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Ratgeber Testament: Gesetzliche Erbfolge - Wer erbt denn eigentlich?

Alles was Sie zur gesetzlichen Erbfolge wissen müssen
April 18, 2018
Sarah Lange
Nachlassplanung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gesetzliche Erbfolge bestimmt Standards und gewährleistet, dass es immer mindestens einen Erben gemäß Erbrecht gibt. Durch Testament oder Erbvertrag kann der Erblasser die eigenen Wünsche bezüglich der Aufteilung des Erbes festhalten. Sollte es kein solches Dokument geben, greift die gesetzliche Erbfolge
  • Gesetzliche Erben sind vorrangig nächste Verwandte. Erben 1. Ordnung sind in gerader Linie mit dem Erblasser verwandte Kinder und Enkel. Verwandte nachfolgender Ordnungen werden so aus der Erbfolge ausgeschlossen. Insgesamt gibt es fünf Ordnungen.
  • Lebender Ehegatte hat ein Erbrecht und erbt neben den Verwandten. Der Erbanteil ist abhängig davon, welche Verwandte als Erben eingesetzt werden und wie der Vermögensgüterstand des Verstorbenen ist. Lebenspartner einer eingetragenen Partnerschaft sind mit einem Ehegatten gleichzusetzen.
  • Verfasst der Erblasser einen "letzten Willen", kann er gesetzliche Erben "enterben". Ihnen steht mit der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils dennoch der Pflichtteil zu.

Gesetzliche Erbfolge

Der Tod eines geliebten Menschen ist schwer zu überwinden. Man schwelgt in den Erinnerungen, die man in all den Jahren gemeinsam gesammelt hat, durchstöbert die unzähligen Fotos, die irgendwo in verstaubten Boxen auf einen warteten und vermisst all die Momente, die noch hätten kommen können. Dass mitunter große organisatorische Verantwortungen wie die Planung der Beerdigung, die Abmeldung von Konten sowie Versicherungen auf einen zukommen, erleichtert das Abschiednehmen auf keinen Fall. Noch chaotischer mag es werden, wenn der Verstorbene keinen letzten Willen verfasst hat. Wer erbt in diesem Fall? Wie verhindert man Streit zwischen potenziellen Erben?

Glücklicherweise gibt es hierfür die gesetzliche Erbfolge. Diese regelt nach festgelegten Standards die Verteilung des Nachlasses und bestimmt den oder die Erben.

Potentielle gesetzliche Erben sind: Verwandte des Erblassers, Ehegatte des Erblassers oder der Staat als Eigentümer des öffentlichen Vermögens.  

       

Gesetzliche Erbfolge oder Erbfolge im Sinne einer letztwilligen Verfügung?

Gesetzliche Erbfolge bedeutet, dass das Gesetz bestimmt, wer den Verstorbenen letztendlich beerbt, also gesetzlicher Erbe ist. Diese Regelung greift nicht, sobald der Verstorbene, auch genannt Erblasser, eine letztwillige Verfügung in Form eines Testam<ents oder Erbvertrags hinterlassen hat. Darin kann ein Erblasser ausdrücken, dass er die automatische Regelung der gesetzlichen Erbfolge nicht möchte und anderweitig Wünsche hat, wer ihn beerben soll. Der Erblasser kann jedwede Person, sowie Institutionen mit einem Erbanteil zu bedenken, sie als Erben bestimmen oder ihr ein Vermächtnis in Form von Geld oder Sachwerten zu hinterlassen. Da das Gesetz persönliche Wünsche ohne letzten Willen nicht pauschal berücksichtigen kann, ist es ratsam ein Testament oder einen Erbvertrag zu erstellen, da die gesetzliche Erbfolge tatsächlich nur eine Notlösung für den Fall ist, dass kein solches Dokument vorliegt.

  

Im Erbrecht ist ein eingetragener Lebenspartner einer Lebenspartnerschaft gleichberechtigt mit dem Ehegatten und bestimmt somit auch ihn zu einem gesetzlichen Erben. Ein bloßer Lebensgefährte hat kein gesetzliches Erbrecht. Wünscht der Erblasser ihn aber als Erben, ist dies in einem letzten Willen festzuhalten.

  

Ein Stammbaum zur Ermittlung möglicher Erben

Ist keine letztwillige Verfügung vorhanden, ist meist dennoch klar, wer nach der gesetzlichen Erbfolge zum Erben bestimmt wird. Im einfachsten Fall sind Kinder und Ehegatte vorhanden, die entferntere Verwandte im Erbrecht ausschließen. Aber auch wenn ersichtlich ist, wer die gesetzlichen Erben sind, ist noch nicht entschieden, mit welcher Quote sie am Nachlass beteiligt sind.

Gibt es allerdings weder Kinder, noch einen Ehegatten oder Lebenspartner, versucht die gesetzliche Erbfolge entfernte Verwandte zu Erben zu bestimmen. Dafür müssen die Familienverhältnisse allerdings sehr genau erfasst werden. Um die potenziellen Erben zuverlässig zu ermitteln kann ein Stammbaum oder eine Ahnentafel zur Hilfe genommen werden. Hierfür ist es natürlich notwendig, die Familienverhältnisse im Detail zu kennen. Ankerpunkt in einem solchen Stammbaum ist stets der Erblasser. Dann sind eventuell vorhandene Abkömmlinge wie Kinder und Enkelkinder, der Ehegatte und sonstige Verwandte zu dokumentieren. Auch bereits verstorbene Familienmitglieder sind relevant. Diese können möglicherweise von ihren eigenen Abkömmlingen in der Erbfolge ersetzt werden. Schwager, Schwägerinnen und andere angeheiratete Verwandte müssen in einem solchen Stammbaum nicht erfasst werden. Im Erbrecht ist allein die Blutsverwandtschaft Bedingung für die Berücksichtigung in der gesetzlichen Erbfolge.

     

 

      

Einteilung gesetzlicher Erben in Ordnungen

Um klar ersichtliche Standards für die gesetzliche Erbfolge zu schaffen, teilt das Gesetz die Verwandten des Erblassers, die potentielle gesetzliche Erben sind, in Ordnungen ein. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt die Ordnung.

    

  1. Ordnung: Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel, Urenkel)
  2. Ordnung: Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (Geschwister des Erblassers)
  3. Ordnung: Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (Onkel und Tanten des Erblassers)
  4. Ordnung: Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge
  5. Ordnung: Entferntere Voreltern (Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge)

 

Gesetzliche Erben früherer Ordnungen schließen Erben nachfolgender Ordnungen von der Erbfolge aus. Solange ein Erbe einer früheren Ordnung lebt, kommen Verwandte nachfolgender Ordnungen nicht zum Zuge. Die gesetzliche Erbfolge bestimmt, dass innerhalb einer Ordnung zunächst die dem Erblasser nächsten Verwandten erben: Kinder vor Enkelkindern, Elternteile des Erblassers vor Geschwistern des Erblassers und Großeltern vor Onkel und Tanten. Das gesetzliche Erbrecht des Ehepartners oder Lebenspartners steht unabhängig neben dem Erbrecht der Verwandten, da keine Blutsverwandtschaft vorhanden ist.

    

       

Erste Ordnung

Als Abkömmlinge des Erblassers gelten laut Bundesgesetzbuch (§ 1924 BGB) Kinder, Enkelkinder und Ur-Enkelkinder, denn sie alle sind in gerader Linie mit dem Erblasser verwandt. Nichtehelich geborene Kinder stehen gleichberechtigt neben den ehelichen Kindern und werden selbstverständlich zu gleichen Anteilen am Nachlass beteiligt. Stiefkinder und nicht adoptierte Kinder gelten nicht als gesetzliche Erben, soll sie dennoch bei der Nachlassverteilung berücksichtigt werden, muss der Erblasser diese in einer letztwilligen Verfügung festhalten. Anders sieht es natürlich bei angenommenen und adoptierten Kindern aus. Diese sind sowohl gegenüber dem Erblasser als auch dessen Verwandten erbberechtigt. Das adoptierte Kind ist in diesem Fall aber nicht mehr gesetzlicher Erbe seiner leiblichen Eltern. Das gesetzliche Erbrecht geht mit der Adoption verloren. Solange ein Kind des Erblassers lebt, schließt die gesetzliche Erbfolge seine eigenen Kinder (Enkel des Erblassers) aus. Es reicht aus, um den Stamm zu repräsentieren (Repräsentationsprinzip). Ist zum Zeitpunkt des Erbfalls ein Kind des Erblassers verstorben, treten seine eigenen Kinder (Enkelkinder) als gesetzliche Erben an seine Stelle (Eintrittsrecht). Sollte das verstorbene Kind des Erblassers selbst kinderlos sein, erlischt mit seinem Tod der Stamm und seine Erbquote fällt den anderen Erben zu.

       

Zweite Ordnung

Hinterlässt der Erblasser selbst keine Abkömmlinge (Erben erster Ordnung), werden die Verwandten der zweiten Ordnung durch die gesetzliche Erbfolge zu den rechtmäßigen Erben bestimmt. Als Erben zweiter Ordnung gelten:

  • Eltern des Erblassers
  • Deren Abkömmlinge, die Geschwister des Erblassers,
  • Die Kinder der Geschwister, also Nichten und Neffen des Erblassers,
  • Enkelkinder der Geschwister

Leben sowohl die Mutter als auch der Vater des Erblassers zum Zeitpunkt des Erbfalls, erben beide jeweils eine Hälfte des Nachlasses ihres verstorbenen Kindes. Ist ein Elternteil bereits verschieden, erben die Abkömmlinge (Geschwister des Erblassers) den entfallenden Anteil. Ist das Ehepaar bis auf den Erblasser kinderlos, erbt der überlebende Elternteil alleine.  

       

Dritte Ordnung

Als Erben dritter Ordnung gelten die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also die Kinder der Großeltern. Dies sind Onkel und Tanten des Erblassers und in der Folge deren Kinder, also die Enkel der Großeltern (Vettern und Cousinen des Erblassers).

     

Vierte Ordnung

Die Urgroßeltern des Erblassers und deren Nachkommen. Die Erbfolge bevorzugt gradmäßig nähere Verwandte des Erblassers, die entferntere Verwandte von der Erbfolge ausschließen.

 

Fünfte Ordnung

Ururugroßeltern und deren Abkömmlinge spielen in der Praxis kaum eine Rolle.

  

Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten

Laut Erbrecht sind Ehegatten nicht miteinander verwandt, da eine Verwandtschaft stets eine Blutsverwandtschaft voraussetzt und sind somit in keiner Ordnung der gesetzlichen Erbfolge enthalten. Da Ehegatten beziehungsweise eingetragene Lebenspartner die nächsten Angehörigen des Erblassers sind, steht ihnen auch ein Erbrecht zu. Mit welcher Erbquote es ihnen zusteht hängt jedoch von folgenden Faktoren ab:

   

  1. Welche lebenden Verwandten des Erblassers gibt es?
  2. Zu welcher Ordnung gehören diese Verwandten?
  3. In welchem Vermögensgüterstand lebten die Ehegatten zum Zeitpunkt des Erbfalls?

    

Im Regelfall lebten Ehegatten, wenn nicht vertraglich anders festgehalten, im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Kern einer solchen Zugewinngemeinschaft sind die getrennten Vermögensmassen der Ehepartner. Erwirtschaften die Ehegatten während der Ehe Zugewinne, sind diese am Ende der Zugewinngemeinschaft auszugleichen. Generell gibt es zwei Regelungen, nach welchen ein Ehegatte seinen Erbanteil einfordern kann, nämlich die erbrechtliche Regelung und die güterrechtliche Regelung.

     

Erbrechtliche Regelung

Nimmt der Ehegatte das Erbe an, erhöht sich der gesetzliche Erbteil um ein Viertel als Zugewinnausgleich. Der Ehepartner erhält somit mindestens die Hälfte des Nachlasses, wobei sein Zugewinn pauschal erfasst wird. Somit wird mühsamen Berechnungen über die Höhe des Zugewinns und damit möglicherweise verbundenen Auseinandersetzungen mit den Kindern aus dem Weg gegangen.

Der Ehegatte erbt bei der erbrechtlichen Regelung:

  • Neben Verwandten erster Ordnung (Kinder) die Hälfte des Nachlasses
  • Neben Verwandten zweiter Ordnung oder neben Großeltern drei Viertel des Nachlasses
  • Den Nachlass allein, wenn es keine Verwandten der ersten, zweiten oder dritten Ordnung gibt.

        

Güterrechtliche Regelung

Wird der Zugewinn wie bei der erbrechtlichen Regelung pauschal erfasst, erhält der hinterbliebene Ehegatte möglicherweise weniger als wenn er seinen Zugewinn konkret berechnen würde. Denn hat der verstorbene Ehegatte während der Ehe einen hohen Zugewinn erwirtschaftet, kann der überlebende Ehegatte die Erbschaft ausschlagen. Dann erhält er den Pflichtteil (die Hälfte des gesetzlichen Erbes) und macht seinen Zugewinn konkret geltend. Die güterrechtliche Regelung kann in diesem Fall einen höheren Erbanteil begründen.  

    

Gesetzliche Erbfolge bei Gütergemeinschaft

Eine Alternative zur Zugewinngemeinschaft ist die notariell mit einem Ehevertrag vereinbarte Gütergemeinschaft. Dabei fließen die Vermögen beider Ehepartner in ein gemeinsames Gesamtvermögen, sodass nur die Hälfte dieses Vermögens zum Nachlass gehört. Oft wird auch festgehalten, dass die Gütergemeinschaft auch nach dem Tod eines Ehegatten mit den Kindern fortgesetzt werden soll. Das Vermögen wird dann nicht vererbt, sondern bleibt gemeinschaftliches Vermögen des überlebenden Ehepartners und der gemeinsamen Kinder.

   

Gesetzliche Erbfolge bei Gütertrennung

Die dritte Möglichkeit des Güterstands in der Ehe ist die Gütertrennung, bei der die Vermögen beider Ehepartner wie bei der Zugewinngemeinschaft separiert werden. Allerdings gibt es bei der Gütertrennung keinen Zugewinnausgleich. In einem solchen Erbfall bestimmt die gesetzliche Erbfolge den lebenden Ehegatten und eventuell vorhandene Kinder zu gleichen Anteilen zu gesetzlichen Erben. Bei nur einem Kinde erhalten Ehepartner und Kind jeweils die hälfte, bei zwei Kindern erhält jeder ein Drittel. Die Eltern des Erblassers erben die Hälfte des Nachlasses, wenn die Ehe des Erblassers kinderlos blieb.

      

Mit der Scheidung endet die gesetzliche Erbfolge. Sie kann aber durchaus bereits vor Ausspruch der Scheidung erlöschen, wenn die Voraussetzungen für die Scheidung vorlagen und der Erblasser selbst den Scheidungsantrag bei Gericht eingereicht oder dem Antrag des Partners zugestimmt hat.

     

Gesetzliches Erbrecht des Fiskus

Für den Fall, dass ein lediger Erblasser keinerlei Verwandte hinterlässt, hat der Staat ein gesetzliches Erbrecht und der Nachlass geht im Normalfall auf das Bundesland über, in dem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Wenn Sie keine Erben haben und verhindern möchten, dass der Staat Ihr Erbe wird, müssen Sie eine letztwillige Verfügung verfassen und eine Person Ihrer Wahl oder eine gemeinnützige Institution zu Ihrem Erben bestimmen.

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