Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Das brauchen Sie

Patienten­verfügung und Vorsorge­vollmacht: Das brauchen Sie

Während die Patienten­verfügung medizinische Einzelfälle regelt, richtet sich die Vorsorge­vollmacht an das rechtliche Umfeld. Wir erklären die Einzelheiten.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
13.06.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind unterschiedliche Dokumente mit unterschiedlichen Adressaten: Die Patientenverfügung richtet sich an Ärzte, die Vorsorgevollmacht vorrangig an das institutionelle und vertragliche Umfeld.
  • Mit der Patientenverfügung teilen Sie Ihren unmittelbaren Willen mit, mit der Vorsorgevollmacht delegieren Sie Entscheidungsbefugnis an eine Vertrauensperson.

Krankheit und Unfall können jeden von uns unerwartet in eine Situation bringen,in der wir auf Hilfe anderer angewiesen sind. Idealerweise wissen diejenigen,die uns zur Seite stehen, was wir wünschen und was nicht - und zwar gerade dann, wenn wir selbst nicht mehr in der Lage sind, unsere Bedürfnisse zu äußern. Dafür gibt es zwei entscheidende Vorsorgedokumente: Die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht. Wir erklären, welche Vorsorgemaßnahme zu welchem Zweck aufgesetzt wird.

Das ist die Patientenverfügung

Mit der Patientenverfügung wird geregelt, welcher Art und in welchem Umfang wir bestimmten medizinischen Behandlungen zustimmen, wenn wir nach Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage sind, unsere Entscheidungen selbständig mitzuteilen. Eine Patientenverfügung muss eindeutig sein. Das heißt, sie muss sich auf bestimmte Erkrankungsbilder eindeutig beziehen und klare Aussagen über gewünschte oder abgelehnte Behandlungsmethoden enthalten. Ist diese Voraussetzung erfüllt, ist sie verbindlich. Ein Arzt muss den geäußerten Behandlungswünschen folgen.

Das ist die Vorsorgevollmacht

Die Vorsorgevollmacht dient dazu, alle rechtlichen Belange für die Zeit zu regeln, in der wir nicht in der Lage sind unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Mit der Vorsorgevollmacht wird einer Vertrauensperson Vollmacht erteilt, uns z.B. gegenüber Behörden, Versicherungen, Vermietern oder Telekommunikationsanbietern zu vertreten und unsere Interessen in Vermögensangelegenheiten zu wahren. Die Vorsorgevollmacht sollte auch explizit dazu dienen, Ärzten einen verbindlichen Ansprechpartner zur Seite zu stellen,der im Bedarfsfall in medizinische Behandlungen einwilligen oder sie ablehnen kann. Typischerweise soll der Bevollmächtigte auch die Entscheidung über unseren Aufenthalt treffen können, etwa wenn es um die Frage geht, ob Sie in einem Pflegeheim untergebracht werden sollten.

Was ist der Unterschied zwischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht?

Der wesentliche Unterschied zwischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht besteht auf zwei Ebenen:

  1. Die Patientenverfügung teilt behandelnden Ärzten verbindlich mit, welche Behandlungsmethoden sie wünschen und welche sie ablehnen. Die Vorsorgevollmacht setzt eine Vertrauensperson in den Stand, in Ihrem Interesse Entscheidungen in Rechtsgeschäften zu treffen. Kurz: Die Patientenverfügung richtet sich an den Arzt, die Vorsorgevollmacht in erster Linie an alle anderen. Sie sorgen mit der Patientenverfügung dafür, dass Ärzte wissen, wie sie behandelt werden möchten,während Ihr Bevollmächtigter in der Lage ist, alle anderen Angelegenheiten zuregeln.
  2. Die Patientenverfügung hält Ihren eigenen unmittelbaren Willen fest, während Sie mit einer Vollmacht die Entscheidungsbefugnis an eine Vertrauensperson abtreten.