Pflegekraft-Ausbildung: Pflegeberufe sollen reformiert werden

Pflegekraft-Ausbildung: Pflegeberufe sollen reformiert werden

Aktuell gibt es drei verschiedene Pflegeberufe. Die Reform der Bundesregierung sieht vor, diese zu einer Ausbildung zusammenzufassen.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
10.10.2019

In Deutschland herrscht Mangel an Fachkräften in der Pflege (Stichwort Pflegenotstand). Um die in Frage kommenden Berufsgruppen insgesamt attraktiver zu gestalten, wird die Ausbildung in vielen Berufszweigen nun reformiert. Ab 2020 schließen Fachkräfte die Ausbildung in der Pflege mit „Pflegefachmann“ oder „Pflegefachfrau“ ab. Bei Afilio erfahren Sie, welche Neuerungen in der Pflegeausbildung noch kommen.

Bundesregierung führt gebündelte Pflegeausbildung ein

Wer bisher eine Ausbildung in der Pflege wählte, musste sich zwischen den Berufen „Altenpfleger/in“, „Gesundheits- und Krankenpfleger/in“ und „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in“ entscheiden. Ein Plan der Bundesregierung sieht für 2020 vor, für Nachwuchskräfte eine generalistische Pflegeausbildung anzubieten. Die Ausbildungsinhalte werden künftig vereinheitlicht, sodass alle Auszubildenden in den ersten zwei Jahren die gleichen Inhalte zur Pflege von Kranken, Alten und Kindern lernen und sich im dritten Lehrjahr entscheiden, worauf sie sich spezialisieren möchten. Ohne Spezialisierung erlangen Auszubildende den Abschluss „Pflegefachmann“ oder „Pflegefachfrau“, mit Spezialisierung auf Kinder- oder Altenpflege die Abschlüsse „Altenpfleger/in“ oder „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in“.

Die Bundesregierung erhofft sich von der Reform, künftig mehr Nachwuchskräfte für Pflegeberufe zu begeistern. Die universelle Pflegeausbildung ermöglicht es Fachkräften künftig, einfacher zwischen einzelnen Pflegeberufen zu wechseln; sinnvoll in einem Umfeld, in dem immer häufiger die Grenzen zwischen den einzelnen Arbeitsfeldern verschwimmen. Als Folge der steigenden Lebenserwartung leiden Menschen im Alter nicht nur unter den gängigen Alterserscheinungen, sondern auch unter chronischen Erkrankungen. Altenpfleger müssen deshalb immer häufiger Tätigkeiten in der medizinischen Pflege übernehmen, während Gesundheits- und Krankenpfleger vermehrt ältere Menschen betreuen. Diese veränderten beruflichen Anforderungen soll die gebündelte Pflegeausbildung auffangen.

Doch nicht nur die berufliche Weiterentwicklung soll mehr Nachwuchskräfte in die Pflegeberufe bringen. Bei vielen Auszubildenden ist vor allem die finanzielle Situation prekär. Viele Auszubildenden müssen Schuldgeld an Pflegeschulen zahlen und erhalten gleichzeitig keine Ausbildungsvergütung. Im Zuge der Reform soll die Ausbildungsvergütung nicht nur festgeschrieben, sondern auch spürbar erhöht werden, gleichzeitig soll das Schulgeld entfallen.

Hoher Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften

Aktuell gibt es in Deutschland über 3,3 Millionen Pflegebedürftige. Davon leben 23,6 Prozent in einem Pflegeheim und die restlichen 76,4 Prozent werden im häuslichen Umfeld etwa durch pflegende Angehörige, polnische Pflegekräfte oder ambulante Pflegedienste betreut. Insgesamt knapp 900.000 examinierte Fachkräfte sind derzeit in den Pflegeberufen tätig.

Dass es einen Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften gibt, zeigt die Prognose, wie sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren entwickeln könnte. Experten rechnen damit, dass es im Jahr 2030 erstmals über vier Millionen pflegebedürftige Menschen gibt. 2050 könnten es sogar 5,32 Millionen sein. Gleichzeitig würden schon 2030 über 130.000 qualifizierte Pflegekräfte fehlen.

Arbeitsbedingungen in der Pflege sind eine Herausforderung

Dass es so wenige qualifizierte Nachwuchskräfte in den Pflegeberufen gibt, liegt nicht nur an den Bedingungen in der Ausbildung. Der Berufsalltag in der Pflege belastet Fachkräfte enorm. Das liegt schon allein am durchschnittlichen Personalschlüssel, der in Deutschland bei 10,3:1 liegt, also 3,8 Pflegebedürftigen, die von einem Pfleger betreut werden. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich auf dem letzten Platz. Zum Vergleich: Zu den Spitzenreitern gehört Norwegen mit einem Schlüssel von 3,8:1.

Auch die Arbeitszeiten sind eine Herausforderung. In der Altenpflege leisten aktuell 77 Prozent der Pflegenden Schichtarbeit, mit durchschnittlich 50 Prozent Nachtschichten. Mehr als 90 Prozent aller in der Pflege beschäftigten arbeiten außerdem regelmäßig an an Sonn- und Feiertagen. Das belastet nicht nur das Familienleben, immer mehr Fachkräfte in der Pflege leiden auch unter psychischen und körperlichen Beschwerden.

Zwar gibt es Schicht- und Nachtzulagen, doch die Vergütung für Pflegende ist im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen insgesamt sehr gering. Das Einstiegsgehalt liegt im Schnitt bei 2.133 Euro brutto, nach 15 Berufsjahren kann es auf 2.900 Euro ansteigen. Am schlechtesten bezahlt werden Fachkräfte in der Altenpflege. In ostdeutschen Bundesländern ist das Gehalt zudem etwa 30 Prozent niedriger als das von Fachkräften in Krankenhäusern. In den westlichen Bundesländern sind es 18 Prozent weniger. Deshalb möchte die neue Reform die Pflegeberufe auch in finanzieller Hinsicht attraktiver gestalten.