Vorsorge für alle: Wer sollte wie vorsorgen?

Vorsorge für alle: Wer sollte wie vorsorgen?

Wer sollte wie vorsorgen? Unser großer Überblick zeigt, welche Vorsorgedokumente in welcher Lebensituation wichtig sind.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
03.07.2018
Das Wichtigste in Kürze:
  • Vorsorge ist wichtig, damit Ihre Wünsche auch dann berücksichtigt werden, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind sich mitzuteilen. Vorsorgedokumente bieten Ihnen die Möglichkeit Vertrauenspersonen zu benennen und ggf. zu bevollmächtigen, damit sie in Ihrem Namen handeln und entscheiden zu können.

Vorsorge ist kompliziert? Nicht unbedingt! Gut ist es, rechtzeitig zu wissen welche Vorsorgedokumente in welcher Lebenssituation sinnvoll sind. Wir stellen in unserem Überblick die wichtigsten Vorsorgemöglichkeiten für unterschiedliche Lebensphasen und Familienkonstellationen dar.

Partner und Kinder sind nicht automatisch rechtliche Vertreter

Anders als landläufig vermutet sind Kinder und Ehepartner im Ernstfall nicht automatisch zur Vertretung berechtigt. Eine Vollmacht ist notwendig, damit die engsten Angehörigen im Sinne des Betroffenen handeln und entscheiden können. Immerhin sind sie rechtlich besser gestellt als unverheiratete Paare: Unabhängig davon, ob Sie ledig sind, verheiratet oder in einer soliden Beziehung leben - mit den richtigen Vorsorgedokumenten schaffen Sie Klarheit. Halten Sie nicht nur Ihre Wünsche zu Pflege und medizinischen Maßnahmen fest, sondern sorgen Sie auch dafür, dass eine Vertrauensperson Ihre Interessen wahrnimmt. Regeln Sie auch Ihren Nachlass. Bei Unverheirateten kann es sonst dazu kommen, dass der verbleibende Partner ohne Erbansprüche zurückbleibt. Schaffen Sie darum rechtzeitig Vertrauen, und sorgen Sie im Ernstfall für Klarheit bei Ärzten und Angehörigen.

Diese Fragen sind am wichtigsten:

  • Wer sorgt dafür, dass meine Wünsche berücksichtigt werden und kümmert sich um meine Bedürfnisse?
  • Wer verwaltet mein Vermögen und tätigt meine Bankgeschäfte?
  • Wer organisiert notwendigenfalls ambulante Hilfe oder einen Platz in einem Pflegeheim?
  • Wer trägt Sorge für meine Wohnung und verwaltet andere Verträge, etwa für Zeitung, Internet und Telefon?
  • Wer entscheidet über lebenskritische Operationen und medizinische Maßnahmen?

Gerade jüngere Menschen sind für den Notfall oft nicht oder nur unzureichend abgesichert. Damit Ihren persönlichen Wünschen unter allen Umständen entsprochen werden kann, ist eine frühzeitige Vorsorge entscheidend. Unser Rat: Nehmen Sie sich Zeit um sich mit Ihren Möglichkeiten zur Vorsorge auseinanderzusetzen! Sprechen Sie auch Freunde und Familie bei passender Gelegenheit an. Vorsorge ist wichtig und mit Afilio ganz einfach!

Welche Vorsorgedokumente gibt es?

  • Vorsorgevollmacht: Die Vorsorgevollmacht beschränkt sich nicht nur auf Ihre medizinische Versorgung. Sie können eine Person bevollmächtigen, sich darüber hinaus um Ihre Unterbringung, finanzielle Angelegenheiten, Rechtsgeschäfte und weitere Tätigkeitsfelder zu kümmern. Die Vorsorgevollmacht besteht auch nach dem Tod und muss von den Erben widerrufen werden.
  • Patientenverfügung: Die Patientenverfügung legt fest, wie Sie im Not- oder Pflegefall behandelt werden wollen und welche medizinischen Maßnahmen Sie ggf. definitiv ablehnen. Sie ist jederzeit widerrufbar und erlischt mit dem Tod.
  • Betreuungsverfügung: Mit einer Betreuungsverfügung können Sie dem Gericht einen Vorschlag machen, wer für Sie im Krankheits- oder Pflegefall bestimmte Aufgaben übernimmt, bis Sie wieder in der Lage sind, Ihre Interessen selbst wahrzunehmen. Des Weiteren können Sie festhalten, welchen medizinischen Maßnahmen und Behandlungen Sie zustimmen und welche Sie ablehnen. Die Betreuungsverfügung ist allerdings nicht rechtsverbindlich.
  • Pflegeverfügung: Mit der Pflegeverfügung halten Sie persönliche Vorlieben fest und leisten damit einem späteren Pfleger wertvolle Hilfestellung, wie Sie sich Ihr Leben im Alter vorstellen.
  • Sorgerechtsverfügung: Mit einer Sorgerechtsverfügung können Sie für minderjährige Kind einen Vormund bestimmen, der das Sorgerecht übernimmt, falls Sie und Ihr Partner vorzeitig versterben sollen.
  • Testament: In einem Testament halten Sie Ihren letzten Willen fest und bestimmen, wem Sie was vererben oder ob Sie ein Vermächtnis hinterlassen wollen.
  • Erbvertrag: Der Erbvertrag ist eine Verfügung von Todes wegen in Vertragsform. Er ist beurkundungsbedürftig. Anders als beim gemeinschaftlichen Testament können auch Personen einen Erbvertrag schließen, die nicht miteinander verheiratet sind. Der Vorteil: Der Erbvertrag sichert den verbleibenden Partner verbindlich ab.

Welche Vorsorgedokumente in welcher Lebenssituation?

Patientenverfügung

Vorsorgevollmacht

Betreuungsverfügung

Testament

Erbvertrag

Sorgerechtsverfügung

Pflegeverfügung

Unverheiratetes Paar, keine Kinder

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig, denn Zusammenlebende vertreten sich nicht gegenseitig.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Ein Muss, falls der Partner als Erbe gewünscht ist. Ist bei Unverheirateten nicht als gemeinschaftliches oder Ehegattentestament (Berliner Testament) errichtbar.

Notwendig und sinnvoll, wenn beide Partner sich gegenseitig beerben und die gemeinsamen Kinder oder andere Verwandte Schlusserben werden sollen.

Nicht sinnvoll.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Unverheiratetes Paar, mit gemeinsamen Kindern

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig, denn Zusammenlebende vertreten sich nicht gegenseitig.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Ein Muss, falls der Partner umfassend abgesichert und die Kinder zunächst von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen (Berliner Testament).

Notwendig und sinnvoll, wenn beide Partner sich gegenseitig beerben und die gemeinsamen Kinder oder andere Verwandte Schlusserben werden sollen.

Bei minderjährigen Kindern ein Muss, damit eine Vertrauensperson beim Tod beider Elternteile der Vormund wird.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Verheiratetes Paar / Lebenspartner, keine Kinder

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig, denn auch verheiratete und eingetragene Partner vertreten sich nicht automatisch gegenseitig.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Sinnvoll, um den Partner nicht nur über die gesetzliche Erbfolge, sondern umfassend abzusichern.

Nicht notwendig, das Testament erfüllt denselben Zweck. Lediglich denkbar, wenn beide Partner die Absicherung des anderen schon zu Lebzeiten zwingend verbindlich regeln möchten.

Nicht sinnvoll.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Verheiratetes Paar / Lebenspartner, mit Kindern

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig, denn auch verheiratete und eingetragene Partner vertreten sich nicht automatisch gegenseitig.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Ein Muss, falls der Partner umfassend abgesichert und die Kinder zunächst von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen (Berliner Testament).

Nicht notwendig, das Testament erfüllt denselben Zweck. Lediglich denkbar, wenn beide Partner die Absicherung des anderen schon zu Lebzeiten zwingend verbindlich regeln möchten.

Bei minderjährigen Kindern ein Muss, damit eine Vertrauensperson beim Tod beider Elternteile der Vormund wird.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Unverheiratetes Paar, mit nicht-gemeinsamen Kindern (Patchwork-Familien)

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig, denn Zusammenlebende vertreten sich nicht gegenseitig.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Ein Muss, falls alle Kinder erbrechtlich nicht im Sinne der gesetzlichen Erbfolge, sondern möglichst gleich behandelt werden sollen, oder aber wenn der verbleibende Partner umfassend abgesichert werden die Kinder zunächst von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen ( Berliner Testament).

Notwendig und sinnvoll, wenn beide Partner sich gegenseitig beerben und die gemeinsamen Kinder oder andere Verwandte Schlusserben werden sollen.

Sinnvoll, damit eine Vertrauensperson beim Tod beider natürlichen Elternteile Vormund wird.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Alleinerziehend, mit Kindern

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig und ratsam für alle, die einer nahestehenden Person uneingeschränkt vertrauen.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Nicht zwingend notwendig. Nur sinnvoll, wenn andere Personen als die eigenen Kinder im Erbe bedacht werden sollen.

Nicht sinnvoll.

Bei minderjährigen Kindern ein Muss, damit eine Vertrauensperson beim Tod beider Elternteile der Vormund wird.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Alleinstehend, ohne Kinder, mit Vertrauensperson

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig und ratsam für alle, die einer nahestehenden Person uneingeschränkt vertrauen.

Nicht zwingend erforderlich mit Vorsorgevollmacht. Sie kann aber eine Absicherung sein, um eine Vertrauensperson einzusetzen, wenn der Bevollmächtigte ausfällt.

Notwendig, falls andere Personen als Eltern, Geschwister als Erben eingesetzt werden sollen.

Nicht sinnvoll

Nicht sinnvoll.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Alleinstehend, ohne Kinder, ohne Vertrauensperson

Grundsätzlich für alle sinnvoll: Sie sorgt dafür, dass Ihre Wünsche zu medizinischen Behandlungen im Ernstfall klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

Notwendig, aber ohne Vertrauensperson nicht umsetzbar.

Notwendig und ratsam für alle ohne nahe Angehörige oder Vertrauensperson. Ein Betreuungsverein kann die Aufgabe der Betreuung übernehmen.

Notwendig, falls andere Personen als Eltern, Geschwister als Erben eingesetzt werden sollen.

Nicht sinnvoll.

Nicht sinnvoll.

Nicht zwingend notwendig, aber als ergänzende Maßnahme zur Lebensgestaltung im Alter sinnvoll.

Was sollte ich jetzt tun?

Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck. Doch je früher Sie sich mit der um Ihre persönliche Vorsorge auseinandersetzen, desto eher haben Sie die Gewissheit, dass Sie für alle Möglichkeiten gerüstet sind. Sie können auch jetzt ganz einfach Vorsorgedokumente erstellen - mit Afilio! Und wenn wir Ihnen mit den passenden Informationen zur Sterbegeldversicherung oder zur privaten Pflegeversicherung zur Seite stehen können, unterstützen wir Sie gern!