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Ratgeber Organspende - Alle Fragen beantwortet

Was darf gespendet werden? Wer bekommt mein Organ? Ablauf der Transplantation?
April 3, 2018
Sarah Lange
Allgemein

Das Wichtigste in Kürze:

  • Prinzipiell gibt es keine Altersbeschränkung für Organspenden, ob eine Spende möglich ist wird im Einzelfall entschieden.
  • Organe die gespendet werden dürfen: Nieren, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm.
  • Gewebe das gespendet werden darf: Augenhornhaut, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Haut, Herzklappen, Sehnen und Knochenmark.
  • Organe dürfen nur mit der Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen und nach Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls aller Hirnfunktionen entnommen werden.
  • Der Leichnam wird nicht entstellt, damit ein Abschiednehmen immer möglich ist.

Organspende ist und bleibt ein umstrittenes Thema: Die einen glauben felsenfest, dass es nichts gäbe das wichtiger und selbstloser wäre als jemand anderem mit einer Spende ein besseres Leben zu ermöglichen. Andere wiederum fürchten, dass Ärzte das Leben eines Empfängers gegenüber dem des Spender priorisieren könnten oder bei der Transplantation den würdevollen Übergang in das Leben nach dem Tod stören.

Es gibt natürlich keinen einzig richtigen Weg, wie man mit seinem Körper nach dem eigenen Tod verfahren sollte, ob man ihn in Frieden ruhen lässt oder doch etwas Gutes tun möchte. Es ist allerdings wichtig eine Entscheidung zu treffen, damit Ihre Liebsten später nicht rätseln müssen, was Ihren Wünschen entsprochen hätte.

    

Ein Organspendeausweis und eine Patientenverfügung sind verbindliche Dokumente der eigenen Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende.

Wer darf Organe spenden? 

Prinzipiell gilt: Jeder Mensch, ohne Altersbegrenzung, unabhängig von Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung kann Organe spenden, wenn er es denn möchte. Es gibt nur wenige Vorerkrankungen, die eine Organspende von vornherein ausschließen: Dazu gehören eine akute Krebserkrankung (es sei denn, sie ist vollständig ausgeheilt) und ein positiver HIV-Befund.

Auch Minderjährige haben bei solch einer wichtigen Entscheidung die Möglichkeit ihre Wünsche zu äußern: Ab dem 14. Lebensjahr dürfen Kinder ihren Widerspruch erklären, ab dem 16. Lebensjahr dann ihre Bereitschaft zur Organspende, ganz unabhängig von den Vorstellungen ihrer Eltern.

                                   

Was kann gespendet werden?

Generell wird zwischen einer Organ- und einer Gewebespende unterschieden. 

Aufgrund des medizinischen Fortschritts ist es möglich verschiedene Organe zu transplantieren. So können Nieren, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Dünndarm gespendet werden.

Gewebe wird sehr viel öfter transplantiert als Organe, da die Übertragung mit einem viel geringeren medizinischen Risiko verbunden ist. Des Weiteren ist es möglich, Gewebe mehrere Wochen in speziellen Gewebedatenbanken zu lagern und die Transplantation später vorzunehmen. 

Mit dem heutigen medizinischen Wissen ist es möglich sehr unterschiedliches Gewebe zu übertragen. So können Augenhornhaut, Knochen, Weichteilgewebe, Haut, Eihaut der Fruchtblase (Amnion) sowie Herzklappen und Blutgefäße transplantiert werden.

    

Wann kann gespendet werden? 

Gespendet werden darf nur nach der Feststellung des kompletten und unwiderruflichen Ausfalls der gesamten Gehirnfunktionen, welcher als sicheres Todeszeichen beim Menschen angesehen wird. Dieser sogenannte Hirntod wird von zwei Ärzten unabhängig voneinander nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt und dokumentiert.

   

Nur mit der Zustimmung zur Organ- und Gewebespende dürfen Organe und Gewebe entnommen werden!

Ablauf einer Organspende

Im Falle des Einverständnisses zur Organ- und/oder Gewebespende des Verstorbenen oder der Angehörigen und nach der Feststellung des irreversiblen Hirntods erhält die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) alle relevanten Informationen zum Spender. Damit kann die Koordinierung weiterführender Untersuchung, die Weiterleitung der erhobenen Daten an EUROTRANSPLANT zur Ermittlung eines geeigneten Empfängers und die Organisation des Transports der entnommenen Organe erfolgen.

Die Entnahme von Organen und Gewebe findet in einem Operationssaal statt, wobei der Spender eine Narkose erhält. Der Körper besitzt nach dem Hirntod, anders als von vielen befürchtet, kein Schmerzempfinden mehr, aber die Narkose sorgt für eine ununterbrochene Durchblutung der Organe, welche Vorraussetzung für eine Spende ist. Das Transplantationsteam nimmt die Operation selbstverständlich nach den Regeln der medizinischen Kunst vor und verschließt die Einschnitte anschließend wieder sorgfältig, um den Körper zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Der Spender wird nicht entstellt, sodass ein würdevolles Abschiednehmen immer möglich ist.

Die Stiftung EUROTRANSPLANT ist verantwortlich für den Organspendeprozess. Sie kümmert sich um die Vermittlung der Organe nach den sorgsam formulierten Richtlinien der Bundesärztekammer. Der richtige Empfänger wird unter den Gesichtspunkten der Dringlichkeit, Erfolgsaussicht sowie Wartezeit ermittelt.

     

Die Verteilung von Organen hängt nicht davon ab, ob der Patient privat oder gesetzlich versichert ist oder wie es um seine finanzielle Situation steht. Ausschließlich medizinische Kriterien werden bei der Empfängerwahl berücksichtigt.

      

Wer erhält meine Organe?

Wer letztendlich der Empfänger wird hängt ebenfalls von anderen medizinischen Faktoren wie Blutgruppe, Alter, Gewicht und Gewebemerkmalen ab. Denn je ähnlicher sich die Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass nur geringe Abstoßungsreaktionen auftreten. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass je unterschiedlicher die Merkmale sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit der Abstoßung. Die Warteliste, die von EUROTRANSLPANT verwaltet wird, umfasst alle wartenden Patienten aus Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn.

Organspenden sind immer anonym, sodass weder der Empfänger noch die Angehörigen des Spenders in eine Abhängigkeit vom jeweils anderen verfallen.

Lebendspende

Eine Lebendspende von Organen ist in Deutschland nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades (Eltern, Geschwister, Eherpartner, Verlobte oder Menschen die sich sehr nahe stehen) erlaubt. Jedoch sollte vorher sorgfältig abgewogen werden, ob man einer solchen Operation wirklich zustimmen möchte, denn sie stellt wie jede andere auch ein medizinisches Risiko dar. Wenn einer Organspende zu Lebzeiten zugestimmt wurde, sind die behandelnden Ärzte immer noch dem Wohl des Patienten verpflichtet. Das bedeutet, dass kein Spender fürchten muss, dem Überleben des Empfängers untergeordnet zu werden.

Erfolgsaussichten von Organtransplantationen

Entgegen vieler Befürchtungen, haben Organtransplantationen sehr gute Erfolgsaussichten. Beispielsweise leben ein Jahr nach der Operation noch 95% der Menschen mit einer Nierentransplantation, nach drei Jahren sind es noch 91%. Die Erfolgschancen einer Herztransplantation liegen nach drei Jahren noch immer bei 75%.

Spende von Körpergewebe

Für die Spende von Gewebe ist keine Feststellung des Hirntodes nötig, weshalb rund zwei Drittel aller Verstorbenen potenzielle Spender wären. Anders als bei einer Organspende, ist die Entnahme von Gewebe noch bis zu 72 Stunden nach dem Eintritt des Todes möglich und wird in der Regel nicht sofort transplantiert. Meist wird das Gewebe zuerst gereinigt und konserviert, sodass es mehrere Wochen in einer sogenannten Gewebedatenbank gelagert werden kann.

Grundsetzlich gibt es zwei Arten der Spende:

  • Die körpereigene Spende, bei welcher ein Patient sich beispielsweise selbst Haut spendet.
  • Und die Gewebespende einer fremden, verstorbenen oder lebenden Person.

Tatsächlich gibt es für die Spende von Gewebe Altersgrenzen. Knochen und Weichgewebe können bis zum 75. Lebensjahr gespendet werden, Herzklappen und Blutgefäße bis zum 65. Lebensjahr, während es keine Altersobergrenze für die Spende von Augenhornhaut gibt.

Die Erfolgsaussichten von Gewebetransplantationen sind generell besser als die der Organspenden, da bei der Gewebeübertragung ein geringeres medizinisches Risiko besteht. Zum Beispiel haben nach einem Jahr noch 95% der transplantierten Augenhornhäute ihre volle Funktionstüchtigkeit, 80% nach fünf Jahren.

Wussten Sie schon? Ihre persönlichen Wünsche zur Organspende können Sie in unserer Patientenverfügung festhalten.

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