Coronavirus: Was ältere Menschen jetzt tun können

Coronavirus: Was ältere Menschen jetzt tun können

Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen gehören zu den Risikogruppen bei einer SARS-CoV-2-Infektion. Wir erklären, wie Sie sich jetzt schützen können.

Afilio
Afilio
17.03.2020

Tausende Menschen sind in Deutschland bereits mit dem Coronavirus infiziert, Tausende weitere werden vermutlich in den nächsten Monaten noch hinzukommen. Wissenschaftler prognostizieren, dass das Virus und die dadurch ausgelöste Krankheit COVID-19 langfristige Erscheinungen sind. Den Infekt aufzuhalten scheint mittlerweile unmöglich. 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung könnten sich infizieren, vermuten Wissenschaftler, die Kurve flach halten ist darum das Gebot der Stunde. Das bedeutet: den Anstieg der Infektionen bremsen und sie über einen längeren Zeitraum verteilen. Um das zu erreichen, werden Schulen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, der Nahverkehr eingeschränkt und Betriebe vorübergehend dicht gemacht.

Während die Infektion bei den meisten Betroffenen mild verläuft, sind vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet: Bei ihnen verläuft die Erkrankung oft schwerer. Wie können ältere Menschen einer Infektion vorbeugen? Wie erkennt man COVID-19? Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Das Coronavirus

Der Erreger, der uns derzeit das Leben schwer macht, trägt den wissenschaftlichen Namen SARS-CoV-2. Dabei steht SARS für „severe acute respiratory syndrome“ also „schweres akutes respiratorisches Syndrom“. Es wird durch eine Infektion mit Betacoronaviren der Linie B ausgelöst. Die durch SARS-CoV ausgelöste Krankheit heißt COVID-19, kurz für „coronavirus disease 2019“ oder auf Deutsch „Coronavirus Erkrankung 2019“.

COVID-19 verläuft meist mild und ohne erkennbare Symptome. Anzeichen für eine Infektion sind Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. In schweren Fällen kann es zu Lungenentzündung, Nierenversagen, schwerem akuten Atemwegssyndrom und sogar zum Tod kommen. Etwa 2 bis 3 Prozent der Erkrankten versterben an der Krankheit. Zum Vergleich: Bei Influenza sind es weniger als 1 Prozent.

Nahaufnahme einer Hand, die eine Blutprobe für einen Coronavirus-Test hält
Bei vielen Menschen, bei denen der Coronavirus-Test positiv ausfällt, sind die Symptome mild. Das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf steigt aber mit zunehmendem Alter und bei Vorerkrankungen.

Noch weiß die Wissenschaft nicht viel über den neuen Krankheitserreger, doch einige Erkenntnisse gelten als gesichert.

  • Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit ist verhältnismäßig lang: Die Inkubationszeit beträgt bis zu 14 Tage. In dieser Zeit sind Erkrankte auch ohne Symptome bereits ansteckend.
  • SARS-CoV-2 ist von Mensch zu Mensch übertragbar, hauptsächlich verbreitet sich der Erreger über Tröpfcheninfektion – also Speicheltröpfchen, die beim Husten oder Niesen ausgeschleudert werden. Enger persönlicher Kontakt – mindestens 15 Minuten mit weniger als einem Meter Abstand – stellt darum den häufigsten Übertragungsweg dar.
  • Ist eine Person mit dem Coronavirus infiziert, steckt sie etwa zwei bis drei weitere Personen an.

Ob das Virus auch fäkal-oral, also durch den Stuhl über den Mund, übertragbar ist, wissen die Forscher derzeit noch nicht genau. Eine Übertragung durch Lebensmittel oder Tiere schließen sie hingegen aus. Infektionen durch Gegenstände wie Türklinken sind bisher nicht nachgewiesen geworden, es ist aber wahrscheinlich, dass auch Kontaktinfektionen (Schmierinfektionen) eine Rolle spielen. Ob und wie lange SARS-CoV-2 auf Oberflächen überlebt, untersuchen Wissenschaftler derzeit noch.

COVID-19 ist meldepflichtig. Infektionen mit dem Coronavirus müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden, ebenso Verdachtsfälle und Todesfälle, die mit dem Erreger in Verbindung gebracht werden. Das Gesundheitsamt übermittelt die Daten an die Landesbehörden, die sie wiederum an das Robert Koch-Institut weitergeben.

Das sind die Hauptrisikogruppen

Die Hauptrisikogruppen sind Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen. Ab etwa 50 bis 60 Jahren steigt laut Robert Koch-Institut das Risiko für eine schwere Erkrankung stetig an. Sprich, je älter eine Person ist, desto höher ist die Gefahr, dass die Krankheit schwer verläuft. Das Immunsystem reagiert im Alter oft nicht mehr so gut wie bei jüngeren Personen, was auch dazu führt, dass die Infektion erst spät erkannt wird: Symptome wie Fieber, mit denen unser Körper eine Infektion bekämpft, fallen bei älteren Menschen oft schwächer aus.

Unabhängig vom Alter erhöhen auch bestimmte Vorerkrankungen das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. Dies sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs sowie Erkrankungen der Atemwege, Leber oder Niere. Liegen mehrere Erkrankungen vor, dürfte das Risiko nochmal steigen. Ebenfalls betroffen sind Menschen, deren Immunsystem wegen einer Erkrankung oder der Einnahme von Medikamenten wie Cortison unterdrückt wird. Kommen zwei Risikofaktoren – Alter und Vorerkrankung – zusammen, steigt die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs noch einmal. Anders als bei Influenza besteht für Schwangere und kleine Kinder kein erhöhtes Risiko.

So schützen Sie sich richtig

Abstand halten

Um Ansteckungen zu vermeiden, sollte man Abstand halten und nicht Händeschütteln. Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten, öffentliche Verkehrsmittel oder Orte mit vielen Menschen sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Homeoffice ist eine Alternative zur Arbeit im Büro. Insbesondere Risikogruppen sollten sich sozial isolieren. Virologen raten aktuell dringend davon ab, dass Großeltern die Enkel betreuen. Kinder sind bei einer Infektion mit dem Coronavirus oft symptomarm, weshalb die Krankheit lange unentdeckt bleibt. In dieser Zeit können sie jedoch bereits ihre Großeltern und andere Menschen anstecken. Lassen Sie Einkäufe wenn möglich von Nachbarn erledigen. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt, ob es für Sie sinnvoll ist, sich gegen Pneumokokken und im kommenden Herbst gegen Grippe impfen zu lassen.

Händewaschen

Das Coronavirus kann über unsere Hände in Nase, Mund oder Augen gelangen. Regelmäßiges Händewaschen ist darum das A und O. Nach dem Naseputzen, Müllentsorgen oder Nachhausekommen sowie vor dem Kochen oder der Einnahme von Medikamenten sollten die Hände gewaschen werden. Waschen Sie 20 bis 30 Sekunden mit Seife und gehen Sie sicher, dass Handinnenflächen, Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und Daumen gereinigt werden. Spülen Sie Ihre Hände mit fließendem Wasser ab und trocknen Sie sie mit einem sauberen Handtuch. Zu Hause sollte jedes Familienmitglied sein eigenes Handtuch benutzen und regelmäßig wechseln. In öffentlichen Toiletten sind Einmalhandtücher die richtige Wahl.

Nahaufnahme einer Hand, die einen Seifenspender bedient
Schutz gegen das Coronavirus: Kontaktinfektionen vorbeugen lässt sich durch regelmäßiges, gründliches Händewaschen. In manchen Situationen ist auch der Einsatz von Desinfektionsmittel sinnvoll.

Welches Desinfektionsgel wirkt?

Wenn es keine Möglichkeit zum Händewaschen gibt, kann man ein Desinfektionsgel verwenden. Dabei sollte man darauf achten, ein Produkt zu wählen, das nicht nur gegen Bakterien wirkt, sondern auch gegen Viren. Das Coronavirus ist ein behülltes Virus und leichter zu beseitigen als unbehüllte Viren wie der Norovirus. Handgele, die „begrenzt viruzid“ oder „begrenzt viruzid plus“ sind, wirken gegen behüllte Viren. „Viruzide“ Produkte wirken zusätzlich gegen Viren ohne Hülle. Neben der Wahl des Produktes spielt auch die richtige Anwendung eine Rolle. Halten Sie unbedingt die jeweilige Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden ein und achten sie darauf, Fingerkuppen und Daumen zu desinfizieren, da diese häufig in Kontakt mit Oberflächen kommen. Desinfektionsgel sollte auch von Menschen verwendet werden, die Kontakt mit COVID-Erkrankten haben.

Tipp: Erfahren Sie mehr über die korrekte Anwendung von verschiedenen Desinfektionsmitteln in unserem Ratgeber zum Thema Desinfektion.

So husten und niesen Sie richtig

Beim Husten und Niesen sollte man mindestens einen Meter Abstand zu anderen halten und sich wegdrehen. Niesen oder husten Sie nicht in Ihre Hand, sondern in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch. In der Hand kann das Virus einige Zeit lang überleben und an andere weitergegeben werden. Das Taschentuch nach einmaligem Gebrauch im Müll entsorgen.

Gesunde Menschen brauchen nur einen Mundschutz, wenn sie engen Kontakt mit einem Infizierten haben. COVID-Patienten sollten einen Mundschutz tragen, um andere nicht zu infizieren. Der Mundschutz fängt Speicheltöpfchen ab, allerdings nur wenn er richtig anliegt. Sobald er feucht ist, muss der Mundschutz gewechselt werden.

Vorsorgen für den Fall der Fälle

Neben diesen alltäglichen Vorsorgemaßnahmen kann eine Patientenverfügung eine wichtige Ergänzung sein. Damit stellen Sie sicher, dass Sie im Fall der Fälle so behandelt werden, wie Sie es möchten – auch wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, dies zu kommunizieren. In der Patientenverfügung formulieren Sie Ihren Behandlungswunsch. Das Schriftstück ist für den Arzt verbindlich, wenn der Patient selbst nicht mehr in der Lage ist seinen Willen mitzuteilen. Sie sollten außerdem in einer Vorsorgevollmacht einen Bevollmächtigten benennen, der in die Behandlungsentscheidungen einbezogen werden soll. Auch diese Person ist an Ihren schriftlich festgehaltenen Willen gebunden.

Die Patientenverfügung muss nicht notariell beglaubigt werden, allerdings muss sie strikten Vorgaben entsprechen und möglichst genau beschreiben, welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten der Betroffene wünscht und welche er ablehnt. Darum ist es sinnvoll, sich bei der Erstellung professionelle Unterstützung zu holen. Werfen Sie einen Blick auf unsere Patientenverfügung-Vorlage und Vorsorgevollmacht-Vorlage, um eine Vorstellung zu bekommen, wie diese Vorsorgedokumente aussehen könnten, oder nutzen Sie gleich die Vorsorge-Checkliste von Afilio, um in wenigen Minuten eine wirksame Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zu erstellen.

Was kann ich tun, wenn ich mich angesteckt habe?

Menschen die vermuten, sie könnten sich mit dem Coronavirus infiziert haben, sollten auf keinen Fall unangemeldet in die Arztpraxis gehen, um Patienten und Mitarbeiter dort nicht zu gefährden. Kontaktieren Sie die Praxis telefonisch und schildern Sie Ihre Symptome. Der Arzt entscheidet dann, was zu tun ist. Gegebenenfalls wird ein Test durchgeführt, um die Infektion festzustellen oder auszuschließen.

Wie wird COVID-19 behandelt?

Bisher gibt es keinen Impfstoff und kein Medikament gegen COVID-19. Die Ärzte behandeln deshalb die Symptome, zum Beispiel durch die Verabreichung von fiebersenkenden Medikamenten. Bei einem schweren Verlauf der Erkrankung müssen Patienten auf der Intensivstation behandelt und unter Umständen künstlich beatmet werden. Wegen der Ansteckungsgefahr werden Erkrankte isoliert.