Raus aus der Einsamkeit im Alter: Unterstützung per Telefon

Raus aus der Einsamkeit im Alter: Unterstützung per Telefon

Immer mehr ältere Menschen sind auf Pflege angewiesen. Damit sie nicht vereinsamen, bieten viele Vereine eine Telefonhotline an. Afilio stellt die Angebote vor.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
07.10.2019

Vor kurzem hat Afilio schon darüber berichtet: Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen steigt und immer mehr ältere Menschen sind im Alter von Depression betroffen. Eines der größten Risiken für diese Erkrankung ist Einsamkeit, etwa wenn der Partner stirbt oder die Verbindung zur Familie gestört ist. Damit ältere Menschen im Alter nicht vereinsamen, sich am Gesellschaftsleben beteiligen können und wichtige Informationen bekommen, gibt es bundesweit verschiedene Aktionen, die eine Gemeinsamkeit haben: Die Hilfe erreicht den Bedürftigen über das Telefon.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen steigt. Doch Frauen werden älter als Männer, sodass sie immer öfter die letzten Lebensjahre alleine verbringen müssen.
  • Damit ältere Menschen ohne Partner oder Familie nicht vereinsamen, gibt es Hilfsangebote von Vereinen.
  • Ehrenamtliche melden sich regelmäßig per Telefon bei älteren Menschen und bieten so Wege aus der Einsamkeit.

Pflegebedarf im Alter steigt

Immer mehr Menschen werden älter. Nicht nur die Säuglings- und Kindersterblichkeit ist in den letzten Jahrzehnten gesunken, sondern auch die Sterblichkeit im Alter. Und das betrifft vor allem das weibliche Geschlecht: Während Männer in Deutschland eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84,8 Jahren haben, werden Frauen im Durchschnitt ganze 4 Jahre älter, also 88,8 Jahre. Die Gründe sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht nur biologischer Natur, sondern auch durch die Gesellschaft bedingt. Gesellschaftlich geprägte Verhaltensmuster sowie geschlechtsspezifischen führen zu diesem Effekt. Frauen achten tatsächlich mehr auf ihre Gesundheit und Statistiken belegen, dass sie beispielsweise öfter medizinische Beratung aufsuchen.

Die Folge der steigenden Lebenserwartung: Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte steigt und ältere Menschen sind durch körperliche und psychische Gebrechen immer häufiger auf Pflege angewiesen. Dass die Infrastruktur in Deutschland dafür aktuell nicht ausgelegt ist, zeigen unter anderem Fachkräftemangel und zu wenige Pflegeheimplätze. Die Wartelisten sind lang und nicht immer gibt es schnelle Hilfe für Betroffene. So kommen beispielsweise immer mehr polnische Pflegekräfte nach Deutschland, um sich um die Pflegebedürftigen kümmern. Ist der Partner verstorben, dann ist die Pflegekraft oft der einzige Mensch, der den Pflegebedürftigen im Alltag begleitet.

Behördennummer 115: Informieren Sie sich über das Thema Pflege

Doch mit körperlichen Einschränkungen ist es schwierig, sich eigenständig Informationen, Hilfe und Gesellschaft zu holen. Dank verschiedener Initiativen müssen Betroffene jedoch nur noch zum Telefonhörer greifen, und zwar nicht nur bei Einsamkeit, sondern auch für wichtige Informationen rund um die Pflege. Die erste Anlaufstelle für Pflege ist die Rufnummer 115 des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat. An jedem Wochentag zwischen 8 und 18 Uhr sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige erreichbar. Sie beantworten Fragen zur Pflege und welche finanziellen Möglichkeiten Betroffene zur Unterstützung wahrnehmen können.

Informieren Sie sich jetzt über die Aktion Pflege des Bundesministeriums.

030/3406066-02: Bürgertelefon zur Pflegeversicherung

Wer pflegebedürftig ist, weiß, wie wichtig eine private Pflegeversicherung ist. Sie kann die Leistungslücken der gesetzlichen Pflegeversicherung schließen und im Pflegefall finanzielle Sicherheit bieten. Tritt ein Pflegefall plötzlich ein, dann müssen Betroffene und die Familie oft tief in die Tasche greifen, um die Kosten für die Pflege zu bezahlen. Wer in solchen Fällen finanziell abgesichert ist, bekommt Zuschüsse zur stationären und ambulanten Pflege und kann sogar oft noch in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

Ermitteln Sie noch heute Ihren Vorsorgebedarf mit unserem Vorsorgelotsen.

Weiterführende Informationen zu Versicherungen und gesundheitlichen Präventionen bietet auch das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit. Die Anlaufstelle ist für alle Bürger und Bürgerinnen von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 18 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar und beantwortet alle Fragen rund um das deutsche Gesundheitssystem.

0800/4708090: Die Nummer gegen Einsamkeit

Pflegebedürftige benötigen jedoch nicht nur Informationen rund um die Pflege, sondern auch seelischen Beistand. Körperliche Beschwerden und Einschränkungen der Mobilität erschweren es, einfach aus dem Haus zu gehen und Freunde oder Bekannte zu besuchen. Wer keine Familie hat, die zu Besuch kommen, oder schlimmstenfalls verwitwet ist, kann schnell den Anschluss an das soziale Leben verlieren. Laut Silbernetz sind rund acht Millionen Menschen im Alter zwischen 60 und 99 Jahren einen Teil ihrer Zeit von Isolation oder Einsamkeit betroffen, sodass Silbernetz das Silbertelefon ins Leben gerufen hat.

Dabei handelt es sich um eine Hotline für Menschen über 60 Jahre, die keinen zum Reden haben. Das Angebot klingt simpel und richtet doch viel aus. Betroffene Menschen in Berlin, die sich einsam fühlen und sich nach einem Gespräch sehnen, können unter der Nummer einen Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin des Silbertelefons erreichen und reden. Die Kontaktaufnahme ist anonym und Ziel ist es, den älteren Menschen bei der Vernetzung mit der Gesellschaft zu unterstützen. Mitarbeiter hören nicht nur zu, sondern verweisen auch auf Angebote in der Nachbarschaft.

Die neuste Aktion von Silbernetz: Silbernetz-Freund_in. Dabei können interessierte Bürger und Bürgerinnen vereinsamte ältere Menschen unterstützen, indem sie regelmäßig zu einem vereinbarten Zeitpunkt anrufen und zuhören. Gemeinsam mit dem älteren Menschen sprechen sie über Erinnerungen oder den Alltag und helfen dabei, den Weg aus der Einsamkeit zu finden.

Möchten Sie selbst ein ehrenamtlicher Silbernetz-Freund werden? Hier finden Sie alle Informationen.

Malteser: 4.000 ehrenamtliche Malteser helfen alten, kranken und einsamen Menschen

Auch der Malteser Hilfsdienst kümmert sich um die Bedürfnisse von älteren und pflegebedürftigen Menschen in Deutschland. Der Verein bietet unterschiedliche Aktionen an, die sich nach dem Mobilitätsgrad der älteren Menschen richten. Wer noch mobil ist und aktiv am Gesellschaftsleben teilhaben kann, kann unter anderem Angebote wie das Café Malta, den KulTour-Begleitungsdienst oder Sitztanz wahrnehmen.

Für Menschen, die aufgrund körperlicher oder psychischer Einschränkungen nicht mehr mobil sind, aber trotzdem nicht vereinsamen möchten, gibt es den Telefonbesuchsdienst. Immer mehr Menschen leben allein und dadurch fehlt ihnen der Kontakt zu anderen Menschen im Alltag. Ehrenamtliche Mitarbeiter telefonieren regelmäßig mit gesprächsbedürftigen Menschen, hören zu und nehmen Anteil an der Lebensgeschichte. So können Bekanntschaften auch über das Telefon gepflegt werden. Wie Sie den Dienst wahrnehmen können, erfahren Sie auf der Malteser-Seite.