Neues Verfahren zur Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen

Neues Verfahren zur Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen

Zum 1. Oktober 2019 startet ein neues Prüfsystem für die vollstationäre Pflege. Afilio informiert über neue Standards und Vorteile für Verbraucher.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
01.10.2019

Ab Herbst 2019 gelten neue Richtlinien für die Qualitätssicherung von Einrichtungen der vollstationären Pflege. Das neue System besteht aus drei Bausteinen, um die Pflegequalität in Pflegeheimen zu beurteilen. Das Ergebnis wird nicht mehr wie bisher in Form von Noten festgehalten, sondern mit dem sog. Pflege-TÜV, einer detaillierten Darstellung der Qualität in einem jeweiligen Bereich. Auf diese Weise soll es Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen in Zukunft leichter fallen, ein geeignetes Pflegeheim auszuwählen. Wie das Prüfsystem aufgebaut ist, erklärt unser Ratgeber.

Neues Verfahren löst Notensystem ab

Die Einführung des Pflege-TÜV war notwendig geworden, weil nach dem alten System auch qualitativ schlechtere Pflegeeinrichtungen häufig mit der Note 1 bewertet worden waren, die neue Qualitätsprüfung soll dieses Missstand beheben. Pflegeheime, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und der PKV-Prüfdienst (PKV) arbeiten bei der Evaluierung der tatsächlichen Pflegequalität in einem Heim in Zukunft enger zusammen. Auf Grundlage erhobener Indikatorendaten und einer externen Qualitätsprüfung wird die Qualität in jedem Pflegeheim bereichsweise dargestellt, und die Ergebnisse werden veröffentlicht. So erhalten Verbraucher und Verbraucherinnen detaillierte Informationen zu Pflegeeinrichtungen, die auch einen Vergleich der Einrichtungen untereinander ermöglichen.

Wie läuft die Qualitätsprüfung zukünftig ab?

Schritt 1: Indikatorenansatz

Ab heute müssen die Pflegeeinrichtungen halbjährlich Qualitätsdaten zur Versorgung ihrer Bewohner erheben und diese sog. Qualitätsindikatoren an die Datenauswertungsstelle (DAS) übermitteln. Erfasst werden Daten zur Selbstständigkeit und Mobilität der Pflegebedürftigen, aber auch zum Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen wie etwa Stürze oder unbeabsichtigter Gewichtsverlust. Auch die Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen ist ein Indikator. Durch das neue Qualitätssystem bekommen Pflegeheime zwar mehr Eigenverantwortung, doch im Sinne der Qualitätstransparenz führen MDK oder der PKV zwei Kontrollen durch. Zum einen eine statistische Auswertung der Angaben, zum anderen eine externe Qualitätskontrolle.

Schritt 2: Externe Qualitätskontrolle

Die Prüfungen vor Ort übernehmen ab November 2019 der MDK bzw. PKV. Die Mitarbeiter, die vorab für das neue System geschult wurden, prüfen alle Pflegeeinrichtungen bis zum 31. Dezember 2020. Danach werden alle Pflegeheime einmal im Jahr besucht, es sei denn sie haben gute Indikatoren und Prüfergebnisse – in solchen Fällen erfolgt die Prüfung ab 2021 nur noch alle zwei Jahre. Regelprüfungen werden einen Tag vorher angekündigt, bei Hinweisen auf Mängeln sind die Besuche nach wie vor unangemeldet.

Die Qualitätskontrolle besteht aus zwei Teilen. Zunächst überprüft der jeweilige Dienst die Qualitätsindikatoren, die das Pflegeheim vorab an die DAS übermittelt hat. Dazu wählen die Mitarbeiter von MDK oder PKV eine Stichprobe von sechs Pflegebedürftigen aus. So kann festgestellt werden, ob die Angaben des Pflegeheims korrekt sind oder von den Begebenheiten vor Ort abweichen.

Zusätzlich erfassen die Mitarbeiter des MDK oder PKV die individuelle Versorgungssituation von neun pflegebedürftigen Bewohnern. Zur Versorgungsqualität gehören verschiedene Bereiche wie etwa die Unterstützung im Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen, Gestaltung des Alltagslebens, Förderung sozialer Kontakte oder das interne Qualitätsmanagement. Außerdem führen Mitarbeiter vom MDK oder PKV persönliche Gespräche mit den Pflegebedürftigen und den Pflegekräften vor Ort.

Schritt 3: Qualitätsdarstellung

Um Verbrauchern die Ergebnisse bereitzustellen, wird nach der Begutachtung der Pflegeheime ein Transparenzbericht mit Informationen über den Qualitätsprozess und die Qualitätsindikatoren veröffentlicht. Symbole und Punkte zeigen an, wie sich die Qualität der Einrichtungen im Durchschnitt verhält. So lassen sich unterschiedliche Pflegeheime miteinander vergleichen.

Durch das transparente Verfahren zur Qualitätsprüfung von Pflegeheimen ist die Versorgungsqualität in den Einrichtungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige auf einen Blick erkennbar. Mit dem neuen System lassen sich die einzelnen Einrichtungen qualitativ besser unterscheiden und Qualitätsmängel sind klar erkennbar.