Ratgeber Pflege: Die Pflegegrade 1 bis 5

May 1, 2018
2018-05-01

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zum 01.01.2017 wurden die neuen Pflegegrade 1 bis 5 eingeführt. Die Einstufung basiert nicht länger auf körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auf der generellen Selbstständigkeit im Alltag.
  • Menschen, die bereits in 2016 eine anerkannte Pflegestufe hatten, wurden automatisch in einen Pflegegrad eingruppiert.
  • Die Selbstständigkeit setzt sich im neuen NBA Punktesystem aus sechs Modulen zusammen: Selbstversorgung, Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Gestaltung des Alltags, Umgang mit krankheitsbedingten Belastungen und Verhaltensweisen.

Die neuen Pflegegrade 1 bis 5

 

Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken wir einander jeden Tag. Sei es morgens verschlafen beim Frühstück mit dem Partner, bei einem Glas Wein mit Freunden oder dem gemeinsamen Einkauf mit der freundlichen Nachbarin. Wohlwollendes Entgegenkommen und gegenseitige Hilfe gehören nicht nur zu unserem Alltag, sondern auch zu unserem Wesen. Es gibt unter uns aber Personen, die geduldige Unterstützung dringender brauchen als andere, da sie ihr Leben nicht vollkommen selbstständig bewältigen können. Sogenannte Pflegegrade (früher Pflegestufen) ermitteln wieviel und vor allem welche Hilfe körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen benötigen.

   

Zum ersten Januar 2017 sind die Pflegestufen 1 bis 3 von den neuen Pflegegraden 1 bis 5 abgelöst worden, die vor allem den Pflegebedarf von Demenzkranken, geistig Behinderten und psychisch Erkrankten besser abdecken sollen. Anders als bei den Pflegestufen, wird die Pflegebedürftigkeit nicht länger nur abhängig von körperlichen Einschränkungen bestimmt, sondern basiert auf der Selbstständigkeit der Betroffenen im alltäglichen Leben.

   

Um den Pflegegrad möglichst akkurat zu ermitteln wurde das neue Punktesystem NBA (“Neues Begutachtungsassessment”) entworfen. Als Faustregel gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, desto höher fallen sein Pflegegrad und der Umfang der Pflege- und Betreuungsleistungen aus, die die Pflegekasse ihm zugesteht.  Mit Hilfe des NBAs überprüfen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder anderer Prüforganisationen alle neuen Antragsteller auf Pflegeleistung persönlich anhand eines Fragebogens auf den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit. Entsprechend den Ergebnissen des Gutachtens entscheidet die zuständige Pflegekasse, ob der Versicherte einen Pflegegrad erhält und in welchem Maße.

   

Pflegegrade 1 bis 5 Punkte Neues Begutachtungsassessment

   

Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Weshalb Pflegegrade an Stelle von Pflegestufen?

Bisher benachteiligte die deutsche Pflegeversicherung insbesondere Menschen mit Demenz. Diese sind zwar körperlich meist gesund, benötigen jedoch genauso viel Betreuung und Zuwendung um ihren Alltag zu meistern. Dennoch erhielten sie allgemein weniger Leistungen von Pflegekassen als körperlich Beeinträchtigte. Diese erhielten Unterstützung von Pflegeversicherungen, da die Pflegestufen 1, 2 und 3 vordergründig Pflegehilfen bei Körperpflege, Ernährung und Bewegung abzudecken versuchten. Seit 2012 gibt es schrittweise immer mehr Pflegeleistungen auch für Demenzkranke und Menschen mit dauerhaft eingeschränkter Alltagskompetenz. Dank des Pflegestärkungsgesetz’ II, das Anfang 2017 in Kraft trat, sind Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und körperlich Pflegebedürftige gleichgestellt und haben somit Anspruch auf dieselben Leistungen bei gleichem Pflegegrad.

   

Erhalten eines Pflegegrades

Bei der Zuweisung eines Pflegegrades bestehen derzeit einige Unterschiede zwischen Menschen, die bereits vor der Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade, also 2016 eine anerkannte Pflegestufe hatten und Menschen, die seit 2017 erstmals den Antrag auf Pflegeleistungen stellen.

Letztere werden mit Hilfe des NBA Prüfverfahrens begutachtet, um den Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit zu ermitteln. Die Pflegekasse des Antragstellers entscheidet daraufhin über die Genehmigung des Pflegegrades und den damit verbundenen Pflegeleistungen.

Pflegebedürftige, die bereits in 2016 entweder einer körperlichen Pflegestufe von 1, 2, oder 3 zugeordnet waren, oder eine eingeschränkte Alltagskompetenz und somit Pflegestufe 0 hatten, werden nicht erneut begutachtet. Entsprechend der folgenden Pflegegrad Tabelle wurden anerkannte Pflegestufen automatisch in einen Pflegegrad umgewandelt.

  

  

Demenzerkrankte mit anerkannter Pflegebedürftigkeit wurden automatisch von ihrer bisherigen Pflegestufe in den zwei Stufen höheren Pflegegrad eingruppiert. Beispielsweise von Pflegestufe 2 in Pflegegrad 4. Auch Pflegebedürftige mit besonderen Bedürfnissen, die bisherigen Härtefälle mit Pflegestufe 3, die laut Definition einen “spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die Pflegeversorgung” haben, können Pflegegrad 5 erhalten, auch wenn sie die dafür notwendige Mindestzahl von 90 Punkten bei der Begutachtung nicht erreicht haben.

  

Gutachtenverfahren NBA

DIe von den Pflegekassen beauftragten Prüfer erfassen mit Hilfe des neu eingeführten NBA Prüfverfahrens alle wichtigen Aspekte der Pflegebedürftigkeit anhand körperlicher, psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen. Die Selbstständigkeit einer Person entscheidet über den ihr später zugewiesenen Pflegegrad und setzt sich aus sechs Modulen zusammen.

  

  

Mobilität

Die Bewegungsfähigkeit des Betroffenen sollte neben Positionswechseln im Bett auch eine stabile Sitzposition, Aufstehen und die Fortbewegung innerhalb des eigenen Zuhauses zulassen. Dazu gehört auch das Treppensteigen.

  

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Der Betroffene muss sich in seinem normalen Umfeld zurecht finden. Dazu gehört, nahestehende Personen zu erkennen, eine örtliche und zeitliche Orientierung und die Koordination oder sogar selbstständige Führung des Haushalts. Ebenfalls wichtig ist ein Erinnerungsvermögen und die Fähigkeit nicht nur Entscheidungen zu treffen, sondern auch Informationen zu verstehen, sowie Gefahren und Risiken abzuschätzen. Bewertet wird auch, ob der Betroffene elementare Bedürfnisse mitteilen kann, Aufforderungen verstehen und sich an einem einfachen Gespräch beteiligen kann.

  

Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen

HIerbei wird vordergründig auf Verhaltensauffälligkeiten wie verbale und physische Aggression und andere Auffälligkeiten geachtet und ob ein selbstschädigendes Verhalten oder sozial inadäquate Handlungen vorkommen. Auch die Stimmungslage des Antragstellers wird überprüft: Leidet die Person unter Antriebslosigkeit, Depressionen, Ängsten oder sogar Wahnvorstellungen?

  

Selbstversorgung

Kann der Betroffene sich um die eigene Körperpflege kümmern (Waschen, Baden, Zahnpflege und Prothesenreinigung), sowie sich selbst An- und Auskleiden? Darüber hinaus wird nachgehakt, ob der Antragsteller selbstständig essen und trinken, Speisen mundgerecht zubereiten und Getränke eingießen kann. Auch nach der Fähigkeit die Toilette zu benutzen oder mit Dauerkatheter, Urostoma und Soma umgehen zu können wird gefragt.  

  

Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Belastungen

Darunter fallen beispielsweise Medikation, Injektionen, Messung von Körperzuständen, Wundversorgung, Arztbesuche und weiteres.

   

Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Der Betroffene sollte seinen eigenen Tagesablauf gestalten und an Veränderung anpassen können, sich selbst beschäftigen und zukunftsorientiert planen können, darüber muss die Person auch in der Lage sein, zu schlafen und Kontakte zu pflegen.

  

Neben den beschriebenen sechs Modulen existieren noch zwei Pflegegrad-Module, die nicht für die Einstufung der Pflegebedürftigkeit benötigt werden, sondern Pflegekräften eine möglichst genaue und individuelle Pflegeplanung erlauben sollen: Aktivitäten und Haushaltsführung.

Auch wenn das Modell zur Ermittlung des Pflegegrades auf den ersten Blick simpel strukturiert scheint, erschweren es die kniffligen Richtlinien der Pflegekassen im Zusammenhang mit einem komplexen Gewichtungssystem, selbst den Experten den richtigen Pflegegrad zu finden.

 

Leistungen für die einzelnen Pflegegrade 1 bis 5

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