Pflegegrad 2 - Voraussetzungen, Bedingungen und Leistungen

Pflegegrad 2 - Voraussetzungen, Bedingungen und Leistungen

Pflegegrad 2 - Voraussetzung und Leistungen: Alles was Sie über die Pflege von Hilfebedürftigen mit erheblicher Beeinträchtigung der Selbstständigkeit wissen müssen!

Jessica Djadavjee
Jessica Djadavjee
02.05.2018
Das Wichtigste in Kürze:
  • Pflegegrad 2 ist der zweite Grad im aktuellen Einordnungssystem der Pflegekassen zur Bestimmung der Pflegebedürftigkeit.
  • Pflegebedürftige, die bei der Begutachtung durch den MDK zwischen 27 und 47,5 Punkten erzielen, erhalten den Pflegegrad 2.
  • Mit Pflegegrad 2 haben Betroffene Anspruch auf Pflegegeld, Pflegesachleistungen und eine zusätzliche Entlastungsleistung von 125 Euro im Monat.
  • Betroffene mit Pflegegrad 2 haben darüber hinaus Anspruch auf Zuschüsse und Pflegehilfsmittel.

Was ist Pflegegrad 2?

Pflegegrad 2 ist der zweite Grad im aktuellen Einordnungssystem der Pflegekassen zur Bestimmung der Pflegebedürftigkeit. Von der Umstellung der früheren Pflegestufen auf die Pflegegrade 1 bis 5 profitieren vor allem Demenzkranke und psychisch Erkrankte: Sie werden seither als pflegebedürftig eingestuft und erhalten dieselben Leistungen der Pflegekasse wie Betroffene mit mehrheitlich körperlichen Einschränkungen. Hintergrund: Obwohl die Selbständigkeit etwa von Demenzpatienten im Alltag mäßig bis stark eingeschränkt ist, erhielten sie nach dem alten Pflegestufen-System keine reguläre Unterstützung von der Pflegeversicherung, sondern wurden provisorisch nach Pflegestufe 0 eingruppiert. Betroffene mit Pflegestufe 0 wurden im Zuge der Umstellung automatisch in den Pflegegrad 2 überführt.

Wer erhält Pflegegrad 2?

Einstufung in Pflegegrad 2 ist möglich, sobald eine "erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit" der Person besteht. Wer einen Antrag auf Pflegegrad stellt, um Pflegeleistungen von der Pflegekasse zu erhalten, wird durch einen Gutachter vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung MDK (für gesetzlich Versicherte) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) untersucht. Der Gutachter ermittelt mit einem standardisierten Verfahren (Neues Begutachtungsassessment, bzw. NBA) die individuelle Pflegebedürftigkeit und leistet eine Einschätzung zur möglichen Einstufung in einen Pflegegrad.

Pflegegrad 2 Punkte Neues Begutachtungsassessment
NBA Punkteverteilung Pflegegrad 2

Gutachter erfassen auf der Grundlage eines standardisierten Fragenkatalogs mit sechs Kategorien wie viel Unterstützung der Betroffene im Alltag benötigt. In jeder Kategorie werden Punkte vergeben. Dabei gilt: Je höher die Punktzahl, desto höher die Pflegebedürftigkeit. Die Punkte werden in einem einfachen Verfahren gewichtet und addiert, der Grad der Pflegebedürftigkeit leitet sich schließlich aus der Gesamtpunktzahl ab. Für die Zuerkennung von Pflegegrad 2 müssen Begutachtete zwischen 27 und unter 47,5 Punkte erhalten. Je mehr Punkte bei der Begutachtung, desto höher ist i.d.R. auch der zuerkannte Pflegegrad und die damit verbundenen Pflegeleistungen. Erfahren Sie bei uns auch, wie Sie einen Pflegegrad beantragen und wie Sie sich optimal für die MDK-Begutachtung vorbereiten.

Diese Aspekte werden begutachtet

  1. Mobilität: Wie selbständig bewegt sich der Begutachtete in seinem gewohnten Umfeld?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Ist der Betroffene zeitlich und räumlich orientiert? Ist er in der Lage, Entscheidungen treffen und sich mitzuteilen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Beeinträchtigungen: Leidet der Antragsteller unter Ängsten oder depressiven Stimmungslagen? Zeigt er Verhaltensauffälligkeiten?
  4. Selbstversorgung: Wie selbständig kann sich der Versicherte waschen sowie an- und auskleiden?
  5. Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Inwieweit benötigt der Betroffene Hilfe im Umgang mit den Folgen von Krankheit und Behandlungen, zum Beispiel bei der Einnahme von Medikamenten?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Kümmert sich der Versicherte um die eigene Tagesplanung und pflegt soziale Kontakte?
NBA: Gewichtung der Punkte zur Feststellung der Selbständigkeit
Nicht alle Bereiche werden auf die gleiche Weise gewichtet. Maßgeblich für die Einstufung ist in erster Linie die Fähigkeit zur Selbstversorgung, aber auch der Umgang mit der eigenen Situation ist großer Bedeutung.

Leistungen bei Pflegegrad 2

Personen mit Pflegegrad 2 haben bei Pflege im häuslichen Umfeld Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen oder auf Leistungen der Pflegekasse für die stationäre Pflege in einem Pflegeheim. Außerdem können sie zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Leistungen für Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege geltend machen. Hinzu kommt die Unterstützung zur Tages- und Nachtpflege, ein Zuschuss zur Wohnraumanpassung sowie Pflegehilfsmittel und ggf. Fördermittel für Pflegebedürftige, die in betreuten Wohngemeinschaften leben.

Pflegegrad 1

Pflegegrad 2

Pflegegrad 3

Pflegegrad 4

Pflegegrad 5

Pflegegeld

0 €

316 €

545 €

728 €

901 €

Pflegesachleistungen

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Tagespflege und Nachtpflege

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Entlastungsbetrag

125 €

125 €

125 €

125 €

125 €

Stationäre Pflege

125 €

770 €

1262 €

1775 €

2005 €

Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Im Gegensatz zum Pflegegrad 1 haben Personen mit Pflegegrad 2 bei häuslicher Pflege durch Familienangehörige oder Freunde einen Anspruch auf Pflegegeld in Höhe von 316 Euro pro Monat. Es besteht außerdem ein Anrecht auf Pflegesachleistungen über 689 Euro monatlich, wenn ein ambulanter Pflegedienst die alltägliche Unterstützung übernimmt.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen im Pflegegrad 2

Versicherte mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf einen monatlichen Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro. Darüber hinaus haben Pflegebedürftige dieser Pflegestufe die Möglichkeit

  • an einer Betreuungsgruppe teilzunehmen,
  • einen Alltagsbegleiter zu engagieren, der ihnen Gesellschaft leistet und bei kleineren Tätigkeiten zur Hand geht,
  • eine Haushaltshilfe zu beauftragen.

Kurzzeitpflege

Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege sind gewissermaßen austauschbare Leistungen: Benötigt ein Betroffener mit Pflegegrad 2 nach einem Klinikaufenthalt Kurzzeitpflege, erhält er von der Pflegekasse für bis zu 28 Tage (also vier Wochen) im Jahr einen maximalen Zuschuss von 1.612 Euro. Nimmt er dann im selben Jahr keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst in Anspruch, bekommt er für die Kurzzeitpflege sogar bis zu 3.224 Euro Zuschuss, dann sogar für maximal acht Wochen. Während der Kurzzeitpflege erhalten Betroffene zusätzlich die Hälfte vom Pflegegeld, also 158 Euro monatlich.

Verhinderungspflege

Verhinderungspflege ist Ausfallpflege: Bei Pflegegrad 2 können Betroffene in jedem Jahr einen Zuschuss von 1.612 Euro für Verhinderungspflege mit höchstens 28 Tagen (also wiederum vier Wochen) in Anspruch nehmen, wenn Angehörige wegen Krankheit oder bei Urlaub mit der Pflege aussetzen. Auch während der Verhinderungspflege erhalten Hilfsbedürftige die Hälfte ihres monatlichen Pflegegeldsatzes für bis zu sechs Wochen im Jahr - genauso wie bei der Kurzzeitpflege 158 Euro. Nehmen sie im selben Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch, können sie wiederum die Verhinderungspflege auf sechs Wochen ausdehnen, die dann mit bis zu 2.418 Euro bezuschusst wird.

Tages- und Nachtpflege

Zuschüsse für Tages- und Nachtpflege entsprechen den ambulanten Sachleistungen und werden zusätzlich zum Pflegegeld gezahlt, wenn die Pflege durch Angehörige geleistet wird. Pflegebedürftige bekommen dann als teilstationäre Pflegeleistung im Monat 689 Euro ausgezahlt.

Zusätzliche Leistungen bei häuslicher Pflege

  • Zuschuss zur Wohnraumanpassung Für eventuelle Umbauten barrierefreies Wohnen ermöglichen, können einmalig 4.000 Euro in Anspruch genommen werden. Dazu gehört beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau des Badezimmers.
  • Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Zuschüsse für Pflegehilfsmittel oder medizinische Hilfsmittel (z.B. ein Hausnotrufsystem) und eine Pauschale zum Kauf von Hilfsmitteln in Höhe von monatlich 40 Euro, die häufig in Form einer Pflegebox bewilligt werden. Sie haben zudem Anrecht auf eine regelmäßige Beratung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität, die von der Pflegekasse bezahlt wird. Darüber hinaus steht Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen ein kostenloser Pflegekurs zu.
  • Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs Auch Betroffene in ambulant betreuten Wohngruppen oder sog. Senioren-WGs erhalten Pflegeleistungen zur Wohnraumanpassung, wenn bis zu vier Versicherte mit Pflegegrad 2 in einer gemeinsamen Wohneinheit untergebracht sind. Des Weiteren steht vier Bewohnern jeweils ein einmaliger Einrichtungszuschuss von 4.000 Euro zu, außerdem ein monatlicher Zuschuss für eine Haushaltskraft in Höhe von jeweils 214 Euro. Außerdem erhalten sie einen einmaligen WG-Gründungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro. Da die notwendigen Gesamtkosten jedoch häufig deutlich höher sind, ist zur vollständigen Abdeckung der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung sinnvoll.

Leistungen bei stationärer Pflege

Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim liegen Stand 2019 im Schnitt zwischen 2700 und 3000 Euro im Monat. Die Pflegekasse übernimmt für Versicherte mir Pflegegrad 5 im Monat 2005 Euro bei Unterbringung im Pflegeheim. Pflegebedürftige müssen damit neben variierenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung den pflegebedingten Eigenanteil selbst aufbringen. Mit der Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade wurde verfügt, dass sich der pflegebedingte Eigenanteil nicht mehr mit steigendem Pflegebedarf erhöhen, sondern für alle Bewohner konstant hoch bleiben sollte. Dieser sogenannte "einrichtungseinheitliche Eigenanteil" ist nicht der komplette monatliche Eigenanteil, sondern deckt nur die pflegebedingten Kosten ab. Eine private Pflegezusatzversicherung schließt Leistungslücken.

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