Motorradfahren: Riskanter Freizeitspaß auf zwei Reifen

Motorradfahren: Riskanter Freizeitspaß auf zwei Reifen

Motorradfahren erfordert körperliche und mentale Fitness – weit über die in der Fahrschule vermittelten Kenntnisse hinaus. Wir verraten, wie Sie sich für Ihr Hobby optimal absichern.

Jessica Djadavjee
Jessica Djadavjee
13.09.2019

Motorradfahren ist für Liebhaber zweirädriger Kraftmaschinen der Inbegriff von Freiheit – Fahrtwind, Geschwindigkeit und rasante Manöver sorgen für eine Extraportion Adrenalin. Beim Motorradfahren wirken die physikalischen Kräfte jedoch gnadenloser als beim Autofahren; ein abruptes Bremsmanöver oder eine nasse Fahrbahn können zwei Räder schnell zum Ausbrechen bringen. Motorradfahren bedarf darüber hinaus körperlicher und mentaler Fitness und viel Training – weit über die in der Fahrschule vermittelten Kenntnisse hinaus. Wir verraten, wie Sie sich für Ihr PS-starkes Hobby optimal absichern.

Im vergangenen Jahr kamen nach zuvor rückläufigen Zahlen wieder mehr Menschen im Straßenverkehr ums Leben: 2018 gab es laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) 3265 Verkehrstote – was einer Zunahme von 2,7 Prozent im Vergleich zu 2017 entspricht. Zeitgleich ist dies der drittniedrigste Stand seit 1950. Dieser Anstieg ist auf eine höhere Anzahl getöteter Motorradfahrer und Fahrradfahrer zurückzuführen – 2018 waren 13,6 Prozent mehr Verunglückte als im Jahr davor zu verzeichnen. 699 Motorradfahrer ließen ihr Leben, was ein Anstieg von 9 Prozent bedeutet.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, erklärt den Grund für die Zunahme tödlicher Verkehrsunfälle von Motorradfahrern gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Nach dem langen heißen Sommer war klar, dass es zu einer Zunahme kommt.“ Durch die Wetterbedingungen seien mehr Motorradfahrer auf den Straßen unterwegs gewesen, was mehr Fahrten und eine entsprechend höhere Anzahl von Unfällen nach sich zog.

Motorradunfall: Das sind die häufigsten Ursachen

Die Unfallursachen beim Motorradfahren sind vielfältig, jedoch lassen sich einige Situationen herausstellen, die in den meisten Fällen unfallursächlich sind. Dazu zählen

  • Abbiegefehler,

  • Fehler beim Wenden,

  • Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss,

  • Missachtung von Vorfahrtsregeln,

  • Missachtung des Rechtsfahrgebots,

  • riskante Überholmanöver in unklaren Verkehrslagen sowie

  • Missachtung des Sicherheitsabstandes.

Überhöhte Geschwindigkeit ist Unfallursache Nr. 1

In den meisten Fällen ist überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache, wobei Motorradunfälle nicht nur vom Fahrer selbst, sondern oftmals auch durch Dritte verursacht werden. Verunglückte Motorradfahrer sind lediglich bei der Hälfte der Unfälle selbst Unfallverursacher.

Gruppenfahrten bergen besonders hohes Risiko

Ausfahrten in einer großen Gruppe machen Spaß, sind aber risikoreich. Angespornt durch die Gruppendynamik überschätzen sich insbesondere jüngere Fahrer im Pulk häufig, da erfahrenere Fahrer zudem meist ein zu flottes Tempo vorgeben.

Risiko beim Motorradfahren minimieren: So geht’s

  • Schutzkleidung ist das A und O

Fehlende oder unzureichende Schutzkleidung endet häufig tödlich – Unfallforschungen des ADAC zeigen, dass drei Viertel der untersuchten Unfallfahrer lediglich einen Helm trugen, aber der Schutz für andere Körperstellen vernachlässigt wurde. Nur 25 Prozent der Verunfallten trug einen Vollschutz, bestehend aus Helm, Jacke, Hose, Handschuhen und Schuhen.

  • Leuchtende Farben tragen und Tagfahrlicht einschalten

Bei mehr als 40 Prozent der Unfälle handelt es sich um sogenannte „Sichtunfälle“, das bedeutet, dass der Motorradfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern gar nicht oder erst zu spät wahrgenommen wurde. Tragen Sie deshalb leuchtende Signalfarben, um rechtzeitig gesehen zu werden. Nutzen Sie auch das Tagfahrlicht, um früher in Sichtweite Dritter zu gelangen.

  • Regelmäßiges Training

Absolvieren Sie in regelmäßigen Intervallen Fahrsicherheitstrainings, um auch in brenzligen Situationen die Kontrolle über Ihr Kraftrad zu behalten. Ein gutes Balance- und Bremsgefühl sowie die Fähigkeit bei Bedarf schnell auszuweichen sollte vor dem Start in die Motorradsaison immer trainiert werden, um sich nach dem langen Winter wieder mit der Maschine vertraut zu machen.

  • Unfallschwerpunkte rechtzeitig erkennen

Schlechte Sichtbarkeit ist insbesondere in unübersichtlichen Verkehrslagen gefährlich – beispielsweise in schwer einsehbaren Kreuzungen, in denen die Rechts-vor-links-Regeln zur Abwicklung des Straßenverkehrs gelten. Was banal klingen mag, zieht jedoch häufig Unfälle nach sich. Seien Sie sich über die gängigsten Unfallschwerpunkte bewusst: Kreuzungen und Einmündungen sind die häufigsten Schauplätz im Unfallgeschehen zwischen Motorradfahrern und Dritten. Motorradfahrer sollten sich an diesen Verkehrspunkten besonders vorausschauen und umsichtig verhalten – mit einer defensiven Fahrweise und Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern verhindern Sie aktiv Unfälle.

Zusammenfassend haben wir im Folgenden alle sicherheitsrelevanten Punkte für Sie zusammengetragen:

  • Gut sichtbare Kleidung und vollständige Schutzausrüstung tragen

  • Vorausschauend und umsichtig fahren

  • Vorsicht an Kreuzungen und schwer einsehbaren Einmündungen walten lassen

  • Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern halten

  • Regelmäßiges Fahrsicherheitstraining absolvieren

  • Motorrad mit integriertem ABS nutzen

Motorradfahren: Optimal abgesichert mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Mit unseren Tipps steht einer sicheren Fahrt nichts mehr im Wege, damit Sie und Ihre Angehörigen aber auch rechtlich abgesichert sind, sollten Sie sich rechtzeitig um eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht kümmern – so sind Sie in unvorhergesehenen Notsituationen bestens gerüstet und nehmen Ihren Angehörigen die Last schwerer Entscheidungen ab. Denn: Ein Risiko für Leib uns Leben ist Motorradfahren allemal.