Lebensversicherung Auszahlung: Diese Möglichkeiten gibt es

Lebens­versicherung Auszahlung: Diese Möglichkeiten gibt es

17.06.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Wann eine Lebensversicherung ausgezahlt wird, hängt von der Art der Versicherung ab: Bei Kapitallebensversicherungen erfolgt die Auszahlung an den Versicherungsnehmer zum Ende der Laufzeit, bei Risikolebensversicherung an die Hinterbliebenen beim Tod der versicherten Person.
  • Wer eine Risikolebensversicherung kündigt, erhält keinen Rückkaufswert, weil die Beiträge keinen Sparanteil enthalten.
  • Bei der Kündigung einer Kapitallebensversicherung erhält der Kunde einen Rückkaufswert, es entstehen in der Regel aber finanzielle Verluste. Alternativen zur Kündigung sind der Verkauf der Lebensversicherung und in bestimmten Fällen die Rückabwicklung.
  • Bei einer älteren Kapitallebensversicherung mit guter Rendite kann es sich lohnen, die Auszahlung der Lebensversicherung abzuwarten. Bei Verträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, ist sie sogar steuerfrei.

Lebensversicherungen sind in Deutschland weit verbreitet. 2018 belief sich der Gesamtbestand an Verträgen laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) auf rund 83 Millionen. Mit einer Lebensversicherung baut sich der Kunde eine private Altersvorsorge auf und/oder sichert seine Hinterbliebenen für den Fall seines vorzeitigen Todes finanziell ab. Insbesondere die Kapitallebensversicherung, die als Kombination aus Vermögensaufbau und Todesfallschutz lange die am häufigsten verkaufte Lebensversicherung war, ist jedoch in den letzten Jahren immer mehr in die Kritik geraten: Der ehemals attraktive Garantiezins ist von ehemals 4 Prozent auf unter 1 Prozent gesunken, Überschussbeteiligungen gibt es kaum noch in nennenswerter Höhe, die steuerliche Begünstigung ist zumindest teilweise weggefallen. Viele Menschen, die eine Lebensversicherung besitzen, fragen sich darum, ob es sich überhaupt lohnt, sie zu behalten. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht – es kommt auf die Art der Lebensversicherung, auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und weitere Faktoren an. Wir erklären, was bei der Entscheidung zu beachten ist.

Wann wird die Lebensversicherung regulär ausgezahlt?

Wann eine Lebensversicherung laut Vertrag ausgezahlt wird, hängt davon ab, um welche Art von Versicherung es sich handelt. Denn im Bereich Lebensversicherungen gibt es zwei große Produktgruppen, bei denen sich der Versicherungsfall grundlegend unterscheidet: die Risikolebensversicherung und die Kapitallebensversicherung. Die Risikolebensversicherung dient ausschließlich dazu, Hinterbliebene abzusichern. Verstirbt der Versicherte während der Vertragslaufzeit, erhalten die Bezugsberechtigten eine feste Versicherungssumme. Die klassische Kapitallebensversicherung hingegen ist im Wesentlichen als Altersvorsorge für den Versicherungsnehmer gedacht: Er spart durch die Zahlung seiner Beiträge eine größere Summe an und erhält darauf einen Garantiezins. Am Ende der Vertragslaufzeit – man spricht auch vom „Erlebensfall“ – bekommt er die Versicherungssumme sowie eventuell eine Überschussbeteiligung und einen Bonus vom Versicherer. Wenn eine Kapitallebensversicherung über einen integrierten Hinterbliebenenschutz verfügt, was fast immer der Fall ist, spricht man auch von einer „gemischten Versicherung“: Sie leistet im Erlebens- und im Todesfall.

Kann man sich die Lebensversicherung vorzeitig auszahlen lassen?

Hände eines Mannes, die ein leeres Portemonnaie halten
Knapp bei Kasse? Die Lebens­versicherung zu Geld zu machen, ist zwar möglich, geht aber meist mit finanziellen Verlusten einher.

Auch hier kommt es wieder darauf an, ob die Lebensversicherung eine Risiko- oder eine kapitalbildende Versicherung ist. Die Risikolebensversicherung lässt sich zwar in der Regel problemlos kündigen, doch geht hierbei nicht nur der Versicherungsschutz verloren, sondern auch die eingezahlten Beiträge. Der Grund: Sie dienen einzig und allein der Risikoabsicherung, einen Sparanteil enthalten sie nicht. Tritt der Versicherungsfall während der Laufzeit nicht ein, ist das eingezahlte Geld weg – dasselbe gilt, wenn der Kunde den Vertrag kündigt. Wer nicht mehr in die Risikolebensversicherung einzahlen möchte, sollte sie also lieber beitragsfrei stellen lassen: Dann besteht immerhin ein eingeschränkter Versicherungsschutz, basierend auf den bisher gezahlten Beiträgen. In der Regel ist es auch möglich, die Beiträge zu stunden, sie also für eine gewisse Zeit auszusetzen und später nachzuzahlen, sodass der Versicherungsschutz uneingeschränkt bestehen bleibt.

Anders verhält es sich bei der kapitalbildenden Lebensversicherung: Hier besteht grundsätzlich die Möglichkeit, durch Kündigung oder Verkauf vorzeitig eine Auszahlung zu erhalten – allerdings nicht in voller Höhe. Die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme erhalten Kunden nur bei einer Auszahlung der Lebensversicherung am Laufzeitende. Darum gilt es, die Optionen sorgfältig abzuwägen und bei einem vorzeitigen Ausstieg die finanziellen Einbußen immerhin zu minimieren. Die lohnenswerteste Möglichkeit, sich das Geld aus einer Lebensversicherung vorzeitig auszahlen zu lassen, ist die Rückabwicklung. Sie ist allerdings nur dann möglich, wenn es sich um einen älteren Vertrag handelt, in dem der Kunde nicht bzw. fehlerhaft über sein Widerrufsrecht informiert wurde.

Auszahlung der Lebensversicherung zum Laufzeitende

Bei einem älteren Vertrag, der noch eine gute Rendite abwirft, kann es sich lohnen, auf die Auszahlung der Lebensversicherung zu warten: Sichere Geldanlagen sind heute längst nicht mehr so hoch verzinst. Beachten Sie allerdings, dass der Garantiezins Ihrer Lebensversicherung nicht auf den gesamten Beitrag gewährt wird, sondern nur auf den Sparanteil. Der restliche Anteil der Prämie deckt lediglich die Kosten für die Risikoabsicherung, die Verwaltung und den Vertragsabschluss, trägt aber nichts zu Ihrer Vermögensbildung bei.

Wenn Sie sich Ihre Lebensversicherung erst am Ende der Vertragslaufzeit auszahlen lassen, erhalten Sie zusätzlich zu der Versicherungssumme möglicherweise eine Überschussbeteiligung und einen Schlussbonus. Überschüsse erwirtschaften Versicherungsunternehmen, wenn sie Geld gewinnbringend anlegen oder es weniger Versicherungsfälle gab als angenommen. Ein Schlussbonus belohnt Kunden, die ihre Lebensversicherung bis zum Vertragsende behalten. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Auszahlung der Lebensversicherung am Laufzeitende sollten Sie allerdings bedenken, dass Überschüsse und Schlussboni nicht garantiert sind und immer weniger wahrscheinlich werden, weil die Versicherungsunternehmen in der aktuellen Niedrigzinsphase kaum Vermögen aufbauen können.

Älteres Paar sitzt mit einem Tablet auf dem Sofa
Neuabschlüsse lohnen sich bei Kapitallebens­versicherungen kaum noch. Haben Sie Ihre Police noch in Zeiten hoher Garantiezinsen abgeschlossen, kann die Lebens­versicherung bei der Auszahlung aber noch eine gute Rendite bringen.

Sind Sie mit Ihren Vertragskonditionen unzufrieden, kann ein vorzeitiger Ausstieg sinnvoller sein, als über Jahrzehnte hinweg einzuzahlen, nur um am Laufzeitende eine enttäuschend geringe Versicherungssumme und eine magere oder gar keine Überschlussbeteiligung zu erhalten. Tatsächlich wird etwa die Hälfte der in Deutschland abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen nicht zu Ende geführt. Das liegt nicht immer an schlechten Renditeaussichten, sondern mitunter auch an akuten finanziellen Engpässen. Wer sich die hohen Beiträge nicht mehr leisten kann, sollte allerdings zunächst prüfen, ob er mit einer Beitragsfreistellung oder einer Stundung besser beraten ist. Denn sowohl beim Verkauf als auch bei der Kündigung entstehen finanzielle Verluste. Falls Sie eine Lebensversicherung mit Zusatzversicherungen wie z. B. einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, beachten Sie, dass dieser Versicherungsschutz möglicherweise entfällt, während Sie die Beitragszahlung pausieren.

Auszahlung der Lebensversicherung bei Kündigung

Finanzielle Verluste lassen sich bei der Kündigung einer Lebensversicherung meist nicht vermeiden. Der Kunde erhält vom Versicherer den sogenannten Rückkaufswert – das ist der Wert, den die Lebensversicherung zum Zeitpunkt der Kündigung für den Versicherer hat und mit dem er die Rechte auf spätere Leistungen zurückkauft. Er berechnet sich aus den bereits eingezahlten Beträgen abzüglich der Verwaltungsgebühren und Kosten für den Vertragsabschluss sowie einer Stornogebühr. Gerade bei einer frühen Kündigung verlieren Sie also viel Geld, weil Sie noch keine Chance hatten, mit den Beiträgen etwas anzusparen: Etwa fünf bis zehn Jahre dauert es normalerweise, bis die Versicherungskosten abgegolten sind. Doch selbst wenn Sie bereits länger einzahlen und eine gewisse Summe angespart haben, erhalten Sie diese aufgrund der Stornierungsgebühr nicht in voller Höhe. In vielen Fällen liegt der Rückkaufswert unter dem, was Sie eingezahlt haben oder nur knapp darüber. Wie hoch der Rückkaufswert Ihrer Lebensversicherung aktuell ist, muss der Versicherer in der jährlichen Standmitteilung angeben. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Auszahlung der Lebensversicherung durch Verkauf

Eine Alternative zur Kündigung ist der Verkauf der Lebensversicherung an einen Investor oder eine Privatperson. Der Käufer übernimmt dadurch all Ihre vertraglich vereinbarten Rechte und Ansprüche aus der Lebensversicherung und erhält auch mögliche Überschussbeteiligungen und Boni. Ein Verkauf ist allerdings erst dann möglich, wenn Sie mit Ihren Beiträgen die Versicherungskosten bereits finanziert haben. Außerdem muss die Versicherung einen Rückkaufswert von mindestens 5.000 Euro besitzen und eine Restlaufzeit von höchstens 25 Jahren haben. Der Verkauf an einen Investor hat den Vorteil, dass Sie wenig Aufwand haben: Er übernimmt die Formalitäten, z. B. den Schriftverkehr mit dem Versicherer. Verkäufe an Privatpersonen kommen seltener vor, da es nicht so einfach ist, Interessenten zu finden. Achtung: Vorsicht vor unseriösen Käufern! Lassen Sie sich beim Verkauf Ihrer Lebensversicherung Zeit und holen Sie mehrere Angebote ein. Den Kaufvertrag, insbesondere das Kleingedruckte, sollten Sie gründlich prüfen, ggf. mit Hilfe eines Anwalts. Ansonsten ist die Gefahr groß, einem unseriösen Käufer auf den Leim zu gehen und herbe Verluste zu machen. Grundsätzlich sollten Sie sich auch von der Auszahlung aus dem Verkauf der Lebensversicherung nicht allzu viel erhoffen: Sie erhalten in der Regel nur wenig mehr als den Rückkaufswert.

Tipp: In unserem Ratgeber „Lebensversicherung verkaufen: So lohnt es sich für Sie“ erfahren Sie, wie Sie sich vor unseriösen Käufern schützen und wie Sie am meisten aus Ihrer Lebensversicherung herausholen.

Auszahlung der Lebensversicherung bei Widerruf

Verschiedene Euroscheine liegen übereinander
Sich die Lebens­versicherung vorzeitig auszahlen zu lassen, lohnt sich meist nur bei einer Rückabwicklung. Möglich ist diese bei älteren Verträgen mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung.

Der lukrativste Weg, seine Lebensversicherung zu Geld zu machen, ist die Rückabwicklung. Das bedeutet: Der Kunde erhält alle eingezahlten Beiträge zurück und darf vom Versicherungsunternehmen sogar einen sogenannten Nichtnutzungsersatz, also Zinsen, verlangen. Das gilt allerdings nur, wenn Sie Ihren Versicherungsvertrag zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 abgeschlossen haben und vom Versicherer dabei nicht oder nicht ausreichend über Ihr Widerspruchsrecht belehrt wurden. Der Bundesgerichtshof entschied in mehreren Urteilen, dass betroffene Verträge bis heute widerrufen werden dürfen, weil die Widerspruchsfrist aufgrund des Formfehlers gar nicht erst begonnen hat. Prüfen Sie also unbedingt, ob Sie Ihren Vertrag rückabwickeln können – das kann Ihnen Tausende Euro mehr einbringen als eine Kündigung oder ein Verkauf.

Gut zu wissen: Betroffen sind auch private Rentenversicherungen aus diesem Zeitraum. Falls Sie eine Riester- oder Rürup-Rentenversicherung besitzen und über eine Kündigung nachdenken, sollten Sie zuerst die Möglichkeit des Widerspruchs prüfen.

Fallen bei der Auszahlung der Lebensversicherung Steuern an?

Auch steuerlich werden Risiko- und Kapitallebensversicherungen unterschiedlich behandelt. Risikolebensversicherungen werden einkommenssteuerfrei an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Werden die gesetzlichen Freibeträge überschritten, kann allerdings eine Erbschaftssteuer fällig werden. Achtung: Der Rest des Erbes wird dabei mitgezählt. Bei Ehe- und eingetragenen Lebenspartnern gilt ein Freibetrag von 500.000 Euro, bei Kindern 400.000 Euro. Unverheiratete Paare oder Geschäftspartner, die sich ebenfalls mit einer Risikolebensversicherung absichern möchten, müssen im Normalfall Erbschaftssteuer bezahlen. Sie sollten den Vertrag „über Kreuz“ schließen, um von einer steuerfreien Auszahlung der Todesfallsumme zu profitieren. Dabei schließt jeder Partner einen Vertrag ab, in dem er der Bezugsberechtigte ist und der andere Partner die versicherte Person.

Bei Kapitallebensversicherungen wird nicht der gesamte Auszahlungsbetrag versteuert, sondern nur der Gewinn, den Sie dank Zinsen und ggf. Überschussbeteiligung sowie Schlussbonus erzielen. Er wird den Kapitaleinkünften zugerechnet, sodass in der Regel eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent sowie der Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer anfallen.

Wenn Sie einen älteren Vertrag besitzen, haben Sie eventuell Glück: Komplett steuerfrei ist die Auszahlung – und zwar nicht nur am Ende der Laufzeit, sondern auch bei Kündigung oder Verkauf – unter folgenden Voraussetzungen:

  • Sie haben den Vertrag bis einschließlich 31. Dezember 2004 abgeschlossen und den ersten Beitrag vor dem 31. März 2005 gezahlt.
  • Sie haben mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt.
  • Ihr Vertrag lief mindestens 12 Jahre.
  • Die Summe zur Absicherung der Hinterbliebenen macht mindestens 60 Prozent der Beiträge aus.
  • Sie haben den vollständigen Betrag auf einmal erhalten.

Für Verträge, die ab 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, sieht das Alterseinkünftegesetz eine Versteuerung der Erträge vor. Unter folgenden Bedingungen sind die Gewinne aber nicht voll, sondern nur zur Hälfte zu versteuern – und zwar nicht mit der Abgeltungssteuer, sondern dem persönlichen Einkommenssteuersatz:

  • Ihr Vertrag lief mindestens 12 Jahre.
  • Sie haben die Auszahlung erst im Alter von 60 Jahren bzw. bei Verträgen ab 2012 im Alter von 62 Jahren erhalten.
  • Wenn Ihr Vertrag ab dem 1. April 2009 geschlossen wurde, macht außerdem die Todesfallsumme mindestens 50 Prozent aller gezahlten Beiträge aus.

Weil der Versicherer zunächst die Abgeltungssteuer für den vollen Gewinn an das Finanzamt abführt, sollten Sie unbedingt eine Steuererklärung machen, falls die oben genannten Voraussetzungen auf Ihre Lebensversicherung zutreffen. Dabei können Sie sich auch den Freibetrag für Kapitaleinkünfte anrechnen lassen, der 801 Euro beträgt.

Achtung: Die Halbeinkünfteregelung gilt nur für Gewinne bei der regulären Auszahlung oder der Kündigung einer Lebensversicherung. Erträge aus dem Verkauf der Versicherung müssen voll versteuert werden – den Freibetrag können Sie sich aber anrechnen lassen.

Info: Wenn Sie über eine Auszahlung Ihrer Lebensversicherung nachdenken, weil Sie Geld für eine dringende Investition benötigen, sollten Sie über ein Policendarlehen nachdenken. Denn wenn Sie Ihre Lebensversicherung beleihen und die Summe später wie vereinbart zurückzahlen, bleibt Ihre Altersvorsorge erhalten.

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