Pflegeberatung: Kostenlose Beratung für Betroffene und Angehörige

August 6, 2019
2019-08-06
Miniatur Porträt Autor

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Pflegeberatung ist seit 2009 verbindlich geregelt. Alle Versicherten (Pflegebedürftige und Angehörige) haben einen Rechtsanspruch auf umfassende und unabhängige Pflegeberatung durch ihre Pflegekasse. Ziel der Pflegeberatung ist es, Betroffenen einen pragmatischen und gleichzeitig weitgehenden Überblick über alle Leistungen zu verschaffen, die sie in ihrer jeweiligen Situation beantragen können.
  • Pflegeberatung ist kostenlos. Während eine Vielzahl kommerzieller Anbieter damit wirbt, besonders gute und dafür bezahlte Beratung zu leisten, ist die Beratung durch die Pflegekasse oder einen angeschlossenen Pflegestützpunkt absolut identisch – und darüber hinaus neutral. Beratung darf nur zur Art der empfohlenen Pflegeleistung erfolgen, nicht jedoch als werbliche Maßnahme.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Viele Pflegeberatungen können auch mit Anschriften örtlicher Selbsthilfegruppen dienen. Hier finden Betroffene zusätzlichen Austausch mit anderen Menschen in der gleichen oder einer ähnlichen Situation.

Hier finden Betroffene Hilfe

Ob Betroffener oder Angehöriger, kommt es in der eigenen Familie zu einem Pflegefall, öffnet eine wahres Universum bürokratischer Vorschriften, Begrifflichkeiten und Voraussetzungen seine Tore. Wie stelle ich einen Antrag auf Pflegegrad? Welche Leistungen kann ich beanspruchen? Woher bekomme ich Pflegehilfsmittel? Und was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistungen? Gerade wenn es darum geht, einen neu eingetretenen Pflegefall zu versorgen, ist der Organisationsaufwand gewaltig. Hilfe finden Betroffene und Angehörige seit 2009 auch bei der Pflegeberatung der Pflegekassen. Mit Bewilligung eines Pflegegrads informieren die Pflegekassen Versicherte darüber, dass sie sich regel­mäßig beraten lassen müssen. So ist bei Pfle­gegrad 2 und Pflegegrad 3 eine halb­jähr­liche und bei Pfle­gegrad 4 und Pflegegrad 5 eine vierteljähr­liche Beratung vorgeschrieben.

Das leistet die Pflegeberatung

Die Pflegeberatung steht Betroffenen mit konkreten Informationen zur Seite, etwa wenn es darum geht, die richtigen Ansprechpartner oder öffentlichen Stellen auszumachen, oder wenn es darum geht, wie der tatsächliche Alltag in der häuslichen Pflege umgesetzt werden kann. Vor allem für Angehörige ist die Pflegeberatung eine große Entlastung, denn hier finden Sie auch Hilfe, wenn es darum geht, Anträge auszufüllen, einen Versorgungsplan aufzustellen oder eine geeignete Hilfe für eine Verhinderungspflege oder die Unterbringung in einem Pflegeheim zu finden. Idealerweise vereinbaren Sie einen Termin in der Pflegeberatung vorab telefonisch und bringen zum gemeinsamen Termin alle Ihnen bis dahin vorliegenden Unterlagen mit, die die Pflege betreffen. Auf diese Weise können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegeberatung Sie häufig bereits beim Ersttermin schon mit punktgenauen Empfehlungen unterstützen. Praktisch: In komplizierteren Fällen kommt die Pflegeberatung auch zum Betroffenen nach Hause, um sich ein umfassendes Bild über die notwendige und sinnvolle Pflegemaßnahmen und entsprechende Empfehlungen abzugeben und einen Versorgungsplan aufzusetzen.

So hilft der Versorgungsplan

Der Versorgungsplan ist die organisatorische Allzweckwaffe der Pflegekassen. Mit seiner Hilfe ist es möglich alle an der Pflege beteiligten Träger, Institutionen und Personen in ein einheitliches Zeit- und Bedarfsraster zu übertragen. Praktisch: Der Versorgungsplan zeigt auch, welche Leistungen wo beantragt werden können.

Das leistet die Pflegekasse in der Beratung

Auch die Pflegekassen selbst haben eine Beratungspflicht. Sie gilt für alle, die bereits Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehen oder wenigstens beantragt haben. Dieser Anspruch gilt auch für die Angehörigen des Betroffenen, wenn er seine ausdrückliche, persönliche Zustimmung dazu gibt. Anders als die Pflegeberatung im Pflegestützpunkt jedoch leisten Pflegekassen i.d.R. zunächst ausschließlich telefonisch Unterstützung. Dabei gelten für gesetzlich Versicherte und privat Versicherte unterschiedliche Voraussetzungen. Während gesetzlich Versicherte Hinweise zu konkreten Hilfsangeboten zunächst telefonisch erhalten, sieht der Gesetzgeber vor, dass sie sich zur umfassenden Beratung an einen in der Umgebung liegenden Pflegestützpunkt wenden können. Pflegestützpunkte sind in Deutschland in vielfältiger Trägerschaft organisiert (etwa durch Krankenkassen, die örtliche Gemeinde oder soziale Träger). In einzelnen Bundesländern übernehmen die örtlichen Servicecenter der Pflegekassen, bzw. Krankenkassen die Aufgabe der Pflegestützpunkte.

Privat Krankenversicherte können die Dienste der Compass Pflegeberatung in Anspruch nehmen. Sie wurde eigens von den Versicherern zu diesem Zweck eingerichtet und hilft entweder mit telefonischen Auskünften oder persönlicher Beratung vor Ort. Hier übernehmen die Pflegeberater die gesetzlich festgeschriebenen Beratungsbesuche, jedenfalls dann, wenn der privatversicherte Betroffene ausschließlich Pflegegeld in Anspruch nimmt.  

Alle Pflegekassen sind darüber hinaus verpflichtet, ihren Mitgliedern mit Kostenaufstellungen zur Pflege zu helfen. Darunter fallen etwa Preislisten von ambulanten Pflegediensten oder Pflegeheimen. Vor allem der Pflegedienstnavigator der AOK und das gemeinsame Portal der Versicherer pflegelotse.de sind eine gute erste Anlaufstelle zur Übersicht verfügbarer Dienstleister und ihrer Preisstaffeln. Auch Pflegeberater und Pflegedienste leisten vermehrt Hilfe bei der Beratung, das Zentrum für Qualität in der Pflege führt eine umfassende Liste der wichtigsten nicht-institutionellen Anlaufstellen, deren Qualität und Erreichbarkeit jedoch von Fall zu Fall einzeln betrachtet werden sollte.

Pflegedienste in der Pflegeberatung

Pflegeberatung durch Pflegedienst: Pflegebedienstete misst Blutdruck im Gespräch mit Patienten
Pflegeberatung im Krankenhaus oder durch den Pflegedienst: Auch Beteiligte in Akut- und Regelversorgung können die regelmäßige Beratung übernehmen.

Auch Pflegedienste können mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es darum geht, die passende Beratung zu Pflegeleistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung zu erhalten. Vor allem wenn der Pflegedienst bereits in die Betreuung eines Betroffenen involviert ist, kann sie aus der Erfahrung beurteilen, welche pflegerischen Maßnahmen derzeit angezeigt sind. Aber auch dann, wenn der Pflegedienst selbst keine Pflegesachleistungen erbringt, kann er mit fachkundiger Beratung Unterstützung leisten.

Pflegeberatung durch Kommunen und Krankenhäuser

Während es in mittleren und größeren Städten und Ballungsgebieten oft unkompliziert ist, einen geeigneten Ansprechpartner zur Pflegeberatung zu finden, sorgt in ländlichen Regionen nicht nur der Ärztemangel für zunehmende Herausforderungen – auch bei der Pflegeberatung sehen sich immer mehr Betroffene vor die Notwendigkeit gestellt, auch öffentliche Stellen zur Beratung in Anspruch nehmen zu müssen. Zu diesem Zweck sind in der Vergangenheit auch Kommunalverwaltungen stärker in die Pflegeberatung einbezogen worden. In über 60 Gemeinden sind mittlerweile auch gemeindeeigene, kommunale Stellen zur Pflegeberatung eingerichtet worden, die dazu beitragen sollen, die flächendeckende Beratung auch dort sicherzustellen,wo keine Pflegestützpunkte der Versicherungen rentabel sind. Im Akutfall kommt auch der Sozialdienst der Krankenhäuser als Ansprechpartner der Erstberatung in Frage. Der Sozialdienst ist auch in der Position, einen vorläufigen Pflegegrad bei der Pflegekasse ohne Einzelfallprüfung bewilligen zu lassen. Gerade aus der Perspektive der direkten Behandlung kann der Sozialdienst darüber hinaus oft bereits frühzeitig Auskunft darüber geben, welche Pflegeleistungen und Pflegehilfsmittel ein Betroffener voraussichtlich benötigt und welche Stellen dafür Ansprechpartner sind.

Verbände und Verbraucherschutz in der Pflegeberatung

Gerade in Ballungsgebieten übernehmen häufig auch Wohlfahrtsverbände Aufgaben der Pflegeberatung, darunter etwa die Caritas, die Diakonie, die Malteser, die Arbeiterwohlfahrt (AWO) oder auch das Deutsche Rote Kreuz. Hier ergänzt die Beratungsleistung meistens ein pflegerisches Gesamtpaket der ambulanten Pflege, die vom gleichen Träger angeboten wird.Verbraucherzentralen unterstützen Ratsuchende darüber hinaus auch dann, wenn eine Pflegekasse beantragte Leistungen oder Pflegegrade ablehnen.

Freie Pflegeberater

Freie Pflegeberater agieren als Makler zwischen Betroffenen,Angehörigen und Trägern, wenn akut kein Familienmitglied oder Partner des Betroffenen die notwendigen zeitlichen Ressourcen hat, die Pflege zu übernehmen und zu organisieren. Kernaufgabe des Pflegeberaters ist es die Situation umfassend zu bewerten und das richtige Pflegeangebot zu organisieren. Allerdings wird immer wieder vor unseriösen Angeboten gewarnt, die mit undurchsichtigen Angeboten und Preisen für ihre Leistungen werben.

Das Bundesfamilienministerium: Beratung per Pflegetelefon

Oft unbekannt, doch seriös und kostenlos: Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums. Hier erhalten Interessierte umfassende Informationen zu allen Themen der Pflege und beantragbaren Leistungen. Nicht nur renommierter Pflegefachkräfte informieren hier, auch Psychologen und Ärzte sind unter der Woche von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 9 und 18 Uhr unter 030/201 79 131 erreichbar.

Unabhängige Patientenberatung Deutschland / UPD: Kostenlos und unabhängig

Ebenfalls ein häufig unbekannter Weg zur passenden Pflegeberatung führt über die Unabhängige Patientenberatung Deutschland / UPD. Hier erhalten Interessierte Informationen und Auskünfte zu praktisch allen Bereichen des Gesundheitssystems. Nicht nur Juristen und Pflegeexperten leisten hier wertvolle Arbeit, auch Juristen und Mitarbeiter von Sozialversicherungsträgern sind Teil des Beratungsteams. Sämtliche Beratungsleistungen der UPD sind sowohl telefonisch als auch persönlich verfügbar, weitere Informationen finden Betroffene und Angehörige auf der Webseite der UPD.  

Pflegeberatung: Hier finden Betroffene und Angehörige HilfeAfilio Logo
Checkmark IconDokument IconHerz Icon
Schützen Sie Ihre Liebsten hier und jetzt!
Testament & Co. kostenlos erstellen
Es fühlt sich gut an, vorgesorgt zu haben
Jetzt loslegen
Afilio in der Presse
"Drei von fünf Portalen - Afilio, Smartlaw und Janolaw - lieferten rechtssichere Vorlagen, wie ein Test der Zeitschrift ergab."
- WELT (zum Artikel)
TESTSIEGER
Unsere Testaments-Vorlagen wurden Testsieger (2,0) im Finanztest von Stiftung Warentest. (zum Test)
"Zwei der getesteten Portale wurden für "gut" befunden (Afilio.de/kostenlos und Smartlaw.de/ab 49 Euro)"
- ntv (zum Artikel)
Die Welt LogoFocus Magazin Logontv Sender LogoForbes Logo
Die Presse über Afilio