Organspende - häufig gestellte Fragen

April 3, 2018
2018-04-03
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Prinzipiell gibt es keine Altersbeschränkung für Organspenden. Ob eine Spende möglich ist wird im Einzelfall entschieden.
  • Organe, die für eine Spende in Frage kommen: Nieren, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm.
  • Gewebe, das für eine Spende in Frage kommt: Augenhornhaut, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Haut, Herzklappen, Sehnen und Knochenmark.
  • Organe dürfen nur mit Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen und nach Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls aller Hirnfunktionen entnommen werden.
  • Der Leichnam wird nicht entstellt, der würdige Abschied bleibt gewahrt.

Warum Organspende wichtig ist

Organspende bleibt ein kontroverses Thema: Während weitestgehende Übereinstimmung darüber besteht, dass Organspende nur dann funktioniert, wenn eine ausreichende Anzahl von Spendern einer wachsenden Gruppe von Menschen gegenübersteht, die auf ein lebensrettendes Organ angewiesen sind, sinkt die Zahl der Organspender selbst seit Jahren kontinuierlich. Die Gründe dafür sind vielfältig, vor allem aber herrscht große Verunsicherung. Ohne obligatorische Organspende ist es wichtig, rechtzeitig eine Entscheidung zu treffen, die auch den eigenen Hinterbliebenen zur rechten Zeit Klarheit verschafft. Im Frühjahr 2019 gilt nach wie vor: Organspendeausweis und Patientenverfügung sind verbindliche Dokumente für die gültige Entscheidung zur Organ- und Gewebespende

Wer darf Organe spenden? 

Prinzipiell darf jeder Mensch ohne Altersbegrenzung, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung Organe spenden. Es gibt nur wenige Vorerkrankungen, die eine Organspende von vornherein ausschließen: Dazu gehören eine akute Krebserkrankung (es sei denn, sie ist vollständig ausgeheilt) und ein positiver HIV-Befund. In beiden Fällen ist das Risiko zu groß, den Organ- oder Gewebeempfänger nach einer Transplantation in eine lebensbedrohende Situation zu bringen. Sogar Minderjährige haben die Möglichkeit ihre Wünsche zur Organspende zu äußern: Ab dem 14. Lebensjahr dürfen Kinder ihren ausdrücklichen Widerspruch erklären, ab dem 16. Lebensjahr dann ihre Bereitschaft zur Organspende, ganz unabhängig von den Vorstellungen ihrer Eltern.                             

Welche Organe können gespendet werden?

Medizinisch wird zwischen Organ- und Gewebespende unterschieden. Bei der Organspende ist es dank des erheblichen medizinischen Fortschritts der letzten Jahrzehnte heute möglich, die unterschiedlichsten lebenswichtigen Organe zu transplantieren. So kommen die folgenden Organe für eine Organtransplantation in Frage:

  • Nieren
  • Leber
  • Lunge
  • Herz
  • Bauchspeicheldrüse
  • Dünndarm

Welches Gewebe kann gespendet werden?

Sehr viel häufiger als vollständige Organe wird allerdings Gewebe transplantiert. Zum einen besteht bei der Transplantation von Gewebe ein deutlich geringeres medizinisches Risiko beim Eingriff. Zum anderen kann einzelnes Gewebe auch ohne weiteres über mehrere Wochen in speziellen Gewebedatenbanken gelagert werden, während das Zeitfenster für eine erfolgreiche Organtransplantation vergleichsweise gering ist. Auf diese Weise kann Gewebe auch zu einem späteren Zeitpunkt übertragen werden, was eine sorgfältige Vorbereitung des Eingriffs selbst schon begünstigt. Idealerweise erlaubt die längerfristige Vorbereitung es auch, einen Zeitpunkt mit idealer körperlicher Konstitution des Patienten für die Gewebeübertagung auszuwählen.

Mit dem heutigen medizinischen Wissen ist es möglich sehr unterschiedliches Gewebe zu übertragen:

  • Hornhaut (Auge)
  • Knochen
  • Weichteilgewebe
  • Eihaut der Fruchtblase (Amnion)
  • Herzklappen
  • Blutgefäße 
Organspende FAQ

Wann können Organe gespendet werden? 

Erst nach Feststellung des vollständigen und unwiderruflichen Ausfalls der gesamten Gehirnfunktionen dürfen Organe entnommen und einem Spender übertragen werden. Der Hirntod ist die seit dem Jahr 1968 maßgebliche Todesdefinition. Der Hirntod wird von zwei Ärzten unabhängig voneinander nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt und dokumentiert. Bislang (Stand Mai 2019) dürfen Organe und Gewebe nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Spenders entnommen werden.

Ablauf einer Organspende

Ist der irreversible Hirntod des potzenziellen Spenders festgestellt worden, und liegt das Einverständnis des potenziellen Spenders oder seiner Angehörigen zur Organ- und/oder Gewebespende vor, erhält die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) alle relevanten Informationen zum Spender. Anschließend erfolgt die weiterführende Untersuchung und die Weiterleitung der erhobenen Daten an EUROTRANSPLANT zur Ermittlung eines geeigneten Empfängers. Anschließend wird die eigentliche Organentnahme sowie der Transport des Transplantationsgutes in die Wege geleitet.

Die Entnahme von Organen und Gewebe findet in eine Entnahmeoperation. Der Kreislauf des hirntoten Spenders wird weiterhin aufrecht erhalten, künstlich beatmet und darüber hinaus in Narkose versetzt. Zwar verfügt der menschliche Körper nach dem Hirntod über kein Schmerzempfinden mehr, die Gabe von Narkosemitteln und Relaxantien sorgt aber dafür, dass mögliche Reflexe unterdrückt werden, die von den Nervenbahnen ausgelöst werden. Das Transplantationsteam nimmt die Operation "lege artis", also nach den Regeln der medizinischen Kunst vor. Entnommene Organe und geeignetes Gewebe werden untersucht, mit einer speziellen Lösung gespült und für den gekühlten Transport vorbereitet. Die Einschnitte am Körper des Spenders werden anschließend sorgfältig verschlossen, um den Körper in äußerlich weitestgehend unbeeinträchtigter Form zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Maßgeblich bleibt, den Angehörigen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, auch eine Aufbahrung im Rahmen einer Beerdigung oder bei anderen Bestattungsarten ist weiterhin in einem würdigen Rahmen möglich.

Für den eigentlichen Organspendeprozess ist die Stiftung EUROTRANSPLANT verantwortlich. Sie kümmert sich um die Vermittlung von Organen und Gewebe nach den  Richtlinien der Bundesärztekammer. Der richtige Empfänger wird unter den Gesichtspunkten Dringlichkeit, Erfolgsaussicht und Wartezeit ermittelt. Die Verteilung von Organen hängt nicht von der wirtschaftlichen Situation des Empfängers ab oder danach, ob der Patient privat oder gesetzlich versichert ist. Ausschließlich medizinische Kriterien werden bei der Auswahl berücksichtigt.

Wer erhält ein Spenderorgan?

Wer tatsächlich Empfänger eines Organs wird, hängt auch vonmedizinischen Faktoren wie Blutgruppe, Alter, Gewicht und Gewebemerkmalen des Patienten ab. Je ähnlicher sich Spender und Empfänger in medizinischer Hinsicht sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Gewebe oder Organ gut angenommen werden und nur geringe Abstoßungsreaktionen auftreten. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass die Wahrscheinlichkeit der Abstoßung mit dem Grad der Unterschiedlichkeit steigt. Die Warteliste, die von EUROTRANSLPANT verwaltet wird, umfasst Patienten aus Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn. Organspenden erfolgen immer anonym, weder Empfänger noch Angehörigen des Spenders treten in irgendeiner Form in Abhängigkeit zueinander.

Was ist eine Lebendspende?

Eine Lebendspende von Organen ist in Deutschland nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades erlaubt, also bei Eltern, Geschwistern, Ehepartnern, Verlobten oder Menschen, die sich sehr nahe stehen. Grundsätzlich sollte die Einwilligung in eine Lebendspende sorgfältig abgewogen werden, denn sie stellt wie jede andere Operation ein medizinisches Risiko dar. Stimmt ein Spender einer Lebendspende zu, bleiben die behandelnden Ärzte seinem Wohl verpflichtet. Kein Spender muss fürchten, dem Überleben des Empfängers untergeordnet zu werden.

Erfolgsaussichten von Organtransplantationen

Entgegen häufiger Vorurteile haben Organtransplantationen sehr gute Erfolgsaussichten. Beispielsweise leben ein Jahr nach einer Nierentransplantation noch 95% aller Empfänger, nach drei Jahren sind es noch 91%. Die Erfolgschancen einer Herztransplantation liegen nach drei Jahren bei 75%.

Organspende FAQ

Spende von Körpergewebe

Für die Spende von Gewebe ist es nicht notwendig, den Eintritt des Hirntods möglichst zeitnah festzustellen, deshalb kämen rund zwei Drittel aller Verstorbenen als Spender in Frage. Anders als bei der Organspende ist die Entnahme von Gewebe noch bis zu 72 Stunden nach Eintritt des Todes möglich. Darum wird Gewebe in der Regel nicht sofort transplantiert. Meist wird es zunächst gereinigt und konserviert, sodass es mehrere Wochen in einer Gewebedatenbank gelagert werden kann.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Spende:

  • Die körpereigene Spende, bei der ein Patient sich selbst etwa Haut spendet.
  • Und die Gewebespende einer fremden, verstorbenen oder lebenden Person.

Bei der Gewebespende gelten allerdings Altersgrenzen. Knochen und Weichgewebe können bis zum 75. Lebensjahr gespendet werden, Herzklappen und Blutgefäße bis zum 65. Lebensjahr, für die Spende von Augenhornhaut gilt keine Altersgrenze.

Die Erfolgsaussichten von Gewebetransplantationen sind generell besser als die der Organspenden, da bei der Gewebeübertragung ein insgesamt geringeres medizinisches Risiko besteht. Zum Beispiel weisen nach einem Jahr 95% der transplantierten Augenhornhäute volle Funktionstüchtigkeit auf, nach fünf Jahren sind es noch 80%.

Wussten Sie schon? Ihre persönlichen Wünsche zur Organspende können Sie in unserer Patientenverfügung festhalten.

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