Pflegepauschbetrag: Pflegeaufwand steuerlich absetzen

Pflegepauschbetrag: Pflegeaufwand steuerlich absetzen

Wer einen hilflosen Angehörigen pflegt, hat Anspruch auf den Pflegepauschbetrag. Doch welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Jennifer Günther
Jennifer Günther
08.10.2019

Wer einen Angehörigen oder eine nahestehende Person pflegt, ist nicht nur einer körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt, sondern auch einer finanziellen. Viele Pflegende müssen aus Zeitgründen in ihrem Job kürzertreten oder ihn sogar kündigen, um Zeit für den Pflegebedürftigen zu haben. Doch nur die wenigsten wissen, dass sie mit dem sog. Pflegepauschbetrag zumindest die eigene Steuerlast senken können. Wie das funktioniert, erklärt Afilio.

Pflege in Deutschland in Zahlen

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist seit Jahren steigend. Laut des Bundesministeriums für Gesundheit ist sie von 2016 auf 2017 um 20 Prozent gestiegen. Demnach leben aktuell rund 3,3 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, die nur mithilfe ihren Alltag bestreiten können. Die Prognose für die nächsten Jahrzehnte verspricht einen weiteren Anstieg der Pflegebedürftigen: Experten rechnen mit über 4 Millionen Pflegebedürftige im Jahr 2030, weitere 20 Jahre später könnten es sogar 5,32 Millionen sein.

Dass immer mehr Menschen pflegebedürftig werden, liegt unter anderem an der steigenden Lebenserwartung der Deutschen. Männer werden im Durchschnitt in Deutschland 84,8 Jahre alt, Frauen mit 88,8 Jahren deutlich älter. Nicht verwunderlich, dass der größte Anteil der pflegebedürftigen Erwachsenen über 65 Jahre weiblich ist: Insgesamt 2,2 Millionen Menschen über 65 Jahre sind pflegebedürftig, davon sind 32 Prozent männlich und 68 Prozent weiblich.

Der Fachkräftemangel in der Pflege macht es für viele Betroffene schwierig, die eigene Pflege zu organisieren. Mit 23,6 Prozent leben 779.933 Pflegebedürftige im Pflegeheim, die restlichen 2.522.066 (76,4 Prozent) Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Die Kosten für beide Optionen sind hoch, doch nicht jeder verfügt über eine private Pflegeversicherung, um die Leistungslücken der gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen.

Unser Tipp: Informieren Sie sich noch heute über die Möglichkeiten einer privaten Pflegeversicherung, um im Fall des Falles finanziell abgesichert zu sein.

Voraussetzungen für den Pflegepauschbetrag

In Deutschland gibt es rund 2,3 Millionen pflegende Angehörige, die unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf den sog. Pflegepauschbetrag haben. Dabei handelt es sich um eine finanzielle Entlastung für die entstehenden Kosten in der Pflege, beispielsweise Fahrtkosten zum Arzt oder andere Aufwendungen wegen Pflegebedürftigkeit. Aktuell beträgt der Pflegepauschbetrag 924 Euro und kann jährlich in der Steuererklärung angesetzt werden. Pflegekosten gelten nach § 33 EStG als außergewöhnliche Belastungen und müssen nicht durch Belege bestätigt werden.

Um vom Pflegepauschbetrag zu profitieren, muss der pflegende Angehörige mehrere Voraussetzungen erfüllen. Zunächst einmal muss eine persönliche Pflegesituation vorliegen. Das bedeutet, dass sich die Person auch wirklich selbst um einen Pflegebedürftigen kümmert. Auch wenn der ambulante Dienst bei der Pflege unterstützt, handelt es sich nach wie vor um persönliche Pflege, solange der Anteil an der Pflege mindestens 10 Prozent beträgt. Damit verbunden ist die Auflage, dass pflegende Personen unentgeltlich helfen. Sie dürfen also keine finanzielle Aufwandsentschädigung für die erbrachte Pflegeleistung bekommen.

Weiterhin muss zwischen Pflegebedürftigem und der pflegenden Person eine enge persönliche Beziehung verstehen, ohne dass ein Verwandtschaftsverhältnis vorliegen muss. Der Pflegebedürftige kann entweder ein Angehöriger wie ein Elternteil oder Onkel sein oder aber eine nahestehende Person wie die Schwiegermutter.

Außerdem muss der Pflegebedürftige ständig hilflos oder schwerstpflegebedürftig sein. Das trifft auf Pflegebedürftige mit einem Schwerbehindertenausweis und den Einträgen H (hilflos) oder Bl (blind) zu, aber auch auf diejenigen, die eine Einstufung in einen Pflegegrad (früher: Pflegestufen) haben, wobei Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 vorliegen muss.

Zuletzt muss die Pflege im häuslichen Umfeld erfolgen, wobei der Pflegebedürftige entweder in der eigenen Wohnung oder bei der pflegenden Person leben kann.

Angaben bei der Steuererklärung

Pflegende Personen können den Betrag jährlich in der Steuererklärung angeben, wobei Name und Anschrift des gepflegten Menschen genannt werden müssen. Kümmern sich zwei Menschen um denselben Pflegebedürftigen, müssen beide den Namen des jeweils anderen in ihrer Steuererklärung vermerken. In diesem Fall wird der Pflegepauschbetrag nur einmal ausgezahlt und die beiden Personen müssen sich den Betrag teilen.

Anders sieht es aus, wenn sich eine pflegende Person um zwei Pflegebedürftige wie etwa die Eltern kümmert. Dann erhält diese Person für jeden Pflegebedürftigen den Pflegepauschbetrag.