Erbschein beantragen – so machen Sie es richtig

Erbschein beantragen – so machen Sie es richtig

11.07.2019
Das Wichtigste in Kürze:

Ein Erbschein ist ein gerichtlicher Nachweis der erbberechtigten Personen und den Umfang Ihres Erbanspruchs. Nicht jeder Erbe benötigt einen Erbschein, z.B. wenn andere Dokumente ihn als rechtmäßigen Erben ausweisen. Um einen Erbschein zu beantragen, gibt es keine Frist - der Antrag kann jederzeit gestellt werden.

Im Erbschein steht, welche Personen zu welchen Teilen Anspruch auf das Erbe eines Verstorbenen haben – jedoch muss nicht in jedem Erbfall auch ein Erbschein beantragt werden. Wir erklären wann Hinterbliebene einen Erbschein beantragen müssen, um das Erbe antreten zu können und worauf dabei zu achten ist.

Erbschein beantragen - So wird’s gemacht

  1. Klären Sie, ob Sie einen Erbschein beantragen müssen: Angehörige benötigen den Erbschein, wenn der Verstorbene weder Testament noch Erbvertrag hinterlassen hat und die gesetzliche Erbfolge greift.
  2. Wenn Sie einen Erbschein benötigen, stellen Sie alle erforderlichen Dokumente für die Antragstellung zusammen (Personalausweis/ Reisepass, Sterbeurkunde des Erblassers, ggf. zusätzlich Testament/Erbvertrag, Geburtsurkunden der Erben, Sterbeurkunden bereits verstorbener Erben).
  3. Ziehen Sie bei Bedarf einen Notar zurate – das kostet zwar Gebühren, der Notar übernimmt dafür auch die Antragstellung.
  4. Füllen Sie den Erbscheinsantrag aus und reichen Sie ihn beim zuständigen Nachlassgericht ein (i.d.R. das zuständige Amtsgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen)
  5. Das Nachlassgericht stellt nach erfolgreicher Überprüfung den Erbschein aus.
  6. Mit dem Antrag auf Erbschein gilt das Erbe als angenommen. Mit der Annahme des Erbes wird u.U. Erbschaftssteuer fällig.

Warum muss ich einen Erbschein beantragen?

Ein Erbschein ist ein gerichtlicher Nachweis darüber, wer die erbberechtigten Personen eines Verstorbenen sind und gibt Auskunft darüber, wer in welchem Umfang Anspruch auf die Erblassenschaft hat (§ 2353 BGB). Der Erbschein ist also ein Schriftstück, das Erbstellung und Erbteil nachweist. Er wird benötigt, um im Rechtsverkehr den eigenen, berechtigten Erbanspruch zu beweisen und über einzelne Nachlassgegenstände verfügen zu können. Mit einem Antrag auf Ausstellung eines Erbscheins tritt ein berechtigter Erbe automatisch die Erbschaft an - damit ist es nicht mehr möglich, das Erbe auszuschlagen. Der Erbe tritt in die Rechtsnachfolge des Erblassers ein und übernimmt auch alle etwaigen Schulden. (Die Übernahme der Schulden kann nachträglich dann nur noch durch Bestellung einer Nachlassverwaltung eingeschränkt werden).

Banken und Versicherungen dürfen Erbschein nicht mehr zwingend einfordern

Ein Erbschein setzt den oder die Erben in den Stand Verträge des Verstorbenen zu übernehmen, um sie weiterzuführen oder ggf. zu kündigen. Das gilt auch für Versicherungen und vertragliche Regelungen mit Banken und anderen Instituten. Bis zum Jahr 2013 forderten diese dafür noch die zwingende Vorlage eines Erbscheins. Doch diese Praxis hat der BGH 2013 beendet. Seither genügt auch der Verweis auf ein notariell hinterlegtes Testament.

Testament: Liegt es vor, ist es nicht länger nötig einen Erbschein zu beantragen
Liegt ein Testament vor, ist es nicht erforderlich extra einen Erbschein zu beantragen.

Wer darf den Erbschein beantragen?

Jeder Erbe kann einen Erbschein beim Nachlassgericht beantragen. Entscheidend ist, dass der Antragsteller durch die gesetzliche Erbfolge einen berechtigten Erbanspruch geltend machen kann oder der Erblasser eine entsprechende Verfügung (Testament oder Erbvertrag) festgelegt hat. Wichtig: Vermächtnisnehmer und pflichtteilsberechtigte Personen können keinen Erbschein beantragen.

Wo kann ich ihn beantragen?

Den Erbschein wird beim zuständigen Amtsgericht des Ortes beantragt, an dem der Verstorbene zuletzt wohnhaft war - entweder in schriftlicher Form durch mündliche Vorsprache bei der zuständigen Stelle für Nachlassangelegenheiten am Amtsgericht. Alternativ können sich Erben an einen Notar wenden, der die Antragstellung regelt.

Was kostet es, einen Erbschein zu beantragen?

Für die Beantragung eines Erbscheins wird eine Gebühr erhoben, die in der Gebührentabelle B des Gerichts- und Notarkostengesetzes festgelegt ist (Nr. 12210 KV GNotKG), eine entsprechende Überblickstabelle ist auch in unserem Lexikoneintrag zum Erbschein zu finden. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach dem Nachlasswert. Etwaige Schulden werden dabei von der Höhe des Nachlasses abgezogen, Grundstücke hingegen zählen zum Nachlasswert dazu. Für die Kosten muss der Erbantragssteller aufkommen, bzw. alle Personen aus einer Erbengemeinschaft.

In welchen Fällen muss ein Erbschein beantragt werden?

Nicht alle Erben müssen einen Erbschein beim Nachlassgericht beantragen, das gilt etwa für Angehörige, die sich in anderer Form als rechtmäßige Erben ausweisen können. Generell gilt: Können Hinterbliebene ein Testament oder gerichtliches Eröffnungsprotokoll vorweisen, benötigen Sie keinen zusätzlichen Nachweis über ihren Erbanspruch (BGH-Urteil vom 8.10.2013 AZ: XI ZR 401/12). Bestand bereits zu Lebzeiten des Verstorbenen eine über den Tod hinaus geltende Kontovollmacht des Verstorbenen, muss der Bevollmächtigte ebenfalls keinen Erbschein bei der Bank vorlegen. Er kann bis zum Widerruf der Vollmacht durch die Erben über die Konten verfügen. Auch eine Vorsorgevollmacht kann diese Funktion übernehmen, wenn sie über den Tod hinaus gültig ist, z.B. um frühzeitig die persönlichen Versicherungen des Verstorbenen zeitnah zu kündigen, z.B. (Rechtsschutzversicherung oder private Unfallversicherung) oder die Mittel aus einer Sterbegeldversicherung verfügbar zu machen.

Gibt es eine Frist für die Beantragung eines Erbscheins?

Es gibt keine Frist, bis wann ein Erbschein beantragt werden muss. Erbberechtigte Personen können zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Antrag stellen. Sinnvoll ist es jedoch den Antrag zeitnah nach dem Tod eines Angehörigen zu stellen, um organisatorische Belange zu klären. Wer hingegen das Erbe ausschlagen will, muss das innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis über den Tod des Erblassers tun.

Familie am Grab
Familie am Grab: Erben mehrere Angehörige eines Verstorbenen, bilden Sie eine Erben­gemeinschaft.

Erbschein beantragen bei Erbengemeinschaft

Sobald eine Gruppe von Personen gemeinschaftlich erbt, wird im deutschen Erbrecht von einer Erbengemeinschaft gesprochen. Alle Personen einer Erbengemeinschaft sind berechtigt, einen Erbschein zu beantragen - den sogenannten Teilerbschein. Ein Teilerbschein beinhaltet nur Informationen, die den einzelnen Erben betreffen. Wollen die Erben einen Erbschein, der alle Informationen zur Erbschaft gebündelt enthält, muss ein Gemeinschaftserbschein beantragt werden.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Bevor das Nachlassgericht einen Erbschein ausstellt, überprüft es, ob der Antragsteller auch Anrecht auf einen Erbschein hat. Diese Unterlagen benötigen Antragssteller, um einen Erbschein zu beantragen:

  • Personalausweis/ Reisepass
  • Sterbeurkunde des Erblassers
  • Gegebenenfalls Testament/ Erbvertrag
  • Geburts- bzw. Sterbeurkunden der Erben sowie bereits verstorbenen Erben

Liegt ein Testament vor, wird seine Gültigkeit geprüft. Wenn die Erben über kein Testament verfügen, müssen sie entsprechende Unterlagen vorweisen, die sie als gesetzliche Erben legitimieren. Eine Witwe etwa muss eine Heiratsurkunde vorlegen, erbberechtigte Kinder eine Geburtsurkunde. Werden Enkelkinder zu Erben, weil ihre Eltern als eigentliche Erben des Erblassers bereits verstorben sind, müssen sie die Sterbeurkunden ihrer Eltern sowie ihre eigenen Geburtsurkunden vorlegen.

Ähnliche Artikel