Dienstleistungen: Die wichtigsten Hilfen für Pflege und Vorsorge

Dienstleistungen: Die wichtigsten Hilfen für Pflege und Vorsorge

Dienstleistungen und Services für Pflege und Vorsorge: Alle wichtigen Informationen zu Hilfen, die Ihnen zustehen.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
14.10.2019

Mit steigendem Alter wachsen die Herausforderungen, und das gilt in einer alternden Gesellschaft für immer mehr Menschen. Ob Einkauf oder Haushalt, Behördengänge oder Ausflug - viele zuvor selbstverständliche Verrichtungen des Alltags werden zum Hindernis, wenn die Kräfte abnehmen. Doch nicht nur Pflegebedürftige oder Schwerkranke haben ein Anrecht auf Unterstützung, heutzutage gibt es eine ganze Reihe von Dienstleistungen, die ältere Menschen kostenpflichtig und häufig sogar gratis in Anspruch nehmen können. Wir stellen die wichtigsten in unserer Dienstleistungssektion vor.

Haushaltshilfe und Putzkraft

Eine der nächstliegenden Herausforderungen älterer Menschen ist der Unterhalt des eigenen Haushalts. Die Aufrechterhaltung von Ordnung und Sauberkeit nimmt nicht nur ein erhebliches Maß an Kraft und Zeit in Anspruch, viele Tätigkeiten lassen sich häufig nicht mehr ohne Weiteres verrichten. Gerade Arbeiten, die häufiges Bücken und Wiederaufrichten erfordern stellen ältere Menschen oft vor unverhältnismäßige Anstrengungen, genauso wie anhaltendes Knien oder die Benutzung von hohen Leitern. Kommen dann noch weitere Einschränkungen hinzu, etwa im Rahmen leichter Pflegebedürftigkeit wie bei Pflegegrad 1, sind viele Menschen mit der Aufrechterhaltung des eigenen Haushalts zunehmend überfordert.

Eine Haushaltshilfe kann für Betroffene ein erster niedrigschwelliger Einstieg in die Annahme von Hilfsmaßnahmen sein, ohne größere bürokratische Schwellen überschreiten zu müssen. Liegt bereits ein Pflegegrad vor, lassen sich dafür pauschal 125€ im Monat über den garantierten Entlastungsbetrag für alle Pflegegrade einsetzen. Wer noch keine Pflegeleistungen in Anspruch nehmen kann, kann eine Haushaltshilfe rückwirkend steuerlich geltend machen - als haushaltsnahe Dienstleistung.

Essen auf Rädern: Vollwertkost oder Klischee-Küche?

Die Herausforderungen des Alltags betreffen bei weitem nicht nur Ordnung und Sauberkeit. Viele ältere Menschen neigen dazu, nicht vollwertig genug, zu unregelmäßig oder zu selten zu essen. Scheinbar übergroßer Aufwand, zu große Anstrengung, zu weite Wege für Einkäufe - die Gründe für unzureichende Ernährung älterer Menschen sind vielfältig. Während “Essen auf Rädern” unter Nicht-Betroffenen ein häufig eher belächeltes Dasein fristet, erfüllen Menübringdienste eine wichtige Funktion für Menschen, die nicht willens oder in der Lage sind, sich selbst mit regelmäßigen Mahlzeiten zu versorgen. Allerdings sollten Interessierte oder Angehörige einige Maßgaben beachten:

  • Die Anzahl der Anbieter ist ebenso groß wie facettenreich. Unter den gemeinnützigen Trägern sind Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbänden häufig ebenso engagiert wie Beratungsstellen von Vorfeldorganisationen wie Caritas oder Maltesern. Aber auch immer mehr private Unternehmen haben das Feld für sich entdeckt.
  • Die Kostengestaltung für Essen auf Rädern ist nicht gesetzlich reglementiert. Zusammensetzung, Aufwand und Preise können z.T. erheblich voneinander abweichen. Ein Preis-Leistungsvergleich lohnt also nicht nur, sondern ist für dauerhafte Zufriedenheit und Ausgewogenheit entscheidend.
  • Sozial schwächer Gestellte können bei ihrem zuständigen Sozialamt einen Zuschuss für einen Menübringdienst beantragen. Wer eine Behinderung nachweisen kann, krank oder von Krankheit gefährdet ist und die Kosten für das Essen auf Rädern nicht selbst aufbringen kann, kann sie auf § 30 SGB XII berufen. Auch ältere Menschen mit sehr niedriger Rente können Zuschüsse beantragen, müssen jedoch eine Einzelfallentscheidung beantragen.
  • Viele Anbieter liefern auf Anfrage auch situationsgerechte Schonkost, eine besondere Diät oder Speisen, die Nahrungsunverträglichkeiten berücksichtigen.

Um eine ausgewogene Ernährung älterer Menschen sicherzustellen, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Qualitätsstandard für Essen auf Rädern veröffentlicht. Richtlinien für Garmethoden, Lebensmittel, Speiseplan, Hygiene und Warmhaltezeiten sollen zuverlässige Standards etablieren. Ein Menübringdienst sollte nachweisen können, dass er sich an eingetragenen Mindeststandards orientiert.

Besuchs- und Begleitdienste, Telefondienste

Neben Hilfen für Haushalt und Ernährung gibt es noch zahlreiche weitere Services zur Begleitung, aber auch für seelischen Zuspruch. Diese Dienste werden häufig von Ehrenamtlichen angeboten, aber auch professionelle Dienste zur Begleitung und Betreuung, die ältere Menschen und Pflegebedürftige bei Amtsgängen und Arztbesuchen unterstützen bieten vielfach ihre Hilfe an. In beiden Fällen ist das Ziel, eine dauerhafte, auf wechselseitigem Vertrauen beruhende Beziehung zu schaffen. Wer sich also mit einer Seniorenbegleitung oder einem ähnlichen Service in Verbindung setzt, muss nicht damit rechnen, bei jedem Besuch einen neuen Begleiter kennenlernen zu müssen. Unter den ehrenamtlichen Diensten haben sich auch Betreiber etabliert, die ältere Menschen moralisch unterstützen wollen, etwa der Verein Freunde alter Menschen oder das Telefonnetzwerk “Silbernetz”. Hier finden ältere Menschen, Zuspruch und ein offenes Ohr für ihre Sorgen, Nöte oder einfach ein abwechslungsreiches Gespräch mit anderen Menschen.

Entlastungsbetrag

Jeder Pflegebedürftige mit Pflegegrad kann den Entlastungsbeitrag seiner Pflegekasse nutzen, um zusätzliche Unterstützung im Alltag damit ins Werk zu setzen. Der Entlastungsbetrag ergänzt die weitergehenden ambulanten und teilstationären Pflegeleistungen. Seit der Neuregelung der Pflege im Januar 2017 ist der Entlastungsbetrag als dezidiertes „Angebot zur Unterstützung im Alltag“ eingerichtet.

Mit dem Entlastungsbetrag können Pflegebedürftige 125 mtl. für folgende Dienstleistungen einsetzen:

  • Betreuung: Angebote zur Teilnahme an Betreuungsgruppen (z.B. für demenzkranke Menschen)
  • Stundenweise Entlastung pflegender Angehöriger
  • Beschäftigungsangebote
  • Vermittlungsdienste
  • Haushaltshilfe
  • Begleitpersonen bei Amtsgängen und Arztbesuchen
  • Pflegebegleitung