Skifahren: Diese Gefahren lauern zwischen Hüttengaudi und Skipiste

Skifahren: Diese Gefahren lauern zwischen Hüttengaudi und Skipiste

Wir verraten, wie Sie auf Nummer sicher gehen und sich für die kommende Wintersportsaison optimal absichern.

Jessica Djadavjee
Jessica Djadavjee
10.09.2019

Stürze gehören beim Ski- und Snowboarden zur Tagesordnung, insbesondere wenn die Sportler nicht sicher auf den Brettern stehen. Ein Tag auf der Piste geht zwar in der Regel glimpflich aus – dennoch kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, ausgelöst durch Unachtsamkeit und Leichtsinn. Verletzungen, die beim Skifahren entstehen, sind zudem in der Regel schwerwiegender als Haushaltsunfälle oder Arbeitsunfälle: Skifahrer erleiden weniger Zerrungen, dafür jedoch mehr Knochenbrüche. Aufwand und Kosten für Therapie mit anschließender Rehabilitation sind hier wesentlich höher. Wir verraten, wie Sie auf Nummer sicher gehen und sich für die kommende Wintersportsaison optimal absichern.

Lawinen, Unwetter, Steinschlag – Tödliche Gefahren abseits der Pisten

Unberührter Pulverschnee, freie Fahrt fernab hochfrequentierter Routen – für viele Skifahrer und Snowboarder bedeutet dies vollkommene Freiheit. Doch das Fahren abseits offizieller Pisten, das sogenannte „Freeriden“, ist lebensgefährlich. Die unpräparierten Pisten sind unvorhersehbar. Michael Lentrodt, Präsident des Verbandes deutscher Berg- und Skiführer erzählt: „Wir wundern uns oft, wie gefährlich Leute im Gelände unterwegs sind.“ Viele wissen Lentrodt zufolge nicht, wie knapp sie einer Katastrophe entgangen sind.

Schneesportler, die außerhalb präparierter Pisten abfahren, sind insbesondere durch Lawinenabgänge gefährdet. Kaum einer bringt das nötige Fachwissen und eine geeignete Technik mit, um das Risiko des Auslösens einer Lawine gering zu halten.

Wolfgang Pohl, Präsident des Deutschen Skilehrerverbandes, erklärt, welche Fähigkeiten für das Skifahren im freien Gelände notwendig sind: „Fundierte Kenntnisse in der Beurteilung der Schnee- und Lawinensituation, die Fähigkeit sich laufend orientieren und seine Routenwahl den aktuellen Verhältnissen anpassen zu können, sowie eine umfassende Erfahrung im praktischen Risikomanagement sind Grundvoraussetzungen.“

Stürze stehen beim Skifahren auf der Tagesordnung

Eine Statistik des Deutschen Alpenvereins aus dem Jahr 2017 zeigt die prozentuale Verteilung von Unfallursachen und Notfällen beim Skitourengehen in Deutschland, Schweiz und Österreich. Demnach ereigneten sich 56 Prozent der Unfälle in Folge eines Sturzes, 15 Prozent der Skifahrer verunfallten aufgrund einer Blockierung, 14 Prozent wegen körperlichen Beschwerden und 11 Prozent verunfallten durch Lawinen. Die Unfallanalyse der statistischen Auswertungsstelle für Ski-Unfälle (ASU) verzeichnet in der Skisaison 2017/2018 bis zu 44000 verunfallte deutsche Skifahrer, was einen Anstieg um 3 Prozent im Vergleich zur Vorsaison bedeutet, wobei diese Zahl nur Unfälle berücksichtigt, die einer medizinischen Behandlung bedurften.

Verletzungen beim Skifahren: Knie und Schulter besonders gefährdet

Verletzungen beim Skifahren betreffen hauptsächlich Knie und Schulter: Über 33 Prozent der Skifahrer verletzen sich im Kniebereich – die häufigste Verletzungsart ist dabei der Kreuzbandriss, der eine anspruchsvolle Operation und eine langwierige Rehabilitation nach sich zieht. Zehn Prozent der Skifahrer verletzen sich bei einem Unfall am Kopf, wobei dieses Risiko ganz einfach mit einem Helm zu minimieren wäre. Michael Berner vom Deutschen Skiverband moniert, dass die meisten Erwachsenen „Helmmuffel“ sind. Laut Berner tragen lediglich 23 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen ab 16 Jahren einen Helm – das sei äußerst fahrlässig, da vor allem Kopfverletzungen gravierende Folgen haben können und schneller zum Tode führen, als andere Verletzungen. Über 23 Prozent der Verletzungen ziehen sich die Wintersportler an der Hand oder am Unterarm zu und mehr als 17 Prozent verletzen sich im Bereich des Rumpfes. Ein geringeres Verletzungsrisiko besteht im Unterschenkelbereich: Über 9 Prozent der Verletzungen betreffen diese Körperregion.

Unfallrisiko beim Skifahren senken: So geht’s

Die meisten Unfälle geschehen aus Leichtsinn und Unachtsamkeit – die einfachste Art, das Unfallrisiko beim Skifahren zu senken, ist adäquates Verhalten. Insbesondere junge Abfahrtsläufer stürzen aufgrund von unachtsamen Fahrverhalten: 80 Prozent der Stürze und Unfälle sind darauf zurückzuführen.

Risiko Après-Ski: Erst Bier, dann Krankenhaus

Unter Alkoholeinfluss Ski fahren – keine gute Idee. Was nicht heißen soll, dass Sie auf die Après-Ski-Party verzichten müssen. Warten Sie mit dem Genuss von Bier und Cocktails, bis Sie der Piste für den restlichen Tag den Rücken kehren. Steigen Sie nicht alkoholisiert auf die Skier für die letzte Abfahrt– das kann schlimme Folgen haben. Unter Alkoholeinfluss verlieren Sie schnell die Kontrolle über die Bretter. Außerdem kann ein Unfall in alkoholisiertem Zustand rechtliche Folgen haben: In der Vergangenheit haben Versicherungen in diesem Fall bereits die Zahlungen verweigert.

Größte Vorsicht bei Herzproblemen – zu hohe Pulsfrequenzen vermeiden

Skifahrer ab 50 Jahren sollten beim Wintersport besonders vorsichtig sein, denn viele Menschen dieser Altersgruppe erreichen bei der Abfahrt mitunter Herzfrequenzen von mehr als 180 Schlägen pro Minute, was den Herzmuskel stresst und die Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst. Im schlimmsten Fall kann eine sehr hohe Herzfrequenz zu Herzrhythmusstörungen führen. Mediziner empfehlen deshalb älteren Wintersportlern auf risikoärmeren Skilanglauf umzusteigen.

Sehhilfen auch beim Ski- und Snowboardfahren tragen

Aus Angst, dass das teure Brillengestell oder die Brillengläser beim Skisport kaputt gehen, auf die notwendige Sehhilfe zu verzichten, ist der falsche Ansatz. Ein Blindflug über die Pisten birgt ein hohes Verletzungsrisiko – viel höher, als die Wahrscheinlichkeit, die Brille zu verlieren.

Krafttraining als Unfall-Prophylaxe betreiben

Was für viele Sportarten gilt, gilt gleichermaßen für das Skifahren: Körperliche Fitness schützt vor Verletzungen. Machen Sie sich deshalb rechtzeitig mit Krafttraining und Ausdauersport fit für die Skisaison.

Regelmäßig Pausen einlegen

Von morgens bis abends auf den Brettern zu stehen ist anstrengend – legen Sie deshalb regelmäßig Pausen ein und stärken sich mit ausreichend Flüssigkeit und Nahrung. Bei aufkommender Müdigkeit sollten Sie keinesfalls weiterfahren. Wenn Sie müde sind, sind Sie unkonzentriert und die Unfallgefahr ist wesentlich höher. Kein Wunder, dass die letzte Abfahrt am Ende eines langen Tages auf der Piste statistisch gesehen die gefährlichste ist.

Gelenke vor der Abfahrt aufwärmen

Wärmen Sie Ihre Gelenke vor der Abfahrt kurz auf – kalte Gelenke begünstigen Verletzungen. Ein netter Nebeneffekt eines kurzen Aufwärmprogramms: Die Sauerstoffversorgung der Netzhaut ist besser und schärft den Sehsinn; räumliches Sehvermögen, Kontrastempfindlichkeit und Bewegungssehen profitieren davon.

Technik ist das A und O: Stabiler Stand auf den Brettern

Neben körperlicher Fitness spielt auch die richtige Fahrtechnik eine große Rolle. Generell gilt, dass breitbeiniges Fahren das Verletzungsrisiko senkt. Ein breitbeiniger Stand erhöht die Stabilität beim Skifahren. Außerdem sollten Sie Falltechniken trainieren, um Stürze abzufangen – Skischulen bieten nicht umsonst spezielles Sturztraining an.

Clever vorgesorgt: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht abschließen

Trotz größter Umsicht und guter Vorbereitung birgt Wintersport ein großes Verletzungsrisiko – Sie können zudem in Situationen geraten, die Sie schwer beeinflussen können. Nach einem Sturz sind Sie mitunter auf pflegerische Hilfe oder die Entscheidungsfähigkeit eines Angehörigen angewiesen. Regeln Sie deshalb bereits im Vorfeld, in welchem Rahmen Sie bei Bedarf gepflegt werden wollen und welchen medizinischen Behandlungsmaßnahmen Sie zustimmen. Nehmen Sie die Last schwieriger Entscheidungen von den Schultern Ihrer Angehörigen und kümmern Sie sich rechtzeitig um eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – rechtssicher von Afilio!