Pflegegrad 2 - Voraussetzungen, Bedingungen und Leistungen

May 2, 2018
2018-05-02

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zum 01.01.2017 wurden die neuen Pflegegrade 1 bis 5 eingeführt. Die Einstufung basiert nicht länger auf körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auf der generellen Selbstständigkeit im Alltag.
  • Menschen, die erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit haben, erhalten einige Zuschüsse für die ambulante und stationäre Pflege.
  • Die Selbstständigkeit setzt sich im neuen NBA Punktesystem aus sechs Modulen zusammen: Selbstversorgung, Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Gestaltung des Alltags, Umgang mit krankheitsbedingten Belastungen und Verhaltensweisen.

 Pflegegrad 2

Voraussetzungen, Bedingungen und Leistungen

    

Mit der Umstellung von den drei Pflegestufen auf die Pflegegrade 1 bis 5 stieg vor allem für Demenzkranke und psychisch Erkrankte die Chance als pflegebedürftig kategorisiert zu werden und somit überhaupt Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten. Denn obwohl ihre Selbstständigkeit im Alltag mäßig bis stark eingeschränkt ist, erhielten Pflegebedürftige nach den Richtlinien des alten Pflegestufen-Systems keine Unterstützung von der Pflegeversicherung. Demenzkranke, die im alten Pflegestufe-System die Pflegestufe 0 Innehatten, wurden automatisch in den Pflegegrad 2 eingruppiert.

  

Der Weg zum Pflegegrad 2

Die Zuordnung zum Pflegegrad 2 ist generell möglich, sobald eine "erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit" für den Betroffenen besteht.  Hier finden Sie eine Übersicht, welche Leistungen Versicherten mit Pflegegrad 2 zustehen und welche Voraussetzungen für den Pflegegrad 2 gelten.

Wer erstmals einen Antrag auf Pflegegrad stellt um Pflegeleistungen von der Pflegekasse zu erhalten, wird zunächst durch einen Gutachter des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK; für gesetzlich Versicherte) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) geprüft, der mit Hilfe eines Fragebogens die Pflegebedürftigkeit ermittelt.

Im Zuge des Pflegestärkungsgesetz' II wurde mit der Einführung der Pflegegrade auch ein neues Punktesystem, das sogenannte "NBA" vorgestellt. Die Zuteilung eines Pflegegrades steht deshalb neuerdings im Zusammenhang mit der Selbstständigkeit des Antragstellers. Die Gutachter erfassen auf Grundlage eines Fragenkatalogs, der sich aus sechs Modulen zusammensetzt, wieviel Unterstützung der Versicherte im Alltag benötigt. Für jede der sechs Kategorien werden Punkte vergeben. Dabei gilt: Je höher die Punktzahl, desto höher der Pflegegrad und die damit verbundenen Pflegeleistungen. Die Punkte werden in einem komplexen Verfahren gewichtet und addiert, sodass die Pflegebedürftigkeit bestimmt werden kann.  Um den Pflegegrad 2 zu erreichen müssen Begutachtete zwischen 27 und unter 47,5 Punkte erhalten.

  

Pflegegrad 2 Punkte Neues Begutachtungsassessment

  

Die sechs Module

  1. Mobilität: Wie selbstständig kann der Begutachtete sich in seinem gewohnten Lebensumfeld bewegen?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Hat der Betroffene eine zeitliche und örtliche Orientierung? Kann er Entscheidungen treffen und sich mitteilen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Leidet der Antragsteller unter Ängsten oder depressiven Stimmungslagen? Zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten?
  4. Selbstversorgung: Wie selbstständig kann sich der Versicherte waschen und baden, sowie sich selbst An- und Auskleiden?
  5. Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Inwieweit benötigt der Betroffene Hilfe im Umgang mit den Folgen von Krankheit und Behandlungen?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Kann sich der Versicherte um die eigene Tagesplanung kümmern und an Veränderungen anpassen?

     

  

Leistungen

 

Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Anders als Pflegebedürftige des Pflegegrades 1, haben Betroffene des Pflegegrades 2 einen Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Freunde und Familie und zwar in Höhe von monatlich 316 Euro. Es besteht für die Betroffenen auch ein Anrecht auf Pflegesachleistungen von monatlich 689 Euro, sollte ein ambulanter Pflegedienst die alltägliche Unterstützung übernehmen.

      

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Bei einem anerkannten Pflegegrad 12 haben Versicherte Anspruch auf den neu eingeführten "Entlastungsbeitrag" in Höhe von monatlich 125 Euro.

Mit dem Entlastungsbeitrag bei Pflegegrad 1 können Sie beispielsweise

  • An einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige oder leicht Demenzkranke  teilnehmen, die sie körperlich und geistig fordert,
  • Einen Alltagsbegleiter engagieren, der Ihnen Gesellschaft leistet, oder auch eine Einkaufshilfe,
  • Oder Haushaltshilfen bezahlen, die Ihnen körperlich belastende Hausarbeiten abnimmt oder Sie beim Putzen unterstützt.

   

Kurzzeitpflege

Sollte ein Versicherter mit Pflegegrad 2 nach einem Klinikaufenthalt eine Kurzzeitpflege benötigen erhält er von seiner Pflegekasse für bis zu 28 Tage im Jahr maximal 1.612 Euro einen Zuschuss.

Sollte ein Pflegebedürftiger im selben Jahr keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst nutzen, kann  er für seine Kurzzeitpflege sogar bis zu 3.224 Euro an Zuschüssen für bis zu acht Wochen im Jahr beanspruchen. Während der bis zu achtwöchigen Kurzzeitpflege erhalten Betroffene zusätzlich noch die Hälfte ihres Pflegegeldes bei häuslicher Pflege durch Familie und Freunde, nämlich 158 Euro monatlich.

    

Verhinderungspflege

Versicherte des Pflegegrades 2 erhalten jährlich einen Zuschuss von 1.612 Euro für eine  Verhinderungspflege mit einer Dauer höchstens 28 Tagen im Jahr, sollten Angehörige aufgrund von Krankheit oder Urlaub nicht in der Lage sein, die Pflege des Betroffenen zu übernehmen.

Auch während der Verhinderungspflege erhalten Hilfsbedürftige noch immer die Hälfte ihres monatlichen Pflegegeldes (in dem Fall 158 Euro) für bis zu 6 Wochen im Jahr und können, wenn sie im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, die Verhinderungspflege auf sechs Wochen ausdehnen. Diese wird mit bis zu 2.418 Euro bezuschusst.

 

Tages- und Nachtpflege

Die Zuschüsse für Tages- und Nachtpflege entsprechen den ambulanten Sachleistungen und werden zusätzlich zum Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Freunde und Familie gezahlt. Pflegebedürftige bekommen somit als teilstationäre Pflegeleistung im Monat 689 Euro.

  

Zusätzliche Leistungen bei häuslicher Pflege

Zuschuss für Wohnraumanpassung

  • Es stehen dem Versicherten einmalig 4.000 Euro zu, um eventuelle Umbauten für einen barrierefreien Wohnraum vorzunehmen. Darunter fallen beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau von der Wanne zur Dusche

 

Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

  • Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 haben Anspruch auf Zuschüsse zu Pflegehilfsmittel oder allgemein medizinische Hilfsmittel, wie beispielsweise ein Hausnotrufsystem, sowie eine Pauschale zum Kauf von Hilfsmitteln in Höhe von monatlich 40 Euro und weitere Pflegemittel.

  

Menschen mit Pflegegrad 1 haben Anrecht auf eine regelmäßige Beratung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität, die von der Pflegekasse bezahlt wird. Darüber hinaus steht Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen ein kostenloser Pflegekurs zu.

  

Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs

Bewohner einer ambulant betreuten Wohngruppe oder einer sogenannten Senioren-WG erhalten Pflegeleistung zur Wohnraumanpassung für bis zu vier Versicherte mit Pflegegrad 1. Des Weiteren stehen maximal vier Bewohnern jeweils ein einmaliger Einrichtungszuschuss von 2.500 Euro, sowie ein monatlicher Zuschuss zur Beschäftigung einer Organisationskraft jeweils 214 Euro zu.

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