Treppenlift: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Treppenlift: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Mit einem Treppenlift können Sie trotz Pflegebedürftigkeit Treppen meisten. Was Sie beim Einbau eines Treppenlifts beachten sollten, erfahren Sie bei Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
21.10.2019

Mit geeigneten Hilfsmitteln können Pflegebedürftige auch weiterhin in ihrem Haus wohnen bleiben. Dafür sind mitunter Anpassungen des Wohnraums nötig, um die Wohnung möglichst barrierefrei zu gestalten. Eine der größten Herausforderungen stellen Treppen dar: Sie verlangen nicht nur viel Kraft beim Hochgehen, sondern können auch Stürze begünstigen. Um ein pflegetaugliches Umfeld zu gestalten, entscheiden sich viele Betroffene für den Einbau eines Treppenlifts. Wir erklären, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und mit welchen Kosten Sie rechnen können.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Können Pflegebedürftige keine Treppen mehr steigen, kommt ein Treppenlift zum Einsatz.
  • Es gibt unterschiedliche Modelle, je nach Gewicht des Pflegebedürftigen, Einbausituation, und ob ein Rollstuhl vorhanden ist.
  • Finanzielle Unterstützung können Pflegebedürftige unter anderem von der Pflegekasse bekommen.
  • Wer einen Treppenlift in ein Miethaus einbauen möchte, braucht die Genehmigung des Vermieters.

Wann ist der Einbau eines Treppenliftes sinnvoll?

Zu den Wohnraumanpassungen gehören Maßnahmen wie der Umbau des Bades, Erweiterung der Geländer oder der Einbau eines Treppenlifts. Damit soll die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst oder pflegende Angehörige weiterhin im gewohnten Umfeld des Pflegebedürftigen möglich sein. Die Gründe für Pflegebedürftigkeit sind zwar vielfältig, können allerdings zum gleichen Problem führen: Erkrankungen wie Arthrose, Operationen an Knie oder Hüfte oder normale Alterungserscheinungen können Treppen zu einem unüberwindbaren Hindernis machen.

Damit Betroffene in den eigenen vier Wänden trotzdem gefahrlos in die einzelnen Stockwerke kommen, kann ein Treppenlift eingebaut werden, der die Treppe hoch- und herunterfährt. Anstatt die Treppen selbst zu steigen, setzt sich der Pflegebedürftige auf einen Sitz und wird mithilfe eines Antriebs auf einer Schiene die Treppenstufen entlanggefahren. Pflegebedürftige müssen ihre verbleibenden Kräfte nicht für das Treppensteigen aufwenden und profitieren von einer bleibenden Maßnahme zur Sturzprophylaxe.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

So einfach, wie das Ganze klingt, ist es leider nicht. Die Kosten für den Treppenlift fallen deutlich ins Gewicht, denn neben dem Einbau des Treppenlifts ist auch eine regelmäßige Wartung nötig.

Grundsätzlich sind die Kosten für einen Treppenlift abhängig vom Modell und den baulichen Gegebenheiten. Unterschieden wird zwischen dem Sitzlift, Plattformlift, Hublift und Senkrechtlift. Der Sitzlift ist wohl das bekannteste Modell: Der Betroffene sitzt auf einer Art Stuhl und fährt die Treppe hinauf oder herab. Plattformlifte und Hublifte richten sich in erster Linie an Rollstuhlfahren, denn diese Liftart hat eine ebene Fläche für den Rollstuhl. Mit Plattformliften können Rollstuhlfahrer Treppen bewältigen, mit Hubliften Höhenunterschiede von bis zu drei Metern. Damit sind Hublifte eine Alternative zu Rollstuhlrampen. Senkrechtlifte, oft auch als Homelift bezeichnet, werden eher selten eingesetzt. Sie ähneln einem Aufzug und transportieren Pflegebedürftige senkrecht nach oben. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn das Treppenhaus zu verwinkelt für einen klassischen Treppenlift ist. Allerdings sind die Kosten bei diesem Homelift deutlich höher als bei den anderen Modellen.

Treppenlift an einer Treppe mit Kurve

Welche Kosten letztendlich entstehen, lässt sich nicht pauschalisieren, da Treppenlifte in der Regel Maßanfertigungen sind. Die Fahrsysteme werden individuell an die baulichen Gegebenheiten angepasst, was besonders dann wichtig ist, wenn Treppen Kurven haben. Die Kosten sind von folgenden Faktoren abhängig:

  • Tragfähigkeit von Wänden und Treppe

  • Treppenmaße

  • Treppenform

  • Anzahl der Etagen

  • Art des Treppenlifts

  • Funktionsumfang

  • Qualität

Ein Vergleich verschiedener Treppenlifte zeigt, dass die Kosten bei Treppenliften bei etwa 5.000 Euro beginnen, wobei sich diese je nach Treppenform erhöhen können.

Plattformlifte sind durch die erhöhte Tragfähigkeit teurer, sodass mit Kosten ab etwa 10.000 Euro zu rechnen ist.

Hublifte, mit denen kleine Höhenunterschiede überwunden werden können, sind mit etwa 7.000 Euro etwas günstiger.

Senkrechtlifte sind durch ihren Funktionsumfang am teuersten und können je nach örtlicher Begebenheit zwischen 20.000 und 35.000 Euro kosten.

In den Kosten für einen Treppenlift enthalten sind in der Regel auch die Montage-, Transport- und Materialkosten. Die jährliche Wartung verursacht zusätzliche Kosten von etwa 200 bis 300 Euro.

Welche Finanzierungshilfen gibt es?

Spielen Pflegebedürftige also mit dem Gedanken, sich einen Treppenlift einbauen zu lassen, sollten sie zuerst mit der Pflegekasse sprechen. Grundsätzlich hilft diese dabei, dass Menschen trotz Pflegebedürftigkeit im eigenen Zuhause wohnen bleiben und gepflegt werden können. Auf Antrag unterstützt die Pflegekasse Maßnahmen zur Wohnraumanpassung mit bis zu 4.000 Euro: eine Türverbreiterung, falls der Pflegebedürftige auf einen Rollstuhl angewiesen ist, den Einbau einer begehbaren Dusche oder Vorrichtungen zur Sturzprophylaxe. Die Finanzierungshilfe bekommen Pflegebedürftige allerdings nur bei anerkanntem Pflegegrad.

So beantragen Sie einen Pflegegrad bei der Pflegekasse.

Allerdings bezuschusst die Pflegekasse nur dann Wohnraumanpassungen, wenn keine andere Versicherung oder Institution dazu verpflichtet ist. Was viele nicht wissen, ist, dass Leistungsträger wie die Berufsgenossenschaft oder Unfallversicherung mitunter den Versicherten finanziell unterstützen, wenn dieser durch einen Arbeitsunfall Mobilitätseinschränkungen hinnehmen muss. Ist ein Pflegebedürftiger also aufgrund eines Arbeitsunfalls auf einen Treppenlift angewiesen, dann sollte er oder sie zunächst bei der Unfallversicherung beziehungsweise Berufsgenossenschaft anfragen.

Ist die Gehbeeinträchtigung hingegen eine Folge eines Unfalls mit Fremdverschulden, dann kann auch die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers zum Leistungsträger werden. Zu guter Letzt können Pflegebedürftige auch beim Sozialamt oder der Bundesagentur für Arbeit nach einer finanziellen Unterstützung nachfragen; diese springen manchmal bei Bedürftigkeit ein.

Gebrauchter Treppenlift oder Neuware?

Viele Unternehmen bieten im Einzelfall auch gebrauchte Treppenlifte an. Dieser eignet sich jedoch nicht für jeden Haushalt. Das Teuerste am Treppenlift ist das Schienensystem, denn dieses wird in der Regel individuell für die Treppenform angefertigt. Dementsprechend wird häufig nur die Sitzeinheit gebraucht verkauft. In seltenen Fällen findet man jedoch auch Angebote, in denen beides verkauft wird. Diese kommen nur für diejenigen Haushalte infrage, die über die exakt gleiche Treppenform verfügen.

Entscheiden sich Pflegebedürftige dafür, einen gebrauchten Treppenlift von einer Privatperson zu kaufen, müssen sie jedoch bedenken, dass sie sich selbst um die Montage kümmern, beziehungsweise eine Firma damit beauftragen müssen. Die Kosten dafür fallen zusätzlich an. Außerdem gibt es bei Privatkäufen im Normalfall keine Garantie.

Eine Alternative sind deshalb gebrauchte Treppenlifte von zertifizierten Herstellern. Diese sind meist generalüberholt und bis zu 50 Prozent günstiger als Neuware des gleichen Modells. Der Vorteil ist, dass Treppenlifthersteller einen Gesamtpreis mit Montage anbieten, sodass Kunden direkt erkennen können, welche Kosten auf sie zukommen. Nichtsdestotrotz ist der Preis auch bei solchen Unternehmen stark abhängig von der Einbausituation. Deshalb ist es wichtig, dass sich Pflegebedürftige mehrere Angebote von Treppenliftherstellern einholen. Diese begutachten vor Ort die Bausubstanz und Gegebenheiten und erstellen daraufhin ein individuelles Angebot.

Kann ein Treppenlift auch im Mietshaus eingebaut werden?

Wer ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung besitzt, muss sich keine Gedanken über die rechtliche Grundlage für den Einbau eines Treppenlifts machen. Wohnen Pflegebedürftige allerdings im Mietshaus oder in einer Mietwohnung, müssen sie den Vermieter bei größeren Umbaumaßnahmen um Erlaubnis fragen. Davon befreit sind bauliche Veränderungen wie Einbauküchen, Sanitäranlagen oder Beleuchtungssysteme.

Ein Treppenlift greift hingegen in die Bausubstanz ein, denn er muss an Wänden und Treppe verankert werden. Dementsprechend sollten sich Pflegebedürftige vor dem Einbau eines Treppenlifts unbedingt die schriftliche Genehmigung des Vermieters einholen. In der Regel bekommen sie diese, müssen den Treppenlift aber beim Auszug abbauen lassen. Weigert sich der Vermieter, kann man den Fall an einen Anwalt weitergeben. Ein entsprechendes Urteil des Landgerichts Duisburg zeigt, dass der Vermieter den Einbau dulden muss, wenn der Mieter ohne dieses Hilfsmittel die eigene Wohnung nicht mehr verlassen kann.