Wohnraumanpassung: Umbau mit der Pflegeversicherung

Wohnraumanpassung: Umbau mit der Pflegeversicherung

Kaum ein Haushalt ist von vornherein pflegegerecht oder barrierefrei. Doch mit dem Zuschuss zur Wohnraumanpassung der Pflegekasse lässt sich manches bewegen.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
22.08.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Mit der Wohnraumpassung unterstützen Pflegekassen gezielt die Fähigkeit von Pflegebedürftigen, ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu erleichtern.
  • Eine oder mehrere geplante Maßnahmen müssen dazu dienen, du häusliche Pflege zu ermöglichen oder die Selbständigkeit des Betroffenen zu erhöhen.
  • Dafür werden auf Antrag 4000 Euro bewilligt, bei Wohngemeinschaften sogar maximal bis zu 16.000 €.

Wohnraumanpassung: Badumbau mit Hilfe der Pflegeversicherung

Wer pflegebedürftig ist, ist häufig auch zunehmend bewegungseingeschränkt. Einfache Alltagsverrichtungen, die in früheren Zeiten selbstverständlich waren, werden zunehmend schwieriger. Gerade Treppen und Bäder stellen Pflegebedürftige vor große Herausforderungen, wenn es darum geht den eigenen Alltag für einen möglichst langen Zeitraum in den eigenen vier Wänden zu bewältigen. Um Betroffene dabei zu unterstützen, ihre eigene Wohnsituation den veränderten Bedürfnissen anzupassen, gibt es für Anspruchsberechtigte von den Pflegekassen einen Zuschuss zur Wohnraumanpassung bzw. zum barrierefreien Wohnen und Bauen, der entweder dazu dient, das eigene Zuhause alltagsgerechter zu gestalten oder ein pflegetaugliches Umfeld für pflegende Angehörige zu schaffen.

Die Pflegekasse hilft

Mit der Wohnraumpassung unterstützen Pflegekassen gezielt die Fähigkeit, ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Dafür werden auf Antrag 4.000 Euro bewilligt, die dazu genutzt werden können, das eigene Bad durch einen Umbau vom Bad zur Dusche einfacher begehbar zu machen, Treppenlifte einzubauen oder ggf. Türverbreiterungen vorzunehmen. Auf diese Weise trägt der Beitrag zur Wohnraumanpassung maßgeblich dazu bei, Maßnahmen die ambulante Pflege durch Pflegedienste überhaupt erst zu ermöglichen, bzw. die eigenständige Alltagsversorgung pflegebedürftiger Menschen zu erleichtern. Sinnvoll kann es auch sein, im selben Zuge einen Hausnotruf zu installieren.

Gesetzliche Grundlagen und Voraussetzungen

Die Wohnraumanpassung ist im SGB XI verankert. Im Rahmen der allgemeinen Pflegeleistungen können Betroffene mit Pflegegrad 2-5 Leistungen zur Wohnraumanpassung i.H.v. maximal 4.000€ in Anspruch nehmen. Damit soll vor allem die Selbständigkeit des Pflegebedürftigen verbessert werden, aber auch weitergehende Maßnahmen im Sinne der allgemeinen Barrierefreiheit können auf dieser Grundlage realisiert werden. Bei verändertem (also de facto höherem) Pflegebedarf kann entweder der gesamte oder ein Teilzuschuss erneut bewilligt werden.

Unabhängig davon, ob der Zuschuss erstmalig oder wiederholt bewilligt werden soll, ist es notwendig grundlegende Kriterien zu erfüllen:

  • Eine oder mehrere geplante Maßnahmen müssen dazu dienen, du häusliche Pflege zu ermöglichen
  • Die Investition erleichtert die häusliche Pflege in erheblichem Maße und reduziert Aufwand und Belastung für den Betroffenen und das Pflegepersonal, bzw. die pflegenden Angehörigen
  • Die avisierten Maßnahmen tragen dazu bei, eine selbständige Lebensführung zu ermöglichen.

Hilfe zur Wohnraumanpassung beantragen

Aus Sicht der Pflegekasse stellt jeder Umbau die Bewilligung einer Maßnahme dar – und das unabhängig davon, ob im Rahmen der Maßnahme ein einzelner oder mehrere Umbauten realisiert werden sollen. Darum kann es für Betroffene oder Angehörige praktisch sein, mehrere notwendige Umbauten auch auf mehrere Anlässe zu verteilen, um den Zuschuss zur Wohnraumanpassung wiederholt zu nutzen, ohne dass dafür ein zwingender Grund wie ein veränderter Pflegegrad vorliegen muss.

Diese Maßnahmen können bezuschusst werden (die genannten Leistungen stellen lediglich einen Auszug typischer Maßnahmen dar. Weitere Umbaumaßnahmen sind möglich.)

Badumbauten

  • Einbau einer barrierefreien Dusche
  • Umbau des Wannenbads von der Wanne zur Dusche
  • Einbau eines Badewannenlifts
  • Einbau einer barrierefreien Toilette
  • Einbau von Stützstangen, Bewegungshilfen und Handgriffen

Wohnraumumbauten

  • Einbau eines Treppenlifts
  • Einbau von Antirutschmatten oder trittsicherer Stufenflächen auf Treppen
  • Verlegung rutschfester Bodenbeläge
  • Erweiterung vorhandener Geländerführungen für beide Seiten
  • Einbau zusätzlicher, auch im Dunklen erkennbarer Lichtschalter

Wie oft kann ich den Zuschuss nutzen?

Bei einzelnen Betroffenen: Grundsätzlich wird der Zuschuss maßnahmenbasiert bewilligt – und das bis zur Höchstgrenze von 4.000€ pro Maßnahme, etwa beim Umbau vom Bad zur Dusche oder bei der Beseitigung von Stolperfallen oder echten Hindernissen im Haushalt. Doch damit ist der Zuschuss nicht letztgültig ausgeschöpft. Sobald sich der Zustand des Betroffenen verschlechtert und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Pflegesituation, bzw. der Selbständigkeit des Betroffenen angezeigt sind, kann der Zuschuss zur Wohnraumanpassung erneut beantragt werden.

Bei Wohngemeinschaften oder mehreren Pflegebedürftigen im selben Haushalt: Bilden mehrere Pflegebedürftige eine Wohngemeinschaft oder leben sie in einem gemeinsamen Haushalt, können zuschussfähige Maßnahmen auch gemeinschaftlich beantragt und gemeinsam finanziert werden. Bei vier oder mehr Mitbewohnern können bis zu 16.000€ pro Haushalt im Rahmen einer einzigen Maßnahme bewilligt werden. Derartig großzügige Mittel sind immer dann sinnvoll, wenn eine umfassende Maßnahme für den gesamten Wohnbereich umgesetzt werden soll – etwa die durchgehende Beseitigung von Weghindernissen, indem etwa sämtliche Türschwellen entfernt und durch neue Raumdurchgänge ersetzt werden. Aber auch Orientierungshilfen, der Austausch von nicht rutschsicheren Bodenbelägen oder ganzen Treppen kann in vielen Fällen dazu beitragen, die Selbständigkeit und Alltagssicherheit der Pflegebedürftigen in einer Wohnung nachhaltig zu erhöhen.