Pflegegrad 3 - Voraussetzung, Bedingung und Leistungen

Pflegegrad 3 - Voraussetzung, Bedingung und Leistungen

Pflegegrad 3 - Leistung für Menschen mit schwerer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Sarah Lange
Sarah Lange
23.07.2018
Das Wichtigste in Kürze:
  • Pflegebedürftige werden in den Pflegegrad 3 eingeordnet, wenn sie zwischen 47,5 und unter 70 Punkten erreicht haben.
  • Sie haben abhängig vom Pflegemodell (durch Angehörige, ambulant oder vollstationär) unterschiedliche Ansprüche auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen.

Pflegegrad 3 - Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Der Pflegegrad 3 ist die dritte Leistungsstufe der sozialen Pflegeversicherung zur Inanspruchnahme von Pflegeleistungen. Ihn erhalten Menschen mit schwerer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, die mit Hilfe des NBA (Neues Begutachtungsassessment) vom (MDK) festgestellt wurde. Betroffene, die vor dem Jahr 2017 bereits Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz attestiert bekommen hatten (etwa bei Demenz), wurden seither in den neuen Pflegegrad 3 überführt. Gleiches gilt für Pflegebedürftige, die früher Pflegestufe 2 geltend machen konnten, erhalten heute Leistungen nach Pflegegrad 3. Im Folgenden erfahren Sie, welche Voraussetzungen zur Anerkennung vom Pflegegrad 3 gelten, auf welche Leistungen Personen mit Pflegegrad 3 Anspruch haben, wie Sie einen Pflegegrad beantragen und wie Sie sich optimal für die MDK-Begutachtung vorbereiten.

Diese Personen erhalten Pflegegrad 3

Pflegegrad 3 Punkte Neues Begutachtungsassessment
NBA Punktebewertung Pflegegrad 3

Auch für die Anerkennung von Pflegegrad 3 ist eine Begutachtung durch MDK oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) notwendige Voraussetzung. Im Rahmen dieser Begutachtung untersucht ein Gutachter vor Ort die verbliebene Selbstständigkeit des Antragstellers im Rahmen des sog. Neuen Begutachtungsassessments (NBA). Dabei wird die Teilhabefähigkeit, bzw. Selbständigkeit des Antragsstellers in sechs unterschiedlichen Bereichen beurteilt in mit Punkten eingeordnet. Je mehr Punkte vergeben werden, desto höher ist die Pflegebedürftigkeit des Antragsstellers, und umso höher fällt auch sein Pflegegrad aus: Pflegegrad 3 erfasst Menschen mit schwerer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und liegt auf der Skala zwischen 47,5 und 70 von 100 möglichen Punkten im NBA. Erfahren Sie bei uns, wie Sie sich auf die MDK-Begutachtung vorbereiten.

Diese Aspekte werden begutachtet

  • Mobilität
  • Kognitive und Kommunikative Fähigkeiten
  • Verhalten und psychische Gesundheit Selbstversorgung im Alltag
  • Umgang mit krankheitsbedingten und kurativen Belastungen
  • Gestaltung des Alltags und der sozialen Kontakte

Alle Bereiche fließen mit unterschiedlicher Gewichtung in die Beurteilung ein: Während die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten mit 7,5 Prozent gewichtet werden, während der Umgang mit den krankheitsbedingten Belastungen mit 20 Prozent und die Fähigkeit zur Selbstversorgung mit 40 Prozent berücksichtigt werden. Ergibt sich im Rahmen des NBA ein Gesamtpunktwert zwischen 90 und 100 Punkten, dann wird der Betroffene Pflegegrad 5 zugeordnet.

Pflegegrade Prüfverfahren
Begutachtungskriterien NBA Pflegebedürftigkeit

Leistungen bei Pflegegrad 3 im Überblick

Versicherte mit Pflegegrad 3, die zuhause von Ihren Angehörigen gepflegt werden, haben Anspruch auf Pflegegeld in Höhe von 545€ monatlich oder Pflegesachleistungen i.H.v. 1298€ für die Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst. Wird die Versorgung sowohl von Angehörigen als auch von einem professionellen Pflegedienst übernommen, können im Rahmen der Kombinationsleistungen auch Pflegegeld und Sachleistungen parallel in anteiliger Gewichtung in Anspruch genommen werden.

Pflegegrad 1

Pflegegrad 2

Pflegegrad 3

Pflegegrad 4

Pflegegrad 5

Pflegegeld

0 €

316 €

545 €

728 €

901 €

Pflegesachleistungen

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Tagespflege und Nachtpflege

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Entlastungsbetrag

125 €

125 €

125 €

125 €

125 €

Stationäre Pflege

125 €

770 €

1262 €

1775 €

2005 €

Entlastungsbetrag

Darüber hinaus erhalten Versicherte einen Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Pflegeleistungen z.B. für eine Betreuungsgruppe für leicht Pflegebedürftige zur körperlichen und geistigen Förderung, Besuchsdienste, Alltagsbegleiter oder Einkaufs- und Haushaltshilfen, die Hilfe beim Putzen der Wohnung oder leichter Gartenarbeit leisten.

Leistungen zur Kurzzeitpflege

Wird nach einem Krankenhausaufenthalt eine professionelle Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim nötig, zahlen Pflegekassen bis zu 1612 Euro für einen Aufenthalt von höchstens 28 Tagen. Sollte im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst bei Krankheit oder Urlaub von Angehörigen in Anspruch genommen werden, kann der Zuschuss für eine Kurzzeitpflege auf 3224 Euro für bis zu acht Wochen im Jahr erhöht werden. Während der Kurzzeitpflege haben Versicherte zusätzlich Anspruch auf die Hälfte des Pflegegeldes, bei 545 Euro also 272,50 Euro im Monat.

Mittel für Verhinderungspflege

Sind pflegende Angehörige oder Freunde aufgrund von Krankheit oder Urlaub verhindert, können dafür Mittel von bis zu 1612 Euro für maximal vier Wochen im Jahr genutzt werden. Wenn im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird, ist eine Verlängerung der Verhinderungspflege auf bis zu sechs Wochen mit einem Zuschuss von 2418 Euro möglich. Auch während der Verhinderungspflege erhalten Versicherte die Hälfte des Pflegegeldes, also wiederum 272,50 Euro.

Tagespflege bei Pflegegrad 3

Für die Betreuung in einer teilstationären Einrichtung, einer sogenannten Tagespflege, zahlt die Pflegekasse bis zu 1298 Euro.

Beratung und Pflegekurse für Angehörige

Wer pflegebedürftig ist, hat Anspruch auf fachliche Beratung zur optimalen pflegerischen Versorgung, das gleiche gilt auch für die Beratung rund um den altersadäquaten und den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Wohnraumumbau. Auch ein passendes Kursangebot für Ehrenamtliche und pflegende Familienangehörige steht Pflegebedürftigen zu. Hinzu kommen notwendige und regelmäßige Besuche durch geschulte Pflegekräfte.

Zusätzliche Leistungen bei häuslicher Pflege

  • Zuschuss zur Wohnraumanpassung
    Für eventuelle Umbauten barrierefreies Wohnen ermöglichen, können maßnahmenbezogen bis zu 4.000 Euro in Anspruch genommen werden. Dazu gehört beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau des Badezimmers. Bei steigender Pflegebedürftigkeit ist es möglich, den Zuschuss erneut zu beantragen.
  • Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel
    Auch Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf Zuschüsse für Pflegehilfsmittel oder medizinische Hilfsmittel (z.B. ein Hausnotrufsystem) und eine Pauschale für den Kauf zum Verbrauch bestimmter Hilfsmittel in Höhe von monatlich 40 Euro, die häufig in Form einer Pflegebox bewilligt werden. Wie alle Pflegebedürftigen haben sie zudem Anrecht auf regelmäßige Beratung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität, die von der Pflegekasse bezahlt wird. Darüber hinaus steht Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen ein kostenloser Pflegekurs zu.
  • Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs
    Auch Betroffene in ambulant betreuten Wohngruppen oder sog. Senioren-WGs erhalten Pflegeleistungen zur Wohnraumanpassung, wenn bis zu vier Versicherte mit Pflegegrad gemeinsam in einer Wohneinheit untergebracht sind. Des Weiteren steht allen vier Bewohnern jeweils ein einmaliger Einrichtungszuschuss von 4.000 Euro zu, außerdem ein monatlicher Zuschuss für eine Haushaltskraft in Höhe von jeweils 214 Euro. Außerdem erhalten sie einen einmaligen WG-Gründungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro. Da die notwendigen Gesamtkosten jedoch häufig deutlich höher sind, ist zur vollständigen Abdeckung der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung sinnvoll.

Leistungen bei vollstationärer Pflege

Kosten für einen Platz im Pflegeheim schlagen Stand 2019 mit 2700 bis 3000 Euro im Monat zu Buche. Die Pflegekasse übernimmt bei Versicherten mit Pflegegrad 3 im Monat 1262 Euro für Pflegeheimkosten. Pflegebedürftige müssen durchschnittlich noch 1500 Euro im Monat aus eigener Tasche bezahlen. Mit der Überführung der Pflegestufen in die fünf Pflegegrade wurde dafür Sorge getragen, dass sich der pflegebedingte Eigenanteil nicht mit steigendem Pflegebedarf erhöht, sondern konstant hoch bleibt. Dieser sogenannte "einrichtungseinheitliche Eigenanteil" ist nicht der komplette monatliche Eigenanteil, sondern deckt nur die pflegebedingten Kosten ab. Kosten für Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten variieren. Diese müssen die Bewohner selbst tragen. Informieren Sie sich jetzt über eine private Pflegeversicherung bei Afilio, um Ihre persönliche Pflegelücke zu schließen.

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