Geburt des ersten Kindes: Diese Vorsorge brauchen Familien jetzt

Geburt des ersten Kindes: Diese Vorsorge brauchen Familien jetzt

Mit der Geburt des ersten Kindes müssen sich Eltern mit vielen Fragen rund um die Vorsorge beschäftigen. Afilio erklärt, woran Sie unbedingt denken sollten.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
31.10.2019

Mit der Geburt des ersten Kindes wird aus einem Paar plötzlich eine Familie. Im klassischen Fall sind die Eltern verheiratet und besitzen vielleicht sogar bereits ein (noch nicht abbezahltes) Eigenheim. Wenn nun also das erste Kind auf die Welt kommt, bringt das finanziell einige Veränderungen sowie Verpflichtungen mit sich. Für Sie stellt sich dann die Frage, welche Auswirkungen das auf Ihre benötigten Versicherungen sowie die Vorsorge im Allgemeinen hat.

Plötzlich kommen Unklarheiten auf, wie: Was, wenn eines der Elternteile sterben sollte oder sogar beide? Wer zahlt, wenn mein Kind krank wird? Für werdende Eltern ist es also wichtig, sich einmal intensiv mit diesen und weiteren Antworten auseinanderzusetzen, um die Vorsorge als frisch gebackene Familie neu auszurichten.

Frage 1: Welche Versicherungen braucht das Kind unbedingt?

Schon während der Schwangerschaft fragen Sie sich vermutlich, welche Versicherungen Ihr Kind eigentlich benötigt und ob Sie diese gemeinsam, sozusagen als Familientarif, abschließen können beziehungsweise überhaupt die Geburt melden müssen. Die Antworten hängen dabei vom jeweiligen Einzelfall ab. Als Pflichtversicherungen gelten für jedes Kind aber die Krankenversicherung sowie Privathaftpflichtversicherung. Schließlich geht beim Toben schnell mal etwas zu Bruch und das Kind wird regelmäßige Arztbesuche haben, sei es für Vorsorgeuntersuchungen oder bei Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen. Diese beiden Policen stellen daher das absolute Minimum dar, welches jedes Kind haben sollte:

Vater Mutter Baby
  1. Da auch Erwachsene eine Privathaftpflichtversicherung benötigen, besitzen Sie vermutlich bereits einen entsprechenden Tarif. Als Ehepaar können Sie sich gemeinsam versichern, sprich Sie benötigen nur einen Vertrag. In diesem wird schließlich auch das Kind mitversichert, sozusagen im Familientarif. Allerdings müssen Sie Ihren Vertrag dafür aktiv umstellen. Melden Sie die Geburt des Kindes also frühzeitig bei der Versicherung und informieren Sie sich darüber, ob und inwiefern Sie Ihr Kind mitversichern können. Dieser ist außerdem ein geeigneter Zeitpunkt, um noch einmal verschiedene Angebote zu vergleichen. Vielleicht gibt es ja eine Versicherung, bei welcher mehr Leistungen inbegriffen oder die monatlichen Prämien niedriger sind.
  2. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung wird das Kind in der Regel beitragsfrei im Rahmen der Familienversicherung mitversichert. Nehmen Sie also rechtzeitig Kontakt mit Ihrer Krankenkasse auf, um die Änderung des Vertrags zu besprechen. Es herrscht hierbei ein Annahmezwang, sprich die Krankenkasse kann auch kranke oder behinderte Kinder nicht ablehnen.
  3. Dasselbe gilt für die private Krankenversicherung: Auch diese muss das Kind aufnehmen, wenn mindestens ein Elternteil einen Versicherungsvertrag hat. Manchmal gilt dafür eine Mindestlaufzeit, d.h. die Police muss seit mindestens drei Monaten bestehen, oder so ähnlich. Das bedeutet aber nicht, dass das Kind in der PKV ebenso wie in der GKV kostenlos mitversichert wird. Bei der privaten Krankenversicherung muss es stattdessen selbst versichert werden, sprich mit einem eigenen sowie kostenpflichtigen Vertrag.

Welche Variante in Ihrem individuellen Fall sinnvoller ist, müssen Sie als Familie selbst entscheiden und hängt natürlich auch davon ab, wie Sie als Eltern vor der Geburt versichert waren. Prüfen Sie zudem in beiden Fällen die Möglichkeit von Zusatzbausteinen, welche oftmals gerade für Kinder sinnvoll sind, beispielsweise bei Behandlungen der Kieferorthopädie.

Frage 2: Welche weiteren Policen werden empfohlen?

Zusätzlich zur Kranken- und Privathaftpflichtversicherung gibt es aber noch weitere Policen, welche als Vorsorge für das Kind sinnvoll sind. Experten erachten demnach folgende Verträge als wichtig:

Baby wird untersucht
  • Beim Spielen, Toben, Klettern & Co passieren schnell Unfälle, weshalb eine Absicherung für eine solche Situation durchaus Sinn ergeben. Denn die Unfallversicherung zahlt nicht nur für akute Behandlungskosten bei Verletzungen durch Unfälle, sondern springt auch dann ein, wenn das Kind aufgrund eines Unfalls oder, in vielen Fällen, sogar nach einer Krankheit lebenslänglich beeinträchtigt sein sollte. Somit bleiben den Eltern dann zumindest finanzielle Sorgen erspart.
  • Eine Versicherung gegen schwere Krankheiten oder Kinder-Invaliditätsversicherung kann ebenfalls sinnvoll sein, wenn solche Eventualitäten nicht bereits durch die Unfallversicherung abgedeckt ist.
  • Krankenzusatzversicherungen können ebenfalls für die Eltern, aber auch die Kinder wichtig sein. Dabei handelt es sich nicht um die bereits erwähnten Zusatzbausteine der Krankenversicherung, sondern um eigene Tarife. Es gibt sie beispielsweise als Zahnzusatz- oder Brillenversicherung.

Im Sinne einer finanziellen Vorsorge steht es Ihnen natürlich frei, für Ihre Kinder auch bereits ein Sparkonto anzulegen, eine Riester-Rente abzuschließen oder andere Vorkehrungen zu treffen, damit Ihr Kind bei Volljährigkeit oder später im Alter bestmögliche finanzielle Voraussetzungen genießt.

Frage 3: Welche neuen Versicherungen brauchen die Eltern?

Natürlich kann aber nicht nur Ihrem Kind, sondern auch Ihnen etwas geschehen. Die Geburt Ihres ersten Kindes ist daher eine optimale Gelegenheit, um Ihre Versicherungslage noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Eine Privathaftpflicht-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung besitzen Sie vermutlich bereits sowie eventuell weitere Policen, die Sie bislang als wichtig erachtet haben. Neben diesen grundlegenden Pflicht- und Zusatzversicherungen werden nun aber neue Versicherungen relevant, um Ihre Familie bestmöglich abzusichern. Welche sind das?

  1. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist vergleichsweise teuer, gehört aber dennoch zu den wichtigsten Versicherungen für jeden Erwerbstätigen, mit oder ohne Kinder. Wenn Sie also noch keine solche Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, sollten Sie das spätestens zur Geburt Ihres ersten Kindes nachholen. Sie sichert Ihnen auch dann noch ein ausreichendes Einkommen zu, beispielsweise für den Lebensunterhalt der Familie oder die Tilgung der Raten für das Eigenheim, wenn Sie krankheitsbedingt nicht mehr (voll) arbeiten können.
  2. Die Risikolebensversicherung sichert Ihre Familie ab, wenn der Hauptverdiener sterben sollte. So haben die Hinterbliebenen zumindest keine finanziellen Sorgen in dieser ohnehin schwierigen Situation. Deshalb gilt sie als eine der wichtigsten Versicherungen für eben den Hauptverdiener beziehungsweise die Hauptverdienerin.

Natürlich können Sie weitere Vorsorgemaßnahmen treffen, um Ihre Familie im Ernstfall abzusichern. Diese beiden gelten aber als die wichtigsten Policen, die Sie spätestens nach der Geburt Ihres ersten Kindes haben sollten.

Frage 4: Welche weitere Vorsorge ist als Mutter oder Vater sinnvoll?

Neben der Frage der Versicherungen müssen Sie als frisch gebackene Eltern noch weitere wichtige Dinge erledigen:

  • Einerseits müssen Sie klären, wo das Kind leben würde, wenn Sie beide unerwartet sterben sollten. Wer also wird sich dann um das Kind kümmern? Sinnvoll ist, diese Frage sowohl mit den ausgewählten „Paten“ als auch mit dem Kind selbst zu besprechen, sobald es dafür alt genug ist.
  • Andererseits ist es wichtig, bei der Geburt des ersten Kindes auch das Testament zu ändern oder ein solches aufzusetzen, wenn Sie noch keines besitzen. Ansonsten greift im Todesfall die gesetzliche Erbfolge, was bedeutet: Ihr Ehepartner beziehungsweise Ihre Ehepartnerin würde nur ein Viertel oder die Hälfte Ihres Vermögens erben, je nach „Ehemodell“. Sollten Sie unverheiratet sein, besteht überhaupt kein gesetzlicher Anspruch. Die Hinterbliebenen sind also in diesem Fall nicht ausreichend abgesichert. Sinnvoll ist daher, gemeinsam ein Testament aufzusetzen, wonach der überlebende Partner beziehungsweise die überlebende Partnerin das gesamte Erbe (abgesehen von den Pflichtteilen) erhält. Ihre Kinder erben das Vermögen wiederum, wenn beide Eltern gestorben sind. Als „Berliner Testament“ wird diese Regelung bezeichnet.

Das Beispiel macht zugleich deutlich, dass für unverheiratete Paare, die zusammenleben und ein Kind großziehen, einige Besonderheiten gelten. Sie müssen also im Sinne der Vorsorge noch mehr regeln, beispielsweise die Frage des Sorgerechts oder das Aufsetzen einer gegenseitigen Vorsorgevollmacht. Nur so können sie für eine optimale Absicherung der Familie in allen denkbaren Situationen sorgen, seien es Krankheiten, Todesfälle, finanzielle Einschnitte oder auch eine Trennung. Je früher und klarer alles geregelt ist, desto geringer werden die Sorgen sowie eventuellen Streitigkeiten sein, wenn der Fall tatsächlich eintreten sollte.

Nutzen Sie die Zeit vor der Geburt daher, um sich einmal intensiv mit dem Thema Vorsorge und Versicherungen auseinanderzusetzen. So können Sie sich nach der Geburt voll und ganz auf Ihre Rolle als Mutter oder Vater konzentrieren sowie positiv in die Zukunft blicken.