Vorsorgevertrag: Die perfekt geplante Beisetzung?

Vorsorgevertrag: Die perfekt geplante Beisetzung?

Entscheiden, abschließen, bezahlen: So funktioniert der Vorsorgevertrag. Erfahren Sie bei uns alles Wichtige zur vertraglich fixierten Bestattungs­vorsorge.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
11.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Der Vorsorgevertrag ist ein Vertrag zwischen Person und Bestatter mit dem Ziel, die eigene Bestattung organisatorisch und finanziell bereits im Vorfeld abschließend zu regeln.
  • Er verbindet die Eigenschaften einer Bestattungsverfügung mit der finanziellen Absicherung der Sterbegeldversicherung, beschränkt den Aufwand aber auf eine eine einmalige Zahlung.
  • Der Vorsorgevertrag ist eine gute Lösung für alle, die Ablauf und Umfang der eigenen Bestattung bereits zu Lebzeiten vollständig und unwiderruflich absichern möchten.

Der Vorsorgevertrag

Anders als die Bestattungsverfügung ist der Vorsorgevertrag eine schriftliche Vereinbarung zwischen einer Privatperson und einem Bestattungsunternehmen mit dem Ziel, Ablauf und Bezahlung der eigenen Bestattung bereits vor dem eigenen Abschied umfassend zu regeln. Der Vorsorgevertrag hält nicht nur die Ausgestaltung der eigenen Beisetzung fest, sondern bietet die Möglichkeit, Umfang und Kosten der eigenen Beerdigung direkt mit einem Bestatter zu regeln und die anfallenden Kosten bereits vor dem Tod zu begleichen. Dazu werden alle Einzelheiten der Beerdigung im Voraus geregelt, vertraglich fixiert und bezahlt. Vertragsnehmer und Bestatter legen gemeinsam fest, wie, wo und mit welchen Einzelheiten die spätere Beisetzung erfolgen soll. Die Einzelheiten betreffen etwa Sarg, Grabstein, Trauerrede und Grabschmuck. Das Bestattungsunternehmen erhält den eingezahlten Betrag jedoch nicht unmittelbar nach Vertragsabschluss, stattdessen wird der Gesamtbetrag üblicherweise auf ein Treuhandkonto eingezahlt, das auch dann Bestand hat, wenn das Bestattungsunternehmen vor Tod und Beisetzung des Vertragsnehmers insolvent geht. Mit dem Eintreten des Sterbefalls erhält das Beerdigungsunternehmen dann Zugriff auf das Treuhandkonto, um die Umsetzung der gemeinsam geplanten Beerdigung zu finanzieren.

Vorsorgevertrag gilt über den Tod hinaus

Naheliegend, aber keineswegs selbstverständlich: Der Vorsorgevertrag hat „transmortale Wirkung“, d.h. alle in seinem Rahmen geschlossenen Vereinbarungen bleiben für den Bestatter bindend, und weil die sog. „Einrede Dritter“ ausgeschlossen ist, können Erben und Angehörige Ablauf und Umfang der Bestattung im Nachhinein nicht ändern. Auch haben sie kein Recht, die getroffenen Vereinbarungen zu unterbinden und etwa die Erstattung des eingezahlten Betrags zu verlangen.

Bestattungsrücklagen gehören zum pfändungssicheren Schonvermögen

Bestattungsrücklagen wie etwa Sterbegeldversicherung und eingezahlte Leistungen für einen Vorsorgevertrag können auch dann nicht von staatlicher Seite eingefordert werden, wenn der Betroffene auf Sozialhilfeleistungen nach SGB XII angewiesen ist. Die Besattungsvorsorge ist Teil des Schonvermögens – das gilt allerdings nur in einem „angemessenen Umfang“. Ist dieser Umfang jedoch gewährleistet, haben Ämter keinen Zugriff auf die hinterlegten Mittel und auch keine Handhabe, Betroffene zur Kündigung des Vertragswerks aufzufordern.

Vorsorgevertrag oder Sterbegeld?

Der Vorsorgevertrag bietet zwei wesentliche Vorteile: Er sichert nicht nur Ablauf und Umfang der eigenen Bestattung zuverlässig ab, auch finanziell entlastet er die eigenen Angehörigen vom Moment der Vertragsunterzeichnung. Er ist damit eine vertraglich festgesetzte Verbindung aus Bestattungsverfügung und Sterbegeldversicherung mit dem Vorteil, dass der organisatorische Teil bereits in Händen des Bestatters liegt.
Anders als bei der Sterbegeldversicherung handelt es sich beim Vorsorgevertrag um einen Festbetrag, der per Einmalzahlung beglichen wird und zweckgebunden ist.

Die Sterbegeldversicherung hingegen funktioniert wie eine klassische Lebensversicherung. Hier werden über einen längeren Zeitraum Einzelbeträge an den Versicherungsträger überwiesen. Zwei Arten der Sterbegeldversicherung sind unterscheidbar: Versicherungen ohne Gesundheitsprüfung (dafür mit Wartezeit) und Versicherungen mit Gesundheitsprüfung (die sofort nach Inkrafttreten im Leistungsfall zahlen). Während Versicherte bei einer Versicherung ohne Prüfung mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 18 bis 36 Monaten rechnen müssen, bis der Versicherungsschutz tatsächlich greift, haben nur gesunde Antragsteller die Chance, in die Versicherung mit sofortiger Auszahlung aufgenommen zu werden.

Im Leistungsfall schüttet die Sterbegeldversicherung nicht nur den vereinbarten Versicherungsvertrag aus, sondern i.d.R. auch eine Überschussbeteiligung, die jedoch nur auf sämtliche Überschüsse abzüglich Provision und Verwaltungsgebühr anfällt. Der Versicherungsbetrag wird direkt an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Allerdings ist es auch möglich, den Betrag direkt einem Bestatter zukommen zu lassen. Einige Versicherer arbeiten heute bereits direkt mit großen Bestattungsunternehmen zusammen und begünstigen Verträge, die so abgeschlossen werden, dass ein angeschlossener Bestatter direkt nach Leistungsfall zum Zuge kommt.

Wer Wert auf eine vollständige organisatorische wie finanzielle Abwicklung der eigenen Vorstellungen zur eigenen Bestattung hat, fährt mit einem Vorsorgevertrag gut.
Wer seinen Angehörigen einen größeren Grad an Gestaltungsfreiheit zugestehen möchte, insbesondere bei der Wahl des Bestatters, kann eine Sterbegeldversicherung abschließen, sollte aber darauf achten, sie nicht zu überzahlen. Soll der eigentliche Ablauf der Bestattung klar festgelegt bleiben, kann die Sterbegeldversicherung von einer Bestattungsverfügung flankiert werden.