Seebestattung: Die 7 häufigsten Fragen

Seebestattung: Die 7 häufigsten Fragen

Seebestattungen werden immer beliebter. Lesen Sie hier alles zu den rechtlichen Voraussetzungen, zum Ablauf, zu den Kosten und zur Bestattungs­vorsorge.

Christina Horst
Christina Horst
06.03.2018

Viele Menschen fühlen sich mit dem Meer verbunden: Sei es, weil sie von der Küste stammen, ihre Urlaube gern an der Nord- oder Ostsee verbringen oder beruflich zur See fahren. Bei manchen Menschen ist die Liebe zum Meer so stark, dass sie über den Tod hinaus mit ihm verbunden bleiben möchten: Sie wünschen sich eine Seebestattung. Wir geben Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema.

Es ist nicht leicht, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Andererseits empfinden viele Menschen es als erleichternd, wenigstens einige Dinge zu Lebzeiten selbst planen zu können. Dazu gehören zum Beispiel die Vorsorge für medizinische Notfälle mit einer Patientenverfügung und die Bevollmächtigung von Vertrauenspersonen mit einer Vorsorgevollmacht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bestattungsvorsorge, die dazu beiträgt, dass die eigene Beisetzung wie gewünscht abläuft. Gerade, wer diesbezüglich besondere Vorstellungen hat, sollte die entsprechenden Dokumente rechtzeitig aufsetzen. Immer beliebter wird zum Beispiel die Seebestattung als Alternative zu klassischen Bestattungsarten wie der Beerdigung und der Feuerbestattung. Bei der Planung einer Seebestattung ist einiges zu beachten.

1. Seebestattung: Was ist das?

Die Seebestattung gehört ebenso wie die Bestattung im Friedwald zu den Naturbestattungen. Seebestattungen sind in vielen Ländern der Welt möglich, die gesetzlichen Bestimmungen unterscheiden sich aber von Land zu Land. In Deutschland ist es üblich, die Asche des Verstorbenen in einer Urne im Meer beizusetzen. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war die Seebestattung fast ausschließlich Seeleuten vorbehalten, doch mit der zunehmenden Verbreitung der Feuerbestattung änderte sich das: Heute ist eine Seebestattung grundsätzlich für jedermann möglich.

Für eine Seebestattung entscheiden sich Menschen beispielsweise, weil sie beruflich zur See gefahren sind, ihre Urlaube gern am Meer verbracht haben oder aus einem Küstenort stammen. Auch spielt häufig der philosophische Aspekt der Seebestattung eine Rolle: Durch die Beisetzung im Meer wird der Verstorbene Teil der Natur; Angehörigen spendet das Meer mit seinen ewigen Wellenbewegungen und seiner Weite Trost. Eine Seebestattung ist zudem für alle eine Alternative, die Friedhöfe als bedrückend empfinden und lieber in der Natur ihre letzte Ruhe finden möchten.

Gut zu wissen: Eine andere beliebte Art der Naturbestattung ist die Baumbestattung bzw. Waldbestattung im Friedwald. Ebenso wie die Seebestattung ist auch sie häufig deutlich günstiger als die klassische Erdbestattung. Eine Einäscherung, wie sie von der Feuerbestattung mit Friedhofsbeisetzung bekannt ist, ist hierzulande Voraussetzung für die Baumbestattung. Es muss eine Urne verwendet werden. In der Schweiz hingegen sind z. B. Almwiesenbestattungen, Flussbestattungen und weitere besondere Naturbestattungen möglich, bei denen die Asche verstreut wird.

2. Welche Vorteile hat eine Seebestattung?

Eine starke Verbundenheit mit der See führt häufig dazu, dass der Gedanke an eine Seebestattung als tröstlich empfunden wird. Die Angehörigen können dem Verstorbenen mit der Seebestattung seinen letzten Wunsch erfüllen; zudem ist das traditionelle Ritual der Seebestattung auf dem offenen Meer für die Trauergemeinde eventuell weniger bedrückend als eine Trauerfeier und Beisetzung auf dem Friedhof. Vorteile der Seebestattung sind außerdem, dass keine Grabpflege notwendig ist und einige Kostenpunkte entfallen, die bei anderen Bestattungsarten zu Buche schlagen. Damit ist die Seebestattung vergleichsweise günstig.

3. Welche Nachteile hat eine Seebestattung?

Hinterbliebene empfinden es mitunter als Nachteil, dass bei der Seebestattung eine herkömmliche Grabstelle fehlt. So ist es ihnen nicht möglich, den Verstorbenen wie auf einem Friedhof zu besuchen und an seinem Grab um ihn zu trauern. Ebenso ist aber auch die Haltung verbreitet, dass es nicht unbedingt einen festen Ort zum Trauern geben muss: Das Meer bzw. jeder beliebige Ort am Wasser kann dazu einladen, dem Verstorbenen zu gedenken. Damit Hinterbliebene nach der Seebestattung einen Ort zum Trauern haben, sind an der Nord- und Ostseeküste verschiedene Trauerstätten entstanden. Auch bieten einige Reedereien Gedenkfahrten zu den Beisetzungsorten an: Diese finden entweder öffentlich statt oder werden individuell vereinbart.

Zu bedenken ist auch: Findet bei der Seebestattung die Trauerfeier auf dem Schiff statt, kann ihr – je nach Angebot der Bestattungsreederei – nur eine begrenzte Anzahl an Trauernden beiwohnen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, (zusätzlich) eine Trauerfeier an Land zu veranstalten.

4. Wie ist die Rechtslage zur Seebestattung in Deutschland?

Eine der häufigsten Fragen zum Thema Seebestattung lautet: Wer darf überhaupt auf diese Weise beigesetzt werden? In Deutschland ist eine Beisetzung auf offener See seit 1934 grundsätzlich für jedermann möglich. Allerdings muss die Seebestattung in einigen Bundesländern behördlich genehmigt werden – das Bestattungsrecht ist auf Länderebene geregelt. Voraussetzung für die Seebestattung ist in solchen Fällen meistens, dass die besondere Verbundenheit des Verstorbenen zum Meer belegt wird. Am einfachsten geht das, wenn er selbst zu Lebzeiten eine Bestattungsverfügung aufgesetzt hat. Alternativ können die nächsten Angehörigen eine entsprechende Erklärung gegenüber der Behörde abgeben. Voraussetzung für die Seebestattung ist außerdem, dass der Verstorbene in die Einäscherung eingewilligt hat.

Für die Seebestattung gelten noch weitere Vorschriften. So ist es beispielsweise in Deutschland nicht erlaubt, die Asche des Verstorbenen auf dem Meer zu verstreuen. Stattdessen wird sie in eine Seeurne gebettet, die sich nach der Beisetzung im Wasser auflöst. Da die Seebestattung die Umwelt nicht belasten soll, dürfen keine herkömmlichen Kränze und Gebinde auf das Wasser gesetzt werden. Stattdessen ist es üblich, die Urne mit einem vom Floristen speziell nach den Regeln der Seebestattung angefertigten Kranz zu schmücken. Die bei der Seebestattung Anwesenden können während der Beisetzung etwa Blütenblätter, Steine oder Muscheln ins Meer werfen.

Die Urne kann ausschließlich in Gebieten ohne Angel- und Wassersport beigesetzt werden, meist einige Kilometer vor der Küste. In Deutschland finden Seebestattungen nur in der Nord- und Ostsee statt, ausgeschlossen sind hingegen Flüsse und stehende Gewässer. Eine Seebestattung ist auch im Ausland möglich – prinzipiell weltweit. Allerdings sind dafür unter Umständen weitere rechtliche und organisatorische Fragen zu klären. Problemlos möglich sind Seebestattungen beispielsweise im Mittelmeer oder im Atlantik. Beerdigungsinstitute und Seebestattungsreedereien benötigen die wasserrechtliche und seerechtliche Erlaubnis für die Urnenbeisetzung im offenen Meer.

Nahaufnahme von einem geknoteten Schiffstau
Bei der Beisetzung auf dem Meer wird die Asche des Verstorbenen in einer Seeurne aus wasserlöslichem Material vom Kapitän langsam ins Wasser hinabgelassen.

5. Wie läuft eine Seebestattung ab?

Eine Seebestattung wird immer mithilfe eines Bestattungsinstituts am Heimatort organisiert. Für die Angehörigen ist also der Bestatter der erste Ansprechpartner, nachdem der Sterbefall eingetreten ist. Er veranlasst die Einäscherung des Verstorbenen und beauftragt eine Reederei, die für den weiteren Ablauf zuständig ist. Das Krematorium versendet die Asche des Verstorbenen in einer Urne an die Reederei, diese bewahrt sie bis zur Seebestattung auf. Ob bereits vor der Einäscherung eine Trauerfeier stattfindet oder ob diese im Rahmen der Seebestattung auf dem Boot abgehalten wird, hängt von den Wünschen des Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen ab.

Ablauf der stillen Seebestattung

Bei einer unbegleiteten/stillen Seebestattung werden auf einer Fahrt ohne Trauergäste mehrere Urnen beigesetzt. In diesen Fällen findet die Trauerfeier in der Regel vor der Kremation statt. Eine Terminauswahl ist bei der stillen Seebestattung nicht möglich, doch die Angehörigen werden üblicherweise einige Tage vor der Seebestattung informiert. So können sie in Gedanken an der Beisetzung teilhaben. Der Kapitän führt die Beisetzung nach seemännischer Tradition durch. Einige Tage später erhalten die Hinterbliebenen in der Regel einen Ausschnitt aus der Seekarte mit der Beisetzungsposition; möglich sind auch Fotos der aufgebahrten, geschmückten Urne.

Ablauf der begleiteten Seebestattung

Bei einer begleiteten Seebestattung findet eine individuell organisierte Beisetzungsfahrt mit der Trauergemeinde statt. In vielen Fällen nimmt nur der engste Familien- und Freundeskreis an der Seebestattung teil; es sind aber je nach Reederei auch weitaus größere Trauerfeiern möglich. Im Vorfeld werden die Angehörigen z. B. zur Auswahl der Seeurne und zu den weiteren Arrangements für die Trauerfeier beraten.

Zum vereinbarten Termin kümmert sich die Reederei um den Transport der Seeurne zum Schiff und die Vorbereitungen an Bord: etwa um den Blumenschmuck für die aufgebahrte Urne. Die Schiffsflagge weht auf Halbmast. Üblich ist, dass der Kapitän die Trauergäste begrüßt und zunächst den Ablauf der Seebestattung erklärt. Dann haben die Trauernden Gelegenheit, an der Urne Abschied vom Verstorbenen zu nehmen. Das Schiff fährt derweil zur Beisetzungsposition. Dort angekommen begibt sich die Trauergemeinde auf das Außendeck. Es ist möglich, vorab einen Trauerredner zu engagieren, auch können die Hinterbliebenen selbst die Ansprache halten. Beim traditionellen Ritual der Seebestattung hält allerdings der Kapitän die Trauerrede. Dann senkt er langsam die Urne an einem Schiffstau ins Meer. Während die Urne absinkt, bleibt der Blumenkranz an der Meeresoberfläche und markiert so den Ort der Seebestattung. Die genaue Position wird dokumentiert, sowohl für die Behörden als auch für die Angehörigen.

Im Anschluss zieht das Schiff einen Kreis um das Seegrab, oft mit musikalischer Begleitung. Die Trauergäste können beispielsweise Blumen oder Blütenblätter auf das Wasser streuen. Die Zeremonie der Seebestattung beenden traditionell vier Doppelschläge auf der Schiffsglocke. Die Fahne wird gehisst, und das Schiff nimmt wieder Kurs auf den Hafen. Mit drei Signaltönen nimmt es Abschied von der Stelle der Beisetzung. Normalerweise wird auf dem Rückweg eine Bewirtung der Trauergäste angeboten, zum Beispiel Kaffee und Kuchen. Einige Tage nach der Seebestattung erhalten die Angehörigen verschiedene Dokumente zur Erinnerung, darunter meistens eine Seekarte, auf der die Koordinaten der Beisetzungsstelle markiert sind.

Blick auf das Meer von einer Brücke in den Dünen
Bei einer Seebestattung fehlt die herkömmliche Grabstelle. Gedenken können die Hinterbliebenen dem Verstorbenen an einem friedlichen Ort am Meer, an einer offiziellen Trauerstätte oder bei einer Gedenkfahrt.

6. Was kostet eine Seebestattung?

Ein Vorteil der Seebestattung ist, dass im Vergleich zu herkömmlichen Bestattungsarten einige Kosten entfallen: z. B. die Friedhofsgebühren und die Kosten für die Grabpflege. Wie teuer eine Seebestattung in Deutschland im Einzelfall ist, hängt von einer ganzen Reihe an Faktoren ab, vor allem:

  • Findet die Seebestattung begleitet oder unbegleitet statt?
  • Wie groß ist die Trauergemeinde?
  • Wie aufwändig ist die Gestaltung der Trauerfeier?

Bei einer stillen Seebestattung ohne besondere Wünsche ist mit Kosten von etwa 1.000 Euro zu rechnen. Je nach Anbieter und individuellen Vereinbarungen sind aber auch Kosten von etwa 3.000 Euro oder mehr möglich – z. B. wenn eine Trauerfeier an Land vor der Kremation stattfinden soll. Die Preise für begleitete Seebestattungen liegen in der Regel um einiges höher, üblich sind Kosten zwischen 2.500 und 8.000 Euro. Auch hier sind aber die persönlichen Vorstellungen von der Trauerfeier und die Konditionen des Bestatters ausschlaggebend.

7. Welche Vorsorge ist für die Seebestattung notwendig?

Nicht nur, wer sich eine Seebestattung wünscht, sollte rechtzeitig eine Bestattungsverfügung aufsetzen: Das ist in jedem Fall empfehlenswert. So wissen die Angehörigen ganz genau, was sie tun müssen, damit die Bestattung den Vorstellungen des Verstorbenen entspricht. Im Fall der Seebestattung sollte das Dokument die besondere Verbundenheit zum Meer zum Ausdruck bringen – dafür genügt in der Regel ein kurzer Satz – und das Gewässer für die Seebestattung, auf Wunsch auch den Abfahrtshafen und das zuständige Bestattungsinstitut benennen. Die unterschriebene Bestattungsverfügung mit der Willenserklärung zur Einäscherung und anschließenden Seebestattung sollte im Sterbefall von den Angehörigen schnell aufzufinden sein. Achtung: Das Testament wird häufig erst nach der Beisetzung eröffnet, deshalb sollten die Vorsorgedokumente für die Seebestattung davon unabhängig verwahrt werden.

Zu einer umfassenden Bestattungsvorsorge kann auch der Abschluss einer Sterbegeldversicherung gehören: Verstirbt der Versicherungsnehmer, erhalten die Angehörigen die Versicherungssumme, damit sie die Bestattung nach seinen Wünschen ausrichten können. So ist sichergestellt, dass auch eine aufwändige Trauerfeier die Hinterbliebenen finanziell nicht belastet.

Eine Lösung, die die Vorteile der Bestattungsverfügung mit denen der Sterbegeldversicherung verbindet, ist der Vorsorgevertrag. Er wird direkt mit einem Bestatter abgeschlossen und enthält genaue Angaben zum Ablauf der Bestattung und Trauerfeier. Die Kosten werden bereits vor dem Tod beglichen – per Einmalzahlung auf ein Treuhandkonto. Das Bestattungsunternehmen kann erst mit Eintritt des Sterbefalls auf den gezahlten Betrag zugreifen und wickelt dann alles entsprechend des Vertragsinhalts ab.