Schuppenflechte: Betroffene leiden unter Ausgrenzung aus der Gesellschaft

Schuppenflechte: Betroffene leiden unter Ausgrenzung aus der Gesellschaft

Afilio lenkt am Welt-Psoriasis-Tag die Aufmerksamkeit auf die chronisch-entzündliche Hautkrankheit. Wie beeinflusst Schuppenflechte die Psyche von Betroffenen?

Jennifer Günther
Jennifer Günther
29.10.2019

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, als schwere nichtinfektiöse Krankheit eingestuft. Damit soll die Aufmerksamkeit auf die Betroffenen gelenkt werden, die unter dieser nicht ansteckenden Erkrankung leiden. Doch am heutigen Welt-Psoriasis-Tag geht es noch um mehr: aktiv vorzugehen gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Betroffenen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Schuppenflechte oder Psoriasis ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung, für die gerötete, juckende und schuppige Hautstellen charakteristisch sind.

  • Während eines Krankheitsschubs zeigt der Körper eine Abwehrreaktion gegen körpereigenes Gewebe. Hautzellen wandern an die Oberfläche der Haut und bilden dort die typischen Verdickungen.

  • Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, aber mit lokaler und systemischer Therapie gut behandelbar.

Menschen mit Schuppenflechte leiden unter starken körperlichen Schmerzen. Doch viele Menschen vergessen die seelische Belastung hinter dieser Hauterkrankung. Psoriasis kann im Grunde an jeder Stelle am Körper auftauchen – klein- bis großflächig, verdeckt durch die Kleidung, im Intimbereich, bis hin zu sichtbaren Stellen wie Arme, Beine oder sogar das Gesicht.

Schätzungen zufolge leiden weltweit 125 Millionen Menschen an Schuppenflechte mit unterschiedlichem Schweregrad. Keine Zahlen gibt es jedoch zur Anzahl der Betroffenen, die aufgrund ihrer Erkrankung auf Ablehnung, Ekel, Diskriminierung oder gar Ausgrenzung aus der Gesellschaft gestoßen sind. Sie erleben im Alltag Stigmatisierung und sind diesem Prozess hilflos ausgeliefert, weil viele Menschen Angst vor einer Ansteckung haben. Sie wissen nicht, dass Schuppenflechte nicht übertragbar ist.

Hinzukommen Schamgefühle, denn Menschen mit Schuppenflechte fühlen sich weniger attraktiv und haben Probleme damit, eine enge oder sexuelle Beziehung mit anderen Menschen einzugehen. Sie sind weniger selbstbewusst, aus Angst, auf Ablehnung oder Ekel. Diese seelische Belastung kann die Entstehung weiterer Erkrankungen begünstigen, allen voran Depression. Nach wie vor wird unterschätzt, wie weit verbreitet Depression in der Gesellschaft ist. Das liegt daran, dass viele Faktoren die Gesundheit der Psyche beeinträchtigen können, wie etwa Krankheitsbilder allgemein, Pflegebedürftigkeit, Einsamkeit im Alter, Überlastung im Alltag oder Leistungsdruck in der Gesellschaft.

Nicht selten leiden Menschen mit Schuppenflechte deshalb unter psychischen Störungen wie Depression oder Schlaflosigkeit. Sie kompensieren ihr seelisches Leiden mit Alkohol oder Essen und geraten dadurch in einen Teufelskreis, der weitere Krankheitsschübe zur Folge haben kann. Bei der Behandlung der körperlichen Symptome ist es deshalb wichtig, dass auch die Psyche berücksichtigt wird. Eine Verhaltenstherapie kann Betroffene dabei unterstützen, mit der psychischen Belastung umzugehen und das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Sie lernen, dass sie trotz der Hauterkrankung ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sind und das Recht dazu haben, eine Partnerschaft einzugehen.

Was passiert mit der Haut bei Schuppenflechte?

Die Haut ist unser größtes Organ. Etwa 2 Quadratkilometer Haut bedecken einen erwachsenen Menschen und das zeigt sich auch auf der Waage: Bis zu 3 Kilogramm wiegt die Haut, mit dem eingebetteten Fettgewebe können es gut und gerne 20 Kilogramm sein. Sein Gewicht mit schwerer Haut zu rechtfertigen, ist also näher an der Wahrheit als von schweren Knochen zu sprechen. Das menschliche Skelett wiegt bei einem normal gewichtigen Erwachsenen nur rund 9 Kilogramm. Unsere Haut hat mehrere Aufgaben: Sie schützt uns vor Umwelteinflüssen, reguliert die Körpertemperatur und ist gleichzeitig auch noch Sinnesorgan.

Alltägliche Verletzungen wie Wunden kann die Haut gut selber heilen. Bei entzündlichen Hauterkrankungen wie der Psoriasis ist das leider nicht der Fall. Dabei handelt es sich um eine entzündliche, aber nicht ansteckende Hauterkrankung, die schubweise auftritt. Betroffene leiden unter geröteten und juckenden Hautarealen, die stark schuppen – daher der deutsche Name „Schuppenflechte“. Die betroffenen Stellen sind scharf begrenzt und können am ganzen Körper auftreten. Hinzukommen starke Schmerzen bei Berührung und Bewegung der Haut. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein Heilmittel gegen Psoriasis, dennoch können die Symptome durch regelmäßige Behandlung deutlich gemildert werden.

Welche Behandlungen können die Symptome lindern?

Hautpflege bei Schuppenflechte

Psoriasis ist nicht heilbar. Deshalb können Therapien zum aktuellen Zeitpunkt nur die Symptome lindern und Betroffenen das Leben mit Schuppenflechte zumindest erleichtern. Grundsätzlich besteht die Behandlung aus drei Ansätzen: Hautpflege, Medikamente und Psychotherapie.

Die lokale Therapie, also das Auftragen von Wirkstoffen auf die Haut, wird bei allen Schweregraden eingesetzt. Sie orientiert sich an dem Merkspruch „nass auf nass, trocken auf trocken“. Bei der chronischen Entzündung sind die betroffenen Hautareale trocken und schuppig, sodass Betroffene vorwiegend fetthaltige Cremes verwenden. Diese versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und unterstützen die Hautbarriere und Regeneration. Es eignen sich sowohl Cremes auf pflanzlicher Basis mit Ringelblume oder Frauenmantel, aber auch naturbelassene Öle aus Olive, Kokosnuss, Traubenkernen oder Hanf sowie Sheabutter.

Bei akuter Entzündung ist die Haut hingegen feucht und benötigt wasserhaltige Emulsionen. Feuchte Umschläge mit Salzwasser oder Gerbstoffen entziehen der Haut Feuchtigkeit und wirken der akuten Entzündung entgegen. Wichtig ist hier jedoch die konkrete Absprache mit dem Arzt!

Bei der systemischen Therapie verschreibt der behandelnde Arzt Medikamente, die die Aktivitäten des Immunsystems hemmen, damit dieses das körpereigene Gewebe so wenig wie möglich bekämpft. Zuletzt kommen vermehrt genetisch hergestellte Antikörper zum Einsatz, die gezielt Botenstoffe dabei hemmen, das Immunsystem anzuheizen.

Zusätzlich gibt es weitere Therapieansätze wie Entspannungsübungen, um Stress zu minimieren. Dieser gilt als weiterer Auslöser für Schuppenflechte-Schübe. Mithilfe von autogenem Training oder der progressiven Muskelrelaxation erlernen Betroffene Strategien, um mit Stress umzugehen.