Scheidung: Änderung und Aufteilung der (Alters-) Vorsorge

Scheidung: Änderung und Aufteilung der (Alters-) Vorsorge

22.01.2020

Zwar ist die Scheidungsrate seit einigen Jahren rückläufig, dennoch endet rund ein Drittel der Ehen in Deutschland mit dem Scheitern der Ehe. Umso wichtiger, dass Ehepaare vor oder unmittelbar nach ihrer Hochzeit nicht nur die Vorsorge im Todesfall klären, sondern auch für den Fall einer Scheidung.

Grundsätzlich gibt es gesetzliche Regelungen für Ehepaare, die geschieden werden, allerdings sind diese in der Praxis oft nicht ausreichend. Dazu zählt beispielsweise der Ehegattenunterhalt. Die Frage lautet in dieser Situation also nicht nur, welche Gelder nach der Scheidung fließen. Ebenso wichtig ist stattdessen, wie das bestehende Vermögen aufgeteilt wird, beispielsweise Geld auf den Konten, aber auch Lebensversicherungen, Betriebsrenten oder andere Formen der (Alters-) Vorsorge.

Nach der Hochzeit Vorsorge für alle Eventualitäten treffen

Wenn Ehepaare nach ihrer Hochzeit in ihr gemeinsames Leben starten, ist das ein optimaler Zeitpunkt, um Altersvorsorge, aber auch die Vorsorge für Todesfälle, Krankheiten oder andere Eventualitäten auf die neue Lebenssituation anzupassen. Spätestens, wenn Kinder geboren werden, sollten daher sämtliche Verträge, Sparpläne und ähnliches noch einmal neu überdacht werden.

Beispielsweise ist es in vielen Fällen sinnvoll, dass der Hauptverdiener eine Lebensversicherung abschließt, damit die Hinterbliebenen im Todesfall dennoch finanziell versorgt sind. Zudem investieren viele Ehepaare für ihre Altersvorsorge in Immobilien oder ein Elternteil kümmert sich ausschließlich um die Familie und kann dadurch nur wenige oder überhaupt keine Rentenansprüche aufbauen.

Sowohl bei einer Hochzeit als auch nach der Geburt eines Kindes sollte daher die Vorsorge überprüft und auf die neue Lebenssituation angepasst werden. Selbiges gilt bei einer Scheidung. Wenn es entgegen der Erwartungen doch keine gemeinsame Zukunft mehr gibt und das Paar sich auch nicht gegenseitig im Alter (finanziell) unterstützen wird, muss die Vorsorge fair aufgeteilt werden – sodass keiner von beiden jetzt oder in Zukunft in Armut leben muss.

Sind zudem die Kinder noch nicht erwachsen und stehen auf eigenen Beinen, müssen auch diese weiterhin ausreichend abgesichert sein. Bei einer Scheidung sollten sich die Betroffenen also nicht nur über den Unterhalt oder die Vermögensaufteilung einig werden, sondern auch bezüglich der Aufteilung oder Änderung ihrer (Alters-) Vorsorge.

Wie wird bestehendes Vermögen aufgeteilt?

Paar Scheidung Vertrag

Neben den gesetzlichen oder privaten Rentenansprüchen, die viele Menschen im Zuge ihres Berufslebens erwerben, ist für die meisten Personen ihr Vermögen die wichtigste Vorsorge für das Alter oder schwierige Lebensphasen wie eine schwere Erkrankung. Wie das Bankguthaben, eventuelle Immobilien und weitere Besitztümer bei der Scheidung aufgeteilt werden, hängt maßgeblich davon ab, welchen Güterstand das Paar vereinbart hat, insbesondere ob sich das Ehepaar für eine Gütertrennung anstelle der Zugewinngemeinschaft entschieden hat.

Zudem können sich aus einem bestehenden Ehevertrag eventuelle Sonderregelungen ergeben. Einen solchen aufzusetzen und dabei auch die Frage der Alters- und weiteren Vorsorge zu klären, ist daher in jedem Fall empfehlenswert.

Welche Änderungen der Vorsorge sind sinnvoll?

Ob es sich um eine Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung oder andere vertragliche Vereinbarung handelt, wirkt sich zudem auf einige Versicherungen aus. Wie bereits erwähnt, ist es bei einer Ehe mit großen Einkommensunterschieden zwischen den Ehepartnern meist sinnvoll, eine Lebensversicherung abzuschließen. Im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte fließen hohe Beträge in diese Lebensversicherung. Gelder, die im Fall einer Zugewinngemeinschaft oder ähnlichen Vereinbarung eigentlich beiden Ehepartnern gehören. Daher stellt sich die Frage, ob und wie solche Vorsorgemodelle bei einer Scheidung aufgeteilt werden müssen?

Prinzipiell gilt: Bei Versicherungen wie einer Kapitallebensversicherung, wo nach Ablauf eines gewissen Zeitraums eine große Summe ausbezahlt wird, muss auch dieses Vermögen ausgeglichen werden. Die Police wird also aufgeteilt, obwohl der Vertrag nur auf eine der beiden Personen abgeschlossen wurde.

Der einfachste Weg ist dann, diese entweder zu kündigen, was aber oftmals mit finanziellen Verlusten einhergeht, oder die Lebensversicherung zu verkaufen, wenn dafür die Voraussetzungen erfüllt sind. Wer will, kann natürlich auch den Vertrag behalten und den Ehepartner ausbezahlen. Allerdings muss dafür das Kapital vorhanden sein und die Lebensversicherung ist ohnehin meist nicht mehr sinnvoll, da fortan jeder Ehepartner seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten muss. Einzige Ausnahme stellt die Absicherung der Kinder dar, wenn diese zum Zeitpunkt der Scheidung noch minderjährig sind.

Handelt es sich hingegen um Versicherungen ohne Kapitalbasis, in deren Rahmen lediglich Rentenansprüche erworben werden, müssen diese nicht im Zugewinnausgleich aufgeteilt werden. Beispiele dafür sind die Risikolebensversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung.

Versorgungsausgleich: Aufteilung von Rentenansprüchen

Ehepaar Scheidung wenden sich voneinander ab

Allerdings greift dann der sogenannte Versorgungsausgleich. Hierbei handelt es sich um die Aufteilung aller Rentenansprüche, die während der Ehe erworben wurden – wenn die Zugewinngemeinschaft gilt. Bei einer Gütertrennung oder Sonderregelung durch einen Ehevertrag können hingegen andere Ansprüche gelten. Kommen jedoch die gesetzlichen Regelungen zum Tragen, müssen die Ehepaare nun nicht mehr bis zur Rente warten, damit ihre Bezüge endgültig aufgeteilt werden. Stattdessen regelt mittlerweile der Versorgungsausgleich, dass

  • alle während der Ehe erworbenen Rentenansprüche jeweils zur Hälfte zwischen den Eheleuten aufgeteilt werden.
  • diese Aufteilung sofort im Rahmen der Scheidung stattfindet und nicht erst zum Renteneintritt.
  • alle Ansprüche einer Altersrente aufgeteilt werden, was neben der gesetzlichen auch für eine private oder Betriebsrente gilt.
  • jeder Ehepartner in diesem Zuge ein eigenes Rentenkonto erhält, welches von jenem des früheren Ehepartners getrennt ist.
  • es keine Querverrechnungen mehr gibt, sprich die Rentenansprüche werden strikt jeweils zur Hälfte aufgeteilt, ohne das sogenannte „Rentnerprivileg“ oder andere Sonderregelungen, die lange Zeit gültig waren.

Wie bereits erwähnt, kann der Versorgungsausgleich aber durch einen Ehevertrag ersetzt werden. Bei der Gestaltung der Vertragsklauseln sind die Ehepartner frei. Sie können also die Aufteilung der Renten auch vollständig ausschließen, sofern sie sich einig sind. Viele Paare regeln beispielsweise, dass der Mann im Fall einer Scheidung keine Rentenansprüche abgeben muss, dafür aber die Frau das Haus behalten darf.

Besteht kein Ehevertrag, kann trotzdem durch eine Scheidungsfolgenvereinbarung eine andere Regelung als der Versorgungsausgleich getroffen werden. Nach der Aufteilung können natürlich beide Eheleute weitere Rentenansprüche erwerben, die dann nicht mehr geteilt werden müssen.

Fazit

Neben der Vermögensauseinandersetzung und Frage des Unterhalts ist also der Versorgungsausgleich einer der wichtigsten Punkte, die bei jeder Scheidung geregelt werden müssen. Es geht dabei nicht nur darum, für das bestehende Vermögen eine faire Aufteilung zu finden, sondern auch für jenes, das bereits angehäuft wurde, aber erst in Zukunft ausgezahlt wird.

Nicht nur die gesetzlichen Rentenansprüche müssen dabei ausgeglichen werden, sondern auch private Verträge wie Kapitallebensversicherungen oder private Rentenverträge. Es ist daher sinnvoll, schon beim Abschluss solcher Policen über den Scheidungsfall nachzudenken und entsprechende Regelungen in einem Ehevertrag festzuhalten.

Bestenfalls einigt sich das Paar also bereits vor beziehungsweise während der Ehe im Rahmen eines Ehevertrags über die Aufteilung ihrer (Alters-) Vorsorge. Ist dies nicht geschehen, kann die Frage während der Scheidung noch einvernehmlich über eine Scheidungsfolgenvereinbarung geklärt werden. Ist allerdings auch das nicht mehr möglich, greifen die rechtlichen Regelungen.

Unabhängig davon, in welcher finanziellen Situation sich die Geschiedenen anschließend befinden, sollten sie ihr individuelles Vorsorgekonzept neu überdenken und an die veränderte Lebenssituation anpassen. Wenn beispielsweise keine Kinder mehr abgesichert werden müssen, sind vielleicht Versicherungen überflüssig. In manchen müssen geringe Rentenansprüche ergänzt werden, um Altersarmut zu verhindern.

Schlussendlich steht jeder nach einer Scheidung wieder auf eigenen Beinen und das kann trotz der versuchten Fairness bei der Aufteilung für einen oder beide Ehepartner zu finanziellen Problemen führen. Um das zu verhindern, ist eine möglichst frühe Einigung über die Aufteilung von Vermögen und Vorsorge im Fall einer Scheidung zu empfehlen.

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