Pflegegrad 4 - Voraussetzung, Bedigung und Leistung

July 24, 2018
2018-07-24

Das Wichtigste in Kürze:

  • Antragsteller auf Pflegegrad werden anhand eines Punktesystems in sechs Bereichen zur Selbstständigkeit im Alltag überprüft. Je weniger Punkte, desto geringer die Pflegebedürftigkeit. Wer zwischen 70 bis unter 90 Punkten erhalten hat, wird unter Pflegegrad 4 kategorisiert.
  • Je nach Pflegemodell: ob durch Angehörige, ambulant oder vollstationär, erhalten Pflegebedürftige unterschiedliche Pflegegelder und Pflegesachleistungen.
Punktesystem neues Begutachtungsassessment

Wer einen Antrag auf Pflegegrad stellt, wird anhand des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) in sechs Bereichen auf die Selbstständigkeit im Alltag überprüft und mit Punkten bewertet. Je höher die Punktzahl, desto höher ist auch der Pflegegrad. Antragsteller mit Punkten zwischen 70 bis unter 90 Punkten werden dem Pflegegrad 4 zugeordnet. Ebenso wie diejenigen, die vor dem 01.01.2017 bereits die Pflegestufe 3 oder Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatte.

  • Mobilität
  • Kognitive und Kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen
  • Gestaltung Alltag und sozialer Kontakte
Pflegegrad 4 Selbstständigkeit Überprüfung

 

Welchen Anspruch auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen haben Versicherte?

Wer im eigenen Zuhause von Angehörigen oder Bekannten betreut wird, erhält mit Pflegegrad 4 ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 728 Euro. Für Pflegebedürftige, die von einem ambulanten Pflegedienst versorgt werden, gewährt die Pflegekasse eine Pflegesachleistung von 1 612 Euro. Diese soll Kosten für die Pflege, Betreuung und Hilfe bei der Haushaltsführung decken.

 

Was ist der Entlastungsbeitrag?

Um Pflegebedürftigen den Alltag so angenehm und unkompliziert wie möglich zu gestalten, erhalten Versicherte mit Pflegegrad 4 einen monatlichen Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro. Der Betrag ist für:

  • Die Teilnahme an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige für eine körperliche und     geistige Auslastung
  • Einen Alltagsbegleiter oder eine Einkaufshilfe
  • Eine Haushaltshilfe, die beim Putzen der Wohnräume, beschwerlichen Hausarbeiten und leichten Gartenarbeiten unter die Arme greifen kann

 

Welche Zuschüsse erhalten Versicherte für eine Kurzzeitpflege?

Es kann immer vorkommen, dass nach einem Krankenhausaufenthalt eine Kurzzeitpflege durch professionelle Pflegekräfte nötig wird. Die Pflegekasse bezuschusst bis zu 28 Tage im Jahr mit höchstens 1 612 Euro. Allerdings können Versicherte, falls im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege genutzt wird, die Zeit der Kurzzeitpflege auf bis zu acht Wochen erhöhen und erhalten eine Zuschuss von bis zu 3 224 Euro. Zusätzlich erhalten Menschen mit Pflegegrad 4 während der Kurzzeitpflege noch die Hälfte ihres Pflegegeldes von 728 Euro, sprich 346 Euro.

 

Wird eine Verhinderungspflege von den Pflegekassen bezuschusst?

Wenn Angehörige oder Bekannte, die die Pflege im Normalfall übernehmen, selbst krank werden oder in den Urlaub fahren möchten, erfolgt die Verhinderungspflege durch professionelle Pflegekräfte. Dafür erhalten Versicherte bis zu 1 612 Euro für maximal 4 Wochen im Jahr. Eine Sonderregelung: Wenn im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird, kann die Verhinderungspflege auf sechs Wochen verlängert werden und erhält einen Zuschuss von höchstens 2 418 Euro. Auch neben der Verhinderungspflege erhalten Versicherte noch die Hälfte ihres Pflegegeldes, also 346 Euro.

 

Wie sieht es mit Zuschüssen für eine Tagespflege aus?

Zusätzlich zum Pflegegeld wird eine Tagespflege oder Nachtpflege monatlich mit 1 612 Euro von der Pflegekasse bezuschusst.

 

Welche weiteren Leistungen bei häuslicher Pflege gibt es?

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch und medizinische Hilfsmittel

Die Pflegekassen stellen monatlich einen Betrag von 40 Euro für den Kauf bestimmter Pflegemittel. Darunter zählen beispielsweise Einmalhandschuhe, Schutzschürzen, Desinfektionsmittel. Neuerdings bieten einige Firmen sogenannte Pflegeboxen an, die sich Kunden individuell zusammenstellen können. Die Beantragung der Pflegemittel bei der Pflegekasse und die Abwicklung wird von den Firmen übernommen, welche die fertige Pflegebox Ihnen jeden Monat ins Haus liefern.

Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel: Die Pflegebox - Pflegemittel direkt nach Hause

Darüber hinaus werden auch technische Hilfsmittel wie das Hausnotrufsystem bezuschusst. Einmalig mit 10,46  Euro die Anschlussgebühr und monatlich 18,36 Euro für den Betrieb. Weitere Pflegesachleistungen gibt es für Pflegehilfsmittel aus dem Hilfsmittelverzeichnis des Bundes der Gesetzlichen Krankenversicherungen.

Wohnraumanpassungen

Jedem Versicherten des Pflegegrads 4 wird einmalig ein Betrag von 4 000 Euro zugesprochen um alle nötigen Maßnahmen vorzunehmen, die das eigene Zuhause barrierefrei machen. Darunter zählen beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau von einem Wannenbad in ein Duschbad. Sollte sich die Pflegebedürftigkeit stark ändern, kann diese Summe ein weiteres Mal gewährt werden.

Förderung von WGs

Wohngemeinschaften oder ambulant betreute Wohngruppen mit höchstens vier Bewohnern erhalten pro Kopf 4 000 Euro für eine altersgerechten Umbau der Wohnräume und einen Gründungszuschuss von  je 2 500 Euro. Um eine Organisatorische Hilfskraft zu honorieren, werden jedem Bewohner monatlich 214 Euro zugesprochen.

Beratungen und Pflegekurse

Jeder Mensch mit einem Pflegegrad hat Anspruch auf eine Beratung zur besseren pflegerischen Versorgung oder altersgerechtem Wohnen. Hinzu kommen die gesetzlich nötigen, regelmäßigen Beratungsbesuche durch geschulte Pflegekräfte. Ziel ist es, Hilfsbedürftigen den Alltag im eigenen Zuhause zu erleichtern und so angenehm wie möglich zu gestalten. Angehörige oder ehrenamtliche Pflegekräfte haben daneben auch die Möglichkeit, an kostenlosen Pflegekursen teilzunehmen.

 

Stationäre Pflege

Ein Platz in einem Pflegeheim kostet in Deutschland durchschnittlich 2 700 Euro bis 3 000 Euro. Um Angehörige und Pflegebedürftige finanziell zu entlasten, zahlt die Pflegekasse monatlich einen Zuschuss von 1 775 Euro, den Rest müssen Versicherte selbst tragen. Zusätzlich müssen Bewohner noch einen pflegebedingten Eigenanteil zahlen, der für alle einheitlich hoch ist. Neben dem Eigenanteil variieren die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.

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