Pflegegrad 4: Voraussetzungen und Leistungen

Pflegegrad 4: Voraussetzungen und Leistungen

Pflegegrad 4: Alle Fakten, alle Voraussetzungen: Jetzt informieren, was bei Pflegegrad 4 gilt.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
01.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Antragsteller für Pflegeleistungen werden zunächst anhand eines Punktesystems nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit kategorisiert. Pflegebedürftige, die zwischen 70 und 90 Punkten erreichen, erhalten Pflegeleistungen gemäß Pflegegrad 4.
  • Je nach Pflegemodell haben Pflegebedürftige Anspruch auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen oder entsprechende Mittel für die stationäre Unterbringung in einem Pflegeheim.

Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Pflegegrad 4 erhalten Betroffene, die eine "schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit" geltend machen können. Sie können bei häuslicher Pflege durch Angehörige Pflegeleistungen wie das Pflegegeld oder Pflegesacheistungen und Zuwendungen zur Unterbringung für die stationärer Pflege in einem Pflegeheim in Anspruch nehmen. Der Pflegegrad 4 wurde auch auf Personen übertragen, die vor 2017 Pflegestufe 3 oder Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz gelten machen konnten. Welche Voraussetzungen gelten, um Pflegegrad 4 beanspruchen zu können, und welche Leistungen dafür in Anspruch genommen werden können, klären wir im folgenden.

Diese Personen erhalten Pflegegrad 4

Wer einen Antrag auf Pflegegrad stellt, wird anhand des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) in einen der fünf Pflegegrade eingestuft. Bei der Einstufung werden sechs Bereiche des alltäglichen Lebens überprüft und mit Punkten bewertet, um die Selbstständigkeit des Antragstellers zu bewerten: Je höher die Punktzahl, desto höher der Pflegegrad. Antragsteller zwischen 70 und 90 Punkten erhalten Pflegegrad 4. Betroffene, die zum 1. Januar 2017 bereits in Pflegestufe 3 oder Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz eingestuft waren, wurden ebenfalls in Pflegegrad 4 überführt. Erfahren Sie in unserem Beitrag mehr darüber, wie Sie einen Pflegegrad beantragen und wie Sie sich optimal für die MDK-Begutachtung vorbereiten.

NBA: Pflegegrad 4 und Punkte
Punktsystem zur Zuordnung. Auch im Pflegegrad 4 gilt: Je mehr Punkte einem Betroffenen zugeordnet werden, desto höher der zuerkannte Pflegegrad.

Das wird begutachtet

  • Mobilität
  • Kognitive und Kommunikative Fähigkeiten
  • Verhalten und psychische Gesundheit Selbstversorgung im Alltag
  • Umgang mit krankheitsbedingten und kurativen Belastungen
  • Gestaltung des Alltags und der sozialen Kontakte

Nicht alle Bereiche zählen im gleichen Maß: So werden etwa die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten nur mit 7,5 Prozent gewichtet, während der Umgang mit den krankheitsbedingten Belastungen mit 20 Prozent und die Fähigkeit zur Selbstversorgung mit 40 Prozent berücksichtigt werden. Ergibt sich im Rahmen des NBA ein Gesamtpunktwert zwischen 70 und 90 Punkten, dann wird der Betroffene Pflegegrad 4 zugeordnet.

NBA: Gewichtung der Punkte zur Feststellung der Selbständigkeit
Nicht alle Bereiche werden auf die gleiche Weise gewichtet. Maßgeblich für die Einstufung ist in erster Linie die Fähigkeit zur Selbstversorgung, aber auch der Umgang mit der eigenen Situation ist großer Bedeutung.

Leistungen bei Pflegegrad 4 im Überblick

Pflegegrad 1

Pflegegrad 2

Pflegegrad 3

Pflegegrad 4

Pflegegrad 5

Pflegegeld

0 €

316 €

545 €

728 €

901 €

Pflegesachleistungen

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Tagespflege und Nachtpflege

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Entlastungsbetrag

125 €

125 €

125 €

125 €

125 €

Stationäre Pflege

125 €

770 €

1262 €

1775 €

2005 €

Monatlicher Entlastungsbetrag

Um Pflegebedürftigen den Alltag so angenehm und unkompliziert wie möglich zu gestalten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass pflegende Angehörige kurzzeitige Auszeiten von ihrer anspruchsvollen Pflegetätigkeit nehmen können, haben Versicherte mit Pflegegrad 4 Anspruch auf den monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro. Der Betrag ist gedacht für:

  • die Teilnahme an einer Betreuungsgruppe für Hilfsbedürftige, die geistige und körperliche Aktivität fördern soll,
  • die Beschäftigung eines Alltagsbegleiters oder einer Einkaufshilfe sowie
  • die Beschäftigung einer Haushaltshilfe, die beim Putzen der Wohnräume behilflich ist.

Mittel für die Kurzzeitpflege

Besonders nach einem Krankenhausaufenthalt kann es notwendig sein, Kurzzeitpflege durch professionelle Pflegekräfte einzusetzen. Die Pflegekasse bezuschusst Kurzzeitpflege für eine Dauer von bis zu 28 Tagen im Jahr mit maximal 1612 Euro. Allerdings können Pflegebedürftige, die Zeit der Kurzzeitpflege auf bis zu acht Wochen erhöhen und dann bis zu 3224 Euro in Anspruch nehmen, falls im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege genutzt wird. Zusätzlich erhalten Menschen mit Pflegegrad 4 während der Kurzzeitpflege noch die Hälfte ihres Pflegegeldes von 728 Euro, sprich 346 Euro.

Mittel für Verhinderungspflege

Wenn Angehörige oder Bekannte, die die Pflege im Normalfall übernehmen, krank werden oder Erholungsurlaub benötigen, kann Verhinderungspflege durch professionelle Pflegekräfte in Anspruch genommen werden. Dafür können Versicherte bis zu 1612 Euro für maximal 4 Wochen im Jahr erhalten. Genau wie bei der Kurzzeitpflege kann die Verhinderungspflege auf bis zu sechs Wochen verlängert werden, wenn im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird. Der Zuschuss beträgt in diesem Fall höchstens 2418 Euro. Auch neben der Verhinderungspflege erhalten Versicherte noch die Hälfte ihres Pflegegeldes, also 346 Euro.

Zuschüsse für die Tagespflege und Nachtpflege

Zusätzlich zum Pflegegeld wird eine Tagespflege oder Nachtpflege monatlich mit 1612 Euro von der Pflegekasse bezuschusst.

Pflegehilfsmittel und medizinische Hilfsmittel

Die Pflegekassen bezuschussen den Kauf zum Verbrauch bestimmter Pflegehilfsmittel mit einem monatlichen Betrag von 40 Euro. Darunter zählen beispielsweise Einmalhandschuhe, Schutzschürzen und Desinfektionsmittel. Seit einigen Jahren bieten einige Firmen sogenannte Pflegeboxen an, die sich Kunden individuell zusammenstellen können. Die Beantragung der Pflegemittel bei der Pflegekasse und die Abwicklung wird von den Firmen übernommen, die die Pflegemittel einmal pro Monat bis an die Haustür liefern. Weitere Informationen zur Pflegebox erhalten Sie in unserem Überblicksartikel Pflegehilfsmittel per Pflegebox - Unterstützung für Zuhause.

Darüber hinaus werden auch technische Hilfsmittel, wie etwa Hausnotrufsysteme, bezuschusst. Die Anschlussgebühr wird monatlich mit 10,46 Euro und der Betrieb mit 18,36 Euro pro Monat subventioniert. Eine Übersicht über weitere Pflegesachleistungen und Pflegehilfsmittel bietet das Hilfsmittelverzeichnis des Bundes der Gesetzlichen Krankenversicherungen.

Zusätzliche Leistungen bei häuslicher Pflege

  • Zuschuss zur Wohnraumanpassung
    Für eventuelle Umbauten barrierefreies Wohnen ermöglichen, können maßnahmenbezogen bis zu 4.000 Euro in Anspruch genommen werden. Dazu gehört beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau des Badezimmers. Bei steigender Pflegebedürftigkeit ist es möglich, den Zuschuss erneut zu beantragen.
  • Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel
    Auch Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben Anspruch auf Zuschüsse für Pflegehilfsmittel oder medizinische Hilfsmittel (z.B. ein Hausnotrufsystem) und eine Pauschale für den Kauf zum Verbrauch bestimmter Hilfsmittel in Höhe von monatlich 40 Euro, die häufig in Form einer Pflegebox bewilligt werden. Wie alle Pflegebedürftigen haben sie zudem Anrecht auf regelmäßige Beratung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität, die von der Pflegekasse bezahlt wird. Darüber hinaus steht Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen ein kostenloser Pflegekurs zu.
  • Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs
    Auch Betroffene in ambulant betreuten Wohngruppen oder sog. Senioren-WGs erhalten Pflegeleistungen zur Wohnraumanpassung, wenn bis zu vier Versicherte mit Pflegegrad gemeinsam in einer Wohneinheit untergebracht sind. Des Weiteren steht allen vier Bewohnern jeweils ein einmaliger Einrichtungszuschuss von 4.000 Euro zu, außerdem ein monatlicher Zuschuss für eine Haushaltskraft in Höhe von jeweils 214 Euro. Außerdem erhalten sie einen einmaligen WG-Gründungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro. Da die notwendigen Gesamtkosten jedoch häufig deutlich höher sind, ist zur vollständigen Abdeckung der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung sinnvoll.

Pflegepauschbetrag für Angehörige

Pflegende Angehörige, die keine Leistungen für die Pflege erhalten, können den jährlichen Pflegepauschbetrag steuerlich geltend machen, wenn sie Betroffene mit Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 unentgeltlich betreuen.

Mehr zum Pflegepauschbetrag >>

Leistungen bei stationärer Pflege

Ein Platz in einem Pflegeheim kostet in Deutschland durchschnittlich 2700 bis 3000 Euro. Um Angehörige und Pflegebedürftige finanziell zu entlasten, übernimmt die Pflegeversicherung bei Pflegegrad 4 1775 Euro, den Rest müssen Pflegebedürftige selbst tragen. Zusätzlich müssen Bewohner noch einen pflegebedingten Eigenanteil zahlen. Neben dem Eigenanteil variieren die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Da die gesetzliche Pflegeversicherung nicht alle anfallenden Kosten in der Pflege übernimmt, müssen Pflegebedürftige und Angehörige große Teile der Kosten selbst tragen. Eine private Pflegezusatzversicherung schließt Leistungslücken.

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