Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht?

Betreuungs­verfügung oder Vorsorge­vollmacht?

Wann sollten Sie eine Vollmacht ausstellen, und wann genügt eine Betreuungs­verfügung? Afilio erklärt, welche Art der Vorsorge in welcher Situation passt.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
16.05.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Für die rechtliche Vorsorge können Sie zwischen einer Betreuungsverfügung und der Vorsorgevollmacht wählen
  • Der Betreuer wird vom Gericht kontrolliert, er muss seine Entscheidungen absegnen lassen und kann jederzeit vom Gericht abgesetzt werden.
  • Der Bevollmächtigte kann eigenverantwortlich wichtige Entscheidungen treffen, er ist nur dem Betroffenen Rechenschaft schuldig.

Wer sich mit der eigenen Vorsorge auseinandersetzt, begegnet einer Vielzahl von Rechtskonstruktionen. Während die meisten Nutzer Sinn und Inhalt einer Patientenverfügung intuitiv verstehen, ist die Frage „Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht?“ immer wieder Gegenstand langwieriger Recherchen. Wir verschaffen Ihnen schnellen Überblick, was es mit den beiden Konstruktionen auf sich hat und welches der beiden Schriftstücke für Ihre individuelle Vorsorge am besten geeignet ist.

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Vorsorgevollmacht

Wie der Name sagt, handelt es sich bei der Vorsorgevollmacht um eine ausdrückliche Vollmacht. Der Vollmachtgeber versetzt damit eine Person seines Vertrauens in die Lage, sämtliche festgelegten Rechtsgeschäfte eigenverantwortlich und in seinem Sinne auszuführen.

Was ist eine Betreuungsverfügung?

Die Betreuungsverfügung hingegen legt eine Vertrauensperson als gerichtlich kontrollierten Betreuer fest. Hierbei handelt es sich um die Erfüllung einer gesetzlich vorgeschriebenen Verantwortungsrolle.

Unterschiede zwischen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung

  • Die Vorsorgevollmacht ist ab dem Zeitpunkt Ihrer Unterzeichnung rechtsverbindlich und unmittelbar gültig. Die Betreuungsverfügung hingegen hat empfehlenden Charakter. Das zuständige Gericht entscheidet, ob ein gewünschter Betreuer überhaupt angenommen (bestallt) wird. Lehnt das Gericht den gewünschten Betreuer wegen möglicher Interessenkonflikte ab, ist der inhaltliche Sinn der Betreuungsverfügung bereits hinfällig.
  • Ein Betreuer ist allein durch seine Benennung nicht zu irgendwelchen Entscheidungen berechtigt, während ein Bevollmächtigter eigenverantwortlich Entscheidungen im Sinne des Vollmachtgebers fällen darf.
  • Der Bevollmächtigte ist unabhängig, der Betreuer wird vom Gericht kontrolliert. D.h., es fordert nicht nur Rechenschaft für seine Entscheidungen, sondern verlangt auch Einblick in seine Vermögensverhältnisse, bevor es seine Bestallung genehmigt. Alle wichtigen Entscheidungen des Betreuers müssen darüber hinaus ebenfalls vom Gericht genehmigt werden. Die Position des Betreuers hängt vom Wohlwollen des Gerichts ab, seine Position ist keinesfalls unantastbar. Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass der Betreuer nicht länger für seine Aufgabe geeignet ist, kann es ihn jederzeit absetzen.

Welche Vorsorgemaßnahme sollte ich treffen?

Beide Konstruktionen haben Ihre Vor- und Nachteile. Die Grundfrage lautet: Wie sehr vertraue ich der Person, die für mich im Ernstfall sorgen soll? Schließlich kann es notwendig sein, komplexe und weitreichende Entscheidungen zu fällen, die nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch Partner und Kinder langfristig beeinflussen. Die Betreuungsverfügung ist sinnvoll für alle, die zwar keine umfassende Vollmacht über ihre Angelegenheiten ausstellen möchten, aber auch Einfluss auf die Frage nehmen wollen, wer vom Gericht als Betreuer bestellt wird. Der Vorteil: Alle wichtigen Entscheidungen des Betreuers müssen vom Gericht bewillig werden. Der Nachteil: Alle wichtigen Entscheidungen des Betreuers müssen vom Gericht bewilligt werden. Die Vorsorgevollmacht hingegen setzt eine Vertrauensperson ins Recht, auch die schwersten Entscheidungen selbständig zu fällen. Der Vorteil: Ein Bevollmächtigter wird im Idealfall ein Angehöriger sein, der nicht nur dem Betroffenen selbst sondern auch seinen nächsten Angehörige nahe steht. Sie können Ihre auch Vorsorgevollmacht ohne Notar aufsetzen - lediglicht in Immobilienangelegenheiten ist eine notariell beglaubigte Vollmacht erforderlich.

Betreuungsverfügung für den Notfall?

Obwohl Anwälte und Beratungsportale verschiedentlich davon abraten, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht parallel aufzusetzen, kann eine Betreuungsverfügung als zusätzliche Absicherung sinnvoll sein, wenn ein Bevollmächtigter seinerseits nicht länger imstande ist, die Interessen des Vollmachtgebers wahrzunehmen oder wenn der Verdacht besteht, der Bevollmächtigte würde nicht uneingeschränkt im Interesse des Vollmachtgebers handeln. In einem solchen Fall kann eine Betreuungsverfügung sicherstellen, dass eine Person die Betreuung übernimmt, die dem Betroffenen nahe steht.