Internationaler Tag der Patientensicherheit am 17. September 2019

Internationaler Tag der Patientensicherheit am 17. September 2019

Fehler im Gesundheitsbereich können jeden Patienten treffen. Der heutige Welttag für Patientensicherheit widmet sich der schadenfreien ärztlichen Behandlung in der medizinischen Gesundheitsversorgung. Im Fokus steht der Patient.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
17.09.2019

Wenn wir uns in ärztliche Behandlung geben, dann legen wir unsere Gesundheit in die Hände der behandelnden Ärzte. Dazu ist viel Vertrauen nötig, denn wir müssen uns darauf verlassen, dass dieser die richtigen Maßnahmen anwendet, um uns zu helfen. Wenn wir dann von falschen Diagnosen und Therapien in den Medien hören, ist unser Vertrauen ins Gesundheitssystem erst einmal verletzt. Was jedoch täglich für die Sicherheit der Patienten getan wird, geht dabei oft unter. Der internationale Tag der Patientensicherheit rückt die Gesundheit der Patienten in den Blickpunkt.

Millionen Menschen von fehlerhafter medizinischer Behandlung betroffen

Letzte Woche hat die Weltgesundheitsorganisation WHO alarmierende Zahlen veröffentlicht: Laut deren Schätzung sterben weltweit jährlich 2,6 Millionen Menschen durch fehlerhafte medizinische Behandlung – pro Minute sind das fünf Tote. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Falsche Diagnosen und Medikamente, Infektionen während der Behandlung, Amputation falscher Gliedmaßen und sogar Hirnoperationen auf der falschen Seite des Kopfes führen dazu, dass Menschen in medizinischer Behandlung ums Leben kommen.

Wieso es trotz Kontrollen und Sicherheitsmechanismen immer wieder zu solchen Fehlern bei der Behandlung kommt, liegt unter anderem an der strengen Hierarchie in vielen Gesundheitseinrichtungen. So trauen sich beispielsweise Assistenzärzte und Juniorpersonal in Krankenhäusern nicht, auf Fehler hinzuweisen, und auch Angestellte schweigen, um Repressalien zu vermeiden. Dabei lässt sich durch mehr Sicherheit viel Geld sparen, da geschädigte Patienten oft viel länger behandelt werden müssen. Doch auch wenn es sich dabei um ein globales Problem handelt, sprach die WHO auch ein Lob aus: „Deutschland gehe wie einige andere Länder mit gutem Beispiel voran, um Fehler so weit wie möglich zu vermeiden“.

Internationaler Tag der Patientensicherheit mit bundesweiten Aktionen

In Deutschland setzen sich viele Aktionen und Initiativen dafür ein, die Versorgung von Patienten sicherer zu machen. Dazu zählt nicht nur die Vermeidung von Fehlern in der Medizin, sondern auch die Verbesserung der komplexen Abläufe in der Gesundheitsversorgung. Was viele Patienten nicht wissen: Auch sie haben Rechte gegenüber dem behandelnden Arzt oder dem Krankenhaus bei einer stationären Therapie. Neben einer angemessenen Aufklärung über die vorgeschlagene Therapie sowie diagnostische Maßnahmen ist das vor allem eine qualifizierte und sorgfältige Behandlung. In jeder Situation hat der Patient zudem das Recht, dass auf seine Würde und Integrität geachtet wird. Dessen sollte man sich bei jeder hausärztlichen, ambulanten oder stationären Behandlung bewusst sein.

Am heutigen weltweiten Tag der Patientensicherheit steht deshalb der Patient mit seinen Rechten und seiner Gesundheit im Fokus. Es geht darum, Lösungsansätze vorzustellen, die mehr Sicherheit und Qualität in der medizinischen Versorgung bringen. Das Angebot richtet sich nicht nur an gesundheitliche Einrichtungen, sondern auch die breite Öffentlichkeit und Medien, denn jeder kann davon betroffen sein und sollte dementsprechend auch für diese Thematik sensibilisiert werden.

An der Aktion nehmen nicht nur Initiativen, Praxen und Heime teil, sondern auch Krankenhäuser. Diese geben einen Einblick in den Krankenhausalltag und was speziell vor Ort für die Sicherheit der Patienten getan wird. Doch es geht nicht nur darum, welche Maßnahmen Krankenhäuser anwenden, um für die Patientensicherheit zu sorgen, sondern wie auch der Patient zu seiner Sicherheit beitragen kann. Krankenhäuser informieren beispielsweise über den richtigen Umgang mit Medikamenten oder wie man eigenständig OP-Risiken wie Thrombose minimieren kann.

Einen Überblick über die heutigen Aktionen in Ihrer Nähe finden Sie auf der interaktiven Karte vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Vorbereitung auf die Behandlung im Krankenhaus

Steht bei Ihnen eine ambulante oder stationäre Behandlung an, dann spüren Sie neben Hoffnung auf gesundheitliche Besserung vielleicht auch Unsicherheit oder gar Angst. Es ist ratsam, sich mit seinen Ängsten und der folgenden Zeit intensiv auseinanderzusetzen. Sprechen Sie ruhig mit dem behandelnden Arzt über Ihre Gefühle. Vielen Patienten fehlt einfach das fachliche Wissen, um die eigene Situation einzuschätzen, dabei ist es genau dieses Wissen, das Sicherheit und ein Gefühl von Kontrolle vermittelt. Machen Sie sich Ihre Rechte bewusst, denn keine Behandlung kann ohne Ihr Einverständnis durchgeführt werden. Für den Fall, dass Sie Ihren Willen nicht frei äußern können, sollten Sie unbedingt eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht erstellen.

Neben Informationen über den Ablauf Ihrer Behandlung sowie der rechtlichen Absicherung durch Vorsorgedokumente kann es auch eine Unterstützung sein, wenn Sie den Krankenhausaufenthalt für sich selbst planen. Eine Checkliste hilft dabei, die wichtigsten Punkte im Blick zu behalten und nichts zu vergessen. Vielleicht fühlen Sie sich auch sicherer, wenn Sie den Aufenthalt im Krankenhaus mit einer Person Ihres Vertrauens besprechen, damit Sie wissen, dass Sie nicht allein sind.

Verschiedene Initiativen zum Welttag für Patientensicherheit zeigen, dass Patienten im deutschen Gesundheitssystem gut aufgehoben sind. Die Etablierung von Risikomanagement- und Fehlermeldesysteme sind im vollen Gang und viele Krankenhäuser verfügen schon über ein Beschwerdemanagement für Patienten, denn Fehler bei Diagnose und Behandlung sind selten nur auf einen Fall konzentriert. Eine Abstimmung der Krankenhäuser untereinander kann solche gängigen Fehlerketten aufdecken und Schritte für die Vermeidung festlegen. Umso wichtiger, dass die Patientensicherheit nicht nur heute einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.