Pflege zuhause: Alles zur häuslichen Pflege

Pflege zuhause: Alles zur häuslichen Pflege

Häusliche Pflege: Diese Rechte haben Betroffene - Alle wichtigen Leistungen und Ansprüche.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
15.10.2019

Der Mehrheit aller Pflegebedürftigen in Deutschland wird im häuslichen Umfeld gepflegt, oft genug von pflegenden Angehörigen, aber auch Freunde, Ehrenamtliche und ambulante Pflegedienste leisten Großes bei der Betreuung der rund 3,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland. Auf diesen Seiten finden Sie wichtige Hinweise, Informationen und Orientierungshilfen rund um die Pflege zuhause.

Richtig pflegen: Der Einstieg

Jeder Pflegefall ist eine Herausforderung, und jede Herausforderung ist anders. Genauso individuell wie die gesundheitliche Situation des Betroffenen ist die richtige Pflege. Für viele Angehörige ist der Weg in die Pflege mit vollkommen neuen Fragestellungen verbunden. Wie pflege ich richtig? Was benötige ich dafür? Wo finde ich Hilfe? Wie vereinbare ich Pflege und Beruf? Gibt es finanzielle Unterstützung? Was tue ich, wenn ich keine Zeit habe, um die Pflege durchgängig selbst zu leisten? Auf diese und viele andere Fragen bieten wir an dieser Stelle die richtigen Antworten.

Pflegegrad: Was ist das?

Ein Pflegegrad ist ein Maßstab für die verbliebene Selbständigkeit eines Pflegebedürftigen. Je geringer die Selbständigkeit, desto höher der Pflegegrad und der Anspruch auf Leistungen von der Pflegekasse. Leistungen der Pflegekasse sind in aller Regel Geldmittel, aber auch Sachleistungen und maßnahmengebundene Hilfen zur Wohnraumanpassung sind möglich (etwa, um die Wohnung des Betroffenen pflegegerecht umzugestalten, dazu weiter unten mehr). Unterteilt sind die Pflegegrade in Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5. Ab Pflegegrad 2 besteht für eine Vielzahl von Anforderungen ein gesetzlicher Anspruch auf umfassende Leistungen und begleitende Maßnahmen. Bei uns erfahren Sie, wie Sie einen Pflegegrad beantragen und wie Sie gegen einen nicht bewilligten Pflegegrad Widerspruch einlegen.

Organisation

Grundsätzlich wird zwischen drei Arten der Pflege unterschieden:

  • Der häuslichen Pflege, also der Pflege zuhause,
  • der stationären Pflege in einem Pflegeheim und
  • der Pflege im betreuten Wohnen.

Wird ein Versicherter zum Pflegefall, betrifft die neue Situation zunächst oft die ganze Familie. Wird er nicht bereits frühzeitig in die stationäre Pflege überführt, sondern zuhause gepflegt, stehen alle Angehörigen vor der unbekannten Herausforderung einen Einstieg in die neue Situation zu finden. Hilfe bieten dabei nicht nur Portale wie Afilio, sondern auch Pflegestützpunkte, Pflegekassen und ambulante Pflegedienste.
Zuerst muss häufig die Zeitfrage geklärt werden, denn häufig sind Angehörige, die sich um einen Betroffenen kümmern, voll berufstätig. Für die kurzzeitige Unterstützung gibt es etwa das Pflegeunterstützungsgeld, das ein Zeitfenster dafür öffnen soll, ein geeignetes Pflegeheim für den Pflegebedürftigen zu finden. Ist absehbar, dass die neue Situation länger andauern wird, können Angehörige von der Pflegezeit Gebrauch machen. Für eine Dauer von bis zu sechs Monaten können Angehörige sich dann um einen Pflegefall kümmern. In Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern besteht für diesen Zeitraum ein außerordentlicher Kündigungsschutz. Längere Pflegezeiträume von bis zu 24 Monaten können über die Familienpflegezeit realisiert werden. Im Rahmen der Familienpflegezeit kann auch ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden.

Finanzen

Pflege ist teuer. Nicht allein wegen der hohen Kosten für die tatsächliche Pflege, sondern auch weil der immense Zeitaufwand in den allermeisten Fällen mit einem Verdienstausfall für den pflegenden Angehörigen einhergeht. Mitte der Neunzigerjahre hat der Gesetzgeber mit der gesetzlichen Pflegeversicherung ein zuverlässiges Instrument geschaffen, um auch den finanziellen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft mit entsprechenden Pflegeleistungen zu begegnen. Tatsächlich erfüllen Pflegegeld und Pflegesachleistungen für die ambulante Pflege genauso wie die Leistungen für die stationäre Pflege im Pflegeheim eine wichtige Funktion zur Unterstützung betroffener Familien, dennoch bleibt die Pflegeversicherung eine Teilkaskoversicherung. Oft genug stellt ein Pflegefall deshalb eine große Herausforderung dar. Erst in jüngerer Zeit wurde beschlossen Angehörige bei der Pflege finanziell zu entlasten - Betroffene selbst hingegen müssen weiterhin zum Teil erhebliche Geldmittel aufwenden, um ihre eigene Pflege zu finanzieren. Eine private Pflegeversicherung, bzw. Pflegezusatzversicherung ist also auch weiterhin die beste Möglichkeit, sich rechtzeitig vor finanziellen Einschnitten abzusichern.

Pflegedienst

Ein in den vergangenen Jahren immer häufiger auf Deutschlands Straßen anzutreffendes Phänomen: Ambulante Pflegedienste. Zur Unterstützung oder sogar vollständigen Übernahme der Pflege zuhause können ambulante Pflegedienste beauftragt werden. Pflegedienste können in unterschiedlichsten Bedarfssituationen eingesetzt werden, etwa im Rahmen der Brückenpflege, um einen Betroffenen auf dem Weg von der Akutsituation in die Pflege zuhause zu begleiten. In dieser Funktion dient der Pflegedienst häufig auch als erster Ansprechpartner für Angehörige und Verwandte. Pflegedienste können aber auch dann eine wertvolle Hilfe sein, wenn pflegende Angehörige den Zeitaufwand für die Pflege nicht vollständig allein leisten können. In diesem Fall spricht man im Versicherungsjargon auch von der Kombinationsleistung (auch “Kombileistung”). Alternativen zur ambulanten Pflege sind die 24-Stunden-Pflege (Stichwort “polnische Pflegekräfte”) und die Tagespflege- bzw. Nachtpflege.

Auszeiten und Erholung

Fürsorge ist eine Daueraufgabe. Doch auch wenn die Betreuung eines Pflegebedürftigen nicht unterbrochen werden kann, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, um pflegenden Angehörigen eine Auszeit zu ermöglichen - etwa, um wichtige Termine wahrzunehmen, aber auch zur Erholung, ggf. auch gemeinsam mit dem Betroffenen. Für die kurzzeitige Überbrückung von zeitlichen Engpässen gibt es das Instrument der Kurzzeitpflege. Mit ihrer Hilfe können Pflegebedürftige für einen begrenzten Zeitraum einem Pflegedienst die Betreuung übertragen. Für längere Zeiträume steht Versicherten und Angehörigen die sog. Verhinderungspflege zur Verfügung. Die gedeckelten Leistungsbeträge beider Instrumente können miteinander kombiniert werden, allerdings nur bis zu einer bestimmten Höchstdauer.

Barrierefreiheit: Wohnräume pflegegerecht gestalten

Ein Pflegefall hat andere Anforderungen an sein Umfeld als ein gesunder Mensch. Das beginnt bei kleinen Dingen wie Türschwellen, die für Leute mit Gehhilfen ein echtes Hindernis sein können, führt über unerreichbar hohe Küchenschränke bis hin zu umfassenden Maßnahmen wie Türverbreiterung, Treppenlift und Badumbau vom Bad zur Dusche oder Maßnahmen zur Sturzprophylaxe. Aber auch praktische Alltagserleichterungen wie zusätzliche Stützgriffe oder Lichtschalter mit Bewegungsmelder können dazu beitragen, die Selbständigkeit eines pflegebedürftigen Menschen zu erhöhen, ein sicheres Umfeld zu schaffen und die Aufgabe von pflegenden Angehörigen oder Pflegefachkräften zu erleichtern. Für einzelne Maßnahmen ab Pflegegrad 2 können dafür im Rahmen der sog. Wohnraumanpassung bis zu 4000€ von der Pflegekasse beantragt werden. Ändert sich die Situation und sind neue Maßnahmen notwendig, können weitere Mittel beantragt werden. Bei größeren Umbauten besteht im Rahmen des barrierefreien Bauens die Möglichkeit, kostengünstige Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Anspruch zu nehmen.

Gehhilfen, Pflegebetten usw.

Pflegebedürftigkeit drückt sich häufig ganz sichtbar aus: Abnehmender Mobilität und Selbständigkeit begegnet moderne Pflege mit Gehhilfen, aber auch geeigneten Pflegebetten und Hygieneartikeln. Zu unterscheiden ist zwischen regulären Hilfsmitteln, die im Rahmen der allgemeinen Krankenversicherung vom Arzt verordnet werden und Pflegehilfsmitteln die (meist gemeinsam mit einer ärztlichen Stellungnahme, jedoch ohne Verordnung) bei der Pflegekasse beantragt werden. Welche Hilfsmittel regulär verfügbar sind, kann im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen eingesehen werden, aber auch Individualanfertigungen sind prinzipiell genauso erhältlich wie technische Hilfsmittel, die nicht im Hilfsmittelkatalog aufgeführt sind, wenn ihre Notwendigkeit ärztlich begründet werden kann. Betroffene mit Pflegegrad können unabhängig von ihrer akuten Situation pauschal Pflegehilfsmittel in Höhe von 40€ bei Ihrer Krankenkasse in Anspruch nehmen, darunter fallen Hygieneartikel und Einwegpflegemittel. Häufig werden diese Pflegehilfsmittel in fertig zusammengestellten Pflegeboxen direkt nach Hause geschickt.