Eigenanteil für Heimplatz steigt für Pflegebedürftige

Eigenanteil für Heimplatz steigt für Pflegebedürftige

Die Unterbringung in einem Pflegeheim wird für Pflegebedürftige immer teurer. Hauptgrund sind die gestiegenen Löhne des Pflegepersonals.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
24.09.2019

In Deutschland sind die Kosten für einen Platz im Pflegeheim seit Oktober 2018 stark gestiegen. Im Bundesdurchschnitt beläuft sich die Eigenbeteiligung für Pflegebedürftige nun auf fast 1930 Euro – ein Plus von mehr als 110 Euro.

Das geht aus Daten einer aktuellen Auswertung der „Pflegedatenbank“ des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) hervor. Sie enthält Informationen über rund 11.000 Pflegeheime in Deutschland. Demnach ist der Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz durchschnittlich um mehr als 6 Prozent gestiegen – und das in nur elf Monaten.

Eigenanteil am höchsten in NRW

Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen, hier müssen Pflegebedürftige nun durchschnittlich 2406 Euro Eigenanteil leisten, knapp ein Jahr zuvor waren es noch 2309 Euro. Mit einer Eigenbeteiligung von 1346 Euro (zuvor 1238 Euro) ist die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige in Mecklenburg-Vorpommern deutschlandweit am geringsten.

Im Mittelfeld liegen die Bundesländer Hessen mit 1936 (1783) Euro, Berlin mit 1931 (1856) Euro und Brandenburg mit 1646 (1526) Euro. Im Verhältnis ist der Eigenanteil in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen in den letzten elf Monaten am stärksten gestiegen.

Lohnerhöhungen für Pflegepersonal verursachen Mehrkosten

Erst im März hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf dem Deutschen Pflegetag darauf hingewiesen, dass künftig mehr Kosten auf Pflegebedürftige zukommen. Kosten verursachen unter anderem der Aufwuchs an zusätzlichen Pflegekräfte und die bessere Bezahlung von Pflegepersonal. Im Gegenzug fordert die SPD, den Eigenanteil für pflegebedingte Kosten langfristig zu streichen.

Laut Bundesagentur für Arbeit ist der Lohn in der Altenpflege zuletzt stärker als in anderen Branchen gestiegen. Gleichzeitig gibt es hier nach wie vor den größten Nachholbedarf, vor allem in den neuen Bundesländern. Dementsprechend steigt der Eigenanteil dort auch am stärksten, parallel mit Verpflegungs- und Unterkunftskosten.

Pflegeversicherung beteiligt sich nur anteilig an Kosten

Anders als die Krankenversicherung trägt die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten, unter anderem für Verpflegung und Unterkunft im Pflegeheim. Seit Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung 1995 müssen Pflegebedürftige einen Eigenanteil zahlen. Die bundesweiten Unterschiede bei der Höhe ergeben sich durch unterschiedliche Löhne und Personalausstattung, die jedes Bundesland selbst festlegen kann.

Können Pflegebedürftige den Eigenanteil nicht selbst tragen, übernimmt sie vorläufig das Sozialamt. In vielen Fällen müssen bislang Kinder der Pflegebedürftigen den Eigenanteil zumindest teilweise an das Sozialamt zurückzahlen (sog. Elternunterhalt). In Zukunft werden Kinder deutlich später zur Kasse gebeten, die Bundesregierung hat Ende August 2019 das Angehörigen-Entlastungsgesetz verabschiedet. Angehörige von pflegebedürftigen Sozialhilfeempfängern müssen sich fortan mit Inkrafttreten erst ab einem Jahresbruttoeinkommen in Höhe von 100.000 Euro an den Pflegekosten ihrer Eltern beteiligen.