Wer sollte wie vorsorgen?

July 3, 2018
2018-07-03
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Vorsorge ist wichtig, damit Ihre Wünsche auch dann berücksichtigt werden, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind sich mitzuteilen. Vorsorgedokumente bieten Ihnen die Möglichkeit Vertrauenspersonen zu benennen und ggf. zu bevollmächtigen, damit sie in Ihrem Namen handeln und entscheiden zu können.

Vorsorge ist kompliziert? Nicht unbedingt! Allerdings ist es sinnvoll rechtzeitig zu wissen, welche Vorsorgedokumente in welcher Lebenssituation sinnvoll sind. Wir haben in unserem Überblick die wichtigsten Vorsorgedokumente für die typischen Lebenssituationen zusammengestellt.

Partner und Kinder sind nicht automatisch rechtliche Vertreter

Anders als landläufig vermutet sind Kinder und Ehepartner im Ernstfall nicht automatisch zur Vertretung berechtigt. Eine Vollmacht ist notwendig, damit die engsten Angehörigen im Sinne des Betroffenen handeln und entscheiden können. Immerhin sind sie rechtlich besser gestellt als unverheiratete Paare: Im schlimmsten Fall kann es soweit kommen, dass der verbleibende Partner nach dem Tod des anderen ohne jegliche Erbansprüche zurückbleibt! Unabhängig davon, ob Sie ledig sind, verheiratet oder in einer soliden Beziehung leben - mit den richtigen Vorsorgedokumenten schaffen Sie Klarheit. Halten Sie nicht nur Ihre Wünsche zu Pflege und medizinischen Maßnahmen fest, sondern sorgen Sie auch dafür, dass eine Vertrauensperson Ihre Interessen wahrnimmt. Regeln Sie auch Ihren Nachlass. Das schafft Vertrauen und sorgt im Ernstfall für Klarheit unter Ihren Angehörigen.

Diese Fragen sind am wichtigsten:

  • Wer sorgt dafür, dass meine Wünsche berücksichtigt werden und kümmert sich um meine Bedürfnisse?
  • Wer verwaltet mein Vermögen und tätigt meine Bankgeschäfte?
  • Wer organisiert notwendigenfalls ambulante Hilfe oder einen Platz in einem Pflegeheim?
  • Wer trägt Sorge für meine Wohnung und verwaltet andere Verträge, etwa für Zeitung, Internet und Telefon?
  • Wer entscheidet über lebenskritische Operationen und medizinische Maßnahmen?

Gerade jüngere Menschen sind für den Notfall oft nicht oder nur unzureichend abgesichert. Damit Ihren persönlichen Wünschen unter allen Umständen entsprochen werden kann, ist eine frühzeitige Vorsorge entscheidend. Unser Rat: Nehmen Sie sich Zeit um sich mit Ihren Möglichkeiten zur Vorsorge auseinanderzusetzen! Sprechen Sie auch Freunde und Familie bei passender Gelegenheit an. Vorsorge ist wichtig und mit Afilio ganz einfach!

Welche Vorsorgedokumente gibt es?

  • Vorsorgevollmacht: Die Vorsorgevollmacht beschränkt sich nicht nur auf Ihre medizinische Versorgung. Sie können eine Person bevollmächtigen, sich darüber hinaus um Ihre Unterbringung, finanzielle Angelegenheiten, Rechtsgeschäfte und weitere Tätigkeitsfelder zu kümmern. Die Vorsorgevollmacht besteht auch nach dem Tod und muss von den Erben widerrufen werden.
  • Patientenverfügung: Die Patientenverfügung legt fest, wie Sie im Not- oder Pflegefall behandelt werden wollen und welche medizinischen Maßnahmen Sie ggf. definitiv ablehnen. Sie ist jederzeit widerrufbar und erlischt mit dem Tod.
  • Betreuungsverfügung: Mit einer Betreuungsverfügung können Sie dem Gericht einen Vorschlag machen, wer für Sie im Krankheits- oder Pflegefall bestimmte Aufgaben übernimmt, bis Sie wieder in der Lage sind, Ihre Interessen selbst wahrzunehmen. Des Weiteren können Sie festhalten, welchen medizinischen Maßnahmen und Behandlungen Sie zustimmen und welche Sie ablehnen. Die Betreuungsverfügung ist allerdings nicht rechtsverbindlich.
  • Pflegeverfügung: Mit der Pflegeverfügung halten Sie persönliche Vorlieben fest und leisten damit einem späteren Pfleger wertvolle Hilfestellung, wie Sie sich Ihr Leben im Alter vorstellen.
  • Sorgerechtsverfügung: Mit einer Sorgerechtsverfügung können Sie für minderjährige Kind einen Vormund bestimmen, der das Sorgerecht übernimmt, falls Sie und Ihr Partner vorzeitig versterben sollen.
  • Testament: In einem Testament halten Sie Ihren letzten Willen fest und bestimmen, wem Sie was vererben oder ob Sie ein Vermächtnis hinterlassen wollen.
  • Erbvertrag: Der Erbvertrag ist eine Verfügung von Todes wegen in Vertragsform. Er ist beurkundungsbedürftig. Anders als beim gemeinschaftlichen Testament können auch Personen einen Erbvertrag schließen, die nicht miteinander verheiratet sind. Der Vorteil: Der Erbvertrag sichert den verbleibenden Partner verbindlich ab.

Welche Vorsorgedokumente in welcher Lebenssituation?

Unverheiratete Paare ohne Kinder

  • Vorsorgevollmacht: Notwendig, denn Zusammenlebende vertreten sich nicht gegenseitig.
  • Betreuungsverfügung: Nicht notwendig, da in der Vorsorgevollmacht bereits ein Bevollmächtigter bestimmt werden kann. Sie kann aber eine zusätzliche Absicherung darstellen, um eine Vertrauensperson einzusetzen.
  • Patientenverfügung: Grundsätzlich immer empfehlenswert, damit Ihre Wünsche zu medizinischen Maßnahmen klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden können.
  • Testament: Ein Muss, falls der Partner als Erbe gewünscht ist. Ist bei Unverheirateten aber nicht als gemeinschaftliches oder Ehegattentestament (Berliner Testament) errichtbar.
  • Erbvertrag: Sinnvoll und rechtsverbindlich. Er kann nach dem Tod des einen Partners nicht mehr geändert werden und schafft damit unwiderruflich Sicherheit für den verbleibenden Partner.
  • Pflegeverfügung: Nicht notwendig, aber ratsam.

Verheiratete Paare und eingetragene Lebenspartner ohne Kinder

  • Vorsorgevollmacht: Notwendig, denn auch verheiratete und eingetragene Partner vertreten sich nicht automatisch gegenseitig.
  • Betreuungsverfügung: Nicht notwendig, da in der Vorsorgevollmacht bereits ein Betreuer bevollmächtigt werden kann, aber ratsam.
  • Patientenverfügung: Grundsätzlich immer empfehlenswert, damit Ihre Wünsche zu medizinischen Maßnahmen klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.
  • Testament: Sinnvoll, um den Partner nicht nur über die gesetzliche Erbfolge, sondern umfassend abzusichern.
  • Pflegeverfügung: Nicht notwendig, aber ratsam.

Verheiratete und unverheiratete Paare mit gemeinsamen Kindern

  • Vorsorgevollmacht: Notwendig, denn auch zusammenlebende Eltern vertreten sich nicht automatisch gegenseitig.
  • Betreuungsverfügung: Nicht notwendig, da in der Vorsorgevollmacht bereits ein Betreuer bevollmächtigt werden kann, aber ratsam.
  • Patientenverfügung: Grundsätzlich immer empfehlenswert, damit Ihre Wünsche zu medizinischen Maßnahmen klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.
  • Testament: Ein Muss, falls der Partner umfassend abgesichert und die Kinder zunächst von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen.
  • Sorgerechtsverfügung: Bei minderjährigen Kindern ein Muss, damit eine Vertrauensperson beim Tod beider Elternteile der Vormund wird.
  • Pflegeverfügung: Nicht notwendig, aber ratsam.

Unverheiratete Paare mit nicht-gemeinsamen Kindern (Patchwork-Familien)

  • Vorsorgevollmacht: Ein Muss, denn Zusammenlebende vertreten sich nicht gegenseitig.
  • Betreuungsverfügung: Ratsam, da in der Vorsorgevollmacht bereits ein Betreuer bevollmächtigt werden kann, dient als zusätzliche Sicherheit.
  • Patientenverfügung: Ratsam, damit Ihre Wünsche hinsichtlich medizinischer Maßnahmen klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.
  • Testament: Ein Muss, wenn alle Kinder erbrechtlich möglichst gleich behandelt werden sollen.
  • Sorgerechtsverfügung: Bei minderjährigen Kindern möglich, wenn gewünscht ist, dass beim Tod beider Partner eine Vertrauensperson Vormund wird. Anderenfalls ist nach dem Tod des einen Elternteils der jeweils verbleibende natürliche Vater oder Mutter alleinerziehungsberechtigt.
  • Pflegeverfügung: Nicht notwendig, aber ratsam.

 Alleinstehende mit Vertrauenspersonen

  • Vorsorgevollmacht: Ein Muss für alle, die einer nahestehenden Person uneingeschränkt vertrauen.
  • Betreuungsverfügung: Nicht notwendig, da in der Vorsorgevollmacht bereits ein Betreuer bevollmächtigt werden kann, ratsam als zusätzliche Sicherheit.
  • Patientenverfügung: Ratsam, damit Ihre Wünsche hinsichtlich medizinischer Maßnahmen klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden können.
  • Testament: Notwendig, falls gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollen.
  • Pflegeverfügung: Nicht notwendig, aber ratsam.

Alleinstehende ohne Vertrauenspersonen

  • Vorsorgevollmacht: Nicht notwendig, weil dafür eine Vertrauensperson notwendig ist.
  • Betreuungsverfügung: Ein Muss, denn andernfalls bestimmt das Gericht einen Betreuer.
  • Patientenverfügung: Ratsam, damit Ihre Wünsche hinsichtlich medizinischer Maßnahmen klar sind und in Ihrem Sinne umgesetzt werden.
  • Testament: Notwendig, falls andere Erben als Eltern, Geschwister eingesetzt werden sollen.
  • Pflegeverfügung: Ratsam, um Ihre Wünsche für ein Leben im Alter festzuhalten.

Alleinerziehende

  • Vorsorgevollmacht: Ein Muss, da andernfalls das Gericht einen gesetzlichen Vertreter bestimmt.
  • Betreuungsverfügung: Nicht notwendig, da in der Vorsorgevollmacht bereits ein Betreuer bevollmächtigt werden kann, ratsam als zusätzliche Absicherung.
  • Patientenverfügung: Ratsam, damit Ihre Wünsche bezüglich medizinischer Maßnahmen deutlich werden.
  • Testament: Ein Muss, falls andere Erben als die Kinder gewünscht sind.
  • Sorgerechtsverfügung: Bei minderjährigen Kindern ein Muss, insbesondere wenn der andere Elternteil als Vormund nicht infrage kommen soll.
  • Pflegeverfügung: Ratsam, aber nicht notwendig.

Was sollte ich jetzt tun? 

Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck. Doch je früher Sie sich mit der um Ihre persönliche Vorsorge auseinandersetzen, desto eher haben Sie die Gewissheit, dass Sie für alle Möglichkeiten gerüstet sind. Sie können auch jetzt ganz einfach Vorsorgedokumente erstellen - mit Afilio!

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