Seniorenhandy: So sorgt es für mehr Sicherheit im Alltag

Seniorenhandy: So sorgt es für mehr Sicherheit im Alltag

Mit der Benutzung eines Handys fühlen sich ältere Menschen oft überfordert. Die Lösung: Großtastenhandys und Smartphones speziell für Senioren.

Christina Horst
Christina Horst
23.04.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Seniorenhandys zeichnen sich vor allem durch einfache Bedienbarkeit aus – auch bei nachlassender Sehkraft, Schwerhörigkeit oder feinmotorischen Schwierigkeiten.
  • Viele Funktionen und Menüpunkte von herkömmlichen Mobiltelefonen fallen zugunsten der Übersichtlichkeit weg. Dafür sind spezielle Funktionen für Senioren enthalten, z. B. eine Notruftaste.
  • Seniorenhandys sind in vielen Varianten erhältlich: Vom einfachen Großtastenhandy bis zum Senioren-Smartphone mit Kamera und WhatsApp.
  • Wichtig für Angehörige: Senioren sollten sich ihr Handy selbst aussuchen.

Handys und Smartphones sind für viele Menschen zu unverzichtbaren Alltagsbegleitern geworden. Mit Freunden und der Familie in Kontakt bleiben, sich auf dem Laufenden halten, sich unterwegs schnell orientieren und im Notfall Hilfe rufen können: All das ist auch für Senioren wichtig – und dennoch schrecken sie häufig vor der Nutzung von Mobiltelefonen zurück, weil sie sich mit der Bedienung der Geräte überfordert fühlen. Doch es gibt eine Lösung: Seniorenhandys sind speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgelegt und sorgen für mehr Sicherheit im Alltag.

Wie funktioniert ein Seniorenhandy?

Ein Seniorenhandy zeichnet vor allem eins aus: einfache Bedienbarkeit. Viele ältere Menschen meiden Smartphones, weil sie angesichts des großen Funktionsumfangs überfordert sind, und selbst bei „normalen“ Handys ist die Menüführung oft kompliziert. Hinzu kommt, dass die Bedienung eines Gerätes mit kleinen Tasten oder Touchscreen für viele Senioren mühsam ist, denn sowohl die feinmotorischen Fähigkeiten als auch die Sehkraft lassen im Alter nach. Wer schwerhörig ist, überhört leicht das Klingeln oder hat beim Telefonieren mit Hörgeräten mit Störgeräuschen zu kämpfen.

Seniorenhandys hingegen sind so konzipiert, dass sie auch mit körperlichen Einschränkungen gut nutzbar sind. Zudem verzichten sie auf überflüssige Apps bzw. Menüpunkte und warten stattdessen mit Sonderfunktionen auf, die für Senioren nützlich sind – vor allem solche, die die Sicherheit erhöhen, denn ein Seniorenhandy ist in der Regel auch als Notfallhandy gedacht. Mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl an Mobiltelefonen speziell für Ältere: vom einfachen Tastenhandy bis zum Senioren-Smartphone. Das sind die wichtigsten Eigenschaften von Seniorenhandys auf einen Blick:

Robuste Haptik

Insgesamt sind Seniorenhandys meist etwas robuster als Mobiltelefone, bei denen eine schicke Optik im Vordergrund steht. So rutschen sie nicht so leicht aus der Hand – und wenn es doch mal passiert, überstehen sie den Aufprall meist unbeschadet.

Große Tasten

Seniorenhandy mit großen Tasten
Seniorenhandys haben besonders große Tasten, die leichter zu treffen sind. Kurzwahltasten ermöglichen es, eingespeicherte Telefonnummer mit nur einem Knopfdruck zu wählen.

Bei Großtastenhandys bzw. Smartphones, bei denen Buchstaben, Zahlen und Symbole auf dem Touchscreen größer erscheinen, sind die Tasten leichter zu treffen als bei herkömmlichen Mobiltelefonen. Bei einigen Seniorenhandys wird der Druck auf die Taste von einer Ziffernansage begleitet – so bemerkt der Benutzer sofort, wenn er die falsche erwischt hat. Häufig verfügen die Tasten außerdem über eine Hintergrundbeleuchtung, sodass sie auch im Dunkeln gut zu erkennen sind. Besonders praktisch sind programmierbare Kurzwahltasten: Viele Seniorenhandys bieten die Möglichkeit, wichtige Telefonnummern per Druck auf eine einzelne Taste zu wählen. Smartphones haben mitunter eine Bildkurzwahl: Beim Klick auf das Foto wird der gewünschte Gesprächspartner angerufen.

Notruftaste

In der Regel besitzen Seniorenhandys eine spezielle Notruftaste – mit ihr lässt sich im Ernstfall schnell Hilfe holen, beispielsweise bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Per Druck auf die Taste (je nach Hersteller meist 3 bis 5 Sekunden) ruft das Handy selbstständig eine eingespeicherte Notfallnummer an. Wichtig ist, dass das Gerät erkennt, ob ein Mensch oder nur ein Anrufbeantworter bzw. eine Mailbox rangeht. Ist die Person nicht erreichbar, ruft das Handy automatisch die nächste Notfallnummer an. Mitunter ist auch eine SOS-Ortung per GPS enthalten: Das Seniorenhandy verschickt auf Knopfdruck eine SMS mit den aktuellen Koordinaten. So ist der Senior schnell aufzufinden, wenn er einmal die Orientierung verloren hat.

Fallsensor

Im Alter sind Motorik und Koordination häufig beeinträchtigt. Wenn Senioren stürzen, kann das ernste Folge haben – etwa einen Oberschenkelhalsbruch. Einige Seniorenhandys verfügen über einen Sensor, der in der Lage ist, einen Sturz zu registrieren. In einem solchen Fall aktiviert das Handy automatisch die Freisprechfunktion. So können Betroffene schnell Hilfe rufen, auch wenn sie das Telefon nicht erreichen.

Info: Hier geht es zu unserem Ratgeber zur Sturzprophylaxe.

Angepasster Funktionsumfang

Bei Seniorenhandys ist es besonders wichtig, dass sie intuitiv bedienbar sind. Die Menüführung ist deshalb sehr übersichtlich gestaltet, zudem ist der Funktionsumfang kleiner als der von herkömmlichen Handys und Smartphones. Dafür verfügen Seniorenhandys über Funktionen, die speziell für Ältere nützlich sind. Telefonieren und SMS/MMS schreiben ist mit allen Seniorenhandys möglich, bei Senioren-Smartphones ist auch die Internetnutzung über WLAN oder mobile Daten möglich. Handy-Games und andere „Spielereien“ fallen meist komplett weg.

Großes Display

Senioren-Smartphones sind in dieser Hinsicht besonders komfortabel – doch nicht jeder möchte ein Smartphone. Besonders beliebt bei Senioren sind Klapphandys: Einerseits haben sie den Vorteil, dass die Tasten nicht versehentlich gedrückt werden können, während das Handy in der Tasche steckt. Andererseits vergrößert sich die Fläche beim Aufklappen: So ist mehr Platz für das Display. Die Schriftgröße ist bei Seniorenhandys in der Regel so eingestellt, dass auch bei nachlassender Sehkraft alles gut zu erkennen ist. Auch durch erhöhte Kontraste lässt sich das Display besser ablesen.

Höhere Lautstärke

Bei gängigen Smartphones und Handys sind Benachrichtigungs- und Klingeltöne leicht zu überhören. Das gilt erst recht, wenn das Hörvermögen beeinträchtigt ist. Schwerhörige benötigen deshalb ein Handy, das besonders laut klingelt. Wer Hörgeräte benutzt, sollte beim Kauf eines Seniorenhandys darauf achten, dass es hörgerätekompatibel ist – ansonsten kommt es beim Telefonieren zu unangenehmen Störgeräuschen.

Tipp: Angehörige meinen es gut, wenn sie ihren älteren Verwandten ein Handy schenken, doch diese fühlen sich davon mitunter überrumpelt und können mit dem Gerät nichts anfangen. Senioren sollten sich ihr Handy selbst aussuchen – dann ist die Chance größer, dass sie mit der Bedienung gut zurechtkommen und es dementsprechend auch lieber nutzen.

Nahaufnahme von Händen mit Seniorenhandy
Senioren-Smartphones sind einfacher konzipiert als herkömmliche Smartphones, haben aber mehr Funktionen als Großtastenhandys – z. B. Kamera und Internetzugang.

Seniorenhandys mit Kamera, Internet, Bluetooth und mehr

Den meisten Senioren genügt ein einfaches Großtastenhandy zum Telefonieren und SMS-Schreiben. Doch manch einer wünscht sich ein paar Zusatzfunktionen: zum Beispiel eine Kamera und einen Internetzugang. In diesen Fällen ist ein Senioren-Smartphone die richtige Wahl. Allerdings sind auch diese Geräte sehr einfach konzipiert – anders als bei gewöhnlichen Smartphones lassen sich nicht immer zusätzliche Apps installieren. Wer sich mehr Flexibilität wünscht, sollte beim Kauf speziell darauf achten, dass sich Anwendungen aus den App-Stores herunterladen lassen. Das Chatten über kostenlose Messenger-Apps ist dann auch problemlos möglich.

Wer mit dem Smartphone fotografieren und die Bilder mit Freunden und Verwandten teilen möchte, sollte bei einem Seniorenhandy mit Kamera zusätzlich auf einen USB-Anschluss und/oder Bluetooth für kabellose Datenübertragung achten. Um mit dem Smartphone auch unterwegs ins Internet zu gehen, benötigt man einen Tarif für mobile Internetnutzung. Während der Datenverbrauch bei Jüngeren durch das Streaming von Musik, Videos oder Games meist sehr hoch ist, benötigen viele Senioren nur ein geringes Datenvolumen. Entsprechende Pakte sind heute recht günstig zu haben und auch als Prepaid-Variante erhältlich – das schützt vor unerwartet hohen Kosten.

Zubehör ist natürlich auch für Seniorenhandys in großer Auswahl erhältlich – doch auch hier gilt: Weniger ist mehr. Praktisch kann ein Headset-Anschluss sein – so muss das Handy beim Telefonieren nicht die ganze Zeit an das Ohr gehalten werden. Für einige Modelle sind Ladestationen erhältlich, sodass das Hantieren mit einem Ladekabel entfällt. Wer das Mobiltelefon stets bei sich, aber nicht in der Tasche tragen möchte, für den kann eine Befestigung zum Umhängen sinnvoll sein.

Was kostet ein Seniorenhandy?

Beim Kauf eines Handys gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die erste: Sie kaufen nur das Gerät und laden anschließend die SIM-Karte mit einem Prepaid-Guthaben auf – telefonieren, Nachrichten schreiben oder das Internet nutzen können Sie solange, bis das Guthaben aufgebraucht ist, dann müssen Sie die SIM-Karte erneut aufladen. Die zweite Möglichkeit: Sie schließen beim Handykauf gleichzeitig einen Mobilfunkvertrag ab – dann fällt eine monatliche Grundgebühr an, auch wenn Sie das Handy gar nicht benutzt haben. Für alle Leistungen, die nicht in der Grundgebühr enthalten sind, kommen sogar noch Kosten obendrauf.

Die Kosten für ein Seniorenhandy setzen sich also aus dem Preis für das Gerät selbst und den Kosten für die Nutzung zusammen. Wie teuer das Handy ohne Vertrag ist, hängt von seiner Ausstattung ab – einfache Tastenhandys sind schon unter 50 Euro zu haben, Senioren-Smartphones kosten häufig über 100 Euro. Sind spezielle Funktionen wie GPS-Ortung oder ein Fallsensor an Bord, können auch 200 bis 300 Euro fällig werden. Soll das Mobiltelefon nur selten zum Einsatz kommen – also beispielsweise nur im Urlaub und bei einem Notfall, empfiehlt es sich, das Handy ohne Vertrag zu kaufen und die SIM-Karte nach Bedarf mit Guthaben aufzuladen. Wer einen Vertrag bevorzugt, sollte darauf achten, dass die Konditionen zur Nutzung passen: Wer wenig im mobilen Internet unterwegs ist, braucht keine großen Datenpakete.

Alternativen zum Seniorenhandy

Auch herkömmliche Handys und Smartphones lassen sich seniorenfreundlicher machen. Über Kurzwahltasten verfügen die meisten Mobiltelefone – sie können ebenso wie beim Seniorenhandy mit den Wunschnummern belegt werden. Die Schriftgröße kann bei vielen Modellen eingestellt und der Bildschirmkontrast erhöht werden. Bei Smartphones bietet es sich an, nicht benötigte Anwendungen einfach zu löschen. Mittlerweile bieten einige Smartphone-Hersteller sogar die Möglichkeit, durch den Download einer speziellen App die Menüführung zu vereinfachen und/oder eine Notruffunktion zu integrieren.

Besonders robust sind übrigens Outdoor-Handys – sie sind leicht, solide verarbeitet, und Wasser, Schmutz und Stürze können ihnen nichts anhaben. Allerdings verfügen diese Handys wiederum über einige Zusatzfunktionen für Outdoor-Sportler, die die Bedienung komplizierter machen und nicht zuletzt auch den Preis in die Höhe treiben. Für aktive Senioren, die viel in der Natur unterwegs sind und sich vor dem Kennenlernen der verschiedenen Funktionen nicht scheuen, können Outdoor-Handys jedoch durchaus ihren Reiz haben.

Gut zu wissen: Senioren sollen derzeit aufgrund der Corona-Pandemie ihre sozialen Kontakte so weit wie möglich einschränken. Ein Handy hilft, den Kontakt zur Familie und zu Freunden zu halten. Warum das so wichtig ist, erfahren Sie in unserem Ratgeber: 3 Tipps, wie Senioren die Corona-Pandemie meistern.

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