundheitszustand, Medikation und erreichbare Kontaktpersonen sind die Mitarbeiter des Notrufdienstes grundsätzlich informiert. Im Ernstfall werden Notarzt, Angehörige und/oder Feuerwehr bzw. Polizei gerufen – das ist auch dann der Fall, wenn der Notrufknopf betätigt wird, der Betroffene am Ende der Leitung jedoch nicht reagiert. Auf diese Weise werden auch Bewusstlose oder Menschen geschützt, die in einer akuten ärztlichen Notlage sind, etwa nach einem Schlaganfall.

Wer benötigt ein Hausnotrufgerät?

Hausnotrufsysteme richten sich nicht nur an ältere Menschen in den eigenen vier Wänden, sie sind auch für alle geeignet, die aufgrund einer Behinderung, Krankheit oder anderer Ursachen in ihrer Selbständigkeit eingeschränkt sind und dennoch ein gleichermaßen selbständiges wie im Notfall sicheres Leben führen möchten. Und auch einfach ältere Menschen können ihr Leben in den eigenen vier Wänden mit einer zusätzlichen Maßnahme absichern. Nicht geeignet ist ein Hausnotruf zur Absicherung von Personen mit Demenz: Es ist nicht sichergestellt, dass sie in einer Notlage die Situation richtig erfassen, umgekehrt besteht das Risiko, dass sie den Notruf auch dann betätigen, wenn kein Notfall eingetreten ist.

Was brauche ich für einen eigenen Hausnotruf?

Die technischen Voraussetzungen zur Anbindung eines eigenen Hausnotrufsystems sind denkbar einfach: Vielmehr als einen gewöhnlichen Telefonanschluss mit TAE-Dose braucht es nicht, notwendig ist natürlich auch ein aktiver Telefonanschluss, dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob es sich um einen althergebrachten analogen Anschluss oder eine moderne IP-Telefonie-Leitung handelt. Allerdings ist zu klären, ob der Hausnotruf mit dem Router des Telefonanbieters kompatibel ist, wenn es sich um einen Anschluss neuerer Art handelt. Regulär wird am Telefonanschluss die eigentliche Hausnotrufstation angeschlossen, die in permanenter Verbindung mit dem Hausnotrufsender steht, den der Nutzer am Körper trägt.

Welche Leistungen bieten Hausnotrufsysteme?

Hausnotrufsysteme punkten Stand 2019 mit einer vielfältigen Funktionsreichweite: Entscheidend ist allerdings nicht nur der reguläre Leistungsumfang, sondern auch, ob Installation, Erklärung und Einweisung im Preis ebenfalls inbegriffen sind. Bei den meisten Anbietern sind diese Leistungen Teil des Grundtarifs, der sich in weiteren Tarifstufen um einen größeren Leistungsumfang ergänzen lässt, etwa zusätzliche Basisstationen, Schlüsselservice etc.

Diese Zusatzleistungen sind möglich

Hausnotrufsysteme sind längst nicht mehr nur einfache Kontaktabsicherungen, zusätzlich bieten etliche Anbieter heute weitere Dienstleistungen an; etwa als Weckservice, Medikamentenerinnerung oder auch Mittagslieferant. Auf technischer Seite stehen viele weitere Optionen zur Auswahl:

  • „Alles-OK“-Signal: Mit einem Alles-OK-Signal senden Bewohner einmal täglich einen stillen Alarm an Ihren Notrufbetreiber. Sinn ist es, jeden Tag ein Rückversicherungssignal abzusenden, das zeigt, dass der Bewohner keine Hilfe benötigt. Bleibt das Signal aus, leitet die Notrufzentrale Hilfemaßnahmen ein.
  • Rauchwarnmelder: Moderne Hausnotrufsysteme dienen auch als Schaltzentrale für einen per Funkt angebundenen Rauchmelder: Stellt er Rauchentwicklung fest, alarmiert er automatisch die angeschlossene Notrufzentrale, die nicht nur unmittelbar versucht, in Kontakt mit dem Bewohner zu treten, sondern auch notwendigenfalls sofort die Feuerwehr verständigt. Üblicherweise gehören Installation und Wartung zum Leistungsumfang.
  • Sturzmelder: Der Sturzmelder wird genau wie der Notrufschalter direkt am Körper getragen und setzt einen automatischen Notruf ab, wenn sein Träger stürzt.
  • Zusätzliche Zug-Auslöser: Bei den Zug-Auslösern können in verschiedenen Räumen Zugriffe in Bodennähe installiert werden, die auch nach einem Sturz vom Boden aus betätigt werden können.
  • Funk-Trittmatte: Die Trittmatte dient als Bewegungssensor – allerdings nicht zum Einbruchschutz, sondern um zu bestätigen, dass der Bewohner der Wohnung noch anwesend und mobil ist. Dazu wird sie häufig vor dem Bett ausgelegt und sendet bei jeder Nutzung ein Signal an die Notrufzentrale.
  • Funk-Bettmatte: Analog zur Trittmatte kann die Funk-Bettmatte genutzt werden, um festzustellen, ob der Bewohner einer Wohnung noch imstande ist, sein Bett regelmäßig aufzusuchen.

Was kosten aktuelle Hausnotrufsysteme?

Die meisten Hausnotrufsysteme sind erschwinglich. Anbieter verlangen moderate monatliche Beiträge zwischen 20 und 30 € monatlich in der Grundausstattung und üblicherweise eine einmalige Servicepauschale für die Installation. Beide Kostenpunkte können jedoch auch von der zuständigen Pflegekasse vollständig übernommen werden, wenn der Betroffene einen entsprechenden Pflegegrad vorweisen kann. Trägt der Nutzer die Kosten des Hausnotrufs selbst, kann er sie aber als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen.
Gemittelt über 12 Monate liegen die monatlichen Kosten der Grundausstattung üblicherweise in einem Rahmen, den die Kassen bei Anspruch auf Pflegeleistungen übernehmen (derzeit 23 € mtl.). Lediglich Extras in einem Komforttarif mit umfangreicheren Zusatzleistungen können darüber hinausgehende Kosten für den Nutzer oder seine Angehörigen verursachen. Zur Kundenbindung rabattieren jedoch viele Anbieter etwa die Anschlussgebühren bei mehrjährigen Kunden, bzw. solchen, die bereits bei Vertragsabschluss eine mehrjährige Nutzung des Notrufs vereinbaren. Vorab zu klären ob Notrufe pauschal oder per Einzelfall abgerechnet werden. Gerade bei fallbezogener Abrechnung ist auch zu klären, wie mit versehentlichen Anrufen/Aktivierungen durch den Dienstanbieter verfahren wird.

Anbieter

mtl. Preis bei Direktabrechnung im Basistarif

Deutsches Rotes Kreuz / DRK

23€

Arbeiter-Samariter-Bund / ASB

23€

Malteser-Hilfsdienst

25€

Johanniter-Unfall-Hilfe

bis 29€

Darauf sollten Interessierte Bei Vertragsabschluss achten

Wie bei allen Laufzeitverträgen ist auch bei einem Hausnotruf entscheidend, welche Kündigungsfristen gelten und wie Haftungsfragen bei Geräteschäden geregelt sind. Um maximale Flexibilität zu gewährleisten sollten bei der Auswahl vor allem Verträge ohne Mindestlaufzeit im Mittelpunkt stehen, die nicht mehr als zwei Wochen Kündigungsfrist zum Monatsende voraussetzen. Beide Punkte sind vor allem sinnvoll, wenn eine Verschlechterung des Allgemeinzustands jederzeit eintreten kann und damit zu rechnen ist, dass der Bewohner im Ernstfall kurzfristig in eine Betreuungseinrichtung umziehen muss. Aber auch im Todesfall ist ein kurzfristig auflösbarer Vertrag die sinnvollere Variante als eine langfristige Bindung an den Anbieter. Einige Anbieter eröffnen Ihren Kunden dafür auch ein Sonderkündigungsrecht bei Todesfall des ursprünglichen Vertragsnehmers. Anschließend sind sämtliche Geräte des Anbieters innerhalb einer vorgegebenen Frist (zumeist 10-14 Tage) zurückzusenden.

Achten Sie darauf, dass der Vertrag des Anbieters keinen Haftungsausschluss enthält, der dazu geeignet sein könnte, Fehlentscheidungen bei der Notfallversorgung von der Haftung auszuschließen. Obwohl solche Ausschlussklauseln nach einem BGH-Urteil von 2017 unwirksam sind, ist es nicht ausgeschlossen, dass sie in einzelnen Vertragsmodellen noch auftauchen. Hintergrund: Mit dem Haftungsausschluss versuchen Dienstanbieter im Ernstfall die Beweislast auf den Nutzer abzuwälzen, falls etwas schiefgegangen sein sollte. Dieses Vorgehen ist nicht statthaft, Nutzer sollten nur dann für die Folgen eines Fehlverhaltens haftbar gemacht werden können, wenn die Fehlerursache schuldhaft bei ihnen zu finden ist.